AMDs Pläne für das kommende Jahr

Während Intel für das Jahr 2004 mit dem Prescott und dem Dothan alle Weichen auf 90 nm stellt, besinnt sich AMD weitestgehend auf alte Tugenden, bringt aber dennoch innerhalb der kommenden zwölf Monate einige interessante Prozessoren auf den Markt und wird zudem noch einen neuen Sockel einführen.

Getreu dem Motto "Schuster bleib bei deinen Leisten" wird man bei AMD auch 2004 alle Kraft in die AMD64-Architektur legen und diese durch einige Neuentwicklungen wohl erst so richtig in Fahrt bringen. Was bis jetzt nur Gerücht war, scheint sich langsam aber sicher zu bewahrheiten, so dass wir nochmals einen kleinen Überblick über die unmittelbare Zukunft AMDs gewinnen wollen.

Den Anfang machen, wie sollte es auch anders sein, die Prozessoren für den Mainstream- und den Lowcost-Bereich. Entgegen vieler Gerüchte wird man auch noch 2004 Prozessoren auf Basis des guten, alten Barton-Kerns produzieren; wohl nicht zuletzt um die große Anhängerschaft des Sockel A weiterhin mit leistungsstarken Prozessoren zu versorgen. Zudem lohnt sich dieser Schritt für AMD auch rein pekuniär, hat man doch die Fertigung dieser Prozessoren mittlerweile fast zur Perfektion getrieben und kann sie somit kostengünstig vertreiben. Und da Geiz bekanntlich geil ist, wird der sparbewusste Kunde dies AMD sicher danken. Ein Novum für 2004 wird hingegen ein neuer Filius sein. Dieser trägt den Codenamen "Paris" und basiert auf der neuen AMD64-Architektur, die mit dem Athlon 64 im September 2003 debütierte. Entgegen seinen großen Geschwistern wird dieser Prozessor zwar auch für den neuen Sockel 754 erscheinen, jedoch aber nicht die 64Bit-Erweiterung aufweisen. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass er wohl nur 256kB Level 2-Cache und einen Single-Channel-Speichercontroller an Board hat. Der Paris wird weiterhin in 0,13µm auf Basis des SOI-Verfahrens gefertigt und soll wohl in erster Linie die Verbreitung des neuen Sockel 754 auch im Unterklasse-Segment vorantreiben. Er soll im dritten Quartal 2004 mit dem Rating 2800+ erstmals erscheinen und jeweils immer ein Quartal später Ratings von 3000+ und 3200+ erhalten. Der weiterhin Athlon XP genannte Prozessor wird wohl bis ins Jahr 2006 fortgeführt und so dem Sockel 754 das Überleben sichern.

Die weiteren Vertreter der Mittelklasse hören auf die Namen Clawhammer und Newcastle. Während ersterer bereits im Athlon 64 3200+ erstmals eingesetzt wurde, wird der Newcastle wohl mit den in Kürze erscheinenden Athlon 64 3000+ sein Debüt feiern. Er wird im selben Produktionsverfahren wie der Clawhammer gefertigt, verfügt aber nur über 512kB-Cache. Die Einführung dieses Prozessors wird für AMD wohl vor allem finanzielle Vorteile haben, hat man so doch endlich eine Möglichkeit gefunden, die nicht ganz funktionstüchtigen Clawhammer-CPUs mit einem MB Level 2-Cache doch noch zu verkaufen. Beide Prozessor-Kerne werden auch noch 2004 im 0,13µm-Verfahren gefertigt werden und sind weiterhin für den Sockel 754 erhältlich. Für das Jahr 2004 plant AMD hingegen wohl auch die Migration beider Prozessoren auf den Sockel 939, wo sie letztendlich dann auch ein Dual-Channel-Speicherinterface erhalten werden. Laut Gerüchten wird der letzte Athlon 64 Prozessor für den Sockel 754 der Athlon 64 3700+ sein. Als Zeitpunkt für diesen Wechsel rechnet man mit dem zweiten Quartal des nächsten Jahres.

Je weiter das Jahr fortschreitet, desto größer wird AMDs Fokus auf den neuen Sockel 939 werden. So will man spätestens mit dem bereits erwähnten Newcastle-Core die Akzeptanz des neuen Sockels erhöhen und so das Gros der Sockel-939-Prozessoren mit 512kB Level 2-Cache ausliefern. Der erste Athlon 64 für diesen Sockel wird dann wohl neben einem geplanten 3400+ der 3700+ im zweiten Quartal sein, während man bis Anfang 2005 noch einen Athlon 64 4000+ und 4200+ ausliefern möchte. Zieht AMD diese Entwicklung konsequent durch, wird man nach dem zweiten Quartal 2004 keine neuen Prozessoren mit einem Single-Channel-Speicherinterface mehr vorstellen. Mit der Einführung des Sockel 939 möchte man ebenfalls den HyperTransport-Bus auf 1000 MHz erhöhen. Sind die Reserven des Newcastle verbraucht, tritt der Winchester auf und wird erstmals auch bei AMD in 90nm großen Strukturen gefertigt werden.

Natürlich wird auch der Athlon 64 FX im nächsten Jahr fortgeführt werden. So möchte man offensichtlich bereits im ersten Quartal mit dem FX-53 (Clawhammer) einen weiteren High-End-Prozessor auf den Markt werfen, der jedoch nun auf dem Sockel 939 und 940 basiert und neben einem MB Level 2-Cache auch ein Dual-Channel-Speicherinterface hat. Wie auch schon der FX-51 benötigt auch diese CPU in der 940er-Version weiterhin teuren Registered-Speicher, die Variante für den Sockel 939 kommt hingegen mit ganz normalem DDR400-DDRRAM aus. Um sich auch weiterhin gegen Intel wappnen zu können, wird AMD offensichtlich bereits im dritten Quartal 2004 den San Diego ausliefern. Dieser wird bereits in 90 nm breiten Strukturen gefertigt und wird nur noch für den Sockel 939 erscheinen. Mit weiteren Athlon FX-Prozessoren ist erst wieder im Jahre 2005 zu rechnen. Angesichts der Tatsache, dass Intel offensichtlich 2004 die Extreme Edition des Pentium 4 nicht mehr fortführen wird, ist dieser Schritt auch nicht weiter verwunderlich, fehlt doch die direkte Konkurrenz, die einen solch schnellen Prozessor nötig machen würde.

Werfen wir also einen Blick genau ein Jahr in die Zukunft. Wir schreiben den Dezember 2004 und AMD hat mittlerweile einige neue Prozessoren vorgestellt. Fakt wird wohl zu diesem Zeitpunkt sein, dass der Sockel 754 für den Mittelklasse-Bereich faktisch nicht mehr existieren wird, da AMD auch den normalen Athlon 64 auf den Sockel 939 umgestellt und ihm zusätzlich ein Dual-Channel-Speicherinterface spendiert hat. Besitzer eines solchen Boards werden sich wohl mit den neuen Athlon XPs auf Basis des Paris-Core begnügen müssen. Diese sind aber keine wirkliche Option, da sie ausschließlich mit einem Rating von bis zu 3000+ erhältlich sind. Im Rennen gegen Intels Prescott dürfte sich der Newcastle/Winchester als Geheimwaffe herauskristallisieren, verspricht sein schnelles Speicherinterface doch einen Performancezuwachs gegenüber dem Sockel 754-Clawhammer aus dem September 2003. Ob sich die Mehrinvestition in einen Athlon 64 FX weiterhin lohnen könnte, bleibt indes fragwürdig, unterscheidet er sich doch nur noch durch den doppelt so großen Cache von der Mittelklasse AMDs. Inwiefern Intel in der Schlacht um die schnellste CPU eine Rolle spielen wird, hat sich bereits mit dem Launch des Prescotts im Februar 2004 entschieden. Ob man in diesem Jahr noch den Tejas-Core bringen wird, steht in den Sternen. Auf dem Wunschzettel für Weihnachten steht auf jeden Fall DDR2-Speicher und eine Grafikkarte mit PCI-Express-Schnittstelle sowie ein Mainboard nach dem BTX-Standard.

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