Test: Nintendo Wii (10/15)

„Big N“ bringt Bewegung ins Spiel
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Beigelegt: Wii Sports

Manch einer mag in Wii Sports ob der simplen Grafik nur eine Art Technologie-Demo für die Funktionen des Wii-Controllers sehen. Tatsächlich war die Sportsammlung ursprünglich auch nur für die Demonstration von Wiis Fähigkeiten bestimmt. Da die Spiele aber sehr gut beim Publikum ankamen, wurden die einzelnen Disziplinen zum einem Paket zusammengeschnürt und als eigenständiges Spiel veröffentlicht – und das ist auch gut so. Amerikaner und Europäer erhalten Wii-Sports als Gratisbeilage im Paket der Wii-Konsole. Einzig der japanische Raum muss das Spiel bei Bedarf zusätzlich kaufen. Dieses Vorgehen ist für den Kunden ein zweischneidiges Schwert. So zahlt der japanische Kunde zwar deutlich weniger für die Wii-Konsole an sich, jedoch verpasst er unter Umständen eines der besten aktuell erhältlichen Partyspiele.

Wii Sports ist eine Sammlung von 5 verschiedenen Sportarten. So kann der Spieler wählen, ob er Tennis, Baseball, Golf, Bowling oder Boxen spielen möchte. Um dem Spieler einen extraleichten Einstieg in die Materie zu gewähren, beschränkt sich das Spiel auf die einfachsten Regeln des jeweiligen Sports und auch die Steuerung beläuft sich auf die wichtigsten Bewegungen. Mit Ausnahme des Boxen-Spiels werden die Sportarten nur mit der Wii-Fernbedienung gespielt. Mit dieser wird dann genau das getan, was man mit dem Sportgerät der jeweiligen Disziplin macht: in Tennis schwingt man einen imaginären Tennisschläger, beim Golfen wird mit der Wii-Fernbedienung abgeschlagen oder geputtet. Spielt man Baseball, holt man mit dem Controller zum Schlag aus oder wirft einen virtuellen Ball, während beim Bowling der Bewegungsablauf des Schwungholens und Werfens imitiert wird. Beim Boxen hingegen ahmt die Kombination aus Wii-Fernbedienung und Nunchuk-Erweiterung die beiden Boxhandschuhe des virtuellen Alter-Egos nach.

Und das ist dann auch schon fast alles, was es über die In-Game-Steuerung zu sagen gibt. Dabei muss man sich vor seiner Konsole nicht körperlich verausgaben, da für viele Aktionen nur eine kurze Bewegung des Handgelenks vonnöten ist. Diese extreme Vereinfachung macht es vor allem Anfängern äußerst einfach, erste Erfolge zu erzielen. Die extreme Beschränkung auf das Wesentliche der Sportarten birgt allerdings das Problem, dass nicht nur das spielerische Geschick des Menschen über Sieg oder Niederlage entscheidet. So kann es vor allem im Tennis vorkommen, dass die Spielfigur, auf deren sonstige Bewegungen der Spieler keinen Einfluss hat, nicht rechtzeitig zum Ball kommt. Außerdem ist die Steuerung nicht immer präzise, kann doch die kleinste unbedachte Handbewegung ungeahnte Folgen auf dem Bildschirm verursachen. Um den Einstieg ins Spiel zu erleichtern, werden sämtliche Bewegungsabläufe bei Spielbeginn mit einem neuen Charakter ausführlich erklärt. Als Charaktere stehen neben sechs vom Spiel vorgegebenen Figuren auch die auf der Konsole oder den angemeldeten Wii-Fernbedienungen gespeicherten Miis zur Verfügung. Von den selbst kreierten Miis wird leider nur der Kopf in das Spiel übernommen, so dass alle Figuren im Spiel gleich groß und gleich dick sind.

Die Grafik des Spiels ist ebenso wie die Soundausgabe Geschmackssache. Während es der Optik an Details mangelt, so birgt sie doch nicht zuletzt Dank der armlosen Kegelmännchen mit dem großen Kopf einen ganz eigenen Charme. Auch die Soundkulisse ist zweischneidig. Einerseits mangelt es überall an Hintergrundgeräuschen und auch die Hintergrundmusik ist nicht sonderlich ansprechend, andererseits trumpft das Spiel mit vergleichsweise akkuraten Soundeffekten aus dem Lautsprecher der Wii-Fernbedienung auf.

Der größte Kritikpunkt an Wii Sports ist aber der fehlende Tiefgang. Hat man jede Sportart mehrmals gespielt, vergeht so langsam die Freunde an der tollen Steuerung. Sicher, die Gegner werden schwerer, aber dennoch wird man das Verlangen nach „mehr“ nicht los. Ein wenig über diesen Umstand hinwegtrösten können das Training und der Fitness-Test. Im Training muss man je drei Übungen pro Sportart bestehen. Dazu zählen zielgenaues Zurückschlagen des Balls oder Ausdauerschlagen. Besonders spaßig sind dabei die Übungen beim Bowling. Mal müssen hier diverse Hindernisse auf der Bahn umbowlt werden, ein anderes Mal müssen bis zu über 90 Pins auf einmal abgeräumt werden. Der Fitness-Test hingegen besteht aus drei Zufallsübungen des Trainings. Je nachdem, wie gut der Spieler hier abschneidet, wird das sportliche Alter bewertet. Der Fitness-Test kann dabei nur einmal pro Tag und pro Charakter durchgeführt werden. Sind aber auch diese Spielmodi gemeistert und alle Goldmedaillen im Traing gewonnen, bietet das Spiel Einzelgängern nur noch sehr wenig.

Kommen wir nun aber zum größten Plus von Wii Sports, dem Mehrspieler-Modus. Allein der Tennis-Modus kann in Verbindung mit bis zu drei weiteren Spielern und entsprechend vielen Wii-Fernbedienungen über Stunden hinaus Spaß bringen. Doch auch mit einem einzigen Controller lass sich abendfüllende Mehrspieler-Partien gestalten, denn in Golf und Bowling kann der Controller einfach weitergereicht werden, wenn der nächste Spieler dran ist. Doch während Bowling immer wieder zu einer neuen Runde einlädt, sieht dies bei Golf etwas anders aus, da die 9 Löcher nur die ersten paar Male wirklich Spaß machen. Hier hätte Nintendo deutlich den Spielspaß erhöhen können, wenn man 2 oder 3 vollständige Golf-Kurse à 18 Löcher integriert hätte. Schade. Die anderen beiden Disziplinen beschränken sich auf Zwei-Spieler-Duelle. Und während es beim Boxen durchaus Spaß macht, den menschlichen Gegenspieler gehörig zu vermöbeln, ist es beim Baseball nicht viel anders, als wenn man gegen einen Computergegner spielt.

Insgesamt ist Wii Sports ein würdiger Starttitel für die neue Konsole und eine sinnvolle Ergänzung des Konsolenpaketes. Wer über die Detailarme Grafik hinwegsehen kann, wird mit einem tollen Spiel belohnt, das vor allem im Mehrspieler-Modus über einen sehr langen Zeitraum begeistern kann.