Asus Xonar D2 im Test: Mit Dolby Digital gegen Creative

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Pierre Wisnia (+1)
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EAX unter Windows Vista

Ein paar Worte zu Windows Vista dürfen in einem Soundkarten-Test nicht fehlen. Seit Januar 2007 ist Windows Vista im freien Handel erhältlich und Microsofts jüngster Spross der Windows-Familie bringt nicht nur eine neue Oberfläche und einige nützliche Veränderungen und Verbesserungen wie zum Beispiel ReadyBoost mit sich, sondern leider auch eine Vielzahl kleinerer und größerer Probleme. Eines davon besteht darin, dass Microsoft den gesamten Audiobereich in Windows Vista derart verändert hat, dass Soundeffekte, die mittels DirectSound berechnet werden, nur noch über eine Emulation dargestellt werden können, jedoch keinerlei Hardwareunterstützung erhalten. Dies wirkt sich nicht nur performancemindernd aus, sondern sorgt auch dafür, dass Zusatzeffekte, die ebenfalls auf DirectSound basieren, nicht mehr wiedergegeben werden können. Auch EAX ist davon betroffen. Viele Spiele mussten damit vorerst auf Raumklang verzichten, auch jene, die als Vorreiter ihres Genres, wie beispielsweise F.E.A.R., angesehen wurden und werden. Nicht betroffen sind jedoch Spiele, die von vornherein auf OpenAL setzen, um Audioinhalte zu präsentieren.

Als Lösung für dieses Problem veröffentlichte Creative „ALchemy“, ein Programm, das DirectSound-Audiodaten in OpenAL-kompatible Informationen umwandelt. Zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung war dieses Tool nur für X-Fi-Kunden gedacht, seit dem 3. Juli 2007 ist aber auch eine kostenpflichtige Version für Audigy-Besitzer erhältlich.

Auch Asus hat sich Gedanken zum Raumklang-Problem unter Vista gemacht. Das Ergebnis ist eine Treibererweiterung namens „DS3D GX“. Die Soundkarte soll die unter Vista nicht darstellbaren DirectSound-Effekte so wandeln, dass sie über die DS3D-GX-Erweiterung nutzbar werden. Der Vorteil gegenüber Creatives OpenAL-Wandler soll darin bestehen, dass OpenAL beziehungsweise ALchemy eine zusätzliche Installation auf dem Zielsystem benötigt und auch für das jeweilige Spiel eingerichtet werden muss, während DS3D GX in den Asus-Treiber integriert ist. Der Anwender soll so direkt nach der Treiberinstallation auch unter Windows Vista DirectSound, EAX und Raumklang nutzen können.

Anfangs war dieses Feature nur für die Asus Xonar D2X vorgesehen. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein PCI-Express-Ableger der Xonar-Reihe. Da DS3D-GX jedoch in den Treiber der Xonar-Serie integriert wurde, lag bereits zur Veröffentlichung der ankündigenden Pressemitteilung nahe, dass auch die Xonar D2 Unterstützung für DS3D-GX erhalten wird. Und seit Anfang Dezember 2007 finden sich die entsprechenden Treiber auf Asus' Servern, so dass Besitzer einer Asus Xonar D2 nun auch unter Windows Vista (DirectSound-) EAX-Effekte genießen können. Die Pressemitteilung, die auch eine Auswahl bislang unterstützter Spiele auflistet, ist seit dem 12. Dezember auf der Asus-Website zu finden.

Fazit

„Endlich!“, könnte man sagen. Endlich versucht sich wieder ein namhafter Hersteller daran, dem Quasi-Monopol des Soundspezialisten Creative den Kampf anzusagen. Und mit der Xonar D2 hat Asus einen sehr guten Start hingelegt. Die Soundkarte macht nicht nur optisch etwas her, sie kann auch technisch mit einigen Besonderheiten aufwarten. Features wie die beleuchteten Soundausgänge oder die Digital-Anschlüsse, die optische und koaxiale Ein- beziehungsweise Ausgänge zu einem Anschluss zusammenfassen, sorgen für Ordnung und helfen dem Nutzer beim Anschluss seiner Ausgabegeräte. Auch die Technik unter der sprichwörtlichen Haube weiß zu gefallen und erzeugt exzellenten Ton (Dolby Digital inklusive), während im Lieferumfang der Karte für fast alle denkbaren Aufgaben das nötige Zubehör dabei ist.

Asus Xonar D2 und MIDI-Bracket
Asus Xonar D2 und MIDI-Bracket

Problematisch ist die Einschätzung der Soundkarte aus der Sicht eines Spielers, denn leider unterstützt die Asus Xonar D2 den EAX- Standard nur bis zur Version 2.0. Der daraus folgende akustische Unterschied in Spielen, die die fortschrittlicheren Techniken bis EAX 5.0 Advanced HD unterstützen, ist zu deutlich wahrnehmbar und kann das Spielgefühl ebenso deutlich verändern. Ein zweites Manko der Xonar D2 ist die Performance, die sich beim Einschalten der „Environmental Audio Extensions“ ergibt – zumindest dann, wenn man die Karte mit Creatives aktuellem Aufgebot vergleicht. So laufen Spiele unter Einsatz der Karten aus der X-Fi-Serie im Durchschnitt etwa neun Prozent schneller als bei Nutzung der Soundkarte aus dem Hause Asus. Dies mag bei Spielen, bei denen die Bildwiederholraten jenseits von 100 Bildern pro Sekunde liegen, nicht so sehr ins Gewicht fallen. Will man jedoch die maximale Leistung aus seinem Rechner kitzeln, ist die X-Fi-Serie die bessere Wahl.

Insgesamt stellt die Asus Xonar D2 somit eine qualitativ sehr gute Alternative zu Soundkarten aus dem Hause Creative dar, die sich lediglich in der Spieleperformance noch verbessern muss und an der Tatsache krankt, dass Creative EAX – aus gutem Grund – nicht bis in aktuelle Versionen freigegeben hat. Für Aufrüstwillige, denen der Gedanke an eine PCI-Karte nicht zusagt, bietet Asus darüber hinaus mit der Xonar D2X eine Version für die modernere PCI-Express-Schnittstelle an, die bis auf den verwendeten Datenweg dieselben Features und Funktionen bietet wie die Xonar D2.

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