ComputerBase

Test: HTC Sensation

von Sasan Abdi

Vorwort

Die Reaktionen reichten von Empörung über Unverständnis bis hin zur Interpretation als taktisch kluges Vorgehen und einer sinnvollen Verzögerung: Die Rede ist von der unterschiedlichen Wahrnehmung jener Präsentation, die HTC auf dem Mobile World Congress 2011 [1] im Februar in Barcelona zum Besten gab.

Bemerkenswert ist dabei, dass viele dieser Wahrnehmungen um einen Begriff kreisten: „Dual-Core“. Der Grund hierfür ist, dass 2011 als das Jahr gelten kann, in dem Zwei-Kern-CPUs auch im Smartphone-Bereich Einzug halten. Dementsprechend präsentierte die HTC-Konkurrenz mit Geräten wie dem Samsung Galaxy S II [2] und dem Optimus Speed (LG, ComputerBase-Test [3]) spannende, top-ausgestattete Geräte, die insbesondere mit Dual-Core-Prozessoren auf sich aufmerksam machten.

Sensation: HTCs neues Flaggschiff
Sensation: HTCs neues Flaggschiff

Vor einem solchen Hintergrund wird deutlich, weshalb es für viele Beobachter so seltsam anmutete, dass HTC als einer der derzeit erfolgreichsten Hersteller mit einem vergleichsweise konventionellen MWC-Portfolio auftrat.

Die daraus resultierenden, unterschiedlichen Wahrnehmungen können aber seit dem 12. April 2011 als nunmehr irrelevant gelten. An diesem Tag stellte HTC in London das Sensation vor [4]: Ein erstes Dual-Core-Smartphone, das sich auf Basis einer soliden Ausstattung mit den Boliden der Konkurrenz auf Augenhöhe bewegen soll.

Im Folgenden wird zu klären sein, inwieweit das Sensation genau dies zu leisten vermag. Dabei soll allerdings auch herausgestellt werden, in welchem Maße das neue, potentielle Flaggschiff von HTC auch unabhängig von der Konkurrenz zu punkten vermag.

Spezifikationen

HTC Sensation
Typ: Bartype
OS: Android 2.3 / Sense 3.0
Display:
(Auflösung)
4,3", Super-Clear-LCD
960 × 540 Pixel
Display-Art: Touchscreen, kapazitiv
Bedienung: Touch, Knopfreihe
CPU / Chip: Dual-Core, 1,2 GHz (Qualcomm MSM 8260)
Arbeitsspeicher: 768 MByte
Speicher: ca. 1 GByte, per microSD-Karte erweiterbar
Verbindungen: GPRS/EDGE/UMTS/HSPA/WLAN/Bluetooth
Standards / Besonderheiten: HSPA (bis zu 5,76 Mbit/s Up-, bis zu 14,4 Mbit/s Download), WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 3.0+HS, DLNA, MHL
Kamera: 8 Megapixel, Doppel-LED-Blitz, VGA-Frontkamera, Videoaufnahme in 1080p
Akku (mAh): 1.520
Abmessung: 126,1 × 65,4 × 11,3 mm
Gewicht: 148 Gramm
Audio: .aac, .amr, .ogg, .m4a, .mid, .mp3, .wav, .wma
Video: .3gp, .3g2, .mp4, .wmv, .avi (MP4 ASP and MP3), .xvid (MP4 ASP & MP3)
SAR-Wert: 0,76 W/kg

Sensation im Überblick

Design & Verarbeitung

Der erste, flüchtige Eindruck, den wir bereits bei der Präsentation des Sensation hatten, bestätigt sich auch bei einer näheren Betrachtung des Sensation: In puncto „Design & Verarbeitung“ hat man es mit einem Standard-HTC-Gerät zu tun. Und das ist auch gut so.

Denn dementsprechend darf man sich sowohl über einen angenehmen Formfaktor, als auch über ein schickes Äußeres und eine solide Verarbeitung bzw. Materialwahl freuen. Bei ersterer setzen die Verantwortlichen bei Maßen von 126,1 × 65,4 × 11,3 mm und einem Gewicht von 148 Gramm auf einen gängigen, guten Kompromiss aus Nutzerkomfort bzw. Haptik und Portabilität.

Die Vorderseite wird dabei natürlich vom mit 4,3 Zoll großzügig dimensionierten Display eingenommen, das von einem in Klavierlack-Optik gehaltenen Rahmen umschlossen ist, der wiederum genauso wie die kratzfeste Glasscheibe bis unter die typische Soft-Touch-Knopfreihe reicht. Oberhalb befindet sich die für HTC typische ebenso langgezogene wie schmale silberne Hörmuschel, die von der VGA-Innenkamera und einer Status-LED flankiert wird. Insgesamt erinnert die Front stark an jene des Desire HD [5], mit dem feinen Unterschied, dass die Ecken hier ein klein wenig stärker abgerundet sind.

HTC Sensation: Schale und Hauptpart
HTC Sensation: Schale und Hauptpart

Auch die Rückseite fällt HTC-typisch aus. Hier findet sich sowohl der Hauptteil des in schwarzem Grau gehaltenen Alu-Bodys, als auch die aus gummiertem Kunststoff bestehenden Aussprungen für Antenne und Co. Weitere zentrale Elemente sind die kaum herausstehende 8-Megapixel-Kamera sowie der LED-Doppel-Blitz. Erwähnenswert ist, dass im Falle des Sensation nur je nach Definition tatsächlich von „Unibody“ die Rede sein kann: Einer strengen Auslegung nach muss ein Unibody sich bis zur Vorderseite eines Smartphones durchziehen. Dies ist beim Sensation nicht der Fall, da die Schale so konzipiert ist, dass der Hauptpart „eingelegt“ wird. Der „Body“ besteht dementsprechend „nur“ aus der Schale (siehe Bild oben). Der Wertigkeit des Gerätes tut dies aber keinen Abbruch.

An dieser Stelle kann der einzige Kritikpunkt der Konzeption identifiziert werden. Durch eine leichte, durch eine Abrundung entstehende Wölbung der rückwärtigen Schale und verstärkt durch die wenige Millimeter abstehende Kameralinse, liegt das Sensation niemals zu hundert Prozent gleichmäßig auf. Dies würde als solches zunächst nur Puristen stören, hat aber für all jene, die gerne auf einem auf einer Fläche liegenden Smartphone Eingaben vornehmen, den unangenehmen Nebeneffekt, dass das Gerät ab und an ein wenig kippelt. Hierbei handelt es sich um ein Detail, das viele potentielle Nutzer wahrscheinlich nicht einmal bemerken würden – benannt werden muss es aber dennoch explizit.

Rückseite des HTC Sensation
Rückseite des HTC Sensation

Die Schnittstellen sind wie folgt verteilt: Während die rechte Seite unberührt bleibt, finden sich linkerhand eine Standard-Lautstärkenwippe mit mäßigen Druckpunkt sowie der ungeschützte micro-USB-Slot. An der Stirnseite wurde die 3,5mm-Klinkenbuchse sowie der Power-Knopf platziert und auch die Unterseite bleibt, von einem kleinen Mechanismus zur Öffnung der Schale abgesehen, frei. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass man für Akku, SIM-Karte und Co. über diesen Mechanismus wie angedeutet die komplette Schale abnehmen kann – aus der Perspektive von allen Viel-Wechslern löblich, da so die von anderen HTC-Geräten bekannte, ebenso hakelige wie wackelige Plastik-Halterung für den Akku sowie das mit auffälligen Spaltmaßen verbundene Aufschieben eines Teilstückes entfallen.

Mit Blick auf die Konkurrenz lässt sich sagen, dass das Sensation insbesondere im Vergleich zum leichten, dünnen Samsung Galaxy S II [1] deutlich schwerer ist, da schlicht ein wertigeres Material Verwendung findet. Über das Für und Wider muss wie immer individuell entschieden werden – wir würden in dieser Hinsicht aber der Vorgehensweise von HTC den Vorzug geben.

Übrigens: Die vorab mancherorts besprochenen Konnektivitätsprobleme des Sensation [6], wonach die Abdeckung bestimmter Stellen der Rückseite des Gerätes die Empfangsleistung von WLAN und Bluetooth beeinflusst, fallen marginal aus. Will heißen: Mit einiger Anstrengung und bei tatsächlich äußerst geringer Signalstärke kann es sich tatsächlich auf die Verbindung auswirken, wenn die gummierten Stellen der Schale abgedeckt werden. Hierbei handelt es sich allerdings um ein Phänomen, dass sich derart schwer reproduzieren lässt, dass die allermeisten Nutzer niemals etwas davon mitkriegen dürften.

Bedienung & Display

Die Bedienung erfolgt natürlich auch im Falle des Sensation über das Display. In diesem Fall hat man es mit einem 4,3 Zoll großen sogenannten Super-Clear-LC-Display zu tun, das der Theorie nach Super-AMOLED-Pendants in nichts nachstehen soll. Komplementiert wird die Eingabe dabei wie gewohnt durch die Softtouch-Knopfreihe, die die gängigen Funktionen wie „Eigenschaften“, „Zurück“, „Home“ und „Suchen“ bietet.

Display-Werte
 Helligkeit max.:
Sony Ericsson Xperia Arc
394,0
Samsung Galaxy S II
371,0
HTC Sensation
350,0
Hinweis: Weißpunkt: 5898
Sony Ericsson Xperia Play
256,0
Angaben in Leuchtdichte (cd/m²)
 Helligkeit min.:
Samsung Galaxy S II
48,0
Sony Ericsson Xperia Play
23,0
HTC Sensation
14,6
Sony Ericsson Xperia Arc
8,0
Angaben in Leuchtdichte (cd/m²)
 Kontrast:
Samsung Galaxy S II
5.000,0:1
Hinweis: siehe Erläuterung unten
Sony Ericsson Xperia Play
1.280,0:1
Sony Ericsson Xperia Arc
596,0:1
HTC Sensation
538,0:1
Angaben in Kontrast

In puncto Display-Qualität bewegt sich das Sensation im oberen Mittelfeld. Die maximale Helligkeit ist mit 350 cd/m² als „gut“ zu bezeichnen, reicht allerdings nicht an jene Werte des Galaxy S II oder des Xperia Arc heran. Gleiches gilt für den Kontrast, bei dem das Sensation mit durchaus noch vertretbaren Werten in unserem – noch sehr kleinen Testfeld – den letzten Platz belegt, wobei das Galaxy S II dank der Kontraststärke von S-AMOLED (Plus) dominiert (man beachte dabei aber die unten stehenden Erläuterungen). Konkret bemerkbar macht sich dies im Alltag aber kaum. Insbesondere der sehr kritische Aspekt „Helligkeit“ sorgt bei starkem Tageslicht in diesem Fall nicht für eine im Vergleich zur Konkurrenz schlechtere Lesbarkeit, was auch darauf zurückzuführen ist, dass das Sensation vergleichsweise wenig spiegelt.

In diesem Kontext ist zudem anzumerken, dass der Testkandidat bei der Auflösung mit 960 × 540 Pixeln wiederum State-of-the-Art bietet, was einer scharfen, ansehnlichen Darstellung zugute kommt.

Erläuterungen zur Display-Betrachtung

Als optimalen Weißpunkt sehen wir D65 an, also eine Farbtemperatur von 6.500 Kelvin (K). Dies entspricht nach gängiger Definition einem mittlerem Tageslicht und ist der Weißpunkt der gängigen Farbräume sRGB und AdobeRGB. Eine Abweichung von einigen hundert bis etwa 1000 K ist bei Mobiltelefonen als noch akzeptabel anzusehen, einige Displays – bauartbedingt vor allem OLED-Modelle – liegen allerdings beim Weiß und noch mehr bei Grautönen oft im Bereich um 10.000 K, was bereits als deutlicher Blaustich wahrnehmbar ist. Sehr viele Displays von Smartphones und Notebooks treffen zwar den Weißpunkt von 6.500 K relativ genau, weichen aber bei Grautönen und anderen mittleren Farbtönen deutlich mit einem Blaustich ab. Vor allem bei gleichzeitigem Auftreten von Grau und Weiß ist diese ungleichmäßige Graubalance wahrnehmbar.

Gegenüber der LCD-Technik weisen OLED-Bildschirme einige Besonderheiten auf, die sich teilweise in unseren Messungen niederschlagen und erklärungsbedürftig sind. Zum einen ist das der bekanntermaßen hohe Kontrast, der bei OLED durch die selbstleuchtenden Pixel möglich ist – es gibt hier kein Backlight, welches durch das Panel mehr oder weniger stark abgedunkelt wird, sondern ein schwarz angesteuerter Pixel ist tatsächlich komplett schwarz und leuchtet nicht. Da das Kontrastverhältnis den Quotienten zwischen der Helligkeit von Weiß und Schwarz angibt, ergibt die Kontrastmessung bei OLED-Displays theoretisch eine Division durch Null und damit ein nicht definiertes Ergebnis – in der Praxis gibt es bei der Schwarzmessung immer eine gewisse Resthelligkeit durch Streulicht und ein Signalrauschen beim Messgerät, sodass Kontrastergebnisse im fünfstelligen Bereich entstehen. Da die Darstellung dieser Kontrastwerte im Balkendiagramm den irreführenden Eindruck erzeugen, der Kontrast wäre bei OLED sichtbar um viele Größenordnungen besser, haben wir uns entschieden als Kontrast maximal 5000:1 darzustellen und auf diese Erklärung zu verweisen. Im Alltag ist der Unterschied allenfalls in sehr dunklen Umgebungen deutlich wahrnehmbar, bei Tageslicht sind Faktoren wie die Reflexionen der Displayoberfläche wesentlich wichtiger.

Die zweite Besonderheit ist die beim derzeitigen Stand der Technik verhältnismäßig geringe Lebensdauer der blauen Leuchtelemente bei OLED-Displays. Dies veranlasst die Hersteller dazu, zur Steigerung der Lebensdauer bei einigen Displays die klassische RGB-Subpixelmatrix durch alternative Anordnungen abzulösen. Bekannt ist dabei beispielsweise Samsungs „PenTile“-Matrix, deren Hauptmerkmal die Vergrößerung der blauen und roten Subpixel ist – allerdings bei gleichzeitiger Halbierung ihrer Anzahl. Das bedeutet, dass bei gleicher Nennauflösung diese Displays eine geringere Anzahl von Subpixeln aufweisen als Displays mit der bewährten RGB-Matrix. Jeder Pixel verfügt weiterhin über seinen eigenen grünen Subpixel, teilt sich aber den jeweiligen roten und blauen Subpixel mit seinem Nachbarpixel. Das ganze führt bei gleicher Nennauflösung zu einer geringeren tatsächlichen Auflösung und an Kontrastkanten zu Farbsäumen, die vor allem die Lesbarkeit von Text deutlich verringern können.

Performance & Oberfläche

Mindestens genauso interessant wie die Darstellung ist bei der Betrachtung des Sensation aber auch die Arbeitsgeschwindigkeit, denn immerhin handelt es sich bei dem Gerät auf Basis einer 1,2-GHz-Dual-Core-Prozessor und 768 MByte Arbeitsspeicher auch aus dieser Perspektive um das gegenwärtige HTC-Flaggschiff, das auf dem Papier der Konkurrenz kaum nachsteht (dazu gleich mehr).

Grundsätzlich sei dazu auch in diesem Fall zunächst vermerkt, dass wir dem Thema „Benchmarks“ im Bereich der Smartphones mit einiger Skepsis gegenüberstehen und das nicht nur, weil die Aussagekraft von synthetischen Benchmarks selbst in einer homogenen Geräte-Gruppe mit gleichem Betriebssystem zumindest diskussionswürdig ist. Hinzu kommt, dass eine effektive Messung über die unterschiedlichen Plattformen methodisch schwierig ist und zudem eine sinnvolle Kategorisierung der Geräteklassen gefunden werden müsste – Faktoren, die verstärkend zu der Feststellung beitragen, dass die hier wie anderswo präsentierten Ergebnisse nur als Richtwert, nicht aber als ultimativ objektive Darstellung der Realität angesehen werden sollten.

In diesem konkreten Fall scheint es aber genauso wie beim Test des LG Optimus Speed und des Samsung Galaxy S II trotz der erwähnten Bedenken angebracht, mit „Quadrant Standard“, „Smartbench 2011“, „Linpack for Android“ und „Neocore“ (Achtung: hierbei handelt es sich um einen Qualcomm- und somit um einen direkten Hersteller-Benchmark, was bei der Betrachtung der Ergebnisse mit Blick auf mögliche Optimierungen stets im Hinterkopf behalten werden sollte) vier äußerst beliebte Android-Benchmarks heranzuziehen, um zu ermitteln, inwieweit sich der Testkandidat im Konkurrenten-Feld einordnen lässt. Dies ist umso relevanter, als dass sich die ermittelten Werte direkt mit jenen des Optimus Speed und des Galaxy S II vergleichen lassen; zu diesem Zweck werden letztere in einer separaten Farbe hervorgehoben.

Die Auswahl der Benchmarks leitet sich wie gewohnt nicht nur von der Beliebtheit, sondern auch von den Schwerpunkten ab: Während Quadrant und Smartbench auf die Gesamt-Performance abzielen und Smartbench die bisher nicht vorhandene Dual-Core-Optimierung von Quadrant ausgleicht, ermittelt Linpack die pure Rechenpower und Neocore zielt auf die 3D-Performance, sodass alle relevanten Aspekte abgedeckt werden. Das Kandidaten-Feld ergibt sich aus praktischen Erwägungen bezüglich der Verfügbarkeit der Geräte und wird zukünftig sukzessive ausgebaut werden.

Gemessen wurde gleich nach der ersten Geräte-Einrichtung, wobei aus jeweils fünf Messungen je Benchmark der schnellste Wert in die Wertung einfließt. Nach der Installation der Benchmarks wurde das Gerät neugestartet und für einige Minuten im Idle belassen; zwischen den Durchläufen je Benchmark wurde das Gerät ebenfalls jeweils neugestartet.

Android Benchmarks
 Quadrant Standard:
Samsung Galaxy S II (2.3)
3.067
LG Optimus Speed (Android 2.2)
2.463
HTC Sensation (2.3.3)
2.005
HTC Desire HD (Android 2.2)
1.955
Sony Ericsson Xperia Arc (Android 2.3.2)
1.375
Sony Ericsson Xperia Play (Android 2.3.3)
1.368
Google Nexus One (Android 2.2)
1.263
Samsung Galaxy S I9000 (2.2.1)
1.124
HTC Desire S (Android 2.3.3)
1.114
HTC Desire (Android 2.2)
1.013
HTC Wildfire S (Android 2.3.3)
694
Angaben in Punkten
 Smartbench 2011 (Produktiv):
Samsung Galaxy S II (2.3)
3.862
LG Optimus Speed (Android 2.2)
2.348
HTC Sensation (2.3.3)
1.986
HTC Desire (Android 2.2)
1.112
Google Nexus One (Android 2.2)
1.044
Sony Ericsson Xperia Arc (Android 2.3.2)
1.015
Sony Ericsson Xperia Play (Android 2.3.3)
1.006
HTC Desire S (Android 2.3.3)
1.002
Samsung Galaxy S I9000 (2.2.1)
875
HTC Desire HD (Android 2.2)
744
HTC Wildfire S (Android 2.3.3)
332
Angaben in Punkten
 Smartbench 2011 (Games):
LG Optimus Speed (Android 2.2)
2.494
Samsung Galaxy S II (2.3)
2.297
Samsung Galaxy S I9000 (2.2.1)
2.247
HTC Sensation (2.3.3)
1.679
Sony Ericsson Xperia Play (Android 2.3.3)
1.428
Sony Ericsson Xperia Arc (Android 2.3.2)
1.403
HTC Desire S (Android 2.3.3)
1.313
HTC Desire HD (Android 2.2)
797
Google Nexus One (Android 2.2)
634
HTC Desire (Android 2.2)
487
HTC Wildfire S (Android 2.3.3)
428
Angaben in Punkten
 Linpack for Android:
HTC Sensation (2.3.3)
44,16
Samsung Galaxy S II (2.3)
43,4
HTC Desire S (Android 2.3.3)
41,3
LG Optimus Speed (Android 2.2)
37,2
Sony Ericsson Xperia Play (Android 2.3.3)
36,1
HTC Desire HD (Android 2.2)
35,3
Sony Ericsson Xperia Arc (Android 2.3.2)
34,8
Google Nexus One (Android 2.2)
31,2
HTC Desire (Android 2.2)
23,1
Samsung Galaxy S I9000 (2.2.1)
13,7
HTC Wildfire S (Android 2.3.3)
7,4
Angaben in MFLOPS
 Neocore:
LG Optimus Speed (Android 2.2)
73
Samsung Galaxy S II (2.3)
59,8
Sony Ericsson Xperia Play (Android 2.3.3)
59,8
HTC Sensation (2.3.3)
58,4
Sony Ericsson Xperia Arc (Android 2.3.2)
58,4
HTC Desire S (Android 2.3.3)
58,1
HTC Desire HD (Android 2.2)
56,1
Samsung Galaxy S I9000 (2.2.1)
55,5
HTC Wildfire S (Android 2.3.3)
35,6
Google Nexus One (Android 2.2)
27,7
HTC Desire (Android 2.2)
27,5
Angaben in Bilder pro Sekunde (FPS)

Bei der Betrachtung der Ergebnisse zeigt sich, dass das Sensation in nahezu jedem Benchmark hinter der von uns bereits behandelten Dual-Core-Konkurrenz zurückliegt. Dies überrascht insofern, als dass der Testkandidat mit einem MSM8260 aus dem Hause Qualcomm über eine 1,2 GHz Doppel-Kern-CPU sowie die aktuelle Adreno 220 GPU verfügt und somit eigentlich nur in puncto Arbeitsspeicher (786 MByte) ein wenig schlechter ausgestattet ist.

Während es auch dieses Mal nicht sonderlich sinnvoll erscheint, einzelne Werte detailliert zu diskutieren, lässt sich daraus in der Gesamtschau doch ableiten, dass das LG Optimus Speed und das Samsung Galaxy S II scheinbar über etwas größere Leistungskapazitäten verfügen. Da das Sensation in den eher prozessorlastigen Tests besser zu den Konkurrenten aufschließen kann bzw. sie dort sogar übertrumpft (Linpack), bei den grafikintensiven allerdings deutlicher zurückfällt, liegt die Feststellung nahe, dass Adreno 220 gegenüber der Mali-400- (Galaxy S II) bzw. GeForce-GPU (Optimus Speed) den Kürzeren zieht, wobei einschränkend angemerkt werden muss, dass auf dem Sensation eine etwas höhere Auflösung bedient werden muss. Hierbei handelt es sich jedoch um eine Feststellung, die nicht nur mit Blick auf das Erscheinungsdatum der jeweiligen SoCs – der MSM8260 wurde erst in diesem Jahr von Qualcomm auf den Markt gebracht – sondern vor allem aufgrund der theoretischen Potenz von Adreno 220 zu kurz greift. Stattdessen wird hier – gerade mit Blick darauf, dass das Sensation in anderen Tests auf Basis von GLBenchmark 2.0 besser abschneidet als die Konkurrenz – eindrücklich belegt, dass Benchmark-Ergebnisse grundsätzlich im Smartphone-Kontext mit größter Vorsicht zu genießen sind.

Verlässt man sich dennoch einzig und allein auf den Faktor „Benchmarks“, so lässt sich trotz dieser diskussionswürdigen Punkte festhalten, dass das Sensation leistungstechnisch vergleichsweise eindeutig hinter der direkten Konkurrenz zurückliegt. Doch muss zugleich angemerkt werden, dass sich die hier ermittelte Differenz effektiv zu keiner Zeit bemerkbar macht. Da Smartphone-Nutzer gegenwärtig ohnehin noch nicht in vollem Umfang von dem gegenwärtig stattfindenden Leistungsschub profitieren, machten sich die Ergebnisse bei der Bedienung des Sensations zu keiner Zeit bemerkbar. Dennoch muss festgehalten werden: Vor einem auf Benchmark-Ergebnissen orientierten Leistungshintergrund fährt man ganz offensichtlich sowohl mit dem Galaxy S II als auch mit dem Optimus Speed besser.

In Sachen Betriebssystem bzw. Oberfläche gibt es nicht allzu viel Neues zu vermelden. Hier kommt die für Smartphones gegenwärtig aktuellste Android-Version 2.3.3 zum Einsatz; erwähnenswert ist aber vor allem die HTC-eigene Benutzeroberfläche Sense, die sich im Smartphone-Kontext auf dem Sensation zum ersten Mal in freier Wildbahn zeigt.

Sense 3.0: Neuer Lockscreen
Sense 3.0: Neuer Lockscreen

Die Neuerungen, die Sense 3.0 mit sich bringt, fallen keineswegs gravierend aus, unterstreichen aber die ohnehin schon vorhandene Kompetenz sowie den Komfort der UI. Dazu gehören unter anderem ein visuell überarbeiter Lockscreen, der mehr und individuell anpassbare Informationen bereithält sowie ein optisch ebenfalls noch einmal überarbeitetes Wetter-Widget. Zudem erwähnenswert ist die Integration vom Video-on-Demand-Dienst HTC Watch, über den über kurz oder lang unter Anwendung eines noch nicht näher definierten Vergütungsmodells Video-Inhalte abgerufen werden können.

Multimedia

Die Kamera galt lange Zeit als Schwachpunkt von nahezu allen HTC-Geräten. Dabei handelt es sich um einen der großen Mythen aus der Welt der Smartphones, da die Qualität sich bei ebendiesen Geräten genauso wie beim Gros der Konkurrenz in schlichtweg mittelmäßigen Gefilden bewegte.

Allerdings lässt sich in der Tat erkennen, dass HTC seit dem Sommer vergangenen Jahres mit in dieser Hinsicht zunehmend besseren Ergebnissen aufwarten kann. So gilt auch für die 8-Megapixel-Kamera des Sensation, dass sich gerade bei guten Lichtverhältnissen vergleichsweise ordentliche Ergebnisse erzielen lassen. Mit dem kraftvollen LED-Doppel-Blitz ist man auch in dunkleren Umgebungen nicht aufgeschmissen – für mehr als Schnappschüsse reicht es dabei allerdings erwartungsgemäß nicht. Etwas nervig ist die angeblich noch mal verbesserte Auslösezeit: Diese liegt mit rund anderthalb Sekunden absolut im Rahmen; Viel-Fotografierer finden bei manchem Konkurrenten aber teilweise schnellere Zeiten vor.

HTC Sensation - Fotoqualität
HTC Sensation - Fotoqualität

Fotoqualität des HTC Sensation
Fotoqualität des HTC Sensation

Videos können in bis zu 1.080p aufgenommen werden. Die Qualität der Aufnahme bewegt sich dabei in Bereichen, die vor dem Hintergrund des aktuellen Angebots als „gut“ zu bezeichnen ist. Bei einer zwingenden, explizit subjektiven Einordnung der Kamera-Qualität würden wir das Sensation knapp hinter dem Galaxy S II und knapp vor dem Optimus Speed platzieren.

Video „HTC Sensation Testvideo

Kurzes Beispiel: Sensation-Videoqualität

Bei der Ausgabe auf dritte Geräte ähnelt das Sensation dem Galaxy S II wiederum. Denn auch hier kann man sowohl auf DLNA, als auch auf die HDMI-Ausgabe via MHL-micro-USB-Schnittstelle zurückgreifen. HTC wählt also genauso wie Samsung die fortschrittlichere, aber längst nicht etabliertere Methode, während LG konventionell aber sehr solide auf eine separate micro-HDMI-Schnittstelle setzt. Der Haken bei diesem Vorgehen ist derselbe wie bei Samsung: Der entsprechende Adapter wird nicht mitgeliefert und muss dementsprechend bei Bedarf separat zum Preis von derzeit 31,99 Euro erworben werden. Hinzu kommt, dass das Zubehör – ebenfalls genauso wie bei Samsung – noch nicht verfügbar ist, sondern nur vorbestellt werden kann [7]. Auch in diesem Fall führen diese Umstände dazu, dass Freunde des exzessiven TV-Outputs gegenwärtig mit dem LG Optimus Speed am besten fahren.

Als portabler Media-Player taugt das Sensation aber dennoch. Freunde des mobilen Videogenusses werden dank des großzügigen, insgesamt gut darstellenden Displays und aufgrund des vergleichsweise moderaten „Schminkkasteneffekts“ mit dem Testkandidaten zufrieden sein. Auch bei der weniger anspruchsvollen Funktion als MP3-Player gibt es nichts zu beanstanden: Die Ausgabe über die integrierte 3,5mm-Klinkenbuchse kann sich hören lassen und auch der bei HTC-Geräten durchaus ab und an problematische interne Lautsprecher erfüllt gängige Erwartungen ohne Abstriche.

Beim Web-Browsen gilt prinzipiell dasselbe, wie bei der sonstigen Dual-Core-Konkurrenz: Flüssiger lässt sich derzeit kaum auf einem Smartphone durch die Weiten des Internets navigieren. Dies gilt auch für die Ladezeiten: Webseiten wie die Mobi-Variante von ComputerBase werden in rund zwei Sekunden komplett dargestellt. Hinzu kommt die Unterstützung von echtem Flash und ein von der Display-Größe herrührender hoher Komfortfaktor, sodass in dieser Hinsicht keinerlei Wünsche offen bleiben.

Kommunikation

Auch bei der Kommunikationsausstattung bewegt sich das Sensation auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Mit HSPA arbeitet man mobil mit theoretisch bis zu 14,4 Mbit/s im Download und 5,76 Mbit/s im Upload und auch das schnelle WLAN 802.11 b/g/n sowie Bluetooth 3.0+HS dürfen natürlich nicht fehlen. „HS“ bezeichnet auch in diesem Fall die Unterstützung eines Highspeed-Kanals auf Basis von WLAN, mit dem theoretisch Daten mit bis zu 24 Mbit/s zwischen zwei Geräten ausgetauscht werden können, was insbesondere für die Nutzung im Multimedia-Bereich (Fotos, Musik, Filme etc.) interessant sein kann. Anders als das Galaxy S II bietet das Sensation keine Unterstützung für den „Bluetooth-Killer“ WiFi Direct – hier wie dort wird Nahfeldkommunikation (NFC) nicht unterstützt, wobei sich dies beim Galaxy S II im Rahmen von Neuauflagen zu einem späteren Zeitpunkt wohl ändern wird.

Laufzeiten

In Sachen Laufzeiten verspricht HTC für das Sensation die derzeit gängigen Werte von etwas über 6 Stunden Gesprächs- und gut 17 Tagen Standby-Zeit. Wie gewohnt handelt es sich hierbei um wenig praktische Werte – vielmehr kommt es natürlich auch im Falle des Sensation auf das jeweilige, höchst individuelle Nutzerverhalten an.

Statt den angegeben Werten nachzuspüren, sei an dieser Stelle wieder darauf verwiesen, dass man auch im Falle des Sensations laufzeitentechnisch trotz Dual-Core-Ausstattung keine besonderen Vorkommnisse zu vermelden gibt. Dies bedeutet, dass auch der Testkandidat auf Basis eines 1.520 mAh Akkus bei einer moderaten Nutzung knapp anderthalb Arbeitstage durchhält. Echte Power-Nutzer kommen allerdings auch dieses Mal allerspätestens nach nur einem Arbeitstag an die Grenzen, sodass jener Nutzertyp nach wie vor das Ladekabel stets mitführen sollte.

Fazit

Am Ende dieses Tests angelangt, steht zunächst folgende eindeutige Haupterkenntnis: Der ganz große Wurf ist HTC mit dem Sensation nicht gelungen. Euphorische Stimmen, die in dem Dual-Core-Gerät vorab einen alles in den Schatten stellenden Boliden identifizierten, der für die Dauer des ganzen Jahres neue Maßstäbe setzen und den aktuellen Höhenflug von HTC somit nur unterstreichen würde, werden also eines Besseren belehrt.

Dies gilt allerdings primär nur für die gegenwärtig relevanteste Betrachtungsperspektive, die Leistung. Hier hat sich gezeigt, dass das Sensation in der Tendenz hinter den großen gegenwärtigen Konkurrenten – Samsungs Galaxy S II und LGs Optimus Speed – zurückliegt. Die abstrakt über Benchmarks ermittelten Werte schlagen sich bei der Nutzung des Gerätes zwar zu keiner Zeit konkret nieder (beispielsweise in Form von nennenswerten Rucklern); wer rein leistungsorientiert denkt, wird hier aber dennoch, zu Recht und gerade mit Blick auf den Faktor „Zukunftsfestigkeit“, einen eindeutigen Pluspunkt für die Konkurrenz identifizieren.

Bleibt man beim direkten Vergleich mit den besagten Geräten, so lassen sich für das Sensation allerdings auch zwei Stärken identifizieren: Trotz der (Uni-)Body- und Konnektivitätsdiskussion (siehe „Design & Verarbeitung) lässt sich zum einen ohne Probleme feststellen, dass HTC weiterhin über die attraktivere Materialwahl verfügt. Diese bedingt zwar auch ein höheres Gewicht, doch würden wir subjektiv die knapp 30 Gramm Mehr-Gewicht gegenüber dem leichten, dünnen Galaxy S II für die angenehmere Haptik des Sensation stets in Kauf nehmen. Hinzu kommt, zweitens, dass HTC nach wie vor über die in unseren Augen derzeit überzeugendste UI verfügt, was umso mehr für das neueste Sense in der Version 3.0 gilt.

Betrachtet man das Sensation nun noch einmal unabhängig von der Konkurrenz, so lässt sich sagen, dass sich auch dieses Gerät in der Gesamtschau ein „sehr gut“ verdient.

HTC Sensation
HTC Sensation

Trotz dieses wohlverdienten Prädikats muss aber auch herausgestellt werden, dass das Sensation im derzeitigen Marktgefüge von der Konkurrenz zerrieben wird. Denn während das Galaxy S II bei einem etwas günstigeren Preis mit einer besseren Ausstattung punkten kann – mehr Leistung, ein besseres Display, HSPA+, WiFi Direct und eine etwas bessere Kamera –, glänzt das ebenfalls leistungsstarke Optimus Speed insbesondere mit einem für das Gebotene extrem günstigen Preisgefüge von derzeit rund 370 Euro.

In einem solchen Kontext hat das Sensation automatisch einen schweren Stand, da Ausstattungsfanatiker Samsung bevorzugen dürften, während das Optimus Speed derzeit unter Preis- / Leistungsgesichtspunkten kaum zu schlagen ist.

Aus diesem Grund lässt sich für den Testkandidaten trotz des insgesamt sehr überzeugenden Auftretens eine nur eingeschränkte Empfehlung aussprechen: Wer zugunsten von Sense 3.0 und dem wertigeren Äußeren mit etwas weniger Leistung leben kann, wird mit HTCs neuem Flaggschiff bestens bedient – in diesem Falle sollte man aber noch ein wenig abwarten, bis der Preis für die freie Variante Gefilde im Bereich der 4xx Euro erreicht hat.

Verfügbarkeit & Preise

Das HTC Sensation ist in Deutschland seit Anfang Juni erhältlich und kann bei verschiedenen Providern im Rahmen von unterschiedlichen Verträgen zu entsprechend variierenden Preisen erstanden werden. In der freien Variante muss aktuell mit Preisen ab ca. 540 Euro gerechnet werden (aktueller Preisvergleich [8]).

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/thema/mobile-world-congress-2011/
  2. http://www.computerbase.de/2011-05/test-samsung-galaxy-s-ii-gt-i9100/
  3. http://www.computerbase.de/2011-05/test-lg-optimus-speed-p990/
  4. http://www.computerbase.de/2011-04/sensation-htc-stellt-neues-dual-core-geraet-vor/
  5. http://www.computerbase.de/2010-12/test-htc-desire-hd/
  6. http://www.computerbase.de/2011-06/htc-sensation-mit-antennenproblemen/
  7. http://www.htcaccessorystore.com/de/p_htc_item.aspx?i=218634
  8. http://www.computerbase.de/preisvergleich/a629084.html
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