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Test: Mionix Zibal 60

von Max Doll

Einleitung

Mechanische Tastaturen erfreuen sich derzeit stetig steigender Beliebtheit. Obwohl der Begriff streng genommen die meisten Geräte am Markt erfasst, hat er sich doch in Bezug auf die teure Minderheit derjenigen Exemplare mit Metallfeder-Switches etabliert. Teuer? Schon die günstigsten dieser mechanischen Tastaturen bewegen sich auf einen dreistelligen Betrag zu. Der Preis schreckt die Käufer jedoch nicht ab, was an den handfesten Vorteilen liegt: Eine im Vergleich mit herkömmlichen Tastaturen deutlich erhöhte Lebensdauer bei stets gleichbleibendem Tippgefühl überzeugen stetig mehr Nutzer von den Vorteilen dieser eigentlich aus den Urzeiten des PCs stammenden Technik.

Und so wandern die alten IBM-Tastaturen, Modell „klickediklack“, langsam wieder auf heimische Schreibtische, bevorzugt in „gepimpten“ Versionen mit ein wenig Luxus. Ein Stück vom Kuchen möchte auch der schwedische Gaming-Spezialist Mionix, der mit der Zibal 60 eine solchermaßen ausgestattete Tastatur samt giftig-grüner Beleuchtung ins Rennen um die Gunst der kaufkräftigen Kundschaft schickt. Wie bei fast allen Hersteller wird auch hier auf Taster von Cherry zurückgegriffen, in diesem Fall die schwarz kodierte Version. Das bedeutet: Ein lineares Auslöseverhalten ohne fest definierten Druckpunkt und eine recht hohe Federkraft, was vor allem Spieler ansprechen soll.

Mionix Zibal 60
Mionix Zibal 60

Außer ein paar Multimedia-Hotkeys per Zusatztaste sowie einen USB-Hub spendiert Mionix jedoch keine weiteren Extras. Für den derzeit aufgerufenen Preis von 130 Euro dürfen sich demnach keinerlei Schwächen – gerade in Details – zeigen, um sich gegen die oftmals featurestärkere Konkurrenz zu behaupten. Viel mehr Geld lässt sich schließlich für diese Produktgattung nicht mehr ausgeben. Ob das jedoch tatsächlich gelungen ist, klären wir auf den folgenden Seiten.

Technischer Überblick

Mionix Zibal 60
Mionix Zibal 60 Verpackung
Mionix Zibal 60 Verpackung
Abmessungen 44,4 x 20 x 4,4 cm (L x B x H)
Gewicht 1565 g
Kabel 1,55 m, extra dick, Sleeve
Anschluss 2 x USB, Audio, Micro
Taster Cherry MX „black“, 60 g Auslösegewicht, 50 mio Ausführungen
N-Key roll over Auf 6 limitiert
Multimediakeys Ja, volume control, play, pause, stop, skip tracks
Beleuchtung Ja, drei Helligkeitsstufen, drei Modi (aus, WASD, full)
Hub-Funktion 2 x USB 2.0, 3,5mm Audio-out, Micro-in
Spezial „Wutbeständigkeit“, „laser printed keycaps“
Software Nein
Kompatibilität Windows 2000, XP, Vista, 7
Preisvergleich Ca. 130 Euro [1]

Äußerlichkeiten

Geliefert wird die Zibal 60 in einer knappen, aber schicken Verpackung, die die Farbgebung des Produktes bereits vorwegnimmt. Das Zubehör fällt wenig umfangreich aus: Eine optional montierbare Handballenauflage, ein Quick-Start-Guide sowie ein Werkzeug zum entfernen der Tastencaps lassen aber keine Wünsche offen. Treiber werden nicht benötigt, da die grüne Schönheit per Plug’n’Play läuft und ohne Makro-Funktionalität oder weitere Spielereien, die einen solchen voraussetzen würden, auskommt.

Mionix Zibal 60 - Handballenauflage
Mionix Zibal 60 - Handballenauflage
Lieferumfang
Lieferumfang
Totale
Totale

Das Gehäuse der Mionix-Tastatur baut durch den Verzicht auf Sondertasten oder Displays weder besonders breit noch besonders tief. Lediglich die optionale Handballenauflage fügt weitere fünf Zentimeter Raumbedarf hinzu. Durch den recht hohen Platzbedarf der mechanischen Schalter liegt die Höhe jedoch schon ohne optional aufklappbare Hochstellfüße bei wenig kompakten 23 bis 35 Millimetern. Für Solidität setzt Mionix hier auf recht dicken Kunststoff sowie ein Metall-Inlay, was die Tastatur „wutsicher“ machen soll – für den rabiaten Frustabbau nach vernichtenden Online-Niederlagen. Auf jeden Fall aber wird das Gehäuse so verwindungssteif, gleichzeitig aber schwer: Mit gut anderthalb Kilo Lebendgewicht macht sich diese Sicherheit deutlich bemerkbar. Trotzdem liegt die Zibal 60 nicht überragend auf dem Schreibtisch, woran auch die Gummifüße an der Unterseite nichts ändern.

Beleuchtung
Beleuchtung
WASD-Licht
WASD-Licht

Das deutsche Layout der Zibal 60 orientiert sich am mittlerweile eher seltenen 105-Tasten-Modell. Zusatzknöpfe sind demnach keine vorhanden. Um dennoch Multimedia-Funktionalität zu bieten, wurde die linke Windowstaste durch einen „Action Key“ ersetzt, also einen „FN“-Schalter. „F1“ bis „F3“ dienen so der Lautstärkeregelung, „F5“ bis „F8“ der Steuerung eines Mediaplayers und „F10“ bis „F12“ der Helligkeitsregelung. Gehäuse, Handballenauflage und die zylindrischen Tasten verfügen überdies zwecks besserem Halt der Finger über eine leicht angeraute, mattschwarze Oberfläche. Letztere sind per lasercut-Verfahren beschriftet, was Abrieb während der Nutzung ausschließt.

Treppchenaufbau
Treppchenaufbau
Unterseite
Unterseite
Aufstellfüße und rutschfeste Gummis
Aufstellfüße und rutschfeste Gummis

Die Tasten an sich, weißer Kunststoff mit schwarzer Beschichtung, sind auch ohne Beleuchtung noch ordentlich abzulesen. Gerade in dunkleren Umgebungen empfiehlt es sich jedoch, die über den Cherry-Switches sitzenden, grünen LEDs zu aktiveren. Damit wird vor allem der obere Bereich der Caps gut ausgeleuchtet, die Zweitbelegungen bleiben jedoch im Dunkel der Nacht. Manche Tasten wie etwa „FN“ werden gar nur halb illuminiert.

Als wirklich gelungen darf die Beleuchtung nicht bezeichnet werden, da nicht jede Diode mit derselben Helligkeit brilliert. In Folge ergeben sich „darkspots“ auf dem Tastenfeld. So sind etwa die Ziffern 7 bis 0 dunkler als die sie umgebenden Tasten. Auch F8 leuchtet heller als F5, während F7 und F6 allenfalls schwach angestrahlt werden – die ganze Tastatur erscheint demnach im grünen Fleckenmuster. Die drei verschiedenen Helligkeitsstufen ändern an der beschriebenen Problematik nichts, lediglich die Beschränkung auf erleuchtete „WASD“-Tasten schafft Abhilfe, weil diese vier LEDs zufällig etwa gleich hell strahlen. Details, die manchen Nutzern möglicherweise nicht auffallen, in dreistelligen Preisklassen jedoch ein Kritikpunkt. Zudem wird die genutzte Konfiguration der Beleuchtung nicht gespeichert, muss also bei jedem Rechnerstart erneut gewählt werden – im Alltag nicht wirklich komfortabel.

Aufgestellt
Aufgestellt
Das IO-Panel
Das IO-Panel
Kabelenden
Kabelenden

Auf der Rückseite des Gehäuses auf Höhe des Ziffernblockes hat Mionix einen USB 2.0-Hub sowie durchgeschleifte Anschlüsse für Kopfhörer und Mikrofon (3,5mm Klinke) angebracht. Da das Panel jedoch recht dicht am Gehäuseboden liegt, leidet im Alltag die Erreichbarkeit sofern die Hochstellfüße nicht genutzt werden. Deren Nutzung erscheint dank des ohnehin schon angestellten Gehäuses auf keinen Fall für jeden Käufer zwingend notwendig, was hier strafverschärfend wirkt. Dies Anschlussbatterie ist zudem der Grund für das stattliche, mit Stoffsleeve versehene Kabel von einem Zentimeter Durchmesser, das sich elegant aus der Tastatur schlängelt. Der Datenhighway kann trotz seines Umfanges überraschend gut verlegt werden und macht im Alltag keinerlei Probleme. Sein anderes Ende splittet sich hydragleich in 30 Zentimeter lange Einzelkabel. Darunter sind auch zwei USB-Stecker, was für den integrierten Hub heißt, dass er sich keine Bandbreite mit der Tastatur teilen muss. Eine gute Idee, denn so können auch stromhungrige Geräte an den beiden Ports andocken.

Tastencheck

In der Zibal 60 verbaut Mionix „schwarze“ Taster aus der Cherry-MX-Serie [2]. Diese verspricht mit durchschnittlich 50 Millionen Anschlägen eine exorbitant hohe Lebensdauer bei stets gleichbleibendem Tippgefühl durch mechanische Federn. Diese sitzen direkt unter den namensgebenden, farbig codierten Kunststoffkappen und sind in braunen, blauen, roten, schwarzen und transparenten Versionen mit jeweils unterschiedlichen Charakteristiken erhältlich.

Cherry „Blacks“
Cherry „Blacks“

Tastencaps
Tastencaps
Oberflächenstruktur
Oberflächenstruktur

Wie alle MX-Schalter haben auch die „blacks“ einen Federweg von vier Millimetern mit linear steigendem Auslösewiderstand, wobei bereits nach der Hälfte der Strecke ein Signal ausgelöst wird. Da so die Taste nicht komplett gedrückt werden muss, können geübte Nutzer das ansonsten gut hörbare Betriebsgeräusch massiv reduzieren. Das funktioniert gerade hier sowie bei den identisch aufgebauten „reds“ gut, weil auf eine Bestätigung der Signalauslösung sowohl in mechanischer als auch akustischer Hinsicht verzichtet wird. Gegenüber den momentan häufig verbauten roten Versionen mit einem Auslösewiderstand von 45 Gramm müssen bei den von Mionix verwendeten Switches 60 Gramm gedrückt werden, wobei der Anstieg aber ebenso linear erfolgt. Das erfordert durch die schwergängigeren Tasten potentiell mehr Kraft beim Tippen, liegt jedoch auf ähnlichem Niveau wie die weit verbreiteten Tastaturen mit günstigen „Rubberdome“-Schaltern (z.B. der Logitech G15), die allerdings für eine Eingabe komplett gedrückt werden müssen.

Cherry MX „Black“ (Funktionsskizze: Lethal Squirrel, Diagramm: Cherry)
Cherry MX „Black“ (Funktionsskizze: Lethal Squirrel, Diagramm: Cherry)

Durch linear steigenden Widerstand gelten rote und schwarze Schalter gegenüber ihren „taktilen“ Geschwistern als voll „shootertauglich“, da Tasten hier gerne voll durchgedrückt werden und Klicks bzw. Druckpunkte teils als störend gelten. Zudem verhindert der hohe Auslösewiderstand der schwarzen Schalter das zufällige Drücken einer Taste. Gerade bei mechanischen Schaltern gilt jedoch, dass die Präferenzen hochgradig subjektiv sind und vom eigenen Geschmack abhängen – ein Probetippen ist also quasi unerlässlich.

Alltagserfahrungen

Im Praxiseinsatz war das fehlende Feedback der schwarzen Schalter zunächst ein störender Faktor. Da vor der Zibal 60 Notebooktasten mit kurzem Federweg und geringem Widerstand, ergo straffem Tippgefühl, das Mittel der Wahl waren, wog das umso schwerer. Die Folge: Vertipper, ausgelassene Buchstaben im Office-Einsatz sowie generell eine recht fixe Ermüdung der Hände. Die kann immerhin durch die Handballenauflage stark gemildert werden, weshalb das gute Stück eigentlich kaum optional zu nennen ist – die Bauhöhe des Gehäuses und der Tasten lässt die Verwendung der „Flossenliege“ ratsam erscheinen. Nach einer Eingewöhnungsphase schreibt es sich in diesem Fall auf der Zibal 60 jedoch stets angenehm. Dazu tragen die auch ohne Blickkontakt gut differenzierbaren Tasten bei, deren Abstand zwischen den Reihen fünf Millimeter, zwischen den einzelnen Tasten 6,5 Millimeter beträgt.

In Spielen klackerte die Zibal 60 zunächst munter vor sich hin: Im Spielgeschehen wird eine Lautstärkereduzierung quasi unmöglich, da öfters Tasten schnell und mit etwas mehr Kraft gedrückt werden. Ein „Nachhall“ von Tasten, also das Ausgeben von eigentlich nicht gedrückten Tasten (Ghosting), war im Betrieb ebenso wie das Verschlucken von Tastensignalen (Blocking) nicht zu beobachten. Obwohl das N-Key-Rollover auf sechs Tasten (plus Sonderfunktionen) beschränkt ist, reicht das für alle im Spielbetrieb anfallenden Situationen. Als einziger Kritikpunkt im Alltagsbetrieb erwies sich die Position der Multimediafunktionen. Da die „FN“-Taste bzw. der „Actionkey“ die linke Windowstaste ersetzt, lassen sich die Mediaknöpfe nicht mit einer Hand bedienen – zumindest nicht ohne Verrenkungen. Das hat beispielsweise Logitech bei der Illuminated-Serie eindeutig besser gelöst. Egal ob bei Spielen oder Office-Tätigkeiten hemmt es den Arbeitsfluss, beide Hände für Lautstärke- oder Mediaplayerfunktionalität von ihren Standardpositionen bewegen zu müssen. Im reinen Schreib- und Spielbetrieb, also dem Kerngebiet einer Tastatur, kommen aber dank der guten Switches keine Klagen auf – im Gegenteil.

Fazit

Prinzipiell unterschieden sich mechanische Tastaturen in der Regel kaum in Kernfeatures. Technik von Cherry, Design häufig „IBM-Modell“ und ein paar Gadgets für den individuellen Touch, mehr Individualität geht nicht. Entsprechend der vielfach bewährten Technik macht die Zibal 60 keine Schwierigkeiten, sofern schwarze Taster das Tippgefühl der Wahl vermitteln. Wir kamen nach kurzer Eingewöhnungsphase gut damit zurecht, trotz des fehlenden Feedbacks auch bei Office-Nutzung. An die Lautstärke müssen sich sowohl Mitbewohner als auch die eigenen Ohren allerdings gewöhnen. Ein solides Chassis und sicherer Halt auf dem Schreibtisch lassen hinsichtlich der Verarbeitung keine Wünsche offen, wobei der Halt auf ebenen Oberflächen besser ausfallen könnte. Ebenso zufriedenstellend ist der Lieferumfang, insbesondere die Handballenauflage erweist sich im Alltag als Segen.

Mionix Zibal 60 - Handballenauflage
Mionix Zibal 60 - Handballenauflage

Leider macht eine Schwalbe noch keinen Sommer, Cherry-Taster also keine gute Tastatur. Da gerade die Rundum-Features nun oftmals kaufentscheidend sind, weil mitunter das Alleinstellungsmerkmal, darf sich ein Hersteller hier gerade angesichts der Preisklasse keine Schwäche leisten. Das gelingt Mionix leider nicht in vollem Umfang. Zum einen stört es im Alltag ungemein, die praktische Beleuchtung mit jedem Rechnerstart erneut konfigurieren zu müssen. Zum anderen sind die Tasten eindeutig ungleichmäßig ausgeleuchtet. Helligkeitsunterschiede zwischen einzelnen Caps dürfen bei einem derart teuren Lustobjekt nicht mehr vorkommen. Auch die Ergonomie fällt bezogen auf die Multimedia-Tasten nicht befriedigend aus. Mit einer Hand von normalem Wuchs lassen sie sich nicht oder teils nicht komfortabel bedienen, was den Arbeits- oder Spielfluss stetig hemmt. Gleiches gilt für die USB- und Audioports: Dank separatem Kabel steht zwar eine Menge Saft bereit, allerdings fällt die Erreichbarkeit ohne Aufstellfüße nicht gerade hoch aus.

Damit stellt der Preis tatsächlich das größte Hemmnis der Zibal 60 dar. Wer einen dreistelligen Eurobetrag für eine Tastatur auf den Tisch legt, möchte sich in der Regel nicht mit halben Lösungen zufriedengeben. Grundsätzlich macht Mionix zwar nichts grundfalsch, den gehobenen Anspruch, den das Preisschild nahelegt, kann das Produkt aber nicht in vollem Umfang verwirklichen. Das ist schade, denn mehr Geld für eine Tastatur mit MX-Blacks beziehungsweise Cherry-Tastern lässt sich momentan nicht ausgeben. Gerade weil etwas höhere oder niedrigere Kosten in diesem Preissegment keine große Rolle mehr spielen und die Zibal 60 im Vergleich eher mager ausgestattet ist, wäre ein sauber ausgeführtes Produkt zu etwas höherem Kurs die bessere Lösung gewesen. Fans der Farbe und der Schalter können zugreifen, ansonsten aber bleibt trotz aller Features der Blick in den mittlerweile recht üppig wuchernden Wald mechanischer Tastaturen ratsam.

Nützliche Links

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/preisvergleich/632181
  2. http://www.cherrycorp.com/english/switches/key/mx.htm
  3. http://www.mionix.net/page.php?al=zibal60
  4. http://www.computerbase.de/preisvergleich/632181
  5. http://www.computerbase.de/forum/showthread.php?t=740828
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