Kommentar: Samsung Galaxy S III

Mehr, mehr, mehr statt neu?
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(K)ein neuer Maßstab

Da ist es nun also, das neue Android-Flaggschiff aus dem Hause Samsung. Mit viel Brimborium wurde das Galaxy S III gestern vorgestellt, der neue Hoffnungsträger des mittlerweile größten Smartphone-Herstellers der Welt. Man könnte sogar übertreiben und soweit gehen, es als Messias-Gerät der gesamten Android-Plattform zu bezeichnen. Samsung hat mittlerweile eine Stellung erreicht, von der das Wohl und Wehe von Googles offener Plattform abhängt – rund die Hälfte aller Android-Geräte tragen inzwischen den Samsung-Schriftzug. Was also kann das Galaxy S III, was die Konkurrenz aus dem Hause Apple oder Nokia nicht kann, welche neuen Maßstäbe setzt das Gerät? Oder ist Samsung dieses Mal selbst Opfer übertriebener Erwartungen geworden, die durch Gerüchte in den letzten Wochen immer weiter erhöht wurden? Auch bei der Vorstellung anderer Geräte anderer Hersteller zeigten sich schließlich in der Vergangenheit viele zunächst enttäuscht.

Böswillig könnte man schlicht antworten, dass das neue „Über-Handy“ keinen Maßstab neu definiert hat. Alles, was Samsung gestern gezeigt hat, gibt es bereits. Entweder aus eigenem Hause – Stichwort großes Display mit HD-Auflösung – oder bei den Mitbewerben – Stichwort Sprachsteuerung/-erkennung oder auch die schnell auslösende Kamera. Sicher, Samsung hat bislang kein Smartphone im Angebot, das dem Galaxy S III entspricht, allein deshalb hat das neue Modell eine Daseinsberechtigung. Aber reicht das, um neue Impulse zu setzen? Nein. Denn statt etwas revolutionäres in das mittlerweile fast schon grenzwertig große Gehäuse zu stecken, agiert man nach dem Motto „viel hilft viel“. Schon beim Galaxy Nexus bedauerten viele das arg groß geratene Gehäuse und Display. Statt hier eine Grenze zu setzen, wurde nochmal nachgelegt – zugegeben, überschritten wurde sie schon mit dem Galaxy Note.

Samsung Galaxy S III
Samsung Galaxy S III

Ja, ein 4,8 Zoll großes Display bietet viel Fläche beim Surfen und Betrachten von Videos. Man erinnere sich aber einmal an die Vorstellung des Desire HD; schon das ehemalige HTC-Flaggschiff wurde von vielen als zu groß bezeichnet. Dabei hat es „lediglich“ ein 4,3 Zoll großes Display, womit man sich heutzutage scheinbar in der High-End-Klasse nicht mehr blicken lassen kann. Aber auch beim Herzstück, dem SoC, geht man lieber eigene, vermutlich falsche Wege. Im Media-Markt-Prospekt mag ein Quad-Core-Chip toll aussehen, in der Praxis ist der Nutzen gleich Null, wie bereits zahlreiche andere Smartphones zeigen. Eine flüssige Darstellung ist auch mit weniger Rechenleistung erreichbar. Vor allem, wenn man es mit der eigenen Systemoberfläche nicht übertreibt. Viel wichtiger als beim Display ist aber: Die bessere Technik ist bereits verfügbar und auch in Form von Geräten im Handel erhältlich. Erste Vergleiche zeigen, dass Qualcomms neue, auf dem Krait-Kern basierende SoCs teils deutlich schneller sind. Und das mit nur zwei Kernen.

Aber: Auch Samsung hat mittlerweile erkannt, dass Hardware nicht alles ist. Nach und nach, wenn auch viel zu langsam, scheint man sich auch Gedanken um die anderen Faktoren zu machen und ein Ökosystem schaffen zu wollen. Die Idee der Kamera-gesteuerten Display-Helligkeit ist nett, auch wenn der tatsächliche Nutzen in der Praxis erst noch nachgewiesen werden muss. Die Sprachsteuerung/-erkennung S-Voice ist ebenfalls ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn man hier ähnlich wie Apple mit Siri noch in den Kinderschuhen steckt. Erleichtern kann sie die Bedienung aber schon jetzt teilweise.

Samsung Galaxy S III
Samsung Galaxy S III

Die Quintessenz lautet also: Das Galaxy S III ist der neue Maßstab, wenn auch nur stark eingeschränkt. Die Konkurrenz ist anno 2012 nicht mehr so weit entfernt wie noch im letzten Jahr bei der Vorstellung des Galaxy S II, teilweise ist sie auch schon gleichauf. Deshalb wird sich zeigen müssen, ob die Neuauflage den Erfolg des Vorgängers wiederholen kann. Während man es für die Weiterentwicklung der Android-Plattform nur hoffen kann, muss man sich aus technischer Sicht fast schon das Gegenteil wünschen. Dann würden neue, frische Ideen schneller umgesetzt, statt immer nur auf mehr Kerne, höhere Taktraten und größere Displays zu setzen.

Hinweis: Der Inhalt dieses Kommentars gibt die persönliche Meinung des Autors wieder. Diese Meinung wird nicht notwendigerweise von der gesamten Redaktion geteilt.

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