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Test: Leopold FC500R Tastatur

von Martin Eckardt

Einleitung

Umfangreiche Zusatzfunktionen, profilgebundene Makrosequenzen, beleuchtete Tastenkappen oder bequeme Handballenablagen – längst haben auch die mechanischen Tastaturen der neueren Generation im Hinblick auf ihre ergonomischen Fähigkeiten auf die günstigeren, vielseitigen Rubberdome-Kontrahenten aufgeholt. Für die meisten Anwender verbergen sich hinter den „Mechas“ jedoch weiterhin die puristischen Tastenbretter im Charme der achtziger Jahre, die durch ihre einzigartig guten Schreibeigenschaften auch im 21. Jahrhundert noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Die aktuelle „Leopold FC500R“ passt mit ihren Eigenschaften genau in dieses Raster der Geradlinigkeit, bietet sie dem ambitionierten Vielschreiber abseits des taktilen Cherry-Anschlags nahezu keine weiteren Annehmlichkeiten. In der „blank“-Variante verzichtet man sogar auf die obligatorische Beschriftung der Tasten und serviert dem Kunden eine Tastatur im Stile einer Blockschokolade.

Leopold FC500R: Puristische Tastatur mit oder ohne Beschriftung
Leopold FC500R: Puristische Tastatur mit oder ohne Beschriftung

Wir haben uns die Leopold FC500R, welche in Deutschland vom Onlineversand getDigital.de [1] zum Preis von knapp 120 Euro vertrieben wird, für einen Kurztest ins Haus geholt.

Technischer Überblick

Äußerlichkeiten und Layout

Trotz des hohen Anschaffungspreises von über 100 Euro beschränkt sich der Lieferumfang der Leopold FC500R auf das Nötigste. Neben der Tastatur hält die ausgestaltete Retailkartonage lediglich das separate Datenkabel sowie einen USB-auf-PS/2-Adapter bereit. Eine Produktanleitung oder Dokumentation gibt es abseits der auf den Karton gedruckten Spezifikationen genauso wenig wie ein Werkzeug zum erleichterten Entfernen der Tastenkappen.

Retailverpackungen der FC500R
Retailverpackungen der FC500R
Plastikschutz kann als Abdeckung genutzt werden
Plastikschutz kann als Abdeckung genutzt werden
Lieferumfang mit separatem Kabel und PS/2-Adapter
Lieferumfang mit separatem Kabel und PS/2-Adapter

Die FC500R Leopold tritt im klassischen IBM/Windows-Layout mit deutscher Belegung auf. Dabei sind die 105 Tasten in typischer Dreiblock-Anordnung inklusive separatem Ziffernblock formiert, wie man es von einer vollwertigen Tastatur dieser Produktklasse erwartet. Entsprechend belegt das Keyboard mit einer Länge von 44,3 und einer Tiefe von 14 Zentimetern viel Platz auf dem Schreibtisch, auch wenn die Gestalt der FC500R im Vergleich zu anderen mechanischen Tastaturen kompakt ausfällt.

Das Gehäuse der Leopold ist dezent aus mattschwarzem Kunststoff gefertigt und rahmt das Tastenbett minimalistisch ein. Eine mögliche Öffnung des Chassis erfolgt über die Unterseite durch Lösen der strammen Klickverbindungen. Bei einem typischen Gesamtgewicht von etwa 1.150 Gramm vermittelt die Tastatur eine überdurchschnittlich hohe Verwindungssteifigkeit, welche durch die innen liegende Metallplatte ideal unterstützt wird. Den Wertigkeitseindruck unterstreichend sorgt die hohe Masse überdies für einen angenehm dämpfenden Effekt der Tastenanschläge, welche sich bei mechanischen Tastaturen naturgemäß akustisch auffällig präsentieren.

Deutsches Tastaturlayout mit und ohne Beschriftung
Deutsches Tastaturlayout mit und ohne Beschriftung
Ungewohnter Blick auf unbeschrifteten Nummernblock
Ungewohnter Blick auf unbeschrifteten Nummernblock
Rückseite mit ausklappbaren Stehfüßen
Rückseite mit ausklappbaren Stehfüßen

Komfortbedachte Anwender vertrauen mitunter gern auf die Dienste einer bequemen Handballenablage. Diese bietet die Leopold serienmäßig nicht. Ebenso wenig wartet die FC500R mit möglichen Zusatzfunktionen, etwa zusätzlichen Tastenzweitbelegungen zur Multimedia-Steuerung, auf. Auch als USB- oder Audiohub kann die Leopold nicht fungieren. Viel spartanischer kann eine Tastatur im 21. Jahrhundert also kaum konzipiert sein, was je nach persönlichen Präferenzen allerdings nicht zwangsläufig negativ eingeschätzt werden muss.

Trotz des vermittelten Minimalismus' verzichtet die Leopold nicht auf das obligate Status-LED-Trio für Caps-Lock und Co. am rechten, oberen Tastaturrand. Die blauen Dioden sind sehr hell, strahlen jedoch vorrangig senkrecht nach oben ab, sodass der Nutzer im typischen Winkel arbeitend nicht von der Illumination belästigt wird.

Standardlayout auch bei der Größe der Modifier-Tasten
Standardlayout auch bei der Größe der Modifier-Tasten
Dezente Beschriftung der Tasten
Dezente Beschriftung der Tasten
Nummernblock und LED-Leiste
Nummernblock und LED-Leiste

Eine funktionelle Besonderheit gönnt sich dann aber auch die puristische Leopold-Tastatur. Sie wartet nicht mit einer fixierten Verkabelung auf, sondern bindet das 180 Zentimeter lange USB-2.0-Kabel via standardisiertem Mini-USB-Stecker an. Da mechanische Tastaturen im Allgemeinen sehr langlebig sind, wird auf diese Art ein möglicherweise vorzeitiges, Kabelbruch-bedingtes Ableben der teuren Schreib-Peripherie unterbunden. Außerdem kann der Anwender die Kabelführung durch die an der Unterseite des Tastaturchassis vorhandenen Schächte variieren, um eine ideale Verlegung des Datenstranges auf dem Schreibtisch zu erzielen.

Über den USB-Anschluss betrieben wartet die Leopold mit der typischen 6KRO-Funktion auf. Dies bedeutet, dass eine Kombination aus höchstens sechs beliebigen Tasten gleichzeitig korrekt erfasst werden kann. Wem dies nicht genügt, muss die Restriktionen der USB-Anbindung umschiffen und den mitgelieferten PS/2-Adapter verwenden. Dann können alle Tasten der FC500R in beliebiger Kombination gedrückt simultan erfasst werden.

Standfüße vermitteln mittelmäßigen Halt
Standfüße vermitteln mittelmäßigen Halt
Anstellunterschied zwischen flacher und hoher Anstellung
Anstellunterschied zwischen flacher und hoher Anstellung
Verkabelung via Steckverbindung
Verkabelung via Steckverbindung

Aufgrund des hohen Gewichtes von über einem Kilogramm und des steifen Tastaturgehäuses besitzt die FC500R einen sicheren Stand auf ebenen Unterlagen. In der flachen Anstellung wirken zudem entsprechende Hartgummifüße an der Unterseite des Keyboards unterstützend. Diese verhindern jedoch nicht, dass sich die Leopold vergleichsweise einfach auf dem Schreibtisch verschieben lässt.

Bei flacher Aufstellung der Tastatur beträgt der Anstellwinkel des Tastenbettes knapp vier Grad. Dies dürfte für die meisten Anwender im Sinne einer bequemen Handhaltung ausreichen. Nur in seltenen Fällen ist eine Erhöhung des Anstellwinkels aus unserer Sicht sinnvoll. Mit Hilfe der beiden Klappfüße der Leopard ist eine Erhöhung auf gut neuneinhalb Grad möglich.

Tastencheck

Die Leopold FC500R wird mit braunen Schaltern aus der bekannten Cherry-MX-Familie ausgestattet. Für diese mechanisch gefederten Taster ist die als „taktil“ beschriebene Anschlagsdynamik charakteristisch. Dahinter verbirgt sich ein insbesondere für intensives Schreiben als angenehm empfundener Zusammenhang zwischen dem Weg, den die Taste ins Bett einsinkt, und der infolge der eingedrückten Federn entgegengesetzten Kraft. Der Zusammenhang gestaltet sich durch das Zusammenspiel verschieden gearteter Federn nicht linear (wie bei den roten oder schwarzen MX-Schaltern), sondern steigt nach einer schwachen Erhöhung nach dem ersten Millimeter kurz vor der Signalauslösung überproportional stark an, um anschließend schlagartig und ohne nennenswerten Widerstand ins Tastenbett zu gleiten. Dies vermittelt beim Schreiben eine enorm gute ergonomische Rückmeldung, ohne den Punkt der Auslösung durch ein zusätzliches Klickgeräusch akustisch zu untermalen.

Braune MX: Taktile Anschlagsdynamik sorgt für gutes Schreibgefühl
Braune MX: Taktile Anschlagsdynamik sorgt für gutes Schreibgefühl
Zylindrische Tastenkappen und leichte Anstellung der Reihen
Zylindrische Tastenkappen und leichte Anstellung der Reihen
Typische MX-Tastenkappen mit Kreuzfassung
Typische MX-Tastenkappen mit Kreuzfassung

Dabei gilt wie für alle MX-Schalter dieser Serie: Der maximale Anschlagweg ist mit etwa vier Millimetern relativ lang, das Signal wird jedoch bereits nach der Hälfte dieser Distanz übertragen. Geübte Finger fliegen entsprechend über die Tasten und agieren nur in den Regionen um den Punkt der Auslösung, ohne die Tasten komplett durchzudrücken. Ein solches Schreibverhalten erfordert zunächst etwas Übung, ist aber, einmal erlernt, enorm energie- und zeitsparend. Die zum Auslösen der Tasten aufzubringende Kraft ist einem Gewicht von etwa 45 Gramm äquivalent, was sich für Vielschreiber als guter Kompromiss zwischen Leichtgängigkeit und präziser Rückmeldung etabliert hat.

Diese Eigenschaften verkörpert die Leopold FC500R natürlich nicht exklusiv, denn mittlerweile vertrauen zahlreiche Tastaturvertriebe auf die Dienste der braunen MX-Schalter.

Nahaufnahme der Beschriftung
Nahaufnahme der Beschriftung
Leicht glänzende Grundstruktur der Tastenkappen
Leicht glänzende Grundstruktur der Tastenkappen
Nahaufnahme der Leertaste
Nahaufnahme der Leertaste

Hinsichtlich der verbauten ABS-Tastenkappen gibt es zunächst keine Überraschungen. Es werden typische Kappen für MX-Schalter mit 18 × 18 mm Grundfläche, zylindrischer Oberflächengestaltung, leicht abgerundeten Kanten und mittig positionierter Kreuzschlitzaufnahme für den Stempel der MX-Switches verwendet. Die genaue Höhe und Form der Kappen variiert von Reihe zu Reihe. Wer möchte, kann die Tastenkappen problemlos gegen Standardmodelle für MX-Schalter tauschen (etwa kompatibel zu Celeritas oder Qpad). Dabei darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass die originalen Leopold-Kappen etwa einen Millimeter flacher ausfallen als die meisten Pendants anderer Fabrikate.

Unterschiede gibt es jedoch bei den größeren Tasten, etwa den Enter- oder der Leertaste. Hier benötigt man zur Stabilisierung der Führung entsprechende Stützen. Leopold realisiert dies über seitlich positionierte, zusätzliche Cherry-Kreuzstempel ohne Schalterfunktion. Diese sorgen für einen sicheren und gleichmäßigen Sitz der großen Tasten. Andere Hersteller begegnen diesem Problem mit entsprechend gefetteten Drahtbügel-Mechanismen (Costar [3]-Stabilisatoren). Beide Systeme sind letztlich wirkungsvoll, indem sie ein zu starkes Spiel der größeren Tasten verhindern.

Bezüglich der Kompatibilität der Spezialtasten sind die Abstände der Stabilisatoren entscheidend. Von Interesse ist dies insbesondere bei der Leertaste, da diese gern gegen hochwertigere Modelle ersetzt wird. Die Zusatzpins der FC500R sind im Abstand von 85 Millimetern angeordnet und damit leider minimal weiter voneinander entfernt als dies bei den meisten anderen mechanischen Tastaturen der Fall ist. Damit kann die Leopold FC500R nicht mit den zahlreich am Markt vertretenen Ersatz-Leertasten für Cherry MX bestückt werden, was den Austausch oder die Neubeschaffung bei entsprechender Abnutzung natürlich stark erschwert.

Große Tasten werden von seitlichen Stempeln gestützt
Große Tasten werden von seitlichen Stempeln gestützt
Windowstaste mit auffällig glänzender Prägung
Windowstaste mit auffällig glänzender Prägung
Nahezu linearer Anstieg der Tastenreihen
Nahezu linearer Anstieg der Tastenreihen

Abschließend spielt natürlich auch die Art der Tastenbeschriftung eine Rolle. Die Leopold FC500R ist sowohl mit als auch ohne Tastenbeschriftung zu erwerben. Die unbeschriftete „blank“-Variante ist dabei selbstverständlich ausschließlich für Anwender geeignet, die das Layout ihres Eingabegerätes ohnehin blind und fehlerfrei beherrschen. Wer sich diese Art der Tastatur gönnt, ist zwangsläufig immun gegen Verschleißerscheinungen oder Verfärbungen der Beschriftung und hat im Zweifelsfall lediglich mit dem leichten Glanz der Kunststoff-Tastenkappen zu kämpfen, der sich naturgemäß bei intensiver Nutzung nach einiger Zeit einstellt.

Dem gegenüber steht die stilecht zurückhaltend beschriftete Leopold-Version mit gelaserten und farbverfüllten, weißen Schriften. Diese sind im Relief minimal spürbar und bieten eine erfahrungsgemäß ordentliche Langlebigkeit. Wir konnten bei mehrwöchiger Verwendung leichte, bräunliche Verfärbungen der matt-weißen Beschriftung beobachten, die sich allerdings bei entsprechender Reinigung wieder problemlos entfernen ließen.

Fazit

Mit der Leopold FC500R erreicht eine weitere Alternative in der Konkurrenz der mechanischen Tastaturen den deutschen Markt. Im Gegensatz zu den meisten Neuvorstellungen der jüngeren Vergangenheit liegt der Fokus der Leopold dabei nicht im gewinnträchtigen Gaming-Bereich, wenngleich auch hierfür das Rüstzeug mit Blick auf die vermittelten Ghosting- und Rollovereigenschaften grundsätzlich vorhanden ist. Darüber hinaus verzichtet die FC500R allerdings auf nahezu alle peripheren Annehmlichkeiten, die eine Tastatur heutzutage bieten kann und konzentriert sich schlicht auf die qualitativ ansprechende Darbietung der ausgezeichneten MX-Mechaniken. Auf diese setzen jedoch auch die besser ausgestatteten Kontrahenten, weshalb die Luft für die Leopold objektiv gesehen hierzulande sehr dünn erscheint. Insbesondere das Fehlen einer bequemen Handballenablage dürfte einige ambitionierte Interessenten der vielschreibenden Zunft verprellen, denen der puristische Stil der FC500R grundsätzlich zusagt.

Blindflug? Ohne Beschriftung sitzt nicht jeder Tipp sicher
Blindflug? Ohne Beschriftung sitzt nicht jeder Tipp sicher

Wer ein extravagantes Eingabegerät mit besten Schreibeigenschaften sucht, könnte in der unbeschrifteten Version der Leopold FC500R einen langlebigen und zuverlässigen Partner finden, der für so mach verwunderte Blicke sorgen kann. Allerdings ist auch die Idee der blanken Tastenkappen, die stellvertretend „das Keyboard [4]“ seit Jahren erfolgreich vertritt, nicht neu.

Unterm Strich ist die Leopold FC500R ohne Zweifel eine gute Tastatur, die es jedoch angesichts der mittlerweile auch in Deutschland recht breit aufgestellten Markt-Konkurrenz und der überschaubaren Liste an Alleinstellungsmerkmalen wahrscheinlich nicht leicht haben wird. Mit knapp 120 Euro rangiert die Edelperipherie bei objektiver Betrachtung schließlich auch preislich am oberen Ende des Vertretbaren.

Nützliche Links

URL-Liste:

  1. http://www.getdigital.de/products/Leopold_Tastatur
  2. http://www.leopold.co.kr/
  3. http://www.costar.com.tw/
  4. http://www.daskeyboard.com/
  5. http://www.getdigital.de/products/Leopold_Tastatur
  6. http://www.computerbase.de/forum/showthread.php?t=896502
  7. http://www.computerbase.de/forum/showthread.php?t=740828
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