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Test: Nokia Lumia 820 und Lumia 920

von Nicolas La Rocco, Patrick Bellmer

Vorwort

Vorbei sind die Zeiten, in denen Nokia mit seinen vierstelligen Geräteserien für Aufmerksamkeit sorgte. Seit 2011 heißt die Zauberformel Microsoft und Windows Phone, wobei mit der ersten Lumia-Serie der erhoffte Erfolg ausblieb. Im zweiten Anlauf mit deutlich potenterer Hardware und einem aufgebohrten Betriebssystem soll nun endlich der Anschluss zu Android und iOS erfolgen und damit einhergehend der Weg zu schwarzen Zahlen für Nokia geebnet werden.

Es mag sich dramatischen anhören, doch Nokia und Microsoft stellten ihr gemeinsames Konzept fast ein halbes Jahrzehnt nach der Konkurrenz vor, sodass sich viele Kunden bereits für eine Plattform entschieden haben und es heißt, diese für sich zu gewinnen. Zwar gab es bereits in der Vergangenheit viele Geräte, die auf Windows Mobile setzten, doch erst mit Windows Phone 7 wagte Microsoft einen kompletten Neuanfang, der mit Blick auf Android und iOS notwendig war. Auch Nokia blieb dem Markt der neuartigen Smartphones lange fern und setzte weiterhin auf Lösungen auf Basis von Symbian für seine High-End-Geräte, worauf das Unternehmen bei seinen günstigen Serien auch heute noch vertraut.

Nokia Lumia 920
Nokia Lumia 920

Haben wir es also mit zwei Spätzündern zu tun, die jetzt vergeblich versuchen verlorene Marktanteile zurückzugewinnen? Doch Nokia versteht es, hochwertige Geräte zu produzieren, und Microsoft weiß zumindest seit Einführung von Windows 8 mit einem einheitlichen Look zu punkten, der für Alteingesessene zwar eine radikale Veränderung darstellt, doch genau das sein könnte, was Microsoft für einen Erfolg braucht. Homescreens, Icons und Widgets kennt man bereits zur Genüge und so könnten Live-Tiles sowie das sehr stark auf Text setzende Betriebssystem durchaus eine Alternative zum bereits Bekannten darstellen. Der Test wird zeigen, ob Nokia und Microsoft im zweiten Anlauf einen Platz an der Spitze erreichen.

Spezifikationen & Lieferumfang

Nokia Lumia 820 Front
Nokia Lumia 820 Front
Nokia Lumia 820 Nokia Lumia 920
Typ: Bartype
OS: Windows Phone 8
Display:
(Auflösung)
4,3", ClearBlack-AMOLED
480 × 800 Pixel (217 ppi)
4,5", ClearBlack-LCD (IPS)
1.280 × 768 Pixel (331 ppi)
Display-Art: Touchscreen, kapazitiv
Bedienung: Touch, Knopfreihe
CPU / Chip: Qualcomm Snapdragon S4 MSM8960
Dual-Core, 1,5 GHz
Adreno 225
Arbeitsspeicher: 1 GB
Speicher: 8 GB, per microSD-Karte bis zu 64 GByte erweiterbar 32 GB, nicht erweiterbar
Verbindungen: GPRS/EDGE/HSDPA/HSUPA/HSPA+/LTE/WLAN/Bluetooth/NFC/GPS/GLONASS
Standards / Besonderheiten: DC-HSPA+ (bis zu 5,76 Mbit/s Up-, bis zu 42,2 Mbit/s Download)
LTE (bis zu 50 Mbit/s Up-, bis zu 100 Mbit/s Download)
WLAN 802.11 a/b/g/n, Bluetooth 3.0, drahtlose Ladefunktion (Qi-Standard) (Ladecover für Lumia 820 erforderlich)
Kamera: 8 Megapixel, Dual-LED-Blitz, Autofokus, Videos mit 1.920 × 1.080 Pixeln
Frontkamera mit 640 × 480 Pixeln
8 Megapixel, Dual-LED-Blitz, Autofokus, optischer Bildstabilisator, Videos mit 1.920 × 1.080 Pixeln
Frontkamera mit 1.280 × 960 Pixeln
Akku (mAh): 1.650 2.000
Abmessung: 123,8 × 68,5 × 9,9 mm 130,3 × 70,8 × 10,7 mm
Gewicht: 160 Gramm 185 Gramm
SAR-Wert: 1,28 W/kg 1,33 W/kg
Lieferumfang: Kopfhörer, USB-Kabel, Ladegerät, Kurzanleitung

Lumia 820 und 920 im Überblick

Design & Verarbeitung

Beim Design bleibt Nokia sich treu: Wie schon beim Lumia 800 und Lumia 900 setzen die Finnen auf eine sehr eigenständige Optik sowie auf Polycarbonat in Kombination mit teils eher untypischen Färbungen. Der Ergebnis ist jedoch bei beiden Smartphones mehr als ansehnlich.

Lumia 820

Das Nokia Lumia 820 hinterlässt bereits nach dem Erstkontakt einen sehr guten Eindruck, was Design und Verarbeitung betrifft. Der 123,8 × 68,5 × 9,9 mm große schwarze Block liegt angenehm in der Hand und ist komplett einheitlich gestaltet worden, sodass das Lumia 820 quasi von allen Seiten gleich aussieht. Das Grundgerüst aus Telefon und Display bilden eine Einheit, die komplett von der rückseitigen Abdeckung umschlossen wird. Obwohl Nokia zum Großteil auf Kunststoff für das Gehäuse setzt, bringt das Lumia 820 stolze 160 Gramm auf die Waage, die zwar zum hochwertigen Gesamteindruck des Gerätes beitragen, aber letztendlich doch etwas schwer in der Hand liegen. Nichtsdestotrotz kann das Gerät bereits zum Start in Sachen Haptik überzeugen.

Nokia Lumia 820 Front
Nokia Lumia 820 Front

Schaut man sich das Smartphone im Detail an, so befindet sich auf der rechten Seite von oben nach unten die Lautstärkewippe, der An- und Aus-Schalter sowie ein zweistufiger Knopf für die Kamera. Ober- und Unterseite wurden jeweils mit einem Anschluss versehen, wobei rechts außen am Kopfende ein 3,5-mm-Kopfhörer-Anschluss seinen Platz findet und auf der Unterseite mittig der Anschluss für ein Micro-USB-Kabel platziert wurde, während sich rechts neben diesem der Lautsprecher befindet. Damit wären alle Anschlüsse und Schalter des Gerätes genannt, denn auf der linken Seite des Gehäuses verzichtet Nokia auf diese und unterstreicht somit abermals das schlichte Design des Smartphones.

Nokia Lumia 820 Knöpfe
Nokia Lumia 820 Knöpfe
Nokia Lumia 820 Anschlüsse
Nokia Lumia 820 Anschlüsse
Nokia Lumia 820 Anschlüsse
Nokia Lumia 820 Anschlüsse

Wendet man sich der Vorder- und Rückseite zu, so dominiert auf ersterer natürlich vorrangig das Display mit einer Diagonale von 4,3 Zoll. Darunter befindet sich der Bereich für die bei allen Windows-Phones üblichen drei Tasten zur Bedienung bestehend aus einer Zurück-Taste, dem Start-Button und einer Taste für die Suche. Über dem Display in einem circa acht Millimeter hohen Bereich wurden der Ohrhörer, Sensoren sowie die Frontkamera untergebracht, die ganz rechts außen von einem dezenten Nokia-Logo begleitet wird. Ebenso minimalistisch gestaltet sich die Rückseite, die neben einer unter Glas geschützten Einheit aus Kamera und Dual-LED-Blitz ebenfalls ein Nokia-Logo ziert, das am unteren Ende des Gerätes platziert wurde. Bei unserem Testgerät stand die Kameraeinheit auf der linken Seite minimal aus dem Gehäuse, was sich durch Drücken kurzfristig korrigieren lies. Da es sich nicht um ein Neugerät handelt, gehen wir nicht von einem Serienproblem aus.

Nokia Lumia 820 Rückseite
Nokia Lumia 820 Rückseite

Slots für Micro-SIM- sowie microSD-Karte sucht man an der Außenseite zunächst vergebens. Nokia hat diese unter der Abdeckung des Smartphones versteckt, wobei man nicht sofort erkennt, dass diese überhaupt abnehmbar ist. Hierfür verdient Nokia ein weiteres Mal Lob für das überzeugende Äußere, bei dem es die Finnen geschafft haben ein fast Unibody-ähnliches Smartphone zu kreieren, das mehr unter seiner Haube versteckt, als man es von seinem Erscheinungsbild erwarten würde. Die hintere Abdeckung zu entfernen gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht, denn es erfordert einige Kraft sie zu lösen. Unter der Haube befindet sich der 1.650 mAh fassende Akku, der nicht fest verbaut ist und nach Entnahme den Zugriff auf die Micro-SIM- und SD-Karte erlaubt. Des Weiteren sind unter der Schale sämtliche Verschraubungen des Gerätes sowie die Kontakte für die leider nur optional erhältliche Abdeckung untergebracht, die auch beim 820 ein kabelloses Aufladen erlaubt, sofern eine entsprechende Station dafür vorhanden ist.

Nokia Lumia 820 Cover
Nokia Lumia 820 Cover

Lässt man das etwas hohe Gewicht außer Acht, so lässt sich zusammenfassend sagen, dass Nokia den Parkour in Sachen Design und Verarbeitung mit Bravour gemeistert hat und das Gerät einen äußerst soliden und hochwertigen Eindruck hinterlässt.

Lumia 920

Dies gilt im Großen und Ganzen auch für das Lumia 920. Das Topmodell ist hervorragend verarbeitet und hinterlässt einen optisch sehr eigenständigen Eindruck – auch wenn es seine Verwandtschaft zu anderen Mitgliedern der Lumia-Familie nicht leugnen kann oder will. Durch den weit herumgezogenen Gehäuserahmen wirkt das Display wie eingebettet, insbesondere in der von uns getesteten weißen Variante des Smartphones entsteht so ein angenehmer farblicher Kontrast. Die insgesamt drei Hardware-Tasten (Lautstärkewippe, Ein-/Ausschalter, Kamera) sind sauber in das Gehäuse eingearbeitet, weisen kein überflüssiges Spiel aber einen guten Druckpunkt auf und sind sowohl für Rechts- als auch Linkshänder gut zu erreichen.

Nokia Lumia 920
Nokia Lumia 920
Nokia Lumia 920

Allerdings sorgt die Formgebung stellenweise auch für ein regelrecht pummeliges Erscheinungsbild, was zumindest teilweise von den Zahlen belegt wird. Mit 130,3 × 70,8 × 10,7 Millimetern fällt das Lumia 920 sehr groß aus, insbesondere die Dicke macht sich deutlich bemerkbar. Zum Vergleich: Huaweis Ascend D1 Quad XL misst mit seinem ebenfalls 4,5 Zoll großen Display 129,0 × 64,0 × 10,9 Millimeter, das HTC One X+ [1] 134,4 × 69,9 × 8,9 Millimeter. Dabei fällt die Größe des Lumia 920 gerade im Vergleich mit HTCs neuestem Modell sehr negativ auf, obwohl die Taiwaner ein größeres Display verbauen.

Nokia Lumia 920
Nokia Lumia 920

Immerhin liegt der finnische Beitrag trotz der eher kopflastigen Konstruktion sehr gut in Hand, nicht zuletzt aufgrund der seitlichen Rundungen. Mit 185 Gramm ist das Smartphone aber alles andere als ein Leichtgewicht und in diesem Punkt zeigt die verbaute Technik ihre Schattenseite. Ebenfalls negativ angemerkt werden muss das komplett geschlossene Gehäuse. Nokia lässt weder ein Wechseln des Akkus zu, noch ist ein microSD-Slot vorhanden, den Windows Phone 8 jedoch zur Erweiterung des Speichers zulässt. Immerhin hat Nokia die benötigte Technik zum drahtlosen Laden in das Gehäuse integriert – anders als beim Lumia 820. Allerdings wird auch beim größeren Smartphone eine entsprechende Ladestation oder -matte noch zusätzlich benötigt; wer den Komfort der Qi-Technik nutzen will, muss demnach weiteres Geld investieren.

Display

Auch wenn Microsoft wie schon bei Windows Phone 7 den großen Rahmen vorgibt: Hier und da haben die Hersteller dennoch die Möglichkeit, ihre Geräte den eigenen Vorstellungen anzupassen. Neben dem Design ist vor allem das Display ein solcher Bereich. Von Interesse sind hier vor allem Größe und Auflösung, aber auch die zugrunde liegende Technik. In allen drei Punkten unterscheiden sich Nokias Neulinge deutlich voneinander.

Lumia 820

Nach den äußerst guten Erfahrungen im Bereich der Verarbeitung und Haptik kommen wir mit dem Display zum ersten Kritikpunkt des Gerätes. Zwar fällt dieses mit einer Diagonale von 4,3 Zoll angenehm und nicht zu groß aus, doch stellen 480 × 800 Bildpunkte eine Auflösung dar, die man in dieser Preisklasse nicht erwartet hatte und die eher in Geräten des Baujahres 2010 zu finden ist. Das Resultat sind bescheidene 217 Pixel pro Zoll, wobei Nokia beim ClearBlack-AMOLED genannten Display auf eine RGB-Matrix setzt, was die Nachteile wieder etwas wett macht. Dabei scheint ein AMOLED-Display genau die richtige Wahl für die mit poppig bunten Kacheln versehene Oberfläche von Windows Phone 8 gewesen zu sein, denn zumindest auf dem Homescreen lässt sich die geringe Auflösung nicht erkennen. Vereinzelt lassen sich zwar Pixel ausmachen, doch im Großen und Ganzen stellt das Display, wenn auch anders erwartet, hier keinen Nachteil dar. Etwas anders sieht es bei den sehr auf Text setzenden weiteren Menüs aus, die etwas mehr Bildpunkte hätten vertragen können und leicht zum Ausfransen neigen. Aufgrund der von Microsoft gewählten Schriftarten hält sich das Problem aber in Grenzen.

Nokia Lumia 820 Front
Nokia Lumia 820 Front

Deutlich bemerkbar macht sich die Auflösung hingegen beim Betrachten von Webseiten im Browser. Hier mangelt es eindeutig an Fläche, sodass ein ständiges Scrollen in alle Richtungen notwendig ist, um den kompletten Inhalt einer Seite betrachten zu können. Auch HD-Material kann nicht in seiner nativen Auflösung auf dem Gerät dargestellt werden. Rein subjektiv schlägt sich das Display trotz seiner geringen Auflösung aber erstaunlich gut, denn ein Ablesen war auch unter extremen Blickwinkeln und äußeren Einflüssen stets gut möglich. Auch in Sachen Helligkeit kann die Anzeige punkten, wenngleich Windows Phone 8 neben der automatisierten Helligkeit nur drei Stufen zur manuellen Einstellung bietet. Im Folgenden werden wir klären, ob sich der subjektive Ersteindruck durch die Messwerte bestätigen lässt.

Display-Helligkeit
 Helligkeit max.:
LG Optimus 4X HD
548
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.200
Apple iPhone 5
544
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.800
BlackBerry Curve 9320
463
Hinweis: Weißpunkt: ca. 7.000
Sony Xperia S
449
Hinweis: Weißpunkt: ca. 5.500
HTC Titan
439
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.700
HTC One X+
428
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.000
HTC One X
411
Hinweis: Weißpunkt: ca. 5.800
Sony Xperia U
411
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.000
Sony Xperia Sola
403
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.600
HTC Radar
402
Hinweis: Weißpunkt: ca. 5.500
HTC One V
360
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.700
Nokia Lumia 920
356
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.300
Samsung Galaxy Beam
332
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.500
HTC 8X
330
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.800
Nokia Lumia 610
327
Hinweis: Weißpunkt: ca. 5.220
Nokia Lumia 820
314
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.800
HTC Desire C
284
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.300
HTC Desire X
284
Hinweis: Weißpunkt: ca. 8.100
Nokia Lumia 800
278
Hinweis: Weißpunkt: ca. 7.200
Huawei Ascend P1
278
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.500
HTC One S
269
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.400
Samsung Galaxy S III
235
Hinweis: Weißpunkt: ca. 7.000
Samsung Galaxy Note II
222
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.800
Motorola Razr i
215
Hinweis: Weißpunkt: ca. 5.900
Samsung Galaxy Nexus
213
Hinweis: Weißpunkt: ca. 6.400
Nokia 808
212
Hinweis: Weißpunkt: ca. 7.500
 Helligkeit min.:
Apple iPhone 5
4
Sony Xperia S
5
Samsung Galaxy Nexus
7
HTC Desire C
10
Samsung Galaxy Beam
12
HTC Desire X
12
HTC Titan
12
HTC One X
16
HTC One V
16
Samsung Galaxy Note II
16
Huawei Ascend P1
17
HTC Radar
18
HTC One X+
18
Samsung Galaxy S III
19
HTC One S
20
Motorola Razr i
20
Nokia Lumia 610
23
Nokia Lumia 800
28
Nokia 808
35
LG Optimus 4X HD
36
HTC 8X
45
Hinweis: Stufe „niedrig“
Sony Xperia Sola
46
Sony Xperia U
53
Nokia Lumia 920
57
Hinweis: Stufe „niedrig“
Nokia Lumia 820
83
Hinweis: Stufe „niedrig“
BlackBerry Curve 9320
177
Display-Kontrast
 Kontrast:
Samsung Galaxy Nexus
5.000:1
Hinweis: OLED-Display
Nokia Lumia 800
5.000:1
Hinweis: OLED-Display
HTC One S
5.000:1
Hinweis: OLED-Display
Samsung Galaxy S III
5.000:1
Hinweis: OLED-Display
Nokia 808
5.000:1
Hinweis: OLED-Display
Huawei Ascend P1
5.000:1
Hinweis: OLED-Display
Samsung Galaxy Note II
5.000:1
Hinweis: OLED-Display
Motorola Razr i
5.000:1
Hinweis: OLED-Display
Nokia Lumia 820
5.000:1
Hinweis: OLED-Display
Samsung Galaxy Beam
2.231:1
HTC One V
1.384:1
HTC One X+
1.304:1
HTC Desire X
1.290:1
HTC One X
1.245:1
Apple iPhone 5
1.208:1
HTC Titan
1.020:1
LG Optimus 4X HD
945:1
Sony Xperia U
874:1
HTC Radar
873:1
Sony Xperia Sola
857:1
HTC Desire C
788:1
HTC 8X
733:1
Nokia Lumia 610
726:1
Nokia Lumia 920
693:1
BlackBerry Curve 9320
661:1
Sony Xperia S
415:1
Angaben in Kontrast
+ Anmerkungen zur Display-Betrachtung

Als optimalen Weißpunkt sehen wir D65 an, also eine Farbtemperatur von 6.500 Kelvin (K). Dies entspricht nach gängiger Definition einem mittlerem Tageslicht und ist der Weißpunkt der gängigen Farbräume sRGB und AdobeRGB. Eine Abweichung von einigen hundert bis etwa 1000 K ist bei Mobiltelefonen als noch akzeptabel anzusehen, einige Displays – bauartbedingt vor allem OLED-Modelle – liegen allerdings beim Weiß und noch mehr bei Grautönen oft im Bereich um 10.000 K, was bereits als deutlicher Blaustich wahrnehmbar ist. Sehr viele Displays von Smartphones und Notebooks treffen zwar den Weißpunkt von 6.500 K relativ genau, weichen aber bei Grautönen und anderen mittleren Farbtönen deutlich mit einem Blaustich ab. Vor allem bei gleichzeitigem Auftreten von Grau und Weiß ist diese ungleichmäßige Graubalance wahrnehmbar.

Gegenüber der LCD-Technik weisen OLED-Bildschirme einige Besonderheiten auf, die sich teilweise in unseren Messungen niederschlagen und erklärungsbedürftig sind. Zum einen ist das der bekanntermaßen hohe Kontrast, der bei OLED durch die selbstleuchtenden Pixel möglich ist – es gibt hier kein Backlight, welches durch das Panel mehr oder weniger stark abgedunkelt wird, sondern ein schwarz angesteuerter Pixel ist tatsächlich komplett schwarz und leuchtet nicht. Da das Kontrastverhältnis den Quotienten zwischen der Helligkeit von Weiß und Schwarz angibt, ergibt die Kontrastmessung bei OLED-Displays theoretisch eine Division durch Null und damit ein nicht definiertes Ergebnis – in der Praxis gibt es bei der Schwarzmessung immer eine gewisse Resthelligkeit durch Streulicht und ein Signalrauschen beim Messgerät, sodass Kontrastergebnisse im fünfstelligen Bereich entstehen. Da die Darstellung dieser Kontrastwerte im Balkendiagramm den irreführenden Eindruck erzeugen, der Kontrast wäre bei OLED sichtbar um viele Größenordnungen besser, haben wir uns entschieden als Kontrast maximal 5000:1 darzustellen und auf diese Erklärung zu verweisen. Im Alltag ist der Unterschied allenfalls in sehr dunklen Umgebungen deutlich wahrnehmbar, bei Tageslicht sind Faktoren wie die Reflexionen der Displayoberfläche wesentlich wichtiger.

Die zweite Besonderheit ist die beim derzeitigen Stand der Technik verhältnismäßig geringe Lebensdauer der blauen Leuchtelemente bei OLED-Displays. Dies veranlasst die Hersteller dazu, zur Steigerung der Lebensdauer bei einigen Displays die klassische RGB-Subpixelmatrix durch alternative Anordnungen abzulösen. Bekannt ist dabei beispielsweise Samsungs „PenTile“-Matrix, deren Hauptmerkmal die Vergrößerung der blauen und roten Subpixel ist – allerdings bei gleichzeitiger Halbierung ihrer Anzahl. Das bedeutet, dass bei gleicher Nennauflösung diese Displays eine geringere Anzahl von Subpixeln aufweisen als Displays mit der bewährten RGB-Matrix. Jeder Pixel verfügt weiterhin über seinen eigenen grünen Subpixel, teilt sich aber den jeweiligen roten und blauen Subpixel mit seinem Nachbarpixel. Das ganze führt bei gleicher Nennauflösung zu einer geringeren tatsächlichen Auflösung und an Kontrastkanten zu Farbsäumen, die vor allem die Lesbarkeit von Text deutlich verringern können.

Nimmt man den OLED-typisch sehr hohen Kontrast aus der Gleichung, so bestätigen die Messergebnisse die subjektiven Eindrücken und bescheinigen dem Display gute, wenn auch nicht neue Maßstäbe setzende Eigenschaften. Bei der maximalen Helligkeit landet das Lumia 820 zwar nur im hinteren Mittelfeld, doch im Vergleich zu anderen mit einem OLED-Display ausgestatteten Geräten stellt dies einen sehr guten Wert dar. So kann sich das Gerät an die Spitze der OLED-Vertreter setzen und bietet satte 314 cd/m², sodass auch bei direktem Lichteinfall immer noch ein befriedigendes Ablesen möglich war. Etwas problematisch fällt die niedrigste Helligkeitsstufe aus, die mit 84 cd/m² zu hell ist. Hier ist der Fehler aber nicht unbedingt auf Seiten von Nokia zu suchen, denn Microsofts Windows-Phone-8-Einstellungen erlauben schlichtweg keine niedrigere Stufe und könnte in diesem Bereich durchaus vielfältigere Optionen für das Display vertragen.

So fällt das Fazit insgesamt gut aus, muss allerdings mit einem kleinen Aber versehen werden. Das Display punktet zwar mit seinen weiteren Eigenschaften wie der sehr guten Helligkeit, doch eine Auflösung von 480 × 800 Bildpunkten ist nicht mehr zeitgemäß. Gerade im Browser sowie beim Lesen von E-Mails und zum Teil auch beim Betrachten von Bildern und Videos macht sich diese Schwäche bemerkbar. Geräte zu einem vergleichbaren Preis bieten zum Teil deutlich mehr.

Lumia 920

Ähnlich und doch anders sieht es beim Lumia 920 aus. Nokia setzt hier anders als beim kleineren Modell auf ein herkömmliches IPS-Panel, stellt diesem aber ebenfalls die ClearBlack-Technik zur Seite. Auf 4,5 Zoll verteilen sich insgesamt 1.280 × 768 Pixel, die daraus resultierenden 331 ppi übertreffen unter anderem das iPhone 5 und sorgen für eine sehr scharfe Darstellung von Inhalten. Anders als beim AMOLED-Display des Lumia 820 fallen insbesondere die Schwarzwerte bauartbedingt schlechter aus, was sich nicht zuletzt beim Kontrast bemerkbar macht. Mit einem Verhältnis von nicht einmal 700:1 rangiert das neue Topmodell auf einem der unteren Plätze, in puncto Helligkeit mit 356 Candela pro Quadratmeter immerhin im Mittelfeld.

Nokia Lumia 920
Nokia Lumia 920

Dabei sind die Messwerte ein Stück weit trügerisch, denn der Gesamteindruck des Displays ist durchaus positiv. Farben werden knackig dargestellt, die Blickwinkel sind aufgrund des IPS-Panels großzügig. Im direkten Vergleich beider Modell geht das Lumia 920 eindeutig als Sieger vom Platz, die deutlich höhere Auflösung macht den eventuellen Vorteil des Lumia 820 durch AMOLED mehr als wett.

Performance & Oberfläche

Die Oberfläche von Windows Phone 8 kann auch auf den neuen Lumia-Geräten überzeugen. Zu keinem Zeitpunkt kam es zu Rucklern oder langen Wartezeiten, sondern die Menüführung erwies sich erneut als butterweich. Mit einem Qualcomm-Snapdragon-S4-Prozessor im Zusammenspiel mit einem Gigabyte Arbeitsspeicher und einer relativ potenten Adreno-225-GPU ergibt sich bei beiden Probanden die gleiche Ausstattung und somit auch eine identische Geschwindigkeit. Programme und Dateien lassen sich flott öffnen und auch Spiele stellten die Geräte vor keine große Herausforderung. Auch bei mehreren geöffneten Applikationen und dem damit verbundenen Multitasking kamen die Smartphones nicht ins Schwitzen. Beim Browsen per Internet Explorer 10 kam abseits der geringen Auflösung auf dem Lumia 820 echtes Vergnügen auf, da es sich selten so weich durch die Seiten navigieren lässt.

BrowserMark 2.0
Samsung Galaxy Note II (Android 4.1.1)
1.970
HTC One X+ (Android 4.1.1)
1.702
Nokia Lumia 920 (Windows Phone 8)
1.671
Nokia Lumia 820 (Windows Phone 8)
1.632
HTC One X+ ES (Android 4.1.1)
1.615
Angaben in Punkten
SunSpider 0.9.1
Nokia Lumia 820 (Windows Phone 8)
906,5
Nokia Lumia 920 (Windows Phone 8)
910,4
HTC One X+ (Android 4.1.1)
1.013,6
Samsung Galaxy Note II (Android 4.1.1)
1.015,0
Motorola Razr i (Android 4.0.4)
1.041,3
Samsung Galaxy S III LTE (Android 4.1.1)
1.175,6
HTC One X+ ES (Android 4.1.1)
1.180,6
HTC Desire One XL (Android 4.0.4)
1.205,5
HTC Desire X (Android 4.0.4)
2.120,1
Angaben in Millisekunden
+ Anmerkungen zur Leistungsbetrachtung

Grundsätzlich sei dazu auch in diesem Fall zunächst vermerkt, dass wir dem Thema „Benchmarks“ im Bereich der Smartphones mit Skepsis gegenüberstehen und das nicht nur, weil die Aussagekraft von (synthetischen) Benchmarks selbst in einer homogenen Geräte-Gruppe mit gleichem Betriebssystem zumindest diskussionswürdig ist. Hinzu kommt, dass eine effektive Messung über die unterschiedlichen Plattformen methodisch schwierig ist – ein weiterer Faktor, der verstärkend zu der Feststellung beiträgt, dass die hier wie anderswo präsentierten Ergebnisse nur als Richtwert, nicht aber als ultimativ-objektive Darstellung der Realität angesehen werden müssen.

Die Auswahl der Benchmarks leitet sich wie gewohnt nicht nur von der Beliebtheit, sondern auch von den Schwerpunkten ab: Während Smartbench und CF-Bench auf die Gesamt- und GLBenchmark auf die GPU-Performance abzielen, ermittelt Linpack die pure Rechenpower und SunSpider und BrowserMark zielen auf die Performance des Browsers ab, sodass alle relevanten Aspekte abgedeckt werden. Gelistet werden fast ausschließlich Geräte, die einem Test unterzogen wurden.

Gemessen wurde gleich nach der ersten Geräte-Einrichtung, wobei aus jeweils drei Messungen je Benchmark der schnellste Wert in die Wertung einfließt. Nach der Installation der Benchmarks wurde das Gerät neugestartet und für einige Minuten im Idle belassen; zwischen den Durchläufen je Benchmark wurde das Gerät ebenfalls jeweils neugestartet.

Dieser Eindruck wird durch die ausgeführten Benchmarks bestätigt, wenngleich im Windows Store deutlich weniger Testprogramme zur Verfügung stehen als unter Android oder iOS. Im noch von relativ wenigen Geräten durchlaufenen V8-Benchmark von Google sowie im BrowserMark 2.0 liegen beide Lumia quasi gleichauf, was bei identischer Hardware im Innern nicht anders zu erwarten war. Damit reiht man sich zumindest im BrowserMark nur knapp hinter Vertretern aus dem Bereich der Tablets und dem Oberklasse-Smartphone HTC One X+ ein und kann sich im neuen SunSpider-Test der Version 0.9.1 sogar an die Spitze des Feldes setzen. So entstehen neue Bestwerte, die sogar vor der auf dem Papier stärkeren Konkurrenz liegen. Dies beweist abermals, dass immer stärkere Hardware nicht unbedingt den Schlüssel zum Erfolg darstellt und eine Optimierung des Betriebssystems sehr wichtig ist. Das Lumia 820 und 920 zeigen, dass es nicht immer einen Quad-Core-Prozessor, zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und eine stärkere GPU braucht, um ein schnelles Smartphone zu entwickeln.

Nokia Lumia 820 Oberfläche
Nokia Lumia 820 Oberfläche
Nokia Lumia 820 Oberfläche
Nokia Lumia 820 Oberfläche
Nokia Lumia 820 Oberfläche
Nokia Lumia 820 Oberfläche
Nokia Lumia 820 Oberfläche
Nokia Lumia 820 Oberfläche
Nokia Lumia 820 Oberfläche
Nokia Lumia 820 Oberfläche

Unsere Alltags-Eindrücke zur Oberfläche von Windows Phone 8 haben wir unlängst im Test zum HTC 8X dargelegt [2] und auf die Veränderungen in Windows Phone 8 sind wir bereits in unserem Bericht [3] eingegangen, weshalb wir dies an dieser Stelle nicht erneut tun.

Lediglich auf das Ökosystem möchten wir noch einmal kurz eingehen. Mittlerweile stehen für WP8 weit über 120.000 Programme zur Verfügung und viele der aus iOS und Android bekannten Applikationen stehen auch hier zum Download bereit. Bei diesen handelt es sich zwar nicht immer um die gleiche App vom selben Entwickler, doch erfüllen diese zumeist den gleichen Zweck. Insgesamt mangelt es aber immer noch an einer großflächigen Akzeptanz der Windows-Phone-Plattform, was sich oftmals dadurch äußert, dass neue Apps zunächst nur für iOS und Android angekündigt werden und Programme für Windows Phone nur bei gegebener Nachfrage realisiert werden. Selbst eine sehr beliebte App wie YouTube steht unter Microsofts Betriebssystem zwar zum Download bereit, stellt aber nur einen Link zur mobilen Webseite des Video-Portals dar.

Somit ist man zwar näher an die Konkurrenz gerückt, doch insgesamt kann Windows Phone in dieser Disziplin weiterhin nicht mit den Angeboten aus Cupertino und Mountain View mithalten. Für Neueinsteiger im Smartphone-Sektor mag diese Hürde leichter zu meistern sein, doch bereits an Android oder iOS gewöhnte Nutzer werden sich mit einem Wechsel der Plattform schwer tun.

Multimedia

Beiden neuen Lumia gemein sind zahlreiche Unterhaltungsfunktionen. Dazu gehören neben dem in Windows Phone 8 integrierten Mobilableger des Internet Explorer 10 natürlich auch der Windows Store für Applikationen sowie Shops für Video und Musik. Für letzteres stehen gleich zwei virtuelle Läden zur Verfügung, Microsofts Xbox Music [4] sowie Nokia Musik. Beide Portale bieten neben Kaufmusik auch Streaming-Optionen, die sich zumindest in der kostenlose Variante unterscheiden: Während Microsoft das monatliche Volumen begrenzt (in der aktuelle Startphase noch nicht) und Werbung einblendet, lassen sich bei Nokia Titel nur begrenzt direkt auswählen und Vorschläge können nur sechsmal pro Stunde übersprungen werden. Geboten werden dafür zahlreiche Mix-Vorschläge, die für jeden Geschmack etwas bieten (sollten). Auffällig jedoch: Wie auch bei Apps ist das Angebot an Musik und Videos deutlich geringer als bei Apples iOS, dem Platzhirschen in diesem Bereich; der wiederum kein kostenloses Modell bietet.

Alleinstellungsmerkmale sind aber auch die im Vergleich zu anderen Windows-Phone-8-Geräten umfangreicheren Karten- und Navigationslösungen sowie der City Navigator. Dabei handelt es sich um eine Augmented-Reality-Applikation, die in der Nähe liegende Geschäfte, Restaurants, Sehenswürdigkeiten und andere interessante Punkte direkt mit dem Kamerabild verknüpft und auf dem Display einblendet.

Lumia 820

Im Lumia 820 verbaut Nokia einen mittlerweile klassenüblichen Sensor mit acht Megapixeln, der selbst unter widrigen Bedingungen an einem deutschen Novembertag sehr ansehnliche Ergebnisse liefert. Die Kamera weiß mit einer sehr neutralen Farbgestaltung zu gefallen und bietet einen hohen Schärfegrad, der im Bildhintergrund aber etwas verloren geht. Diese minimale Kritik ist aber zu verschmerzen, denn ansonsten liefert die Kamera mehr als nur gute Ergebnisse. Begibt man sich näher zum gewünschten Objekt, entstehen weiterhin sehr gute Aufnahmen, die viele Details zum Vorschein bringen. Das Öffnen der Kamera benötigt zwar einen kurzen Moment, doch betrachtet man die Auslösezeit, so geht das Lumia 820 sehr zügig zu Werke und bietet auch für eilige Aufnahmen die benötigte Leistung.

Nokia Lumia 820 Kamera Nahaufnahme
Nokia Lumia 820 Kamera Nahaufnahme (Original-Download)

Nokia Lumia 820 Kamera
Nokia Lumia 820 Kamera (Original-Download)
Nokia Lumia 820 Kamera
Nokia Lumia 820 Kamera (Original-Download)
Nokia Lumia 820 Kamera Nahaufnahme
Nokia Lumia 820 Kamera Nahaufnahme (Original-Download)

Wechselt man im Menü der Kamera auf den vorderen Sensor, so steht nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Auflösung und somit leider auch nur noch ein Bruchteil der Qualität zur Verfügung. Mit 640 × 480 Pixeln entstehen Bilder, die nicht nur sehr klein ausfallen, sondern auch deutlich zur Blöckchenbildung neigen. Für mehr als einen Schnappschuss ist die vorderseitig verbaute Kamera nicht zu gebrauchen. In Sachen Farbgestaltung kann die Kamera dann aber wieder punkten, obwohl dies im Kontext der schlechten Gesamtqualität kaum eine Rolle spielt.

Nokia Lumia 820 Frontkamera
Nokia Lumia 820 Frontkamera (Original-Download)

Nokia Lumia 820 Frontkamera
Nokia Lumia 820 Frontkamera (Original-Download)
Nokia Lumia 820 Frontkamera
Nokia Lumia 820 Frontkamera (Original-Download)
Nokia Lumia 820 Frontkamera Nahaufnahme
Nokia Lumia 820 Frontkamera Nahaufnahme (Original-Download)

Auch bei Videoaufnahmen muss eine strikte Trennung zwischen rückseitig und vorderseitig verbauter Kamera vollzogen werden. Erstere punktet mit einem sehr guten Resultat, das durch scharfe bis sehr scharfe Aufnahmen erreicht wird, auch wenn Details in der Ferne etwas verloren gehen. Auch etwas schnellere Kameraschwenks meistert das Gerät gut bis sehr gut.

Video „Nokia Lumia 820 Testvideo

Im kompletten Kontrast dazu steht das Endresultat der Frontkamera, die aufgrund ihrer niedrigen Auflösung zu sehr bescheidenen Ergebnissen führt. Das Bild verschwimmt zu einem grobkörnigen Pixelbrei, sodass sich Details kaum ausmachen lassen. Dies wird auch durch eine sehr niedrige Datenrate gefördert, die im Schnitt etwa bei einem Drittel des zuvor getesteten Motorola RAZR i [5] liegt, wobei die Frontkamera mit der gleichen Auflösung arbeitet. Für eine Selbstaufnahme sollte besser – wenn auch umständlich – auf die rückseitige Kamera zurückgegriffen werden. Unter gut ausgeleuchteten Bedingungen konnte die Person am anderen Ende der Videotelefonie-Leitung zwar den Testprobanden erkennen und gut mit ihm kommunizieren, doch Bildgenuss sieht anders aus.

Video „Nokia Lumia 820 Testvideo Frontkamera

Lumia 920

Die Hauptkamera des Lumia 920 ähnelt der des kleineren Modells in vielen Punkten: Auch hier löst der Sensor mit acht Megapixeln auf, neben einem Autofokus gibt es auch einen Dual-LED-Blitz und die Linse wird ebenfalls von Carl Zeiss gefertigt. Aber: Nokia setzt beim neuen Flaggschiff auf einen optischen Bildstabilisator. Möglich wird dies durch eine „schwimmende“ Befestigung der Linse, wodurch kleinere Rucklers beim Fotografieren ausgeglichen werden sollen. Mehr Bildqualität im Dunkeln soll zudem die hauseigene PureView-Technik liefern, die sich aber deutlich von der des Nokia 808 PureView [6] unterscheidet.

Bei guten Lichtverhältnissen erreicht die Kamera durchaus ansehnliche Resultate, auch wenn diese im direkten Vergleich mit hochwertigen Kameras meist ein wenig zu dunkel ausfallen. In schlecht beleuchteten Umgebungen kann die Kombination aus Sensor und Software bis zu einem bestimmten Punkt für eine ausreichend hohe Qualität sorgen, Bildrauschen ist dennoch unübersehbar. Ein Stück weit Abhilfe schafft das Abschalten der Vollautomatik, wirklich freie Hand hat der Nutzer aber auch dann nicht.

Ein wenig enttäuschend sieht es in Bezug auf die Video-Qualität aus. Zumindest im Automatikmodus werden Farben oftmals verfälscht aufgezeichnet respektive wiedergegeben, zudem kommt es auch bei guten Lichtverhältnissen vergleichsweise schnell zu Artefaktbildungen. Ein wenig besser verhält es sich im semi-automatischen Modus: Hier kann zwischen vier vordefinierten Weißabgleich-Profilen gewählt werden, die zwar ein besseres, aber noch kein gutes Ergebnis liefern.

Video „Nokia Lumia 920 Testvideo

Kommunikation

Nicht zuletzt an der Kommunikationsausstattung merkt man, dass Nokia die beiden neuen Lumia in der oberen Mittel- und der Oberklasse ansiedelt. Denn sowohl das Lumia 820 als auch das Lumia 920 beherrscht neben HSPA, HSPA+ und DC-HSPA+ auch LTE. Während man letzteres bei einem Flaggschiff mittlerweile erwarten darf, ist es zumindest in preiswerteren Regionen noch selten.

Erreicht werden dabei theoretische Spitzenübertragungsraten im Downstream von 42,2 (HSPA+-DC) und 100 (LTE) Megabit pro Sekunde, im Upstream sind es immerhin noch 5,76 und 50 Megabit pro Sekunde. Das verbaute Mobilfunkmodem unterstützt fünf verschiedene LTE-Frequenzen (800, 900, 1.800, 2.100 und 2.600 Megahertz) und eignet sich somit hierzulande anders als beispielsweise das iPhone 5 nicht nur für das Netz der Deutschen Telekom. Anders als oftmals angenommen sind beide Lumia aber nicht weltweit in allen LTE-Netzen nutzbar. Dafür fehlen unter anderem die in den USA häufig genutzten 700- und 1.700-Megahertz-Netze.

Nokia Lumia 920
Nokia Lumia 920

Abseits von Mobilfunknetzen stehen WLAN und Bluetooth zur Verfügung, mit NFC zudem der fast schon als Hoffnungsträger bezeichnete Kurzstreckenfunk, der unter anderem für die in Windows Phone 8 integrierte elektronische Geldbörse wichtig ist.

Die Qualität beim Telefonieren gibt bei keinem der beiden Geräte Anlass zur Kritik. Durch zwei verbaute Mikrofone werden störende Nebengeräusche gut herausgefiltert, der Gesprächspartner ist durch den guten Lautsprecher problemlos zu verstehen.

Laufzeiten

Beim Akku schöpft Nokia beim Lumia 920 aus den Vollen – zumindest im Vergleich zu den vorherigen Windows-Phone-Modellen. Ein insgesamt 2.000 mAh fassender Akku soll für ausreichende Laufzeiten sorgen, ein Punkt, der insbesondere beim Lumia 800 und Lumia 900 für Kritik sorgte. Zwar konnten die Finnen hier mir kleineren Software-Updates zumindest stellenweise für Besserung sorgen, in Summe kam und kommt man dabei über das Mittelmaß aber nicht hinaus. Eine Bewertung, die auch auf das neue Topmodell zutrifft.

In unseren eher theoretischen Akkutests erreichte das Topmodell mit einer Ladung zwischen gut vier (maximale Helligkeit) und sechs (173 Candela, mittlere Helligkeit) Stunden, angesichts der Kapazität des Energiespeichers ernüchternd. In der Praxis sieht es hingegen ein wenig anders aus. Hier konnten unter alltäglichen Bedingungen (Abgleich zweier E-Mail-Konten, mehrere kurze Telefonate, Surfen via WLAN und HSPA/LTE) Laufzeiten von bis zu 50 bis 52 Stunden erreicht werden; gegenüber aktuellen Android-Topmodellen oder dem iPhone 5 akzeptable Werte. Insgesamt reicht es somit gerade noch für ein „gut“, da praxisnahe Erfahrungen stärker gewichtet werden.

Nokia Lumia 820 Innenleben
Nokia Lumia 820 Innenleben

Ähnlich verhält es sich beim Lumia 820, das im theoretischen Video-Dauertest bei maximaler Helligkeit einen Platz in der unteren Hälfte der Rangliste einnimmt. Trotzdem liegt es damit immer noch vor seinem großen Bruder und das obwohl Nokia nur einen Akku mit 1.650 mAh verbaut. Der Unterschied von knappen 50 Minuten lässt sich aber durch die niedrigere Helligkeit und das verbaute OLED-Display erklären, das den Akku weniger stark belastet und noch dazu kleiner ausfällt. Ein vergleichbares Bild zeigt der Test mit einer verringerten Helligkeit, wobei eine exakte Justage auf 200 cd/m² mit der sehr groben Rasterung in Windows Phone 8 nicht zu erreichen war.

Trotzdem muss auch im Falle des Lumia 820 eindeutig gesagt werden, dass der Akku im Alltag deutlich länger hält als es die Benchmarks zeigen und problemlos zwei Tage ohne einen Besuch der Steckdose zu meistern waren. Am Abend des zweiten Tages muss das Gerät dann jedoch geladen werden. Dabei wurde versucht einen annähernd durchschnittlichen Gebrauch des Smartphones zu simulieren. Neben Telefonaten und dem Surfen im Internet kam es zu kurzen Musik-Einlagen und der ein oder andere Videoclip wurde abgespielt. Zwar ist das Lumia 820 kein Dauerläufer, doch lässt sich dank der praktischen Erfahrung auch beim kleinen Lumia ein „gut“ auf dem Zeugnis vermerken.

Video-Dauertest
 720p Dauertest, max. Helligkeit:
Motorola Razr i (Android 4.0.4)
8:26
Samsung Galaxy Beam (Android 2.3.6)
7:34
HTC One X+ ES (Android 4.1.1)
7:08
Samsung Galaxy Note II (Android 4.1.1)
7:00
HTC Desire C (Android 4.0.3)
6:53
Apple iPhone 5 (iOS 6)
6:51
Huawei Ascend P1 (Android 4.0.3)
6:42
Samsung Galaxy S III (Android 4.0.4)
6:18
HTC One S (Android 4.0.3)
6:08
HTC One X+ (Android 4.1.1)
5:58
HTC Desire X (Android 4.0.4)
5:51
HTC One V (Android 4.0.3)
5:30
Nokia 808 (Symbian Belle FP 1)
5:30
Nokia Lumia 820 (Windows Phone 8)
5:07
HTC Radar (Windows Phone 7.5)
4:33
HTC One X (Android 4.0.3)
4:31
HTC 8X (Windows Phone 8)
4:30
Sony Xperia U (Android 2.3.7)
4:29
Samsung Galaxy Nexus (Android 4.0.1)
4:27
Nokia Lumia 610 (Windows Phone 7.5)
4:23
Nokia Lumia 920 (Windows Phone 8)
4:15
Sony Xperia Sola (Android 2.3.7)
4:12
LG Optimus 4X HD (Android 4.0.3)
3:35
Nokia Lumia 900
3:20
HTC Titan (Windows Phone 7.5)
3:20
Sony Xperia S (Android 2.3.7)
3:20
Nokia Lumia 800 (Windows Phone 7.5)
3:00
BlackBerry Curve 9320 (BB OS 7.1)
2:05
 720p Dauertest, 200 cd/m²:
Motorola Razr i (Android 4.0.4)
8:26
HTC One X+ ES (Android 4.1.1)
7:58
HTC Desire C (Android 4.0.3)
7:55
Apple iPhone 5 (iOS 6)
7:16
HTC One X+ (Android 4.1.1)
7:15
Huawei Ascend P1 (Android 4.0.3)
7:12
Samsung Galaxy Note II (Android 4.1.1)
7:08
Nokia Lumia 820 (Windows Phone 8)
7:02
Samsung Galaxy S III (Android 4.0.4)
6:53
Nokia Lumia 610 (Windows Phone 7.5)
6:40
HTC Desire X (Android 4.0.4)
6:24
Nokia Lumia 920 (Windows Phone 8)
6:17
Samsung Galaxy Beam (Android 2.3.6)
5:46
Nokia 808 (Symbian Belle FP 1)
5:30
Nokia Lumia 900
5:26
Sony Xperia U (Android 2.3.7)
5:23
LG Optimus 4X HD (Android 4.0.3)
5:15
Sony Xperia Sola (Android 2.3.7)
4:50
BlackBerry Curve 9320 (BB OS 7.1)
3:34
Angaben in Stunden, Minuten
+ Anmerkungen zu den Laufzeiten

Auch bei den von uns ermittelten Akku-Laufzeiten gilt, dass diese nur als Richtwert angesehen werden sollten. Zudem darf nicht vergessen werden, dass sich die hier präsentierten Geräte teils deutlich unterscheiden. Ob bei der Größe und Helligkeit des Displays oder bei der Größe des Akkus: Es handelt sich um heterogenes Testfeld, sodass eine direkte Vergleichbarkeit nur selten möglich ist.

Zur Methode: Die Werte wurden bei maximaler Display-Helligkeit und aktiviertem WLAN ermittelt. Bluetooth und GPS waren deaktiviert. Sofern das Gerät über 3G verfügte (Smartphones, Tablets in der 3G-Version), war die entsprechende Verbindung aktiviert.

Fazit

Gerne würde man Nokia mit Lobeshymnen überschütten, denn die Finnen beweisen ein weiteres Mal, dass sie Smartphones bauen können, die sich in vielfacher Hinsicht nicht hinter der Konkurrenz verstecken müssen. Ganz im Gegenteil, denn beide Geräte wissen mit einer sehr guten Verarbeitung zu überzeugen und hinterlassen insgesamt einen sehr soliden Eindruck, was ihr Äußeres betrifft. Zudem hat man es trotz vieler Parallelen geschafft, beiden Modellen einen jeweils eigenen Charakter zu verleihen – mit Stärken und Schwächen.

Nokia Lumia 920
Nokia Lumia 920

Zu ersteren gehört bei beiden Geräten vor allem die Systemleistung, die über nahezu jeden Zweifel erhaben ist. Das neue Dual-Core-Herz, das in beiden Lumia schlägt, sorgt für einen aussetzerfreien Betrieb und ermöglicht im Vergleich zur Vorgängergeneration auch die flüssige Wiedergabe anspruchsvollerer Anwendungen und Spiele. Allerdings wird es noch einige Wochen und Monate dauern, bis die Entwickler das volle Potential ausschöpfen werden. Ebenfalls gut gefallen die beiden Kameras. Während Nokia sich beim Lumia 820 auf übliche Komponenten verlässt, setzen die Finnen beim größeren Lumia 920 zusätzlich auf einen optischen Bildstabilisator und PureView. Und in der Tat: Keines der beiden Smartphones muss sich in dieser Kategorie vor gleich teuren Konkurrenten verstecken.

Nokia Lumia 820 Produktgruppe Smartphones, 27.11.2012
  • Akku austauschbar
  • Speicher erweiterbar
  • hohe Verarbeitungsqualität
  • überzeugende Systemleistung
  • hohes Gewicht
  • Auflösung für obere Mittelklasse zu gering

Etwas differenzierter fallen die Bewertungen dann in den anderen Punkten aus. Denn während das neue Topmodell dank 1.280 × 768 Pixeln mit einer scharfen Darstellung punkten kann und gleichzeitig beim Kontrast Federn lässt, sieht es beim Lumia 820 genau andersherum aus: Hier enttäuscht die Kombination aus Auflösung und Bildschirmgröße, gleichzeitig gefällt das verbaute AMOLED-Display mit einem satten Schwarz und dem daraus resultierenden Kontrastverhältnis. Gerade noch „gut“ fallen die Laufzeiten aus: Wo das Lumia 820 die notwendigen Punkte unter hoher Belastung sammelt und im Alltag ein wenig schwächelt, kann das Lumia 920 genau andersherum überzeugen.

Video „Nokia Lumia 920 im Test

Gemeinsam haben beide Smartphones aber ein kleines Gewichtsproblem: Mit 160 und 185 Gramm handelt es sich um waschechte Schwergewichte, was sich nicht erst im direkten Vergleich mit der leichteren Konkurrenz bemerkbar macht. Letztlich zahlt man auf diesem Wege aber auch ein Stück weit den Tribut für die verbaute Technik, die mit LTE, NFC und drahtlosem Laden – wenn auch beim Lumia 820 nur optional – mehr als vollständig ist.

Nokia Lumia 920 Produktgruppe Smartphones, 27.11.2012
  • hohe Verarbeitungsqualität
  • überzeugende Systemleistung
  • gute Kamera
  • umfangreiche Ausstattung
  • fest verbauter Akku
  • Speicher nicht erweiterbar
  • unterdurchschnittlicher Display-Kontrast
  • sehr hohes Gewicht
Empfehlung 11/2012
Empfehlung 11/2012

Was jedoch bleibt unterm Strich zu sagen? Das Lumia 920 kann getrost als neues Windows-Phone-8-Flaggschiff bezeichnet werden – viel mehr Technik kann man derzeit nicht in ein Smartphone stecken. Dabei ist das Handy nicht frei von Fehlern, der nicht erweiterbare Speicher sowie das sehr hohe Gewicht seien hier als zwei Beispiele genannt. Dennoch kann das Lumia 920 empfohlen werden, ein besseres Gesamtpaket bieten nur wenige Konkurrenten. Anders sieht es beim Lumia 820 aus. Zwar bietet Nokia auch hier viel, patzt aber in der Disziplin Display. Da es auch nur unwesentlich kleiner und leichter als der große Bruder ausfällt, stellt dieser in der Summe der Eigenschaften die bessere Wahl dar. Mit dem HTC 8X [7] steht zudem eine mögliche, preislich ähnlich gelagerte Alternative parat.

Verfügbarkeit & Preise

Die Modelle Nokia Lumia 820 und 920 sind in Deutschland seit November erhältlich und können bei verschiedenen Providern im Rahmen von unterschiedlichen Verträgen zu entsprechend variierenden Preisen erstanden werden. In der freien Variante muss aktuell mit Preisen ab ca. 450 [8] beziehungsweise 620 Euro [9] gerechnet werden.

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/2012-11/test-htc-one-x-plus/
  2. http://www.computerbase.de/2012-11/test-htc-8x/6/
  3. http://www.computerbase.de/2012-10/windows-phone-8/
  4. http://www.computerbase.de/2012-10/xbox-music-startet-diese-woche/
  5. http://www.computerbase.de/2012-11/test-motorola-razr-i/
  6. http://www.computerbase.de/2012-08/test-nokia-808-pureview/
  7. http://www.computerbase.de/2012-11/test-htc-8x/
  8. http://www.computerbase.de/preisvergleich/?in=&fs=Nokia+Lumia+820
  9. http://www.computerbase.de/preisvergleich/?in=&fs=Nokia+Lumia+920
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