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Der Smartphone-Markt 2012

von Patrick Bellmer

Einleitung

Traditionell wagen viele Menschen kurz vor dem Jahreswechsel einen Blick zurück auf die vergangenen Monate. Dies bietet sich aber nicht nur im privaten Umfeld an, auch in der Technikwelt ist ein neues Jahr gleichbedeutend mit einem Umbruch. Denn mit der CES in Las Vegas und dem MWC in Barcelona starten gleich in den ersten Wochen eines neuen Jahres zwei der wichtigsten Branchenmessen.

Grund genug also, sich das Jahr 2012 noch einmal anzuschauen und Trends und Überraschungen aufzuspüren. Dabei hat sich insbesondere bei Smartphones viel getan – ein Markt, der ohnehin sehr schnelllebig ist und eine immer größere und wichtigere Rolle einnimmt. In unserem Rückblick zeigen wir, welche Wandlungen in den letzten Monaten vollzogen worden sind, wie sich der Wettbewerb verändert und ob der Kunde am Ende profitiert hat. Zudem wagen wir einen kleinen Ausblick auf die kommenden Monate.

Wachsende Displays

Size matters – daran besteht spätestens Ende 2012 kein Zweifel mehr. Denn galt bislang die Display-Größe als ein offensichtliches Unterscheidungsmerkmal zwischen Ober- und Mittelklasse, sind die Grenzen nun fließend bis nicht mehr vorhanden. So brachte beispielsweise Samsung Anfang des Jahres mit dem Galaxy Ace Plus [1] ein Gerät mit 3,65 Zoll auf den Markt, sind es beim nur wenige Wochen später vorgestelltem Galaxy Ace 2 [2] schon 3,8 Zoll. Dabei darf man nicht vergessen, dass noch vor 15 oder 18 Monaten High-End-Geräte angeboten wurden, die über kleinere Anzeigen verfügten, das iPhone 4S sei hier nur als ein Beispiel genannt.

Doch die „magische“ Grenze von vier Zoll, die zumindest in der Theorie noch bis zum Sommer Gültigkeit hatte, existiert auch nicht mehr. Denn aktuelle Smartphones wie das HTC Desire X [3], das Sony Xperia J [4]) oder das Huawei Ascend G330 zeigen, dass man mehr Display für immer weniger Geld bekommen kann.

Gewachsene Nachfolger
Gewachsene Nachfolger
Gewachsene Nachfolger
Gewachsene Nachfolger

Gleichzeitig lässt sich ein solcher Trend auch in den höheren und höchsten Preisgefilden wiedererkennen. Samsungs Galaxy S III [5] wuchs im Vergleich zum Vorgänger um 0,5 auf 4,8 Zoll, der Nachfolger des Sony Xperia S – das Xperia T [6] von 4,3 auf 4,55 Zoll. Und selbst Apple, über Jahre hinweg Verfechter des kleinen Smartphone-Bildschirms, folgte und vergrößerte das Display.

Dass dabei das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist, zeigen erste Spekulationen [7] rund um das Galaxy Note III. Hier soll nun der Sprung auf 6,3 Zoll bevorstehen; und dies, obwohl die 5,55 Zoll des Samsung Galaxy Note II [8] alles andere als wenig sind.

Prozessoren

PC-Nutzer wissen es schon lange: Zwei Kerne sind besser als einer und vier Kerne sind besser als zwei. Statt einen einzigen CPU-Kern immer höher zu takten, kann man die Arbeit auch auf zwei, vier oder noch mehr Kerne mit geringerem Takt verteilen. Das macht das System am Ende nicht nur schneller, sondern senkt auch noch die Leistungsaufnahme. So zumindest verkaufen es die Hersteller von Prozessoren und entsprechenden Geräten noch immer. Dass es am Ende aber nicht reicht, mehr und mehr und noch mehr Kerne zu verbauen, zeigt ein Blick auf die verschiedensten Leistungsdiagramme. Denn die pure Anwesenheit bringt nichts, solange die Software davon nichts weiß oder damit nicht umgehen kann.

Dual-Core-SoC: Künftig zu wenig für die Oberklasse?
Dual-Core-SoC: Künftig zu wenig für die Oberklasse?

Das gilt für den PC ebenso wie für das Smartphone. Und dennoch wird versucht, den Zuwachs an Kernen als eines der Topargumente für ein neues Gerät zu nutzen. Tatsächlich aber können weder alle Mobilbetriebssysteme, geschweige denn alle Applikationen mit mehr als einem oder zwei Kernen umgehen. Und dennoch setzen beispielsweise Samsung, HTC und LG bei ihren Aushängeschildern Galaxy S III/Galaxy Note II, One X+ [9] und Optimus G/Nexus 4 auf Quad-Core-Lösungen. Für den Kunden hat dies in den meisten Fällen zumindest keine negativen Auswirkungen, abgesehen von den Mehrkosten im Vergleich zu einem Dual-Core-SoC.

SoCs als Werbeinstrument
SoCs als Werbeinstrument
SoCs als Werbeinstrument

Aber diese Entwicklung ist nicht auf die teuren Geräte begrenzt, auch in den unteren Segmenten steigt der Anteil der Mehrkern-Chips. Selbst Smartphones, die im Bereich von etwa 150 Euro angesiedelt sind, verfügen zum Teil bereits über zwei CPU-Kerne. Und der Trend wird sich fortsetzen, wie jüngste Ankündigungen beweisen. Einerseits sind für High-End-Lösungen schon Achtkern-SoCs im Gespräch [10], andererseits soll bereits im ersten Quartal 2013 das erste Mittelklasse-Smartphone vier CPU-Kernen [11] auf den Markt kommen. Möglicherweise schaffen es die Gerätehersteller dann endlich, ihre Systemoberflächen ruckelfrei darzustellen...

Eigene Inhalte und Dienste

Die Bindung eines Kunden ist für ein Unternehmen ein wichtiges Ziel. Ist dieser mit einem Gerät oder einer Dienstleistung zufrieden, ist es sehr wahrscheinlich, dass er sich beim nächsten Mal erneut für dieses entscheidet. Aus Verbrauchersicht ist dies sicherlich zu begrüßen – am Ende profitieren eigentlich alle Seiten davon. Etwas anders sieht es aus, wenn ein Hersteller den Kunden nicht binden, sondern fesseln und ihm die Freiheit nehmen will.

So geschehen bei Apple. Mit iOS 6 hielten gleich zwei Neuerungen Einzug, die die Stimmung zwischen den Plattformanbietern nur zu deutlich sichtbar machten. Aus Sicht deutscher Nutzer am deutlichsten wird dies bei Apple Maps. Von Anfang an steuerte Google seine eigene Karten-App bei, zugegebenermaßen am Ende deutlich weniger umfangreich als beispielsweise das Android-Pendant. Mit dem Wechsel hin zum eigenen Angebot verprellte Apple aber nicht nur den Suchmaschinenbetreiber, sondern auch die Kunden. Um jeden Preis wollte man ein eigenes Angebot schaffen, um unabhängiger von anderen zu werden. Für Apple war dieser Preis jede Menge Häme [12] für die reichlich schwache Leistung, die man mit Apple Maps abgeliefert hat, für den Kunden wird dieser erst seit wenigen Tagen deutlich.

Apple Maps
Apple Maps

Zwar steht mittlerweile ein Google-Maps-Ableger für iOS [13] im App Store bereit, der separat betrachtet auch durchaus zu gefallen weiß, einzig die Anbindung an des restliche System fehlt – weil Apple es so will. Weder gibt es einen Zugriff auf die gespeicherten Kontakte, noch kann Google Maps als Standardkartenanwendung definiert werden. Der Kunde ist so im Prinzip gefesselt.

Der Weg hin zu immer mehr Insellösungen ist dabei bereits vorgezeichnet. Auch Amazon arbeitet an einem eigenen Kartendienst [14], der nicht mehr von Google, sondern der Nokia-Tochter Navteq beliefert wird. Zudem steht eine Lösung, wie ein Wechsel der Plattform möglichst ohne Folgekosten bleibt, noch immer aus. Wer viel Geld für Android-, iOS- oder Windows-Phone-Applikationen ausgegeben hat, wird nicht so bald umsteigen wollen. Aber nicht nur zwischen den Ökosystemen wird gekämpft, auch die – so könnte man denken – Partner führen einen eher rücksichtslosen Kampf.

Eigene, in sich geschlossene Systeme
Eigene, in sich geschlossene Systeme
Eigene, in sich geschlossene Systeme
Eigene, in sich geschlossene Systeme

Denn mittlerweile kauft man kein Android-Smartphone aus dem Hause Samsung oder Sony mehr, sondern ein Samsung- oder Sony-Smartphone, auf dem irgendwo noch Reste von Android laufen. Den Anfang machten hier die eigenen Oberflächen, mittlerweile hat jeder größere Hersteller mittlerweile einen eigenen Online-Shop für Applikationen, Musik und Videos. Statt hier gemeinsam an einem Strang zu ziehen, verzettelt man sich.

Mehr Wettbewerb

Ende 2011 schien die Zukunft festzustehen: Android und iOS würden künftig den Markt unter sich aufteilen, alle anderen Plattformen wären unter ferner liefen zu finden. Denn Windows Phone 7 kam nicht wirklich in Fahrt, zu teuer die Geräte, zu wenige bahnbrechende Neuerungen, eine zu mächtige Konkurrenz. Doch ein Jahr später sieht es alles ein wenig anders aus. Mit Windows Phone 8 hat Microsoft das prinzipiell schon nicht schlechte eigene Betriebssystem weiter verbessert und gemeinsam mit Nokia, HTC und Samsung attraktive Geräte gestaltet, die sich vor der Konkurrenz nicht verstecken müssen. Auch wenn offizielle Zahlen noch immer fehlen: Allein der Zuspruch der Entwickler [15] zeigt, dass Windows Phone in den kommenden Monaten eine wichtigere Rolle als zuletzt spielen wird. Für den Kunden kann dies nur von Vorteil sein, denn (ernsthafte) Konkurrenz belebt das Geschäft.

Abzuwarten bleibt jedoch, ob dies auch für einzelnen Hersteller gelten wird. Denn hier hat sich der Markt in den letzten zwölf Monaten sehr eindeutig entwickelt. Samsung stieg von einem großen zum größten Anbieter auf und konnte zuletzt einen Anteil von fast einem Drittel [16] für sich beanspruchen. Nokia, über Jahre hinweg der Spitzenreiter, wurde in den letzten Statistiken nicht einmal mehr unter den fünf ersten Herstellern gelistet. Dank neuer Modelle wie dem Lumia 820 [17] oder dem Lumia 920 [16] könnte sich der Trend jedoch umkehren. Zu wünschen ist dies auch HTC, einem der Verlierer des vergangenen Jahres. Hier wurden die Absatzzahlen Quartal für Quartal annähernd halbiert, ZTE konnte so bereits vorbeiziehen, bei Huawei dürfte es nur eine Frage der Zeit sein.

Ob die beiden großen chinesischen Hersteller aber bereits im kommenden Jahr eine sehr viel dominantere Position einnehmen werden, gilt als unwahrscheinlich. In den USA sorgten beide Unternehmen mit Spionagevorwürfen für negative Schlagzeilen, in Deutschland gelten beide als eher unbekannte Marken oder bestenfalls als Anbieter eher preiswerter Geräte. Zudem deutet nur wenig darauf hin, dass Samsung sein Veröffentlichungstempo verringern wird. Gleichzeitig will Research in Motion aber auch wieder angreifen, der Start von BlackBerry 10 [18] direkt zum Jahresbeginn soll von neuer Hardware [19] begleitet werden. Letztendlich dürften die Stücke so also schrumpfen, auch wenn die Torte insgesamt in einem hohen Tempo größer wird.

Updates

Smartphone-Betriebssysteme lassen sich – eine gewisse Boshaftigkeit vorausgesetzt – in zwei Bereiche einteilen: Vor und nach Android. Damit ist nicht nur die Offenheit der Plattform gemeint, sondern vor allem auch die Möglichkeit, große Teile des Systems auf einfachem Wege zu aktualisieren, um so Sicherheitslücken zu schließen oder neue Funktionen anzubieten. Auch vor dem Android-Start war dies schon möglich, aufgrund der fehlenden breiten Masse genossen Smartphones aber deutlich weniger Aufmerksamkeit.

Mittlerweile aber sind die Käufer, zumindest informierte Schichten, sensibilisiert. Zahlreiche Fragen und Hinweise der Leser lassen darauf schliessen, dass der Punkt Update-Politik eine gewisse Rolle bei der Wahl des Geräts spielt. Aber wenn 2012 etwas gezeigt hat, dann dass pauschale Aussagen zu diesem Thema so gut wie unmöglich sind. Der Trend ist hier eindeutig, dass es einen solchen schlicht nicht gibt – die Hersteller sind sehr wankelmütig.

Das beste Beispiels dafür, wie man es nicht macht, lieferte Samsung direkt zu Beginn des Jahres. Passend zu Weihnachten 2011 sorgte das Unternehmen für Schlagzeilen, indem es kurzerhand alle weiteren Updates für das ehemalige Parademodell Galaxy S strich [20]. Begründet wurde dies mit technischen Unzulänglichkeiten, die eine Portierung der damals aktuellen Android-Version unmöglich machen würden. Nach mehreren Meinungsumschwüngen lieferte man dann ein „Value Pack“ [21] aus. Aus diesen Fehlern scheint man gelernt zu haben, so zumindest ist die aktuelle Update-Politik zu erklären.

Wie kurzlebig solche Entscheidungen jedoch sein können, bewies Sony respektive Sony Ericsson. Noch zu Beginn des Jahres hatte man sich mehr Transparenz [22] sowie eine schnellere Verteilung von Aktualisierungen auf die Fahnen geschrieben, viel davon übrig geblieben ist jedoch nicht. Nicht nur, dass die Geräte der Japaner mittlerweile wieder mit einiger Verzögerung frische Software erhalten, neue Modelle wie beispielsweise das Xperia J [3] kommen mit veralteten Android-Versionen auf den Markt. Dass Xperia-Smartphones, die wie beispielsweise das Xperia U [23] erst im Sommer in den Handel gekommen sind, keine Auffrischung erhalten werden, ist da nur noch eine traurige Randnotiz. Von der vollspurig versprochenen „Update-Garantie“ [24], die vor rund eineinhalb Jahren angekündigt worden war, ist hier nichts zu spüren. Immerhin erklärte Google im November, dass man künftig verstärkt auf leichter zu erstellende Updates drängen will [25].

Aber auch bei anderen Plattformen gab es rege Diskussionen. Zu nennen ist hier sicherlich Windows Phone 7, beziehungsweise das Update auf Version 7.8. Mit der Vorstellung von Windows Phone 8 [26] erklärte Microsoft, dass es kein Update auf die neue Fassung des Betriebssystems geben wird, bereits verfügbare Modelle würden lediglich eine Aktualisierung auf Version 7.8 mit einigen neuen Funktionen erhalten. Für Käufer des erst wenige Wochen zuvor auf den Markt gekommenen Windows-Phone-Flaggschiffs Nokia Lumia 900 [27] eine mehr als enttäuschende Nachricht – zumal bis heute nicht bekannt ist, wie umfangreich das Update tatsächlich ausfallen wird.

Apple, eigentlich bekannt für eine gute Update-Politik, musste ebenfalls Kritik in Kauf nehmen. Nicht nur, dass man schon 2011 mit Fehlern in neuen iOS-Versionen Kunden verärgerte, Besitzer eines iPhone 3GS, die ihr Gerät auf iOS 5.0 aktualisiert hatten, mussten fünf Monate mit einer schlechten Performance leben, bis mit Version 5.1 endlich Besserung eintrat [28]. Aber auch das Streichen von Funktionen für einige ältere Geräte sorgte für Verärgerung. Wie fast alle Hersteller begründete auch Apple diesen Schritt mit unzureichender Leistung, die Community beweist aber nicht nur hier, dass es sich dabei oftmals nicht unbedingt um die Wahrheit handeln muss – als Beispiel seien hier die XDA-Developer-Gemeinschaft sowie CyanogenMod [29] genannt.

Die Klagewut

Auch wenn es dabei nicht direkt um Smartphones geht, betroffen sind die mobilen Allzweckgeräte davon dennoch. Die Rede ist von der Klagewut der verschiedenen Hersteller, allen voran sicherlich Samsung und Apple. Patentverletzungen standen auch schon 2011, 2010 und davor häufig im Mittelpunkt der Berichterstattung, zumindest gefühlt war es allerdings noch nie so schlimm wie in diesem Jahr. Dabei zeigte sich 2012 aber erstmals in aller Deutlichkeit, dass auch eigentlich elementare Grundregeln wie beispielsweise das FRAND-Prinzip, ohne Rücksicht auf Verluste verletzt werden, um der Konkurrenz zu schaden.

Samsung Galaxy Tab 10.1: Ein Opfer der Klagewut
Samsung Galaxy Tab 10.1: Ein Opfer der Klagewut

In diesem Zusammenhang häufig genannt wurden vor allem Samsung [30] und Motorola [31], entsprechende (Vor-)Untersuchungen leiteten sowohl die EU Kommission als auch die US-amerikanische Handelskommission ein. Wie unversöhnlich sich die Parteien dabei zuletzt gegenüberstanden, zeigt die Ohnmacht der Gerichte, die in den letzten Monaten zu Tage traten. So konnten sich die Vorstandsvorsitzenden von Apple und Samsung in einem Vier-Augen-Gespräch nicht zu einer Einigung durchringen [32], die Forderungen nach einer Reformierung des weltweiten Patentrechts [33] wurden geflissentlich ignoriert oder allenfalls mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen.

Aber nicht nur in Form von zahlreichen Meldungen rund um dieses Thema wurde der Verbraucher einbezogen, sowohl in Deutschland als auch in anderen Teilen der Welt spürte er die direkten Auswirkungen. Möglich wurde dies durch verschiedene Vertriebsverbote, die mal das Anbieten des Samsung Galaxy Tab 10.1 [34], mal das von verschiedenen HTC-Smartphones untersagten. Nach dem derzeitigen Stand wird dieses Thema auch im kommenden Jahr eine große Rolle spielen. Denn geschlagen geben wird sich kein Unternehmen, im Zweifelsfall werden die Auseinandersetzungen auch 2013 auf dem Rücken der Verbraucher ausgetragen.

Marktmacht um jeden Preis

High-End-Smartphone = hoher Preis: Diese einfache Formel galt in den letzten Jahren nahezu uneingeschränkt. Wer ein Modell der Oberklasse kaufen wollte, musste dafür entweder tief in die Tasche greifen oder mit einem älteren Gerät vorlieb nehmen. Dabei schien es so etwas wie einen geheimen Codex zwischen den verschiedenen Herstellern zu geben, sehr ähnliche Preisstrukturen und Preisempfehlungen deuten zumindest in diese Richtung.

Im Sommer geschah dann aber fast ein kleines Wunder: Für das recht gut ausgestattete Sieben-Zoll-Tablet Nexus 7 [35] verlangte Google in der Grundkonfiguration nur 199 Euro, deutlich weniger als die Konkurrenz in Form des Samsung Galaxy Tab 2 7.0 oder anderer Modelle. Einzig Amazon, rund ein halbes Jahr vorher mit dem Kindle Fire gestartet, konnte da mithalten; es gilt jedoch als ausgemacht, dass der Online-Händler mit jedem verkauften Gerät Verlust machte und noch immer macht. Google hingegen konnte und kann diesen Schritt nicht gehen, denn anders als Amazon ist man nicht alleinverantwortlich für die Hardware – hier spielt Asus eine große Rolle.

Aktuelle Nexus-Modelle: Über den Preis zum Marktanteil
Aktuelle Nexus-Modelle: Über den Preis zum Marktanteil
Aktuelle Nexus-Modelle: Über den Preis zum Marktanteil
Aktuelle Nexus-Modelle: Über den Preis zum Marktanteil

Was zu diesem Zeitpunkt aber nur die wenigsten wussten oder ahnten: Mit dem Nexus 4 [36] sollte diese Preispolitik fortgeführt werden. Auch hier gilt als nahezu sicher, dass Google und LG das Gerät ohne großen Gewinn verkaufen, darüber hinaus spart sich der Internet-Konzern durch das Übergehen des Zwischenhandels einen deutlichen Preisaufschlag. Wie attraktiv die Kombination aus High-End-Technik und mehr als fairem Preis tatsächlich ist, zeigen die Verkaufsstarts. Binnen weniger Minuten waren die jeweiligen Kontingente ausverkauft [37], auch in der zweiten Runde [38] vor wenigen Tagen war die Nachfrage deutlich größer als das Angebot.

Hinter dem neuen Preismodell steckt aber sicherlich nicht Barmherzigkeit, sondern das pure Ausnutzen der eigenen Macht. Denn nur aus einer Position heraus, wie Google sie inne hat, kann man derartige Partnerschaften eingehen und Preise dermaßen drücken. Dass das Unternehmen keinen oder nur einen sehr geringen Gewinn mit der Hardware macht, dürfte in Mountain View niemanden stören – die Haupteinnahmequelle ist und bleibt die Werbung, die durch die immer höhere Verbreitung der eigenen Plattform Android für Werbekunden immer lukrativer wird.

Für den gewöhnlichen Kunden ist dies erst einmal egal, immerhin kann man nun für vergleichsweise wenig Geld viel Technik erhalten. Dass er dafür zumindest in diesem Fall später dafür mit seinen Daten zahlt, ist ein anderes Thema. Für den Markt der nahen und mittleren Zukunft könnten die Auswirkungen jedoch durchaus positiv sein. Denn letztlich könnte das Preisgefüge durchs Googles neue Philosophie ins Rutschen gelangen, bei Tablets zeichnet sich ein solcher Schritt zumindest bereits leicht ab.

Ausblick

Was genau in den kommenden drei, sechs oder neun Monaten im Einzelnen passieren wird, kann man noch nicht genau vorhersagen. Wohl aber lassen sich anhand der vergangenen Wochen und Quartale Tendenzen erkennen, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht abrupt am 31. Dezember umkehren werden.

Dazu zählt unter anderem, dass der Verbraucher in Zukunft genauer hinschauen wird. Denn nicht nur, dass er durch die deutlich gestiegene Berichterstattung in allen Medien intensiver mit Technik im Allgemeinen und Smartphones im Speziellen konfrontiert wird, auch die weiter wachsende Modellvielfalt zwingt ihn dazu sich zu informieren.

Deshalb dürften Themen wie die Update-Politik, moralische Verfehlungen einzelner Hersteller oder ganz profane Dinge wie die Akkulaufzeit wichtiger werden. Wie schnell die Hersteller jedoch auf veränderte Kundenwünsche reagieren können oder wollen, steht auf einem anderen Blatt.

Keine Kristallkugel braucht man jedoch für die Vorhersage, dass das teils absurde Wettrüsten weitergehen wird. Dies zeigen nicht nur Ankündigungen zu Smartphones mit noch mehr Rechenleistung, noch größeren Displays oder noch höheren Auflösungen, sondern auch Absatzerfolge ähnlicher, bereits erhältlicher Geräte.

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/2012-01/samsung-ueberarbeitet-galaxy-ace/
  2. http://www.computerbase.de/2012-02/galaxy-ace-2-und-galaxy-mini-2-offiziell-vorgestellt/
  3. http://www.computerbase.de/2012-10/test-htc-desire-x/
  4. http://www.computerbase.de/2012-12/test-sony-xperia-j/
  5. http://www.computerbase.de/2012-07/bericht-samsung-galaxy-s-iii/
  6. http://www.computerbase.de/2012-12/test-sony-xperia-t/
  7. http://www.computerbase.de/2012-12/koreanische-zeitung-spekuliert-ueber-galaxy-s4-und-note-iii/
  8. http://www.computerbase.de/2012-10/test-samsung-galaxy-note-ii/
  9. http://www.computerbase.de/2012-11/test-htc-one-x-plus/
  10. http://www.computerbase.de/2012-11/samsung-zeigt-big.little-socs-im-februar/
  11. http://www.computerbase.de/2012-12/mediatek-kuendigt-weltweit-ersten-a7-quad-core-soc-an/
  12. http://www.computerbase.de/2012-09/apple-chef-entschuldigt-sich-fuer-neue-karten-app/
  13. http://www.computerbase.de/2012-12/google-maps-app-fuer-ios-verfuegbar/
  14. http://www.computerbase.de/2012-11/api-fuer-amazons-kartendienst-freigegeben/
  15. http://www.computerbase.de/2012-12/microsoft-verzeichnet-deutlich-mehr-eingereichte-apps/
  16. http://www.computerbase.de/2012-10/markt-der-smartphones-waechst-weiter/
  17. http://www.computerbase.de/2012-11/test-nokia-lumia-820-und-lumia-920/
  18. http://www.computerbase.de/2012-11/blackberry-10-startschuss-auf-den-30.-januar-datiert/
  19. http://www.computerbase.de/2012-12/blackberry-10-modell-mit-tastatur-vor-juni-2013/
  20. http://www.computerbase.de/2011-12/samsung-galaxy-s-zu-schwach-fuer-android-4.0/
  21. http://www.computerbase.de/2012-03/samsung-stellt-value-pack-fuer-das-galaxy-s-vor/
  22. http://www.computerbase.de/2012-02/sony-verteilt-beta-update-auf-android-4.0/
  23. http://www.computerbase.de/2012-05/test-sony-xperia-sola-und-xperia-u/
  24. http://www.computerbase.de/2011-05/google-kuendigt-android-update-garantie-an/
  25. http://www.computerbase.de/2012-11/google-geht-weiter-gegen-fragmentierung-vor/
  26. http://www.computerbase.de/2012-06/microsoft-kuendigt-windows-phone-8-an/
  27. http://www.computerbase.de/2012-07/test-nokia-lumia-900/
  28. http://www.computerbase.de/2012-03/ios-5.1-verfuegbar-mehr-performance-fuer-das-iphone-3gs/
  29. http://www.computerbase.de/2012-12/cyanogenmod-10.1-auf-basis-von-android-4.2.1/
  30. http://www.computerbase.de/2012-02/apple-beklagt-generelle-missachtung-des-frand-prinzips/
  31. http://www.computerbase.de/2012-06/auch-die-usa-untersuchen-motorolas-lizenzierungspolitik/
  32. http://www.computerbase.de/2012-08/keine-einigung-zwischen-apple-und-samsung/
  33. http://www.computerbase.de/2012-07/us-richter-kritisiert-patentsystem/
  34. http://www.computerbase.de/2011-09/galaxy-tab-apple-setzt-sich-gegen-samsung-durch/
  35. http://www.computerbase.de/2012-06/google-stellt-nexus-7-tablet-offiziell-vor/
  36. http://www.computerbase.de/2012-10/google-stellt-nexus-4-fuer-299-euro-vor/
  37. http://www.computerbase.de/2012-11/google-nexus-4-und-nexus-10-verfuegbar/
  38. http://www.computerbase.de/2012-12/google-nexus-4-ab-heute-wieder-erhaeltlich/
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