Wissensdatenbank als semantische Ergänzung

Google bringt „Knowledge Graph“ nach Deutschland

Wie Google jetzt in seinem Produkte-Blog ausführlich erläutert, hat „Suchen viel mit Entdecken zu tun“. Diese Erkenntnis leitet die Neuigkeit ein, dass die Wissensdatenbank „Knowledge Graph“ nun auch in Deutschland die Google-Suche im Whitespace rechts der Suchergebnisse ergänzen wird.

Diese semantische Suchfunktion ordnet Begriffe nach verschiedenen Bedeutungen und stellt Sinnzusammenhänge zu verwandten Themen her. Google hat über zwei Jahre hinweg mehr als 570 Millionen Personen, Plätze und Dinge sowie mehr als 18 Milliarden Fakten über verschiedene Objekte und deren Beziehungen untereinander zusammengestellt und inhaltlich verknüpft. Der Blog-Eintrag erläutert die Arbeitsweise anhand des Suchbegriffs „Dschingis Khan“. Anhand des Beispiels erklärt Amit Singhal: „Für eine Suchmaschine war Dschingis Khan bislang schlicht das: zwei Wörter.“ Dann führt er weiter aus: „Doch wir alle wissen, dass Dschingis Khan eine vieldeutige Bedeutung hat. Vielleicht denkt ihr an den Herrscher der Mongolen im 12. Jahrhundert oder an die Band, die mit dem gleichnamigen Hit den 1. Platz der Charts 1979 erklommen hat. Deshalb haben wir an einem intelligenten Modell gearbeitet – um es in Computer-Chinesisch auszudrücken, an einem „Graph“, der Objekte aus der Realität und ihre Beziehungen untereinander versteht. Eben echte Suchgegenstände, keine Zeichenfolgen.

Dschingis Khan
Dschingis Khan (Bild: Google)

Wie weiß Google nun, was wir genau wissen möchten? Singhal erläutert, dass Google auswertet, was die Anwender bei ihren Suchvorgängen finden möchten. So wollen die meisten Nutzer bei Charles Dickens wissen, welche Bücher er verfasst hat, bei Frank Lloyd Wright werden aber eher die von ihm errichteten Gebäude gesucht, obwohl auch er Bücher veröffentlicht hat. Am Beispiel des Suchbegriffs „Marie Curie“ verdeutlicht Singhal, dass Google versucht, bei Personen des öffentlichen Lebens die bestmögliche Zusammenfassung in Form einer Kurz-Biographie zu geben. Gleichzeitig werden weitere Personen, Orte oder Ereignisse verknüpft, die in Zusammenhang mit dem Suchbegriff oft nachgefragt werden.

Marie Curie
Marie Curie (Bild: Google)

Googles Knowledge Graph soll aber laut Singhal auch Spaß beim Entdecken neuer Zusammenhänge machen. So werden dabei oft Fragen beantwortet, bevor sie gestellt werden. Als Beispiel bringt Singhal hier das Profil des Comic-Zeichners Matt Groening, bekannt als Schöpfer der Simpsons. Mit Hilfe des Suchbegriffes wird in diesem Fall auch die Namensherkunft der Protagonisten erläutert.

Matt Groening
Matt Groening (Bild: Google)

Google versucht, mit Knowledge Graph die Konkurrenz auf Abstand zu halten. Microsofts Bing hatte im Frühjahr 2012 eine „soziale Suchfunktion“ eingeführt, die die normalen Suchergebnisse mit Inhalten aus sozialen Netzwerken anreicherte. Google hat zurzeit sowohl in den USA mit 67 Prozent als auch in Deutschland mit 96 Prozent eine komfortable Position unter den Suchmaschinen-Betreibern. Knowledge Graph soll ab heute sukzessive in Deutschland ausgerollt werden.