Interview mit Googles Vize Amit Singh

Google will 90 Prozent von Microsofts Office-Kunden abwerben

Der Chef des Unternehmenszweigs und einer der Vize-Präsidenten von Google, Amit Singh, hat in einem Interview mit der Webseite AllThingsD die Richtung vorgegeben. Google will Microsoft 90 Prozent der Office-Kundschaft abjagen. Das sind die 90 Prozent, welche die erweiterten Funktionen einer Office-Suite nicht benötigen.

Google erzielt derzeit 96 Prozent seines Umsatzes mit dem Anzeigengeschäft, die restlichen vier Prozent werden mit Unternehmens-Software erzielt – das sind rund 1,4 Milliarden US-Dollar. Diese Geschäftssparte will Google unbedingt ausweiten. Hier soll insbesondere Google Docs mit seinen ständig verbesserten Office-Funktionen punkten. Singh wörtlich im Interview: „Unser Ziel sind die 90 Prozent der Nutzer, die nicht die fortgeschrittenen Funktionen einer Office-Suite benötigen. Sheets (in Google Docs, Anm. der Redaktion) erstellt Tabellen auf einfache Weise. Wenn sie kürzlich ein Dokument von Excel nach Sheets importiert haben, werden sie festgestellt haben, dass sie keinen Unterschied in der Darstellung mehr bemerken.“

Laut Singh hat sich Google im Jahr 2012 so aufgestellt, dass man nun auch Angebote an die ganz großen Unternehmen machen kann. 2010 hatte sich Google noch von einem Angebot zurückgezogen, als Toyota eine Office-Software suchte und Microsofts Office 365 schließlich den Zuschlag bekam. In den letzten 12 Monaten hat Google Drive veröffentlicht, dazu den Cloud-Service Compute Engine, der Amazons Web Services und Microsofts Azure das Wasser reichen soll. Außerdem kaufte Google im Sommer unter anderem das mobile Quick-Office, um es in Google Docs einzubinden.

Zu dem Unterfangen, Microsofts Kunden an sich binden zu wollen, sagt Singh: „Wir wissen sehr wohl um die Unterschiede in den Eigenschaften zwischen unserem Produkt und dem von Microsoft. Der Unterschied verkleinert sich jede Woche. Wir werden 90 Prozent ihrer Funktionalität erreichen. Wenn sie die restlichen 10 Prozent benötigen, müssen sie ein Desktop-Office nutzen.“ Zur näheren Zukunft merkt er an: „Die nächsten Schritte sind der Import von PowerPoint nach Slides. Dabei wird sich QuickOffice als sehr hilfreich erweisen.“ Quick-Office erlaubt mobil den Import und das Bearbeiten von Dokumenten aus MS-Office.