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Test: Corsair Vengeance K60 und K90

von Max Doll

Einleitung

Seit der Renaissance mechanischer Schalter herrscht bei hochpreisigen Tastaturen im dreistelligen Euro-Segment rasanter Wildwuchs. In diesem gehobenen Segment versucht Corsair mit der an „Gamer“ gerichteten Vengeance-Serie Fuß zu fassen und setzt dazu wie üblich auf teure Cherry-MX-Schalter mit roter Kodierung – allerdings nur parallel zu günstigeren Rubberdome-Versionen bei weniger häufig genutzten Tasten. Die hochwertigen Cherry-MX-Schalter finden sich nur unter dem Buchstabenfeld mit Zahlen, den Pfeiltasten und dem Numpad, der Rest der Tastatur, unter anderem die „F“-Tasten, müssen mit Gummi-Switches auskommen. Speziell bei Fans der hochwertigen, mechanischen Switches dürfte der wagemutige Mix zwischen zwei verschiedenen Technologien und damit unterschiedlichem Tippgefühl für hochgezogene Augenbrauen sorgen – was ihn umso interessanter macht.

Corsair K60 & K90
Corsair K60 & K90

Um für einen edlen Look zu sorgen, bietet die K-Serie, die auf ein einheitliches Grundlayout setzt, ein Gehäuse aus Aluminium auf, das von separaten Mediatasten sowie einem Scrollrad für die Lautstärkeregelung geziert wird – beides ist selbst im höheren Preisbereich ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal. Unterschiede finden sich in der Ausstattung und damit der Zielgruppe: Die K60 soll Shooter-Freunde ansprechen, was sich in einer knappen Handballenauflage sowie einem separaten Set an Keycaps für Schlüsseltasten niederschlägt. Die K90 verspricht hingegen Vorteile in MMOs, weshalb die Ausstattung hier um satte 18 Makro-Tasten sowie eine mächtige Software ergänzt wurde. Ob das Konzept von edler Aufmachung mit Luxus-Tastern im Primärbereich abseits der anvisierten Zielgruppe für 85 respektive 100 Euro aufgeht, klären wir im Test!

Technischer Überblick

Corsair K60 Corsair K90
Corsair K60 – OVP
Corsair K60 – OVP
Corsair K90 – OVP
Corsair K90 – OVP
Abmessungen (L × B × H) 43,7 × 16,5 (25,9) × 2,5 cm 50,1 × 16,5 (21) × 2,5 cm
Gewicht 1244 g 1420 g
Kabel 2 m
Anschluss USB 2.0
Taster Cherry MX-Red (Buchstabenfeld, Pfeiltasten, Numpad)
Rubberdome („F“-Tasten, Funktionsblock, Makrotasten)
N-Key roll over 20 Tasten
Multimediakeys 5 + Scrollrad 5 + Scrollrad, 18 Makrotasten
Beleuchtung Nein Ja, blau
Hub-Funktion 1 × USB 2.0
Spezial austauschbare „Gaming-Tasten“ Profile, interner Speicher (32 kB)
Software Nein Ja
Kompatibilität Windows 2000, XP, Vista, 7
Preisvergleich UVP 110 US-Dollar [1] UVP 130 US-Dollar [2]

Äußerlichkeiten

Je nach Modell unterscheidet sich der Lieferumfang: Liegt der teureren K90 nur eine Kurzanleitung bei, spendiert Corsair der K60 für die Tasten „WASD“ und „1“ bis „6“ weitere Caps mit anderer Formgebung und Oberflächenstruktur, die praktischerweise zusammen mit dem Umbau-Werkzeug in der Handballenauflage verstaut werden können. Da das kleine Helferlein auch das Reinigen der Eingabegeräte erleichtert, fällt seine Abwesenheit im Zubehör des größeren Modells negativ ins Gewicht. Handbuch und bei der K90 die Software müssen in jedem Fall online bezogen werden.

Corsair K90
Corsair K90
Corsair K60
Corsair K60
Lieferumfang K90 (rechts) & K60 (links)
Lieferumfang K90 (rechts) & K60 (links)

Mit der K-Serie nutzt Corsair im Wesentlichen identische Gehäuse, die sich in Kernpunkten nicht voneinander unterscheiden. Bereits auf den ersten Blick sticht die ungewöhnliche Form ins Auge, die ihren Grund im Aufbau der Tastaturen hat: Um für eine höhere Stabilität zu sorgen, sind die MX-Switches auf Gaming-Tastaturen üblicherweise „plate mounted“, also nicht direkt mit dem PCB sondern einer Metallplatte verbunden. Diese ist hier aus 1,8 Millimeter dickem, gebürstetem Aluminium gefertigt worden und dient gleichzeitig als Oberseite des Gehäuses, was durch die somit freistehenden Tasten für einen ungewöhnlichen Look und enorme Steifigkeit sorgt. Gleichzeitig wirkt das Gehäuse auf diese Weise wie aus einem Guss gefertigt, da Ober- und Unterschale ohne sichtbare Spaltmaße aufeinander liegen, während das Konstrukt „on top“ deutlich einfacher zu reinigen ist als herkömmlich Konstruktionen. In der Grundversion als K60 kommt die Schalterbehausung auf Dimensionen von 43,7 × 16,5 × 2,5 cm (L × B × H), während die Breite bei Verwendung der Handballenauflage auf 25,9 cm steigt. Diese ist nur für die linke Hand gedacht, welche so auf Augenhöhe mit der Oberkante der Tasten selbst liegt. Speziell zusammen mit den alternativen Caps ruhen die Finger damit ideal auf den „Shooter-Tasten“, für Tipporgien eignet sich die Auflage aber nicht.

Corsair K90 – Rückseite
Corsair K90 – Rückseite
Corsair K60 – Rückseite
Corsair K60 – Rückseite
Corsair K60 – Handballenauflage
Corsair K60 – Handballenauflage

Die K90 kommt hingegen aufgrund ihrer in einem Plastikgehäuse eingefassten Makro-Tasten auf eine Länge von 50,1 Zentimetern, während die schmalere aber dafür größere Handballenauflage die Breite auf maximal 21 Zentimeter erhöht. Der Anbau für die „G“-Keys ist jedoch nur mit der Unterschale des Gehäuses verbunden und spielt aufgrund der Materialwahl in einer anderen Liga als das Hauptmodul. Hier punktet die Handballenauflage, welche über zwei Schrauben mit der Tastatur verbunden wird – das sorgt für einhundertprozentigen Halt am Gehäuse. Ergonomisch wäre jedoch etwas mehr Material wünschenswert gewesen, denn selbst mit eher kleineren Händen wirkt diese Version etwas zu schmal. Die „soft-touch“-Oberfläche, worunter Corsair die leicht gummiartige Beschichtung der Handballenauflagen versteht, kann dagegen durch angenehme Haptik und soliden Halt überzeugen.

Handballenauflage und „G“-Keys der K90
Handballenauflage und „G“-Keys der K90
Kabel und USB-Port
Kabel und USB-Port
Corsair K60 – aufgestellt
Corsair K60 – aufgestellt

Entsprechend der gemeinsamen Herkunft sind die beiden Tippgeräte auch auf der Unterseite fast identisch, wobei vier gummierte Standfüße zusammen mit dem hohen Eigengewicht von 1244 und 1420 Gramm für sicheren Halt sorgen. Mit Hilfe der Aufstellfüße an der Rückseite können die Gehäuse gemessen am höchsten Punkt des Chassis von 2,5 auf 3,5 Zentimeter Höhe oder von 3,7 auf 4,4 Zentimeter gemessen bis zur Oberkante der Keycaps angehoben werden. Die K60 lässt sich zudem auch an der Vorderseite aufstellen, was die zu überwindende Distanz von 1,6 auf 2,1 beziehungsweise von 3,4 auf 3,7 Zentimeter vergrößert. Beim Kabel ziehen die Modelle wieder gleich. Mit zwei Metern steht genug Strippe bereit, wobei die letzten 30 Zentimeter in zwei Adern gesplittet werden, was das Verlegen und den Anschluss an die I/O-Ports des Mainboards erleichtert: Die K-Serie verfügt über zwei USB-Stecker, damit der integrierte Hub auch stromhungrige Geräte mit bis zu 500 mA versorgen kann.

Corsair K90 – aufgestellt
Corsair K90 – aufgestellt
Corsair K60 & K90
Corsair K60 & K90
Corsair K60 & K90
Corsair K60 & K90

Obwohl Corsair grundsätzlich das 105-Tasten-Normlayout als Grundlage für den Aufbau der Vengeance-Tastaturen heranzieht, finden sich an der rechten oberen Seite fünf Mediatasten sowie das Lautstärke-Scrollrad, das aufgrund seiner Vollmetall-Ausführung und dem damit verbundenen Eigengewicht einen hochwertigen Eindruck hinterlässt. Die Funktionen sind in sinnvollen Gruppen angeordnet worden: Lautstärke in der ersten Reihe, die Steuerung des Media-Players direkt darunter. Neben den weiß beleuchteten Status-LEDs gibt es über einen weiteren Knopf die Option, die Windows-Tasten zu deaktivieren. An der Rückseite wurde außerdem der USB-2.0-Port untergebracht, der leider recht nah an der Unterkante des Gehäuses liegt und somit eher ungünstig zu erreichen ist. Bei der K90 kommt darüber hinaus die Helligkeitsregelung hinzu sowie am linken Rand Buttons für die Aufnahme von Makros und die Wahl der drei Profile. Die dem großen Modell vorbehaltenen Zusatztasten sind im Gegensatz zu den Status-LEDs allerdings ebenso wie die Tasten blau beleuchtet.

Keycaps K60 (links) & K90 (rechts)
Keycaps K60 (links) & K90 (rechts)

Corsair K60 – Gamer-Caps
Corsair K60 – Gamer-Caps
Corsair K60 – Gamer-Caps
Corsair K60 – Gamer-Caps
Corsair K90 –  Caps
Corsair K90 – Caps

Die Keycaps selbst weisen eine leicht zylindrische Oberfläche mit Dimensionen von 1,3 × 1,4 Millimetern auf, während die Makro-Tasten mit Abmessungen von 1,3 × 1,2 mm minimal kleiner sind. Bei der K60 wird als Grundmaterial schwarzer Kunststoff mit einer minimal rauen Haptik. Beschriftungen wurden über das „pad-printed“-Verfahren aufgebracht, sind also im Prinzip geklebt. Dabei handelt es sich um die theoretisch am wenigsten dauerhafte Variante. Die Alternativen Tastenglocken in grellem Rot sind ebenso wie die Leertaste der K60 deutlich stärker texturiert und abweichend geformt. Für die K90 greift Corsair aufgrund der Beleuchtung auf schwarz beschichteten, transparenten Kunststoff zurück, dessen Oberfläche deutlich glatter ist. Hier wird die Beschriftung aus der Beschichtung ausgeschnitten (laser etched), was eine deutlich höhere Lebensspanne verspricht. In beiden Versionen konnten wir in unserem mehrwöchigen Test aber noch keine Abnutzungserscheinungen feststellen. Größere Tasten, etwa die Leertaste, werden mit Stabilisatoren nach Cherry-Muster gestützt. Anders als bei den bekannteren Drahtbügel-Fixierungen sorgen hier zwei weitere Führungen im Stile der Schalter selbst für festen Halt. Drehbewegungen der Caps werden auf diese Weise stärker unterbunden, wenngleich das Anschlagsgefühl gleichzeitig etwas weicher wird.

Corsair K90 – Beleuchtung
Corsair K90 – Beleuchtung

Die blaue Beleuchtung der K90 wird wie bei Cherry-Schaltern üblich mittels über den eigentlichen Switches platzierten LEDs realisiert. Der bauartbedingt erschwerten sauberen Ausleuchtung der Caps wirkt Corsair durch eine etwas kleinere Schriftgröße sowie Platzierung der Beschriftung über den Leuchtdioden entgegen. Verschiedene Beleuchtungsmodi sind nicht vorhanden, möglich ist neben dem kompletten Ausschalten der Lichtspielerei nur die Wahl der Helligkeit in drei Stufen. Gedimmt werden nicht nur die LEDs unter den Tasten, sondern alle Leuchtdioden inklusive der Status-Leiste und den Zusatztasten. Der maximal mögliche Wert reicht dabei auch für hellere Arbeitsumgebungen völlig aus. Eine Besonderheit der Beleuchtung ist ihr Fokus auf die elementaren Elemente der Tastatur: Voll angestrahlt werden nur die „Cherry-Tasten“, wohingegen die Rubberdome-Versionen deutlich schwächer leuchten. Das gilt auch für die weiß beleuchteten „G“-Tasten, bei denen die Lichtintensität zudem ungleichmäßig ausfällt – eher unschön und nicht unbedingt bauartbedingt zu erklären, dafür in aller Regel ein kaum wahrnehmbarer Mangel.

Tastencheck

Blau, Braun, Rot und Schwarz: Cherrys MX-Schalter [3] gibt es in vier Farben mit unterschiedlichen Eigenschaften, die sich durch eine durchschnittliche Lebensdauer von 50 Millionen Anschlägen bei einem stets gleichbleibenden Tippgefühl auszeichnen. Dies grenzt sie von den in günstigeren Tastaturen verwendeten „Rubberdome“-Schaltern ab, die aufgrund des Einsatzes einer Gummimatte nicht nur an einer deutlich kürzeren Haltbarkeit kranken, sondern auch unter materialbedingten Alterungsprozessen leiden.

Cherry MX „Red“ (Funktionsskizze: Lethal Squirrel, Diagramm: Cherry)
Cherry MX „Red“ (Funktionsskizze: Lethal Squirrel, Diagramm: Cherry)

Ein Nachteil der mechanischen Schalter ist jedoch unter anderem neben der teils deutlich gesteigerten Lärmentwicklung beim Tippen ihr immenser Fertigungsaufwand, da für jedes Exemplar drei Einzelteile hergestellt werden müssen. Das treibt die Kosten entsprechend in die Höhe. Immerhin wird für Cherry-Schalter, wie für die meisten Premium-Produkte, eine ganze Bandbreite an Zubehör angeboten. Erhältlich sind unter anderem Caps in verschiedenen Fertigungsverfahren und Designs sowie beispielsweise „O-Ringe“. Hierbei handelt es sich im Prinzip um Unterlegscheiben aus Gummi, die zwischen Cap und Schalter geklemmt werden. Diese verhindern das „klackernde“ Geräusch, das durch das Ausnutzen des gesamten Anschlagweges der Schalter entsteht und die Lärmkulisse effektiv reduziert.

Die von Corsair verbauten, rot kodierten Cherry-Schalter zeichnen sich durch einen Federweg von insgesamt vier Millimeter bei linear steigendem Widerstand aus. Wie bei höherwertigen „Mechas“ üblich sind diese nicht direkt auf dem PCB sondern auf einer Metallplatte fixiert, also „plate mounted“. Ein Signal übertragen die linearen Schalter im Gegensatz zu Rubberdome-Tastaturen schon bei der Hälfte des Tastenweges und rund 45 Gramm Kraftaufwand. Das vollständige Durchdrücken ist damit ebenso wie das Überwinden eines spezifischen Widerstandes, der bei den günstigen „Gummiglocken“ in direkter Nachbarschaft bei etwa 60 Gramm liegt, nicht nötig. Dies kann die Tippgeschwindigkeit insgesamt erhöhen, da Tasten in etwas schnellerer Reihenfolge hintereinander gedrückt werden können. Der Vorteil liegt wie bei den MX-Blacks mit 60 Gramm Auslösewiderstand durch das Fehlen eines Signalpunktes speziell in der Möglichkeit, während des Drückens einer Taste bereits eine weitere „auf den Weg“ zu schicken. Weil aufgrund dieser Bauart außerdem keine Auslösebestätigung abseits einer Eingabe auf dem Bildschirm erfolgt, können geübte Nutzer das bei der Nutzung entstehende Geräuschniveau mit etwas Übung erheblich verringern, indem sie die Schalter nicht bis zum Schaftende herunterdrücken. Dies setzt idealerweise aber „Touch Typing“, also das 10-Finger-System und eine hohe Treffsicherheit voraus, denn aufgrund des geringeren Widerstandes der roten Switches erhöht sich die Chance von versehentlich gedrückten Tasten. Eine sogenanntes „taktiles“ Feedback beim Tippen mit einem exponentiell auf den Signalpunkt hin ansteigenden Widerstand mit wahlweise akustischem Feedback vermitteln erst braun oder blau codierte Schalter.

Alltagserfahrungen

Wie bei allen Tastaturen mit Cherry-Schaltern unterschiedet sich das Tippgefühl identisch bestückter Modelle untereinander nicht, weshalb zwischen der K-Serie und Modellen anderer Hersteller wie beispielsweise der Gigabyte Osmium [4] diesbezüglich kein Unterschied auszumachen ist. Die hochwertigen Varianten finden sich allerdings nur unter dem primären Tastenblock, mit Buchstabenfeld und Zahlen, dem Numpad und den Pfeiltasten. Alle übrigen Schalter von den „F“-Tasten bis hin zum Funktionsblock um „Entfernen“ greifen inklusive der zusätzlichen „G“-Keys an der K90 auf günstige Gummiglocken-Technik zurück.

Corsair K90 – Schalter und LEDs
Corsair K90 – Schalter und LEDs

Corsair K60 – Cherry-MX-Schalter
Corsair K60 – Cherry-MX-Schalter
Corsair K90 – Cherry trifft Rubberdome
Corsair K90 – Cherry trifft Rubberdome
Corsair K90
Corsair K90

Im Vergleich mit Rubberdome-Versionen gestaltet sich der Wechsel auf die roten Switches prinzipiell einfach, da der maximale Widerstand von etwa 45 Gramm auf gewohntem Niveau liegt. Das Touch-Typing erfordert nach den Erfahrungen des Autors jedoch eine längere Eingewöhnungsphase, weil Corsair nicht ausschließlich mechanische Schalter verbaut – zusammen mit der linearen Charakteristik und dem ungewohnt niedrigen Auslösewiderstand neigt man leichter dazu, die Caps bis an den Schaftboden zu hämmern. Gerade für Umsteiger ist das Fehlen eines Auslösewiderstandes in Verbindung mit dem relativ frühen Signalpunkt ohnehin ungewohnt. Danach reduziert sich das Lautstärkeniveau der Schalter aber erheblich, wobei die linearen Modelle ohnehin zu den leiseren gehören. Im Vergleich mit den schwarzen Schaltern tippt es sich danach ebenso schnell wie leise und dank des geringen Widerstandes federleicht. Versehentlich ausgelösten Tasten aufgrund nicht präzise getroffener Tasten waren allerdings ein länger auftauchendes Problem, wenngleich die Caps selbst aufgrund ihres Abstandes von fünf Millimetern in vertikaler und sechs Millimetern in horizontaler Ebene gut voneinander differenziert werden können. Lediglich die „G“-Tasten der K90 stehen mit jeweils fünf Millimetern dichter beisammen, was die horizontale Unterscheidung aufgrund der kleineren Caps etwas erschwert. Durch das hohe Gehäuse sowie die Höhe der Tasten selbst empfiehlt sich bei mechanischen Tastaturen stets die Verwendung der Handballenauflage. Wie immer bei Eingabegeräten und gerade mechanischen Tastaturen gilt aber, dass sich Erfahrungen Einzelner nicht als Referenz heranziehen lassen, da letztlich das individuelle Empfinden des jeweiligen Nutzers entscheidend ist.

Im Alltag gestaltet sich der Schaltermix auf der K60 und K90 zum Glück nicht so störend wie vielleicht anzunehmen wäre. Denn die mit den günstigeren Rubberdome-Schaltern bestückten Tasten werden beim Spielen – abhängig von jeweiligen Titel – und Schreiben vergleichsweise selten gedrückt. Dies muss jedoch nicht unbedingt auch für die „G“-Keys gelten, die auch im Desktop etwa für Programmstarts oder Tastenkombinationen genutzt werden können. Aus der Welt schaffen lässt sich der Gegensatz also nicht. Zwar verbaut Corsair „Gummiglocken“, die bis auf die härter bestückten Mediatasten dank eines weichen und relativ schwammigen Druckpunktes zumindest gefühlt im weitesten Sinne ähnlich der Cherry-Schalter auslösen, allerdings müssen die Gummiglocken-Switches zwingend bis zum Anschlag gedrückt werden, um ein Signal zu übertragen. Mit zunehmender Gewöhnung an die linearen „Rotkappen“ mutiert dies zu einem Ärgernis, weil man die Cherry-Schalter nicht mehr den gesamten, vier Millimeter langen Schaftweg herunterdrückt – und somit keine zuverlässigen Eingaben an den konventionellen Switches mehr tätigt. Dafür verantwortlich ist neben der unterschiedlichen Charakteristik die Differenz des Auslösewiderstandes selbst, der bei den Cherry-Modellen nur 45 Gramm, bei den Rubberdome-Gegenstücken aber unseren Feldversuchen rund 60 Gramm beträgt. Eine effektive Eingewöhnung war deshalb nur bis zu einem gewissen Punkt möglich, da der Unterschied im Anschlags- und Ansprechverhalten stets fühlbar blieb. Während des Schreibens kam es daher immer wieder zu nicht ausgelösten Tasten, während die Unterschiede in der Anschlagsdynamik stets wahrnehmbar präsent blieben. Tendenziell führten diese Faktoren zu einer weitestgehenden Vermeidung von Rubbertome-Tasten etwa durch den stärkeren Einbezug der Maus. Speziell für die solcherart bestückten Makrotasten der K90 eine eher ungünstige Kombination, denn was in Spielen Vorteile bringen soll, muss auch zuverlässig ausgelöst werden wollen und können.

Corsair K60 & K90
Corsair K60 & K90

Die alternativen Keycaps der K60 waren auch nach längerem Gebrauch haptisch und formal gut von anderen Tasten differenzierbar, wozu auch die relativ hohe Handballenauflage beiträgt – wenngleich das Modell zum Schreiben von Texten definitiv nicht geeignet ist. Lob verdienen sich auch die sinnvoll angeordneten Mediatasten und insbesondere das Wahlrad zur Lautstärkeregelung, welches dank der feinen, aber unaufdringlichen Rasterung und der metallischen Materialien einen hochwertigen Eindruck vermittelt und gleichzeitig eine präzise sowie schnelle Audioregelung ermöglicht. Die Media-Shortcuts für die Steuerung des jeweiligen Abspielprogrammes sind hingegen nicht optimal durchdacht. Zwar ist die Platzierung selbst sinnvoll, durch die flachen Caps und die Nähe zu den deutlich höheren Normtasten bleiben die Finger, sofern sie nicht in eher spitzem Winkel angeflogen kommen, aber zu häufig am Numpad hängen. Die Tasten zum Umschalten der Profile an der K90 sind davon aufgrund ihres höheren Abstandes zur letzten Tastenreihe weniger stark betroffen, wobei auch hier die Anordnung ergonomisch sinnvoll ist.

Ohne Fehl und Tadel waren die versprochenen Gaming-Eigenschaften. Ghosting und Blocking waren nicht feststellbar, während das Key-Rollover von 20 problemlos erreicht wurde. Da selbst mit einem Makro Tasten nicht parallel gedrückt werden können, dürfte dieser Wert im Alltag ohnehin nicht einmal annähernd erreicht werden.

Corsair K60 & K90 - Aqua'S KeyTest
Corsair K60 & K90 - Aqua'S KeyTest

Software

Mit der rund 28,6 Megabyte großen Software, die nicht nur mit der K90 sondern mit allen Vengeance-Produkten funktioniert und mit einer umfangreichen und guten Anleitung ausgeliefert wird, können die Makro-Tasten der Tastatur frei konfiguriert werden – im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten wie der CM Storm Trigger [5] allerdings nur diese. Mit insgesamt 18 Zusatzknöpfen, die in maximal 50 Profilen in jeweils drei Gruppen belegt werden dürfen, bietet das Eingabegerät aber genug Flexibilität und Freiheiten. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass in den integrierten, 36 kB großen Speicher der K90 nur maximal sechs Profil passen, die übrigen 44 müssen über die Software abgespielt werden. Weil Corsair die Möglichkeit bietet, Makros auf Hardwareebene über den Microprozessor der Tastatur abzuspielen, ist das eine relevante Einschränkung: Auf diese Weise kann der Nutzer während der automatisierten Tastenabfolge zwar keine parallelen Eingaben tätigen, dafür wird es dem Spiel aber unmöglich, Makros als solche zu erkennen und zu unterbinden – im Gegensatz zu Eingaben über den Software-Buffer. Allerdings darf auf Hardwareebene maximal ein Profil gleichzeitig aktiv sein, welches zudem nicht anhand der gestarteten Anwendung umgeschaltet wird.

Die Software selbst ist extrem übersichtlich aufgebaut und setzt auf lediglich zwei Seiten zur Konfiguration; eine zur Verwaltung der Makros, eine weitere zur Verwaltung der Profile. Hinsichtlich der Optionsvielfalt orientiert sich Corsair an üblichen Standards. Makros können einmalig, mit einer bestimmten Anzahl an Wiederholungen, während des Tastendrucks oder in einer Endlosschleife wiedergeben werden. Auch die Zeitabstände zwischen den Anschlägen dürfen ausgeschaltet, fest eingestellt oder zufällig gewählt werden – letzteres soll menschliche Eingaben simulieren. Natürlich angefallene Verzögerungen lassen sich jedoch nicht aufnehmen. Grundsätzlich werden Makros mit mehreren Tastenfolgen ausschließlich über die direkte Aufnahme mit der „MR“-Taste erstellt, können aber anschließend per Rechtsklick in die Makro-Anzeige noch editiert werden. Ein manuelles erstellen komplexer Signalfolgen ist jedoch unmöglich. Zwar sind im Unterpunkt „Erweiterte Optionen“ nicht nur Sonderbefehle wie „Ausschneiden“, „Fenster schließen“ oder „Anwendung starten“ versteckt, sondern auch die Option „Tastenanschlag“, allerdings kann diese nur eine Taste auf einen „G“-Key legen.

Im Reiter „Profilverwaltung“ lassen sich Profile importieren, exportieren und in den Speicher der Tastatur schieben. Per Rechtsklick werden die erstellen Konfigurationsdateien unter anderem mit Anwendungen verknüpft – so wird etwa beim Start von Battlefield das zum Spiel erstellte Profil geladen. Zudem wird eine Vorschau der gewählten Tastenbelegungen geboten, die eine schnelle Übersicht der jeweiligen Konfiguration ermöglicht. Dabei reagiert die Software jederzeit schnell, was zusammen mit dem guten Aufbau zur neudeutschen „Usability“ beiträgt.

Fazit

Einen Strich unter die Vengeance-Tastaturen K60 und K90 zu ziehen, fällt trotz der guten Ideen schwer. Denn obwohl es sich bei der K60 und K90 um vergleichsweise eigenständige Produkte handelt, die auch auf der Design-Ebene neue, gute Ideen präsentieren, richtet sich kaum eine „Gaming-Tastatur“ so konsequent auf ihre Zielgruppe aus – oder auf das, was sie darunter versteht. Das grundlegende Layout kann überzeugen, wenngleich die flachen Media-Tasten aufgrund der Höhe der umliegenden Caps nicht optimal erreichbar sind. Das hochwertige Wählrad für die Lautstärke gefällt hingegen und ist ein sinnvolles, weil komfortables Extra mit makelloser Umsetzung. Auch die hochwertige, extrem steife Aluminium-Hülle überzeugt durch ihre Optik und bietet durch die freistehenden Schalter Vorteile bei der Reinigung der Tastatur.

Corsair K60 & K90
Corsair K60 & K90

Mit 20-KRO und ausbleibendem Ghosting macht die Vengeance-Serie auch auf der Gaming-Seite alles richtig, was ebenso für die übersichtliche und funktionale Software der K90 gilt. Das große K-Modell gibt abseits der gut integrierten Beleuchtungsfunktion, die auch Status-LEDs dimmt, wiederum weiteren Grund für Kritik: Die zusätzlichen Makro-Tasten sind aufgrund ihrer kleineren Oberfläche und des kleineren Abstandes schwieriger zu differenzieren und dank Rubberdomes nicht immer präzise auszulösen. Größtes Manko der Serie bleibt daher der Schalter-Mix: Was selbst in Spielen nicht immer zu vermeiden ist, wird im Office-Betrieb erst recht zum Ärgernis, denn an die Unterschiede hinsichtlich Signal- und Druckpunkt der beiden Typen konnten wir uns im Testbetrieb trotz aller Mühen nicht gewöhnen; der Tester tendierte nach Möglichkeit eher zur Vermeidung der unpräziseren Rubberdome-Tasten etwa durch stärkere Nutzung der Maus. Ideal ist das nicht, erst recht in Relation zum Preis. Dazu fällt die Handballenauflage der K60 mit praktischem Ablagefach nicht für Vielspieler, wohl aber für Vielschreiber in die Kategorie „nutzlos“ und auch die Auflage des größeren Modells könnte breiter und damit bequemer ausfallen – Punkte, mit denen „Gamer“ jedoch keine Probleme sondern vielmehr Freude haben dürften.

Wer eine Tastatur also aufgrund der Optik und hochwertiger Materialien kauft, mit einem Tasten-Hybrid tatsächlich leben kann oder vorrangig beziehungsweise jetzt wie künftig ausschließlich spielen möchte, findet mit der K-Serie passende Begleiter zu einem für mechanische Tastaturen eher moderaten Kurs von 80 (K60) beziehungsweise 95 Euro (K90). Ansonsten empfiehlt sich ein Blick auf die ebenfalls in dieser Liga vertretene Konkurrenz, die ihre Produkte zum ähnlichen Preis komplett mit Cherry-Schaltern ausstattet und damit wie etwa Gigabyte mit der Osmium (ComputerBase-Test [3]) den besseren Allrounder parat hat – was der Preisklasse eher angemessen erscheint. Wer noch etwas mehr investieren, dafür aber auch eine extravagantere Tastatur erwerben möchte, sollte einen Blick auf die Leopold FC500R [6] ohne Tastenbeschriftung werfen.

Nützliche Links

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/preisvergleich/681681
  2. http://www.computerbase.de/preisvergleich/681684
  3. http://www.cherrycorp.com/english/switches/key/mx.htm
  4. http://www.computerbase.de/2012-07/test-gigabyte-osmium/
  5. http://www.computerbase.de/2012-08/test-cm-storm-trigger/
  6. http://www.computerbase.de/2012-11/test-leopold-fc500r-tastatur/
  7. http://www.corsair.com/vengeance-k90-performance-mmo-mechanical-gaming-keyboard.html
  8. http://www.computerbase.de/preisvergleich/681681
  9. http://www.computerbase.de/forum/showthread.php?t=740828
  10. http://www.computerbase.de/forum/showthread.php?t=896502
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