Dead Space 3 im Test: Die Kernkompetenz ist in Gefahr

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Sasan Abdi
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Fazit

Visceral Games hatte es nicht einfach: Eine Fortsetzung zu einer beliebten Marke zu entwickeln, ist nie ein triviales Unterfangen. Auch in diesem Fall standen die Verantwortlichen vor der bestens bekannten aber nach wie vor komplexen Entscheidung: Alles beim Alten belassen oder manches mutig verändern?

Ersteres birgt die Gefahr des Vorwurfs der „Markenmelkerei“ in sich. Wo ist die Innovation? Wie kommt der Namenszusatz „3“ zustande, wenn sich doch alles nach „Addon-zum-Vollpreis“ anfühlt? Worin unterscheidet sich das neue „Dead Space“ also vom Vorgänger? So würden in diesem Fall die nicht unberechtigten Fragen lauten.

Doch auch andersherum lauern Unwägbarkeiten, nämlich dann, wenn die Änderungen den Markenkern, die eigentliche Kompetenz einer Reihe, konterkarieren. Der damit zusammenhängende Vorwurf ist genauso schnell formuliert: Das soll „Dead Space“ sein? Fühlt sich überhaupt nicht so an!

Der große, selten beschrittene Königsweg ist vor diesem Hintergrund, sich für einen der beiden Wege zu entscheiden, ohne diesen Argumenten eine Angriffsfläche zu bieten. Doch genau dies gelingt „Dead Space 3“ leider nicht.

Dead Space 3 im Test

So entscheidet sich Visceral für den zweiten Weg – doch können die Entwickler die damit verbundene Gefahr der Aufweichung der Kernkompetenz nicht abwenden. Aus diesem Grund fühlt sich das neue „Dead Space“ stellenweise tatsächlich überhaupt nicht mehr wie ein „Dead Space“ an, wobei tragischerweise keine neuen Kompetenzen aufgetan werden. Im Gegenteil: „Dead Space 3“ spielt sich in den Momenten, in denen man stupide schießend eine Gegnerhorde nach der anderen abwehrt, wie ein Mix aus bekannten Konkurrenten. Eine ebenso schwache wie traurige Leistung!

Hier findet sich dann auch die Aufweichung der Kernkompetenz, da die klassischen Schockermomente und das damit verbundene, typische „Dead Space“-Feeling teilweise zugunsten von größeren Action-Anteilen geopfert werden. Dies ist wiederum vor allem aufgrund des neuen Settings nötig, da ein vergleichsweise weitläufiger, offener Eisplanet in großen Teilen schlicht inkompatibel zur alten „Dead Space“-Spielmechanik ist, die von düsteren, verlassenen und blutverschmierten Gängen à la „Alien“ lebt. Mit der Weisheit der Gegenwart lässt sich deswegen sagen, dass die Entwickler lieber mehr beim Alten hätten belassen sollen, da diese Form der Frischzellenkur eher kontraproduktiv auf den Spielspaß wirkt.

In den weitverbreiteten, bedingungslosen Negativtenor möchten wir in unserer abschließenden Empfehlung dennoch nicht einstimmen: Ja, „Dead Space 3“ hat mit Problemen zu kämpfen, die über das neue Setting mit der Verschiebung hin zu mehr Action zu tun haben. Und ja, es ist definitiv der schwächste Teil der Reihe. Aber trotzdem: Ein schlechtes Spiel sieht anders aus, weswegen wir den Titel hartgesottenen Spielern dennoch empfehlen können.

Wer also damit umgehen kann, dass ein guter Teil von „Dead Space 3“ über das besagte neue Setting und unter Zugabe von mehr Action funktioniert, kann getrost zuschlagen. Wer dagegen schon jetzt weiß, dass er über die besagten Schwächen nicht hinwegsehen kann, sollte lieber gleich die Finger davon lassen – und dafür die Marke „Dead Space“ fast ohne Abstriche in bester Erinnerung behalten.

Kopier- & Jugendschutz

„Dead Space 3“ funktioniert über den Origin-Service von EA, der in vielerlei Hinsicht dem Valve-Pendant Steam ähnelt. Wie bei Steam gilt auch für Origin-Spiele, dass ein Weiterverkauf durch die Bindung an den Service de facto unmöglich gemacht wird. Die DVD wird nur zur Installation benötigt.

In Sachen Jugendschutz gilt es zu erwähnen, dass der Titel von der USK keine Jugendfreigabe erhalten und unter dem Label „ab 18 Jahren“ erschienen ist.

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