Apple-CEO spricht über das iPhone, iPad und OLED-Displays

Tim Cook: „Wir kaufen jeden zweiten Monat ein Unternehmen“

Apples CEOs, ob der verstorbene Steve Jobs oder der jetzige Chef Tim Cook, sind gegenüber Interviews im Vergleich zu anderen Führungskräften der Technologiebranche nicht besonders offen. Doch nun hat Tim Cook auf der Goldman-Sachs-Technologiekonferenz einen Vortrag gehalten und sich anschließend vielen Fragen gestellt.

Dabei durfte natürlich das seit Längerem spekulierte iPhone mit einem größeren Display nicht fehlen. Auf die Frage, ob Apple ein solches Gerät plane, wollte Cook naturgemäß nicht direkt eingehen, kritisierte aber die Fokussierung auf Größe und Spezifikationen der Geräte. Das sei etwas, auf das Firmen setzten, wenn sie mit ihren Produkten kein überzeugendes Gesamterlebnis schaffen könnten. Der Apple-Chef verglich das Ganze mit der Megapixelzahl bei einer Digitalkamera. Nicht immer sorgen mehr Megapixel für eine bessere Aufnahme, sodass Taktfrequenzen auch nicht alles seien. Die meisten Käufer wissen beispielsweise nicht, wie schnell der Prozessor ihrer mobilen Geräte sei.

Aber auch das alljährlich spekulierte günstigere iPhone wurde angesprochen. Hierzu entgegnete der Apple-CEO, dass man sich mit der Einführung eines „Budget-Geräts“ nicht wohlfühlen würde und verwies dabei direkt auf die jetzige Strategie des Unternehmen bezüglich der Smartphones. In diesem Modell werden Cooks Ausführungen zufolge neue Varianten wie das iPhone 5 für den höchsten Preis verkauft, während Vorgängerversionen wie das iPhone 4S und das iPhone 4 zu ermäßigten Preisen zu haben sind.

Zudem bekräftigte Tim Cook auf der Technologiekonferenz, dass er die Qualität von OLED-Displays furchtbar findet. Besonders die Farbsättigung sei unbefriedigend. Wer etwas online kaufe und wissen wolle, wie die Ware aussieht, sollte zweimal überlegen, ob man sich auf die Farbwiedergabe eines OLED-Displays verlassen wolle, sagte der Apple-Chef mit einem Seitenhieb auf seinen größten Konkurrenten Samsung. Der südkoreanische Hersteller setzt OLED-Displays unter anderem bei seinem Flaggschiff Galaxy S III ein. Der Konzern aus Cupertino wolle das beste Display und Cook ist davon überzeugt, dass man dieses mit dem Retina-Display bietet.

Des Weiteren sprach Tim Cook unter anderem auch über den Tablet-Markt, welchen er als eine große Chance für sein Unternehmen bezeichnet. Das iPad sei zudem das Aushängeschild der Post-PC-Ära. „Es schafft ein atemberaubendes Nutzererlebnis“, sagt Cook. Auf die Frage, ob das iPad nicht anderen Apple-Produkten Marktanteile abnehme, antwortet der CEO: „Wenn wir uns nicht kannibalisieren, dann macht es jemand anderes.“ Das iPad sei in der Lage, dem Windows-Ökosystem über Jahre hinweg Anteile abzunehmen. „Wenn sich Unternehmen sorgen über Kannibalisierung machen, dann ist das der Anfang vom Ende“, ergänzt Cook.

Auf die Frage, wie seine Meinung zu strategischen Übernahmen anderer Unternehmen aussieht, führte Cook an, dass man in den letzten drei Jahren im Durchschnitt jeden zweiten Monat eine Übernahme vorgenommen habe. Es handelte sich dabei um Unternehmen, die besonders talentierte Mitarbeiter beschäftigten oder über für Apple wertvolle Ideen verfügten. Häufig habe man laufende Projekte übernommen und die Fähigkeiten dann auch an anderen Stellen eingesetzt.

Aber auch zum Aufkauf größerer Unternehmen äußerte er sich. Diese Option bestehe natürlich und Apple habe schon in mehreren Fällen die Übernahme bestimmter großer Unternehmen in Erwägung gezogen, so Cook. Allerdings gab es bislang kein entsprechendes Unternehmen, das Apples Ansprüchen genügte, die Suche laufe aber bestimmt weiter. Apples Hauptziel bleibe, großartige Produkte zu erschaffen, man stehe hingegen nicht unter Druck, hohe Einnahmen erzeugen zu müssen.

Cook fügte noch die Redewendung „Cash is not burning a hole in our pocket“ hinzu – was sinngemäß bedeutet, nicht um jeden Preis Geld ausgeben zu müssen. Apples Überzeugung ist also weiterhin, Übernahmen sehr sorgfältig zu prüfen und besonders vorsichtig zu agieren. Hinsichtlich der Forderung des Hedgefonds-Managers David Einhorn, Apples Bargeldreserven von rund 137 Milliarden US-Dollar abzubauen, wiederholte Cook die bereits von Apple getätigte Aussage, über die Vorschläge nachzudenken.

Man führe aktive Diskussionen über die Verwendung der Mittel. Der Vorschlag von Einhorns Unternehmen Greenlight Capital, Apple-Vorzugsaktien mit einer Verzinsung von vier Prozent auszugeben, findet Cook kreativ. Den Versuch des Hedgefonds, Apple per Klage zu zwingen, an die Barreserven zu gehen, nannte Cook jedoch einen Nebenkriegsschauplatz und tat sie damit als wenig erfolgversprechend ab. Die Kosten für die Klage seien seiner Ansicht nach anders besser angelegt.

Interessierte Nutzer können einen knapp 60 Minuten langen Audiomitschnitt der Konferenz von Goldman Sachs auf der Internetseite von Apple aufrufen.

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