Nokia erwirkt einstweilige Verfügung gegen HTC

Update 2 Patrick Bellmer
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Nach den anfänglichen Lieferschwierigkeiten drohen HTC weitere Verkaufsausfälle beim Hoffnungsträger One. Denn vor einem Amsterdamer Gericht konnte Nokia eine einstweilige Verfügung gegen den taiwanischen Mitbewerber erlangen.

Dabei geht es um die im HTC-Smartphone verbauten HDR-Mikrofone, die unter anderem für die Sense Voice genannte Verbesserung der Sprachqualität, aber auch das „Distortion Free Recording“ verantwortlich sind. Diese werden von ST Microelectronics gefertigt und bereitgestellt, tatsächlich aber hält Nokia die Exklusivrechte an dieser Komponente. In einer Pressemitteilung der Finnen heißt es, dass man die Mikrofone selbst entwickelt und die Fertigungsrechte an ST Microelectronics vergeben habe. Eine anderweitige Verwendung sei nicht vorgesehen, zumal HTC keine Lizenz erworben habe. Man rufe die Taiwaner deshalb erneut dazu auf, durch eigene Innovationen und nicht durch das Kopieren im Wettbewerb zu bestehen, so der Abschluss der Mitteilung.

HTC selbst hält sich bislang bedeckt. Gegenüber Engadget erklärte ein Sprecher, dass man enttäuscht über die Entscheidung sei. Man müsse prüfen, ob das Urteil Auswirkungen auf die Verfügbarkeit haben wird. Zudem werde man unverzüglich nach Alternativen suchen.

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Gegenüber ComputerBase erklärte HTC, dass man derzeit mit ST Microelectronics an einer Lösung arbeite. Geklärt werde in erster Linie, ob man nach Alternativen suchen müsse. Bis dahin erwarte man keinen Einfluss auf die Absatzzahlen, so das Unternehmen.

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Zwischenzeitlich hat das zuständige Amsterdamer Gericht Unterlagen (PDF) veröffentlicht, die einen tieferen Einblick erlauben. Aus diesen geht hervor, dass es sich beim Verwenden der Mikrofone im HTC One um einen Fehler im Hause ST Microelectronics handelt und der taiwanische Smartphone-Hersteller schuldlos sei. ST Microelectronics sei davon ausgegangen, dass die mit Nokia vereinbarte zwölfmonatige Exklusivität bereits ausgelaufen sei. Das Gericht interpretierte die Aussagen und Verträge aber dahingehend, dass diese erst mit dem Start der Serienfertigung des ersten entsprechend ausgestatteten Geräts beginne. Demnach hat Nokia bis Ende Februar 2014 das alleinige Nutzungsrecht an der Komponente, die erstmals seit vergangenen Februar im Lumia 720 verbaut wird.

Bereits mit den Mikrofonen versehene Exemplare des HTC One dürfte weiterhin – auch in den Niederlanden – ausgeliefert und verkauft werden. Allerdings darf ST Microelectronics keine weiteren Auslieferungen an Abnehmer außer Nokia tätigen, bei einem Verstoß droht eine Geldbuße in Höhe von 50.000 Euro pro Mikrofon.