Das iPhone 5C: Das günstigere iPhone, das keines ist

Jan-Frederik Timm
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Zugegeben, von einem „billigen“ beziehungsweise „günstigen“ iPhone war immer nur in der Gerüchteküche, nicht aber durch Apple selbst die Rede. Und dennoch hatte auch ich damit gerechnet, dass das iPhone 5C günstiger wird, als es die älteren Geräte in den Jahren zuvor gewesen sind. Doch dem ist nicht so.

Mit 599 Euro für die 16-GB- und 699 Euro für die 32-Gigabyte-Version kostet das iPhone 5C in Deutschland lediglich 100 Euro weniger als das jeweils vergleichbare Modell des iPhone 5S – das gegenüber dem iPhone 5 sogar leicht im Preis gestiegen ist. Das ist auch und gerade im Vergleich zu den Preisen der Smartphone-Flaggschiffe aus dem Android-Lager eine Stange Geld. Das ist sogar mehr, als aktuell im freien Handel für das iPhone 5 verlangt wird.

Das überrascht und folgt vom Grundsatz her doch einem bekannten System, wie ein Blick auf die Preise des iPhone 4S bis zum heutigen Tag zeigt: Das Gerät lag in der 16-GB-Variante dieselben 100 Euro unter dem ehemaligen Flaggschiff, dem iPhone 5. Und auch in den USA kostet das iPhone 5C mit Zweijahresvertrag exakt so viel wie vormals das iPhone 4S. An den Relationen hat sich nichts geändert.

Das iPhone 5C - Ab 599 Euro
Das iPhone 5C - Ab 599 Euro

Ich hatte erwartet, dass Apple das iPhone 5C nur aus einem Grund mit einem Kunststoffgehäuse versieht und das iPhone 5 damit ersetzt: um das Gerät, obwohl es intern im Wesentlichen einem iPhone 5 gleicht, mit Vorstellung des iPhone 5S deutlicher im Preis senken zu können als das in der Vergangenheit der Fall gewesen ist. Deutlicher, als es sich Apple bisher mit den unveränderten Geräten aus dem Vorjahr getraut hat. Mit dem heutigen Tag scheidet der Preis als Beweggrund für den Strategiewechsel aus. Der Preis war nicht Apples Ziel.

Alternative Motive? Apple hat Bedarf für eine farbenfrohere, durch das Kunststoffgehäuse am Ende vielleicht auch robustere Variante gesehen und dafür schlicht die günstige Plattform des Vorgängers nutzen wollen, die bisher unverändert im Portfolio verblieben ist. Oder: Apple hat den jeweiligen Vorgänger nur schlecht verkaufen können, allein weil er aus dem letzten Jahr war, was er zwar technisch jetzt immer noch ist, optisch aber nicht. Beides zusammen ergibt durchaus Sinn und stellt auch sonst einen wichtigen Schritt dar: Die Produktklasse iPhone enthält ab sofort zwei aktuelle Serien.

Am Ende dieses Tages bleibt mit dem iPhone 5C somit ein Vorgängermodell im Portfolio, das wesentlich mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht als die Vorgänger der letzten Jahre. Es steht bei Apple im Rampenlicht, auf apple.com gar auf Platz 1.

Jetzt ist es an Apple zu beweisen, dass die neue Verpackung der bekannten Technik zu einem weiterhin hohen Preis unweit des Flaggschiffs den erhofften Effekt zeigt: höhere Ab- und Umsätze, ohne dass der Hersteller darauf angewiesen ist, sich in nochmals niedrigeren Preisregionen mit der Konkurrenz zu duellieren. Das Management in Cupertino scheint hierfür aktuell keinen Anlass zu sehen. Ich halte diesen Schritt für mutig, wenn nicht gewagt. Aber erste Reaktionen aus dem Bekanntenkreis zeigen: die Rechnung könnte auch aufgehen.

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Themen:
  • Jan-Frederik Timm E-Mail X
    … will als Diplom-Ingenieur Technik nicht nur nutzen, sondern verstehen. Auf die Ohren gibt es ihn wöchentlich in CB-Funk.

Ergänzungen aus der Community

  • TanGen 11.09.2013 07:18
    Ich glaube, man greift hier zu kurz wenn man alles nur auf den Preis reduziert. So einfach ist es nicht.

    1. Wenn es um Marken und Hypes geht, sind Aufpreise normal. Wem solche Dinge wichtig sind - und das ist im Alltag generell und häufig der Fall, nicht nur auf Handys bezogen, manche schwören auf Marke X bei Tastaturen und Marke Y bei Grafikkarten ;) - der zahlt den Aufpreis. Da gibt es eine gewisse Schmerzgrenze, die man nicht unterschätzen sollte. Dazu kommt häufig die gute Erfahrung aus der Vergangenheit (entweder die eigene oder die, die einem jemand vermittelt, der Produkt der Marke X schon länger nutzt). Hier kommt das klassische "Preis-Leistung"-Argument nicht unbedingt ran - eher "Preis = Leistung x Gefühl".
    Nehmt nur die Lumia-Reihe: Solide Geräte, gute Bedienung, durchaus hochwertiges Gefühl, top Hardware - aber in der Vergangenheit Trends verschlafen, nicht trivial in der Bedienung und wer Windows Mobile noch kennt: Prost Neujahr. Der Ruf überwintert selbst aktuellste Entwicklungen und wenn ein Gerät mal den "Bähh-Makel" hat, kann man maximal über den Preis noch etwas regeln (wobei das den "Bähh"-Effekt sogar negativ beeinflussen kann, denn stabile Preise erhöhen den Wiederverkaufswert, was zum Kauf noch eher anregt, da das Upgraden später einfacher fällt).

    2. Das Betriebssystem ist ein anderes. Dass das mit der Hardware verdonglet ist: geschenkt, aber letztlich ein Alleinstellungsmerkmal. Was die einen als Bevormundung empfinden, fühlen die anderen als feste Umarmung: Da ist ein OS, das mir so viel abnimmt, die Verwaltung übernimmt, mir nur sagt: "mach, ich kümmere mich um den Rest". Schwer, das Android-User zu vermitteln, ihre Philosophie ist eine völlig andere - und ich habe ja beide Gerätetypen im Einsatz. Da zu argumentieren ist schwierig.
    Zumal Apples Philosophie stets war: "Ein Ziel, ein Weg". Ein mit Bevormundung erkauftes Maß an Robustheit des Betriebssystems.

    3. Die mangelnde Fragmentierung sollte nicht unterschätzt werden. Es gibt verschiedene IPhones, aber sie erhalten lange Zeit (und alles über 2 Jahre ist lang) Updates. Unabhängig davon, dass nicht jede Funktion auf jedem Gerät gleichermaßen freigeschaltet wird, gibt es diese Updates. Bei Android ist das anders - was letztlich daran liegt, dass viele Hersteller ihre eigene Software einfügen, resp. modifizieren und dies zu verzögerten oder gar keinen Updates mehr führt. Unverständlich für den "Normalo", der sich sagt "Updates?! Nix Updates?! Doof!".
    Klar, es gibt Custom Roms - aber auf die hat nicht jeder Lust, viele Normalsterbliche wollen ihr Telefon auch einfach nur nutzen und sich ihre Freizeit nicht... pardon: "linuxen" (mir macht sowas Spaß, aber ich fahre auch gerne Auto ohne zu wissen, wie das Ding unter der Motorhaube genau funkt). Und ohnehin gilt: Wenn wir bei Custom Roms sind, sind wir so weit nicht von Jailbreak ;) (Disclaimer: auch wenn die Installation nicht trivial ist, aber das gilt auch für Custom Roms auf manch Android-Handy :) )

    4. Katastrophales Android-Marketing. Es gibt wirklich gute Android-Geräte und die Taktik von Google, ihr OS einfach anzubieten und andere die Hardware entwickeln zu lassen ist zwar praktisch (Marktdurchdringung, etc. pp.), führte insbesondere in der Vergangenheit zu Gerätegenerationen, die leistungstechnisch in Bezug auf ihre installierte Android-Version völlig unterlegen waren. Folge: ruckelndes Scrolling, verzögerte Annahme von Telefonaten, schlechte Reaktion der Anwendungen, etc. pp. Das macht keinen hochwertigen Eindruck, aber man erhält auch wofür man bezahlt - solche Sätze bleiben haften und führen gelegentlich dazu, dass der User sagt: "Na wenn ich mehr zahlen muss, zahle ich mehr und erhalte dann etwas, was wirklich funktioniert".
    Wie gesagt: Es gibt gute Android-Geräte, zweifelsohne, aber die Negativbeispiele sind hier auch das Problem.



    Letztlich finde ich das Design der IPhones zeitlos und langweilig zugleich. Das OS ist zwar arg geschlossen, hat aber auch deshalb gewisse Vorteile (so gut wie keine Werbung, aber da zieht Google nach, wenn auch mit starken Lücken in der Reglementierung. Daneben die intuitive Bedienung, usw. usf.). Es ist praktisch, funkt wenn ich es brauche, ruckelt nicht und tut was es soll mit den Features, die es hat. Es ist in etwa das Nintendo unter den Smartphones: Es hat nicht die neuesten Eigenschaften und das Beste vom besten, aber das was es hat verwurstet es gut in die Alltagsspielereien und zwar durch das ganze OS.

    Sind IPhones damit Androids oder Windows Phones überlegen? Nein, es kommt wie immer auf die Sichtweise an ;)

    Tan


    P.S.: Nebenbei erwähnt macht es mich stutzig was ich hier lese: Da werden Apple-User als "sozial schwach", "Möchtegerns" , "Dummschnitten", ... bezeichnet, die nicht rechnen können und bereitwillig jedem Vertrag hinterher dackeln. Meine Erfahrung sagt, dass man nicht Gerät XYZ als Bande für Rückschluss-Rundumschläge gegen alle User gleichermaßen verwenden kann und dass solche nicht gerade von soziale Stärke zeugen. Jeder soll das Gerät nutzen, was ihm am besten zusagt. Ich selbst rate ebenfalls bevorzugt zu Lumia-Geräten, gerade das 520er ist unschlagbar - und in dem mir bekannten Umfeld, in dem sich gerade einkommensschwache Menschen befinden, sehe ich die IPhone 5er selten bis gar nicht, wenn überhaupt sind es die 4er. Das mag jeder anders "sehen", aber so ist das mit der selektiven Wahrnehmung. Deswegen ist es ja so gefährlich, hier direkt alle User in eine Schublade stecken zu wollen.

    Überdies darf nicht angenommen werden - wahrscheinlich als Folge der obigen Schublade - dass der Preis irgend etwas darüber aussagt, ob User Apple die Bude einrennen werden. Klar, begrüßenswert wäre dies als Unternehmer allemal, aber zu erwarten?
    Das 5C wurde beispielsweise nur in der Presse als "Billighandy" bezeichnet, ist aber letztlich das nicht mehr verfügbare IPhone 5 in einem buchstäblich neuen Gewand, das dem der Bewerber mehr als nur ähnelt (was daran wieder verkehrt sein soll, will sich mir nicht erschließen: Es ist gut, wenn man Merkmale der Konkurrenz aufgreift, macht diese ja nicht anders, bzw. es wäre begrüßenswert, wenn noch mehr übernommen würde, von beiden Seiten). Es gibt daher keinen Grund zum Upgrade, aber hätte es einen gegeben, hätte man wieder "Obsoleszenz!" gerufen. Jetzt noch höchstens "by design".