Improv: Platinenrechner mit Mer OS und KDE Workspaces

Ferdinand Thommes
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Der kleine Platinenrechner Improv, den das Team um KDE-Entwickler Aaron Seigo jetzt vorgestellt hat, ist als Entwickler-Plattform gedacht und folgt sowohl den Prinzipien freier Software als auch – bis auf eine Ausnahme – freier Hardware. Der Mini-Rechner ist modular aufgebaut und somit aufrüstbar.

Das Improv-Board, das Aaron Seigo in seinem Blog vorstellt, ist ein Nebenprodukt bei der Entwicklung des Vivaldi-Tablets, für dass immer noch kein fester Termin bekannt ist. Für Vivaldi mussten die Macher die Hardware bis hin zum PCB selbst entwerfen, um überhaupt Einfluss auf das Produkt zu haben und eine gewisse Nachhaltigkeit garantieren zu können.

Das jetzige Entwickler-Board, das von der Spezifikation dem Cubie-Board ähnelt, bringt einen Allwinner A20 SoC mit, der als Dual-Core-ARM-Cortex-A7 mit einem GHz taktet und ein Gigabyte RAM mitbringt. Der interne Speicher beträgt vier Gigabyte und als GPU kommt eine Mali 400MP zum Einsatz. Verbindung zur Außenwelt erhält Improv über zwei USB-2.0-Ports, einen SD-Kartenleser, einen HDMI-Ausgang, einen SATA-300-Port sowie i2c, VGA/TTL und 8 GPIO-Pins.

Improv (Bild: make play live)

Als Software ist Mer OS samt Plasma Workspaces vorinstalliert. Der Rechner startet standardmäßig in eine Konsole, beim Anschluss eines Monitors stehen neben X.org und Wayland die KDE-Bibliotheken basierend auf Qt4 oder Qt5 zur Auswahl. Darüber hinaus kann jedes Arm-v7-kompatible Betriebssystem per SD-Karte installiert werden. Bastler können einen anderen Bootloader und/oder ein neues Betriebssystem auf den NAND-Speicher aufspielen.

Neben der Freiheit des Systems, die lediglich durch den noch benötigten proprietären Treiber für die Mali-GPU eingeschränkt ist, ist das modulare Design eine weitere Besonderheit. Der zweiteilige Rechner besteht aus der Leiterplatte mit den Anschlüssen sowie einer CPU-Karte, die den SoC, das RAM und den internen Speicher beherbergt. Die Komponenten der Karte sind gesockelt und somit aufrüstbar. Die CPU-Karte wird mittels Schienen unter dem sogenannten „Feature Board“ arretiert.

Improv (Bild: make play live)

Der Platinenrechner wurde im Netzwerk von Make Play Live entwickelt und soll auch dazu dienen, aus dem Grunddesign neue Ideen für Produkte zu entwickeln. Dazu stellt „Make Play Live“ neben einem Diskussionsforum mit dem Mer Community Open Build Service (COBS) auch einen Software-Buildservice und die Registrierung einer eigenen ID für neue Hardware-Produkte über die Open Hardware Registry bereit. Seigo verspricht für interessante Entwicklungen auf der Basis von Improv Unterstützung von der Planung über Fertigung bis hin zu PR und Vertrieb. Das Layout der Leiterplatte unterliegt der GPL und wird mit dem Board ausgeliefert.

Seigo betont die Bedeutung verschiedener Communities, die an dem Projekt beteiligt sind, wie etwa ARM und EOMA68, deren Standard das Entwickler-Board unterliegt. Software-seitig sind Entwickler von Linux, Mer und KDE beteiligt.

Improv kann ab sofort in den USA bestellt werden, Lieferzeitpunkt wird Ende Januar sein. Bestellungen aus Europa werden auch von dort ausgeliefert, sodass keine zusätzlichen Steuern anfallen. Dies bestätigte Seigo heute nachträglich. Das Board kostet 75 US-Dollar plus 10 US-Dollar Versandkosten.