Steam Controller : Valves Tastatur-Maus-Ersatz ist mit Profilen ein Meilenstein

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Steam Controller: Valves Tastatur-Maus-Ersatz ist mit Profilen ein Meilenstein

Spiele unabhängig von der Unterstützung eines Gamepads mit eben einem solchen völlig losgelöst von Genre und Eingabeformt auf der Couch spielen: Mit dieser Idee will Valve PC-Gaming unter dem Fernseher salonfähig machen.

Während Steam Machines und Steam Link (Vorschau) als weitere Bausteine der Wohnzimmer-Offensive lediglich auf das Abspielen der Geräte ausgerichtet und mithin Agenten des Valve-Ökosystems sind, setzt der Controller auf einer anderen Ebene an und will das, was vorher am Schreibtisch mit Maus und Tastatur passiert ist, vollständig auf der heimischen Couch genießbar machen. Das heißt nicht weniger als die Präzision dieser beiden Eingabegeräte mit dem Komfort des Sofa-Spiels und demjenigen eines Controllers zu verbinden – ein beachtlicher Anspruch.

Kann etwas gelingen, das wie die Quadratur des Kreises anmutet? Der erste Eindruck scheint diese Frage positiv zu beantworten: Ja, es könnte – mit ein paar Einschränkungen.

Einrichtung und Konfiguration

In Betrieb nehmen lässt sich der Steam Controller wie jedes andere Gamepad. Nach dem Einsetzen zweier AA-Batterien muss lediglich ein Funkadapter an einem freien USB-Steckplatz eingesetzt werden, alternativ ermöglicht ein Micro-USB-Kabel Datenübertragungen.

Steam Controller
Steam Controller

Zum Schlüssel des Controller-Konzepts wird das Trackpad: Dieses Eingabefeld emuliert als Joker wahlweise einen Trackball, eine Maus, einen Joystick, ein Scrollrad, ein D-Pad oder frei nach Wunsch des Nutzers eine Mischung aus allen Optionen. Weitere Besonderheiten sind zwei zusätzliche Tasten auf der Unterseite sowie Trigger mit verkürztem Hubweg, an deren Ende ein weiterer Schalter sitzt. Durch diese „Hybrid“-Konzeption kann das Element sowohl im Gamepad-Modus als auch als weitere Taste genutzt werden, was ebenso für sein als D-Pad gedachtes gegenüber gilt. Auch hinter dem verbirgt sich ein flexibles Trackpad. Die übrige Ausstattung mit ABXY-Tasten, Menübutton und einem Analogstick stammt aus dem herkömmlichen Baukasten-Inventar eines Gamepads.

Der Steam Controller erlaubt Ihnen, Ihre gesamte Bibliothek auf Steam auch auf Ihrem Fernseher zu spielen — sogar jene Titel, die nicht für Controller konzipiert wurden

Valve

Der Steam Controller lässt sich damit wesentlich besser bis ins Detail hinein den eigenen Vorstellungen anpassen als ein einfaches Gamepad. Genau hierin liegt aktuell die Krux des Konzeptes: Um wirkungsvoll eingesetzt werden zu können, muss der Controller vernünftig eingestellt werden – für jedes Spiel idealerweise einzeln. Zwar bietet Valve für verschiedene Typen von Spielen verschiedene Basis-Vorlagen, die unterschiedliche Steuerungsmöglichkeiten abdecken, bietet damit aber kaum mehr als eine Grundlage für den Einstieg in die Konfigurationsmenüs.

Selbst Hand anlegen lässt sich nicht vermeiden. Denn zum einen wird es bei Spielen ohne Gamepad-Unterstützung unmöglich die Tastenbelegungen vorherzusehen und in Abhängigkeit von der Häufigkeit ihrer Nutzung sozusagen im Trockendock zu belegen, zum anderen erscheint die Konfiguration des rechten Trackpads in keinem der Standard-Profile wirklich gelungen. Als Maus-Ersatz eingestellt, wird das Pad etwa um „Trackball Friction“ ergänzt. Mit dieser Option simuliert das Pad die Drehung eines Trackballs, der bei Betätigung Fahrt aufnimmt. Wer mit dem Daumen über das Trackpad fährt, sieht also auch nach Ende der Bewegung mitunter noch Zeigerbewegung – eine schwammige und unpräzise anmutende Erfahrung.

Unabhängig des Genres erscheint es aktuell ratsamer, diese Option zu deaktivieren und stattdessen den „Edge Spin Speed“ oberhalb des Nullwerts zu setzen. Dieses Setting sorgt dafür, dass ein im Außenbereich des Trackpads gehaltener Finger eine konstante Bewegung in dieser Richtung ausgibt. Diese Zusammenstellung hat sich in verschiedenen Genres, insbesondere aber in Ego-Shootern, als bislang beste Konfiguration herausgestellt.

Valve selbst hilft lediglich mit Erklärungen der einzelnen Einstellungen, ein richtiges Tutorial für den Controller fehlt. Das Unternehmen vertraut in diesem Punkt über die Maßen auf den Entdeckertrieb der Anwender und die Kraft der Community, welche vorgefertigte Profile für einzelne Spiele zur Verfügung stellen kann. Verfügbar sind derart erstellte Templates derzeit naturgemäß noch fast nirgends. Problematisch wird in diesem Zusammenhang, dass es kaum Orientierungshilfen und Marker für Qualität abseits der „Popularität“ gibt. Selbst wenn das System mit größerem Angebot und mehr Daten statistisch bessere Ergebnisse erzielen kann, bleibt fraglich, ob „Ausprobieren“ in steter Wiederholung speziell im Hinblick auf die breite Akzeptanz durch vergleichsweise unbedarfte Nutzer die richtige Rezeptur wird.

Zielt Valve nicht auf Anwender, die von einer Konsole wechseln, bleibt so immer noch das Problem, dass am PC Maus und Tastatur nicht aufwändig eingestellt werden müssen. Entwickler, die bereits vorgefertigte, „offizielle“ Profile anbieten, lassen sich noch an einer Hand abzählen. In Anbetracht der langen Entwicklungsdauer und der zahlreichen Verzögerungen enttäuscht dieses magere Ergebnis. Herumprobieren und Schrauben ist eminent wichtig für die Plattform PC, darf für den Erfolg unter dem TV aber nur eine Option sein, nicht ein absoluter Schwerpunkt.

Wo genau der Steam Controller positioniert wird, macht Valve ebenso wenig wirklich deutlich: Wer im Angebot des Shops oder der eigenen Bibliothek nach Gamepad-Spielen filtert, findet solche Titel, die einen Xinput-fähigen Controller einbinden können. Den kann das Gamepad zwar emulieren, mit nativer Unterstützung ist dieser Umstand aber keinesfalls gleichzusetzen. So wird unnötige Verwirrung hervorgerufen. Als Allrounder soll das Steam-Produkt jedoch nicht nur Pads wie den Xbox-One-Controller ersetzen, sondern genauso gut Maus und Tastatur, worauf Steam im Big Picture Modus bei entsprechenden Spielen hinweist: Diese seien für beide Geräte konzipiert, könnten aber nach Anlegen eines Profils mit dem eigenen Produkt genutzt werden.

Deshalb lässt sich das Pad ebenfalls auf Betriebssystem-Ebene zur Steuerung einsetzen. Die Flexibilität hat allerdings einen gravierenden Haken. Aktuell funktioniert das allerdings nur solange unabhängig von Steam, bis das Programm einmal beendet wurde – anschließend wird der Controller bis zum nächsten Neustart nur angesprochen, wenn die Valve-Software im Hintergrund aktiv ist. Dabei handelt es sich offenbar um einen Bug. Spiele wie Max Payne 3, die im Steam-Store angeboten werden, aber nicht dort gekauft wurden, können zudem zwar als Verknüpfung in die Plattform eingebunden, jedoch nicht mit Community-Profilen bestückt werden. Offeriert werden nur vorgefertigte Standard-Profile. Der Weisheit letzter Schluss darf das nicht sein.

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    … verfasst Tests und Berichte mit dem Schwerpunkt Eingabegeräte, PC-Spiele und Next-Gen-Konsolen auf ComputerBase.