Einleitung
Nach Ausflügen in die extremen Gefilde jenseits der 1100 MHz effektiven Speichertakt in Form der Dominator-Serie [1] von Corsair widmen wir uns heute wieder eher gewöhnlicher Kost. Zwar zählt auch dieser Bericht wieder ausschließlich Module namhafter Hersteller, allerdings in „herkömmlichen“ Taktregionen von 800 bis 1066 MHz.
Mit den Produkten TWIN2X2048-6400 und TWIN2X1024-8500 stellt Corsair zwei Modulpaare, während OCZ den PC2-8000 Platinum XTC Extreme Edition ins Rennen geschickt hat.
Lesezeichen
Da sich im Laufe der Zeit eine Menge Artikel zum Thema Arbeitsspeicher angesammelt haben, wollen wir diese noch einmal in Erinnerung rufen. Da es mitunter vorkommt, dass im heutigen Artikel auf bestehendes Wissen aus älteren Tests von Speichermodulen zurückgegriffen wird, ist es für alle, die etwas „mehr“ wissen möchten, keinesfalls verkehrt, auch einen Blick in unsere älteren Berichte zu werfen.
- 1111 MHz: Corsair XMS2 Dominator [2]
- RAM: Takt oder Timings? [3]
- DDR1 vs. DDR2 [4]
- Was bringen 2 GB RAM? [5]
- DDR2 – Die Grundlagen [6]
Die Testbedingungen
- Prozessor
- Intel Core 2 Extreme X6800
- CPU-Kühler
- Intel Boxed
- Motherboard
- Asus P5B Deluxe WiFi-AP Edition
- BIOS: 0711 BETA
- Grafikkarte
- ATi Radeon X1800 XL (500/500)
- Festplatte
- Samsung S-ATA-2-HDD mit 200 GB Speicherplatz (NCQ aktiviert)
- Netzteil
- Corsair HX620W, 620 Watt
- Treiberversionen
- ATi Catalyst 6.8
- Software
- Benchmarks
- 7-Zip 4.42 [9]
- SiSoft Sandra 2007 Professional Business SP1
- ScienceMark 2.0
So testen wir
Unser Fokus in diesem Artikel liegt bei den maximal erreichbaren Taktraten und Timings bei möglichst niedriger Speicherspannung. Der Benchmark-Parcours ist daher auf einige wenige Anwendungen beschränkt, die in erster Linie theoretischer Natur sind. Um die Flaschenhals-Wirkung zwischen CPU und Northbridge so klein wie möglich zu halten, wurden alle Benchmarks bei möglichst hohem Frontside-Bus durchgeführt. Da mittlerweile alle aktuellen Mainboards für AMD- und Intel-Prozessoren auch ohne Übertakten DDR2-800 unterstützen, haben wir uns zudem dazu entschieden, den Speicher nicht bei Taktraten unterhalb effektiven 800 MHz zu testen.
Die Einstellung des Speichertakts über das BIOS ist nur verhältnismäßig grob möglich und nimmt mehr Zeit in Anspruch, sodass wir beim Austesten des maximalen Speichertakts ClockGen zum variieren des FSB-Taktes verwendeten. Als Stabilitätskriterium setzten wir drei fehlerfreie Durchläufe von zwei parallel laufenden MemTest-Instanzen an. Eine 100-prozentige Stabilität ist dadurch zwar nicht garantiert, erfahrungsgemäß arbeiteten Konfigurationen, die dabei fehlerfrei bleiben, jedoch auch sonst stabil.
BIOS-Einstellungen:
- PCI Express Frequency: 100 MHz
- PCI Clock Synchronization Mode: 33,33 MHz
- Spread Spectrum: Disabled
- CPU VCore Voltage: 1,425V
- FSB Termination Voltage: 1,45V
- NB VCore: 1,65V
- C1E Support: Disabled
- Max CPUID Value Limit: Disabled
- Vanderpool Technology: Disabled
- CPU TM function: Disabled
- Execute Disable Bit: Disabled
- Modify Ratio Support: Enabled
- Memory Remap Feature: Disabled
- Static Read Control: Disabled
Die Kandidaten
Corsair DDR2-800
Mit einem Standardtakt von effektiv 800 MHz bei Timings von 5-5-5-12 (CAS, tRCD, tRP, tRAS) und 1,9V – angesichts der beispielsweise bei Corsairs Dominator-Modulen (ComputerBase-Test [10]) ab Werk vorgegebenen 2,4V einiger Dominator-Varianten von Corsair erfreulich wenig – Spannung gehört das 2-GB-Kit zu den günstigsten Vertretern im DDR2-Sortiment der Kalifornier und stellen heutzutage keine Besonderheit mehr da. Umso interessanter ist es, wie viel Leistung sich bei Bedarf noch aus dem Speicher herausholen lässt. Auf den Modulen sind „Micron D9Gxx (B6-x)“-Chips verbaut.
So ließ sich der Speicher bei 800 MHz ohne Spannungserhöhung mit Timings von 4-4-3-12 betreiben, war dann jedoch auch durch eine Erhöhung nicht mehr zu einer weiteren Senkung bei gleichzeitig stabilem Betrieb zu bewegen. Bezüglich der Speicherspannung beschränkten wir uns auf eine Erhöhung auf 2,15V, womit wir bei CL5-Timings immerhin 1008 MHz erreichten – eine Takterhöhung von über 25%!
| Speichertakt | RAM-Teiler | FSB-Takt (CPU-Takt) | Timings | Spannung |
|---|---|---|---|---|
| 800 | 1:1 | 400 MHz (2,8 GHz) | 4-4-3-12 | 1,9V |
| 1001 | 2:3 | 334 MHz (3,002 GHz) | 5-5-5-15 | 2,15V |
| 1008 | 2:3 | 336 MHz (3,024 GHz) | 5-5-5-15 | 2,15V |



Der Bandbreitentest unter Sandra offenbart das Problem des externen Speichercontrollers der Intel-Plattform: der Flaschenhals zwischen Northbridge und CPU sorgt dafür, dass sich die vermeintlich schwächste Konfiguration dank höherem FSB-Takt deutlich an die Spitze setzen kann. Bei der Speicherlatenz überwiegt der Effekt des höheren Takts den der schlechteren Timings. Der Bandbreitentest in ScienceMark deckt sich im Ergebnis mit den Ergebnissen in Sandra: der Frontside-Bus ist zu niedrig getaktet, um den hohen Speichertakt ausnutzen zu können.
Sandra 2007 Bandbreite Float FPU
Angaben in Megabyte pro Sekunde (MB/s)
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Sandra 2007 Latenz
Angaben in Nanosekunden
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ScienceMark 2.0 Bandbreite
Angaben in Megabyte pro Sekunde (MB/s)
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Corsair DDR2-1066
Deutlich höhere Taktraten versprechen Corsairs DDR2-1066-Module mit CL5-Timings, sind sie doch vorne weg effektiv 266 MHz höher getaktet. Damit einher gehen jedoch eine mit 2,2V (auf Grund einer BIOS-Beschränkung konnten wir lediglich mit 2,25V testen) deutlich höhere Speicherspannung und, wie nicht anders zu erwarten, ein höherer Preis. Bei den getesteten Modulen handelt es sich um ein 1-GB-Kit, dass jedoch auch mit doppelter Kapazität erhältlich ist. Auf den Modulen sind „Micron D9GMH (B6-3)“-Chips verbaut.
Auf 800 MHz heruntergetaktet konnten wir den Modulen bei Standard-Spannung CL3-Timings entlocken. Den Mehrpreis der Module würde dies nicht rechtfertigen, doch dafür sind sie letztendlich auch nicht vorgesehen. Bei Standardtakt ließen sich die Timings ohne Spannungserhöhung immerhin auf 4-4-5-12 senken. Um den Maximaltakt zu ermitteln, mussten wir die Einstellung der Timings über das SPD wählen, kamen dann aber bei 2,3V Spannung auf eine beachtliche effektive Taktrate von 1217 MHz – gut 14 Prozent oberhalb der Werksangaben.
| Speichertakt | RAM-Teiler | FSB-Takt (CPU-Takt) | Timings | Spannung |
|---|---|---|---|---|
| 800 | 1:1 | 400 MHz (2,8 GHz) | 3-3-3-9 | 2,25V |
| 1001 | 2:3 | 334 MHz (3,002 GHz) | 4-4-3-12 | 2,25V |
| 1066 | 2:3 | 355 MHz (2,842 GHz) | 4-4-5-12 | 2,3V |
| 1217 | 2:3 | 406 MHz (3,245 GHz) | 5-5-5-18 | 2,3V |




Der mit 355 MHz getaktete Frontside-Bus bei 1066 MHz Speichertakt reicht offensichtlich bereits aus, um den Einfluss des Flaschenhalses zumindest deutlich zu reduzieren und einen höheren Wert als bei 400 MHz FSB- und 800 MHz Speichertakt zu erzielen. Etwas verwunderlich ist der Ausreißer der Speicherlatenz bei 800 MHz. Eine Erklärung für die ungewöhnlichen Werte konnten wir nicht finden, konnten das Phänomen jedoch bei identischen Timings bereits beim Test der Dominator-Module feststellen. Probleme mit CL3-Timings sind bei Intel indes nicht neu und traten bereits früheren Chipsätzen auf (s. Vergleich mit nVidia nForce 4 SLI (Intel Edition) [11]).
Sandra 2007 Bandbreite Float FPU
Angaben in Megabyte pro Sekunde (MB/s)
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Sandra 2007 Latenz
Angaben in Nanosekunden
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ScienceMark 2.0 Bandbreite
Angaben in Megabyte pro Sekunde (MB/s)
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OCZ DDR2-1000
OCZ schickt mit den OCZ DDR2 PC2-8000 Platinum XTC Extreme Edition ein 2-GB-Kit mit vielversprechendem Namen ins Rennen, entsprechend hoch waren unsere Erwartungen an das Übertaktungspotenzial der Edel-Module. Spezifiziert sind sie für 1000 MHz effektiven Takt bei Timings von 4-5-4-15 und 2,2V Speicherspannung. Letztere kann innerhalb des Garantierahmens bei Bedarf noch auf bis zu 2,35V erhöht werden. Auf unseren Modulen sind „Micron D9GKX (B6-25E)“-Chips verbaut. Im Handel sind jedoch Versionen mit „Micron D9GMH (B6-3)“ anzutreffen. Welche Chips schlussendlich wirklich verbaut sind, lässt sich bei den OCZ-Modulen nur durch das Abnehmen des Heatspreaders herausfinden, hilfreiche Angaben zur Revision gibt es leider nicht.
Bei 800 MHz erreichen die OCZ-Module auch mit einer auf 2,1V gesenkten Speicherspannung noch sehr gute Timings von 3-4-3-9. Die erste – wenn auch für die Leistung nicht wirklich wichtige – Enttäuschung erlebten wir beim Versuch die Timings bei 1001 MHz zu senken – selbst mit erhöhter Speicherspannung ist nicht mehr als eine Senkung des tRAS-Wertes von 15 auf 12 zu erreichen. Noch enttäuschender ist der Maximaltakt, den die Module auf unserem Testsystem erreichten: bereits bei 1015 MHz ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Dass die Timings dabei unverändert bleiben, ist wenig tröstlich angesichts eines Übertaktungspotenzials von gerade mal 1,5%.
| Speichertakt | RAM-Teiler | FSB-Takt (CPU-Takt) | Timings | Spannung |
|---|---|---|---|---|
| 800 | 1:1 | 400 MHz (2,8 GHz) | 3-4-3-9 | 2,1V |
| 1001 | 2:3 | 334 MHz (3,002 GHz) | 4-5-4-12 | 2,25V |
| 1015 | 2:3 | 338 MHz (3,046 GHz) | 4-5-4-12 | 2,3V |



Gewohntes Bild beim Bandbreitentest: Der Flaschenhals zwischen CPU und Northbridge bremst den Speicher aus. Bei der Speicherlatenz zeigt sich das erwartete Bild, der Takt ist wichtiger als die Timings.
Sandra 2007 Bandbreite Float FPU
Angaben in Megabyte pro Sekunde (MB/s)
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Sandra 2007 Latenz
Angaben in Nanosekunden
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ScienceMark 2.0 Bandbreite
Angaben in Megabyte pro Sekunde (MB/s)
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Fazit
Corsair und OCZ traten mit drei in ihren Eckdaten doch sehr unterschiedlichen Modulpaaren zum Test an. Der eindeutige Gewinner in den Kategorien Übertaktungspotential und Preis/Leistung ist Corsairs TWIN2X2048-6400, das einen gut 25% über den Werksangaben von 800 MHz liegenden Takt problemlos mitmachte und mit einem Preis von aktuell etwa 160 Euro [12] auch die Brieftasche nicht über Gebühr belastet.
Den höchsten Takt erreichte mit 1217 MHz ebenfalls ein Modulpaar aus dem Hause Corsair und auch das Übertaktungspotential war trotz eines hohen Speichertakts als Ausgangsbasis mit 14% noch erfreulich hoch. Weniger erfreulich dürften die meisten Käufer den veranschlagten Preis finden: aktuell 198 Euro [13] für das von uns getestete 1-GB-Kit bzw. 310 Euro [14] für das 2-GB-Kit dürften sich für die meisten Käufer nicht rentieren, Übertakter dürften an den Modulen jedoch ihre Freude haben.
Der klare Verlierer des Testfeldes ist das OCZ DDR2 PC2-8000 Platinum XTC Extreme Edition getaufte Kit von OCZ. Lediglich 1,5% Übertaktung bei Preisen, die zur Zeit bei 440 Euro beginnen [15] (der einzige Händer, der die Module derzeit als lagernd listet, verlangt gar exorbitante 554 Euro) und ein nicht allzu hoher garantierter Takt von 1000 MHz können nicht wirklich überzeugen. Fairer Weise sollte jedoch erwähnt werden, dass die Module in anderen Tests deutlich besser abschnitten und wir womöglich nur ein ungwöhnlich schlechtes Modulpaar abbekommen haben. Auch das Zusammenspiel zwischen Testsystem und Speicher sollte an dieser Stelle nicht als mögliche Ursache unerwähnt bleiben.




