ComputerBase

Test: Neun aktuelle Wärmeleitpasten

von Hans Peter Lorenz

Einleitung

In Zeiten, in denen Kühler Verlustleistungen von 80 W und mehr über eine Fläche von nur wenigen Quadratmillimetern aufnehmen müssen, ist der Einsatz hochwertiger und somit teurer Wärmeleitpaste unerlässlich - so die landläufige Meinung. Ein hoher Anteil an Silber steht irrtümlich besonders hoch im Kurs, da meist Silberoxid (Ag2O) und keineswegs reines Silber verwendet wird. Das zeigt deutlich auf, dass man nicht alles glauben darf, nur weil eine Mehrheit eine bestimmte Meinung vertritt. ComputerBase möchte mit einem neutralen, möglichst objektiven Test Klarheit schaffen. Gerade bei der Beurteilung der allgemeinen Handhabung ist aber ein subjektiver, von Mensch zu Mensch unterschiedlicher Eindruck unvermeidlich. Die Messwerte dagegen sind objektiv und reproduzierbar. Die Preise schwanken je nach Lieferant und Zeitpunkt und wurden von uns über Geizhals zu Jahresbeginn ermittelt. Viel Spaß beim Lesen.

Die Testkandidaten

Im Folgenden wollen wir alle Wärmeleitpasten kurz vorstellen. Da es bei jeweils einer Tube bzw. Spritze nicht sonderlich viel zu sehen gibt, haben wir uns auf "Gruppenfotos" beschränkt.

Alle WLP verpacktAlle WLP ohne Packung.

Conrad 18 91 62
Diese Riesentube, die wohl ein Leben lang reichen dürfte, schlägt mit gerade einmal 4,08 Euro zu Buche - und das für 35,0 Gramm! Da sie keine spezielle Bezeichnung hat, haben wir ihr kurzerhand Namen und Bestellnummer des Anbieters verpasst. Die Verarbeitung der weißen Paste ist denkbar einfach, ein winziger Klecks auf die CPU und der Kühler kann montiert werden. Leider muss man hier auf die bequeme Dosierung aus der Spritze verzichten. Bei hohen Temperaturen wird diese Paste recht dünnflüssig, wodurch sie sich hervorragend verteilt, andererseits aber regelmässig erneuert werden sollte.

Titan TTG-S 101
Die silberfarbene Titan ist mit 3,00 Euro für 1,5 g recht teuer geraten, entschädigt aber durch die kleine Spritze mit perfekter Dosierbarkeit, die den neueren Arctic Silver in nichts nachsteht. Auch lässt sie sich durch die dünnere Konsistenz einfacher verteilen. Wird sie nicht zu dick aufgetragen, erledigt dies der Anpressdruck des CPU-Kühlers.

Arctic Silver Céramique
Mit etwa 3,40 Euro für 2,7 g schlägt diese weiße WLP zu Buche. Optisch ähnelt diese Paste weit billigeren Beigaben, die mit einigen Kühlern geliefert werden. Beim Auftragen stellt sich aber schnell heraus, dass die Céramique sehr viel zäher ist, als es zunächst den Anschein hat. Das erschwert zwar geringfügig die Handhabung, ist aber nicht von großem Nachteil. Die Spritze mit einem praktischen Verschluss ist hervorragend dosierbar.

Arctic Silver 3
Die graue AS3, wie sie kurz genannt wird, kostet ca. 5,70 Euro für 3,0 g und gehört somit zu den teureren Kandidaten. Die recht große Spritze verhindert eine exakte Dosierung erfolgreich - es ist praktisch nicht möglich exakt die gewünschte Menge zu entnehmen. Sie lässt sich aber noch gut verarbeiten, sollte aber gleichmäßig verteilt werden, da sie sich nur schlecht selbst verteilt.

Arctic Silver 5
Die dunkelgraue AS5 schlägt mit 4,70 Euro für 3,5 g deutlich günstiger zu Buche als die ältere AS3. Die Dosierung geht wie bei der AS Céramique durch die dünne Spritze hervorragend von statten. Sie ist zäher als die AS3 und von deutlich dunklerer Farbe. Auch sie möchte vor der Montage gleichmäßig dünn verteilt werden.

Die Testkandidaten (Fortsetzung)


CoolerMaster Premium
Die dunkelgraue, mit 8,50 Euro für gerade einmal 1,6 g teuerste Paste im Testfeld ist auch gleichzeitig die zäheste. In der Packung findet sich neben einem Kunststoffspachtel in Form einer Kreditkarte noch ein Aufkleber, der Masken für Sockel A (370 & 7) sowie Sockel 423, also den alten P4 Willamette, trägt. Diese sollen auf dem Kühler aufgeklebt und anschliessend mit der WLP zugespachtelt werden. Nun zieht man den Aufkleber / die Maske ab, und zurück bleibt die WLP auf dem Kühler. Der Sinn dieser Massnahme bleibt uns allerdings verschlossen, schließlich sollte man die CPU nicht mit WLP zuspachteln. Desweiteren ist die Premium zu zäh, um sie mit dem Spachtel gleichmässig verteilen zu können. Die Spritze hat einen etwas größeren Durchmesser, als bei Arctic Silver oder Titan, was die Dosierung erschwert. Die Konsistenz erinnert eher an Fensterkitt, denn an Wärmeleitpaste. Dementsprechend ist auch die Handhabung und Verarbeitbarkeit relativ miserabel: Ob mit dem Finger oder dem mitgelieferten Spachtel, es ist ausgesprochen schwierig sie gleichmässig und dünn zu verteilen.

CoolerMaster High Performance
Diese weiße Paste kostet 3,40 Euro für 2,0 g Inhalt. In der Packung finden sich neben der Paste ebenfalls Masken und ein Kunststoffspachtel, wie schon bei der Premium. Im Gegensatz zur Premium funktioniert die Verteilung mit Hilfe der Maske ausgezeichnet, allerdings viel zu großflächig und auch zu dick. Die Spritze ist für eine exakte Dosierung zu groß, dafür lässt sich die Paste perfekt verteilen. Ein Klecks auf die CPU genügt auch hier, die Verteilung übernimmt der Kühler.

CoolerMate CNT-TCP
Mit 3,90 Euro für 1,5 g ist die silberfarbige CoolerMate die zweitteuerste Paste im Test. Ihre ebenfalls recht große Spritze erschwert ihre Dosierung stark. Dafür lässt sie sich sehr gut verteilen, ihre Konsistenz ist der Titan ähnlich.

OCZ Ultra²
Die silberne OCZ Ultra gehört mit etwa 5,00 Euro für 3,0 g in das mittlere Preissegment des Testfeldes. Die sehr große Spritze lässt sich denkbar schlecht dosieren. In Farbe und Konsistenz ist sie der Titan recht ähnlich.

Preis pro Gramm

Die Einzelpreise der Wärmeleitpasten zu vergleichen, wäre aufgrund der stark unterschiedlichen Inhaltsmengen wenig objektiv, sodass wir an dieser Stelle lediglich die Preise pro Gramm angeben.

Preise pro Gramm

CoolerMaster Premium
5,31
CoolerMate CNT-TCP
2,60
Titan TTG-S 101
2,00
Arctic Silver 3
1,90
CoolerMaster High Performance
1,70
OCZ Ultra²
1,67
Arctic Silver 5
1,34
Arctic Silver Céramique
1,26
Conrad 18 91 62
0,12
Angaben in Euro


Zwischen 1,67 und 2 Euro pro Gramm finden sich die meisten Pasten wieder, nur die CoolerMate fällt mit 2,60 Euro deutlich nach oben heraus. Die CoolerMaster Premium schießt den Vogel ab und ist mehr als doppelt so teuer, wie die zweitteuerste Paste. Arctic Silver Céramique und 5 können schon als günstig angesehen werden, während die "Billigpaste" von Conrad unschlagbar günstig ist und nur etwa ein Zehntel der AS Céramique kostet. Wir sind gespannt, ob die Temperaturunterschiede ähnlich weit gespreizt sind, wie das beim Preis der Fall ist.

Temperaturmessungen

Wir haben die Wärmeleitpasten mit unserem Messaufbau aus dem P4-Kühler-Roundup [1] und dem Thermalright SLK 947 U [2] bei verschiedenen Verlustleistungen simuliert. Die Wahl fiel hierbei auf 35, 60 und 90 Watt.

Temperatur bei 35 Watt Verlustleistung

Wir haben uns für 35 W als Einstieg entschieden, weil dies in etwa der Verlustleistung eines Tualatin - PIII bzw. - Celeron unter Last entspricht. Auch einige Mobile-CPUs und höher getaktete P4 und Athlon im Idle-Modus sind etwa in dieser Region einzuordnen.

Temp bei 35 Watt

Arctic Silver 5
34
Arctic Silver Céramique
35
Arctic Silver 3
36
Titan TTG-S 101
36
Conrad 18 91 62
36
CoolerMaster High Performance
36
CoolerMate CNT-TCP
36
OCZ Ultra²
36
CoolerMaster Premium
38
Ohne WLP
42
Angaben in °C

Minimal präsentieren sich die Unterschiede bei dieser geringen Verlustleistung. Gerade einmal 4 °C unterscheiden die beste von der schlechtesten Paste. Selbst gänzlich ohne WLP sind es nur weitere 4 °C mehr und damit auch noch akzeptabel. Die CoolerMaster Premium - die mit Abstand teuerste Paste - macht durch das schlechteste Messergebnis auf sich aufmerksam.

Temperatur bei 60 Watt Verlustleistung

Eine Verlustleistung von 60 W spiegelt einen Palomino 1600+, einen T-Bred 2000+ oder einen P4 2,53 unter Volllast wieder, also heutzutage eher die Mittel- bis Einsteigerklasse. Auch Top-CPUs im Teillastbereich ordnen sich in dieser Verlustklasse ein.

Temp bei 60 Watt

Arctic Silver 5
42
Arctic Silver Céramique
43
Titan TTG-S 101
45
CoolerMaster High Performance
45
CoolerMate CNT-TCP
45
OCZ Ultra²
45
Arctic Silver 3
46
Conrad 18 91 62
46
CoolerMaster Premium
47
Ohne WLP
55
Angaben in °C

Die Differenzen zwischen bester und gar keiner WLP werden hier schon größer, allerdings ist der Unterschied zwischen den Pasten mit gerade 5°C immer noch sehr gering. Besonders erstaunlich ist das wiederum schlechte Abschneiden der CoolerMaster Premium.

Temperatur bei 90 Watt Verlustleistung

Einer Spitzen-CPU - selbstverständlich unter Volllast und leichtem Overclocking betrieben - wird unserer Ansicht nach eine Verlustleistung von 90W durchaus gerecht. Unter Overclockern und Gamern ist auch der größte Absatz an Zubehör-Pasten zu erwarten, daher werden wir diese Messung besonders bewerten.

Temp bei 90 Watt

Arctic Silver 5
52
Arctic Silver Céramique
54
CoolerMaster High Performance
55
Titan TTG-S 101
56
CoolerMate CNT-TCP
56
OCZ Ultra²
56
Arctic Silver 3
57
Conrad 18 91 62
58
CoolerMaster Premium
60
Ohne WLP
70
Angaben in °C

Wie schon zuvor liefert die AS 5 souverän das beste Ergebnis, mit einem hauchdünnen Vorsprung von 2°C vor ihrer "kleinen" Schwester, der Céramique. Auch die CoolerMaster HP zieht sich mit 1°C mehr sehr gut aus der Affäre, wiederum 1°C dahinter folgen OCZ, CoolerMate und Titan. Die AS 3 ist keineswegs schlecht, liegt aber doch schon deutlich hinter ihrer preisgünstigeren Nachfolgerin zurück. Der geringe Abstand zur Conrad liesse gehörige Zweifel an ihrer Preiswürdigkeit aufkeimen, wäre da nicht die CoolerMaster Premium, die in keiner Lebenslage der um den Faktor 45 günstigeren Conrad das Wasser reichen kann.

Was uns sonst noch auffiel

Das Ergebnis der CoolerMaster Premium hat uns dann doch etwas arg überrascht. Um Messfehler auszuschließen, haben wir mehrere Testdurchläufe gestartet - unter anderem auch mit einem Pentium 4 2,4 @ 2,8 GHz. Nach etwa einer Woche mit dieser Paste blieb die CPU bei der Demontage einfach am Kühler kleben, welches auf Dauer sicher nicht gut für ihre Pins sein kann. Solch ein Verhalten ist sonst von den Standard-Pads der P4-Kühler bekannt.

P4 angeklebt oben P4 angeklebt Seite

Die daraufhin verwendete AS Céramique senkte die Temperatur unter ansonsten identischen Bedingungen von 48 auf 44°C. Auch bleibt die CPU bei Demontage des Kühlers bestimmungsgemäss im Sockel.

Fazit

An dieser Stelle möchten wir unseren besonderen Dank an den Online-Shop CaseKing [3] richten, der uns die Testmuster zur Verfügung gestellt hat. Einzig die Conrad und die OCZ Ultra² [4] haben wir aus anderer Quelle erhalten.

Eng geht es zu, was die Temperaturunterschiede unserer Kandidaten betrifft. Nur 6 °C Temperaturdifferenz bei 90W Verlustleistung trennen die beste Paste von der Preisgünstigsten. Bei derart geringen Differenzen ist es schwierig, gut und schlecht zu unterscheiden. Erst wenn man die Handhabung/Verarbeitbarkeit und vor allem den Preis berücksichtigt, werden die Unterschiede sehr viel deutlicher.

Die CoolerMaster Premium trägt zweifelsfrei die rote Laterne. Sie bietet zwar deutlich bessere Kühlleistung als beim Betrieb ohne Paste, aber zu dem höchsten Preis von 5,31 Euro/g ist die schlechteste Leistung deutlich zu wenig. Die ausgesprochen schlechte Verarbeitbarkeit und das Verkleben der CPU am Kühler tragen ihr Übriges zum negativen Gesamteindruck bei.

Die CoolerMate ist eine ordentliche Paste ohne deutliche Schwächen zu einem hohen Preis. Das ist etwas zu wenig, um sich von kostenlosen Produkten, die vielen Kühlern beiliegen, absetzen zu können. Zudem erschwert die große Spritze die Dosierung enorm.

Die Arctic Silver 3 kann ebenfalls keine Begeisterungsstürme auslösen, dafür ist sie einfach zu teuer und der Konkurrenz nicht ganz ebenbürtig - vor allem in puncto Handhabung und Dosierung. Aber auch die nicht sonderlich gute Kühlleistung lassen sie nicht empfehlenswert erscheinen.

Die Titan, die OCZ und die CoolerMaster High Performance bilden das Mittelfeld. Sie bieten einen guten Wärmeübergang gepaart mit einem - im Vergleich zur Konkurrenz - immer noch zu hohen Preis. Die Handhabung ist bei allen dreien frei von Kritik, nur die Dosierbarkeit durch die großen Spritzen stört bei der OCZ und der HP ein wenig, dafür ist die Titan aber etwas teurer.

Die Arctic Silver Céramique überzeugt durch gute Leistung, sehr gute Handhabung und ausgezeichnete Dosierbarkeit. Zu einer Empfehlung langt das aber noch nicht ganz, dafür ist der Preis noch zu hoch.

Preis-HammerDie Standard- Wärmeleitpaste von Conrad hat das Preis/ Leistungsverhältnis klar auf ihrer Seite. Lediglich ca. 12 Cent pro Gramm lassen die gesamte Konkurrenz ob ihrer ordentlichen Leistung in einem ganz anderen Licht erscheinen. Wer auf das letzte Quentchen OC verzichten kann, seinen Rechner nicht ständig unter Volllast betreibt oder einfach eine stromsparendere CPU besitzt, hat mit dieser Tube bis in alle Ewigkeit ausgesorgt. Angesichts der 6°C Differenz zur AS 5, immerhin über 10 %, können wir keinen Hardwarehammer vergeben, aber der absolute Preishammer ist sie in jedem Fall.

Leistung-HammerZu guter letzt kommen wir zur Arctic Silver 5, die denkbar knapp die beste Leistung bietet, zudem noch sehr sauber dosierbar und leicht zu verarbeiten ist. Da überdies der Preis für ein Top-Produkt durchaus noch in Ordnung, für die Leistung dank der Conrad aber dennoch zu hoch ist, können wir der Paste zwar den Leistungshammer bescheren, aber auch ihr müssen wir den Hardwarehammer klar versagen.

Die meisten Pasten sind im Shop von CaseKing.de [5] erhältlich.

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/pentium_4_kuehler_roundup/
  2. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/pentium_4_kuehler_roundup/7/#thermalright_slk_947_u
  3. http://www.caseking.de/?ref=35
  4. http://www.ocztechnology.com/
  5. http://www.caseking.de/shop/catalog/default.php?cPath=25_58&ref=35
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