Einleitung
Im März dieses Jahres stellten wir insgesamt sieben passive Grafikkartenkühler in einem großen Vergleich [1] gegenüber. Im damaligen Test kristallisierte sich der Polar Freezer von BeQuiet als insgesamt beste lüfterlose Kühllösung für den 3D-Chip heraus, da er in Leistung, Verarbeitung, Montage und Dokumentation die gewählte Konkurrenz teilweise deutlich übertreffen konnte. Zu dieser Konkurrenz zählte auch der AeroCool Video Magic 101, eine leichte Konstruktion, welche die Wärme über zwei Heatpipes vom Grafikprozessor auf die Grafikkartenrückseite führte, um sie dort mit einem großen Aluminiumkühlkörper an die Luft zu überführen. Wenngleich dieser asiatische Entwurf in unserem Test nur eine Mittelposition einnehmen konnte, fand er aufgrund seiner überaus einfachen Montage und seiner hohen Performance in entsprechend belüfteten Systemen viele Freunde. Mittlerweile hat AeroCool nachgelegt und präsentiert mit dem VM-102 den verbesserten Nachfolger, der mit mehr Kühlfläche und größerer Kompatibilität nun auch den Polar Freezer leistungsmäßig in die Schranken weisen will. Ob es dem VM-102 im Härtetest auf einer Radeon X800 XT Platinum Edition gelingt, den aktuellen Spitzenplatz von BeQuiet abzuknöpfen, zeigt unser Nachtest.
Lieferumfang
Die leicht zu öffnende Blisterverpackung beinhaltet:
- Vorderseitenkühlkörper
- Rückseitenkühlkörper inkl. Dual-Heatpipe
- GPU-Part
- Montagematerial für variable Lochabstände
- Wärmeleitpaste auf Silberbasis
- Anleitung (bebildert, englisch)
Technische Eckpunkte
- Maße (Fins): 185 (L) x 23 (H) mm
- 30 Aluminium-Kühlfins
- Maße (Frontkühlkörper): 150 (L) x 80 (B) x 20 (H) mm
- Kühlplatte aus Aluminium
- Gesamtgewicht: 400 g
- Dual Superconductor Tubes (Heatpipes)
- Kann über 70 Watt an Wärme abführen
- Verdeckt einen freien PCI-Slot
- Geeignet für alle VGA-Karten
- Produkthomepage [2]
- Preis: ca. 30 Euro [3]
Kühler im Detail
Anders als sein Vorgänger setzt der VM-102 auf eine Kühlkörperkombination aus Vorder- und Rückseitenpart. Die große, sehr robuste, in Anthrazit lackierte Aluminiumkühlfläche für die Grafikchip-Seite erinnert dabei an die bekannten Ausführungen der am Markt vertretenen Kontrahenten, gibt sich allerdings in ihren Ausmaßen noch voluminöser. Speziell die Höhe von knapp 20 mm sucht Ihresgleichen - aus diesem Grund empfiehlt AeroCool auch das Freilassen von zwei angrenzenden PCI-Slots, obwohl im eingebauten Zustand lediglich einer verdeckt wird.



Der rückseitige Kühlkörper ist dagegen schon vom Vorreiter bekannt und besteht nicht, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte, aus Kupfer, sondern aus 30 hauch dünn geschnittenen Aluminiumlamellen. Aufgrund ihrer im Vergleich zum VM-101 noch einmal deutlich verringerten Dicke sind diese auf die Heatpipes gesteckten Kühleinheiten recht leicht zu verbiegen, sodass sie bei nicht auszuschließender Kollision mit besetzten Arbeitsspeicherbänken problemlos nachgeben können. Denn auch an der Form des "Rucksacks" hat es, wie man auf den unteren Bildern deutlich erkennen kann, markante Veränderungen gegeben: So setzt der VM-102 nun auf einen deutlich gestreckteren, dafür aber wesentlich flacheren Schnitt. Diese Tatsache kommt der Kompatibilität in hohem Maße zugute: Waren es beim VM-101 noch fast 50 mm, die zwischen Grafikkarte und Kühlkörper zur Unterbringung der AeroCool-Passiveinheit von Nöten waren, sind es nun nur noch etwa 37 mm.



Die Qualität des Gebotenen kann unterdessen im vollen Maße überzeugen. Sauberer Schliff, weiche Metallkanten und eine passgenaue Heatpipeführung der beiden geschwungenen 6-mm-Superconductor-Tubes stimmen genauso freudig wie die mitgelieferte, anschaulich illustrierte Montageanleitung und die hochwertige Wärmeleitpaste auf Silberbasis.
Montage auf X800 XT PE
Das Montagezubehör fällt insgesamt wesentlich reichhaltiger aus, als dies noch beim VM-101 der Fall war. Insbesondere die vielen kleinen Schrauben entmutigen die zaghaft vorsichtige, da mit der Materie weniger vertraute Seele. Ärgerlich ist vor allem, dass viele vorbereitende Schraubarbeiten gar nicht vom Käufer hätten übernommen werden müssen, da das Zusammenfügen der entsprechenden Teile um das GPU-Stück bei allen zu verwendenden Grafikkarten von Nöten ist. Hat man sich allerdings erst einmal in das Prozedere eingearbeitet, sollte die Anbringung in etwa zehn bis 15 Minuten vollbracht sein.
AeroCool gibt an, dass sich der VM-102 auf allen Grafikkarten - wir schließen hier die GeForce 6600 GT AGP-Modelle aufgrund ihres ungewöhnlichen Layouts (Stichwort „Bridge-Chip“) aus - heimisch fühlen darf. Realisiert wird diese übergreifende Kompatibilität mit variierbaren Montagearmen, die ihre Tragweite entsprechend den spezifischen Lochabständen von GeForce, Radeon und Co. anpassen lassen.



Etwas stiefmütterlich hat der Hersteller unserer Meinung nach das Thema Dokumentation behandelt. Denn neben dem knappen englischen, wenig informativen Beschreibungen kann sich der Anwender nur auf die 23 Illustrationen der Schritt-für-Schritt-Anleitung stützen. Leider können diese nicht alle Fragen zweifelsfrei beantworten: So bleibt beispielsweise offen, ob die Montagearme mit dem Gewinde nach oben oder nach unten zeigend verschraubt werden müssen. Setzt man auf die erste Methode, berühren die Enden der Metallarme möglicherweise elektronische Bauteile der Grafikkarte (wie im mittleren Bild zu sehen), was im schlimmsten Fall zum Kurzschluss führen kann, da die nötige Isolierung fehlt. Auf der Grafikkartenrückseite übernehmen unterdessen zwei selbstklebende Ringe aus nicht-leitendem Material diese essentielle, schützende Aufgabe.
Aus dem Blickpunkt der gesteigerten Performance wird dem VM-102 sicher in die Karten spielen, dass die Enden der Heatpipes nicht mehr geplättet wurden, sondern nun im vollen Umfang in den dafür vorgesehenen Rinnen der GPU-Auflage sowie des Vorderseitenkühlkörpers arbeiten können.



Im aufgebauten Zustand entfaltet die Video-Magic 102 ihre volle Pracht und überzeugt auch optisch mit einer eleganten Symbiose aus anthraziter Kräftigkeit und täuschend echtem, kupfernen Glanz. Trotz seiner Großflächigkeit bewegt sich der asiatische Kühlpanzer mit etwa 400 Gramm Gesamtgewicht (ohne Grafikkarte) noch im Rahmen des Verträglichen und sollte bei guter Kartenbefestigung auch beim Transport keine Sorgen bereiten. Ebenfalls keine Schwierigkeiten machte uns die Anbringung von zusätzlichen, flachen BGA-Speicherkühlern. Dies sollte allerdings aus Platzgründen vor dem Aufbau des Passiv-Heatpipekühler geschehen.
Testsystem
- P4 Prescott 3,4 GHz (Vc: 1,4 V)
- Abit IC7-G (Intel 875P) Sockel 478
- Yeong-Yang Midi-Tower YY-5601 - geschlossen, keine Belüftung
- Antec SmartBlue 350W-Netzteil mit 92-mm-Bodenventilator
- Raumtemperatur: ca. 21 °C
- Asus Radeon X800 XT Platinum Edition
- Silikon-Wärmeleitpaste
Referenzen und Messverfahren
Wie bereits in der Vorbesprechung erwähnt, sollen uns der BeQuiet Polar Freezer sowie der AeroCool VM-101 dienlich sein, die Leistung des neuen Schönlings bewerten zu können. Um die Protagonisten dabei richtig ins Schwitzen zu bringen, kommt mit der Radeon X800 XT Platinum Edition die derzeit schnellste Grafikkarte für den auslaufenden AGP-Steckplatz zum Einsatz. Um darüber hinaus der Zielsetzung, einen möglichst leisen Rechner zu erhalten, gerecht zu werden, verzichten wir auf eine Gehäuseentlüftung des Yeong-Yang Midi-Towers und vertrauen neben den Tätigkeiten der Netzteillüfter gänzlich auf die etwaige Mitbelüftung des eingesetzten Prozessorkühlers. Um auch dabei der Vielfalt des Marktes beizukommen, testen wir einmal mit dem XP-90 C stellvertretend für die konventionelle, sowie mit dem Arctic-Cooling Freezer 4 als Vertreter der Tower-Kühltechnik.
Nach dem Aufbau der jeweiligen Konfiguration wird das System per 3DMark 03-Loop etwa eine Stunde lang aufgewärmt. Daran schließen sich fünf weitere Durchlaufe der 3DMark 03-Gametests an, in deren Verlauf die maximale Grafikchiptemperatur mit dem Rivatuner dokumentiert wird. Nach weiteren zehn Minuten des Nichtstuns wird die aktuelle Temperatur als Leerlauftemperatur dokumentiert. Dabei ist zu sagen, dass alle Messungen doppelt durchgeführt wurden und das jeweilige Mittel im Endeffekt unseren Vergleichspunkt darstellt. Differenzen im Bereich von zwei bis drei Grad können als Fehlertoleranz angesehen werden.
Kühlleistung
CPU Cooler: AC Freezer 4 [1100 rpm]
Angaben in °C
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CPU Cooler: AC Freezer 4 [2200 rpm]
Angaben in °C
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CPU Cooler: TR XP-90C [2000 rpm]
Angaben in °C
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Dem VM-102 gelingt es in erstaunlicher Manier, seinen Vorgänger aus der Bahn zu kegeln. Speziell bei geringer Zusatzkühlung durch den Prozessorlüfter ist der VM-102 derzeit nicht zu toppen - auch nicht vom Polar Freezer, der allerdings immer noch sehr gut mithält und den VM-102 nur geringfügig davonziehen lassen muss. In der XP-90 C-Konfiguration zeigen sich zudem die neu gewonnenen Kompatibilitätsvorteile des VM-102, während der VM-101 noch mit dem Prozessorkühler kollidierte und somit nicht ins System passte.
Insgesamt lässt sich sagen, dass der VM-102 übergreifend gut funktioniert - sowohl in Kombination mit einem Towerkühler, als auch mit einem Modell herkömmlicher Bauart. In einem schwach / nicht belüfteten System sollte man dennoch weiterhin Abstand nehmen, eine High-End-Grafikkarte wie die X800 XT PE passiv zu kühlen - GeForce-Vertreter der 6800 GT / Ultra- oder gar 7800 GT / GTX-Reihe sind als noch etwas hitzköpfiger einzustufen und daher ebenfalls nicht empfehlenswert.
Fazit und Empfehlungen
Pro
- Sehr gute Passivkühlleistung
- Hohe Kompatibilität
- Sehr gute Verarbeitung und Optik
- Akzeptables Gewicht
Con
- Fummelige Montage
- Schwache Dokumentation
- Nicht für High-End-Grafikkarten
Der AeroCool VM-102 überzeugt fast im gesamten Umfang und merzt die Schwächen seines Vorgängers rigoros aus. Seine Passivkühlleistung präsentiert sich auf besonders hohem Niveau und fügt sich harmonisch in die gängigen Konfigurationen eines Silent-PCs ein. Die Verarbeitungsqualität ist erstklassig, die optische Darbietung überaus stimmig und die Kompatibilität im Vergleich zum VM-101 noch einmal deutlich gesteigert. Liebhaber des leisen PCs finden in der AeroCool VM-102 eine neue Referenz in Sachen passive Grafikkartenkühlung, die trotz etwas fummeliger Montage und der überarbeitungswürdigen Anleitung wärmstens empfohlen werden darf und eine würdige Alternative zum bisherigen Passiv-König aus dem Hause BeQuiet darstellt. In diesem Sinne gratulieren wir AeroCool zur gekonnten Vorstellung!
Die hier gezeigte VM-102 kann zum Preis von 29,90 Euro beispielsweise bei Caseking [2] erworben werden.


