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Test: Antec P180

von Hannes Tismer, Arne Müller

Einleitung

Der kürzlich erschienene P180 der Firma Antec [1] trägt nicht umsonst den voluminös wirkenden Beinamen „Advanced Super Midi Tower“, denn mit einem gewöhnlichen Modding-Gehäuse hat dieser nicht mehr viel zu tun. Mit der Anlehnung an den im Jahre 2003 definierten BTX-Standard will der renommierte Hersteller Problemzonen wie Wärmeabtransport und Geräuschdämmung revolutionieren.

Das silberschwarze Produkt wirkt durch ein edles Aluminiumfinish und die ausklappbare Fronttür sehr modern und stilvoll, dazu jedoch später mehr. Im nächsten Abschnitt stellen wir zuerst den Lieferumfang vor.

Antec P180

Lieferumfang

In einem großen, dezent gestalteten Pappkarton, der anstatt mit Werbung und Marketingsprüchen eher auf handfeste Produktinformationen und -bilder setzt, wird der mit Schaumstoffelementen sicher verpackte P180 geliefert. Das nach dem Herausnehmen relativ schwer anmutende Gehäuse verfügt im Inneren über eine Pappschachtel mit Festplatten-Schienen, einen optionalen Luftauslass aus Hartplastik, sowie, gut versteckt hinter dem oberen Festplattenkäfig, eine aufklappbare Plastikbox, in der Kleinteile wie Schrauben und Kabelklemmen untergebracht sind.

Neben den drei vorinstallierten Antec 120-mm-TriCool-Lüftern [2] wurde über der Aussparung für die PCI/AGP-Steckkarten ein Fan-Duct aus Kunststoff, welches kühle Luft direkt auf die vermeintlich heiße Grafikkarte befördern soll, angebracht. Dieses kann außerdem mit einem optionalen 80-mm-Gebläse ausgestattet werden, was von Antec jedoch nicht vorgeschrieben wird. Bei den hinter der Fronttür liegenden Lüfterhalterungen wurden ab Werk zwei leicht herausnehmbare, waschmaschinenfeste Luftfilter eingebaut.

Die technischen Daten des Antec P180 lauten:

Ausstattung außen

Die erste auffällige Besonderheit des Gehäuses bietet die mit Aluminium besetzte Front in Form der Klapptür. Diese Tür besitzt einen erweiterten Scharniermechanismus, der einen Klappwinkel von bis zu 270 Grad ermöglicht. Durch eine Aussparung sind die an der Front angebrachten Multimedia- und USB/Firewire-Ports auch im geschlossenen Zustand zugänglich. Eine nützliche Dreingabe ist das Rundschloss an der Vorderseite des P180, das ein Abschließen der Fronttür ermöglicht und damit die Sicherheit der meist teuren Komponenten zumindest im Ansatz garantiert.

Antec P180FrontRückseite

Die in der Moddingszene sehr beliebte „Top-Blowhole“-Modifizierung am Deckel von Gehäusen wurde bei dem Antec Produkt fest verbaut: Im hinteren Teil der Oberseite ist ein Lüftergitter mit Wabenstruktur eingelassen, hinter dem einer der drei mitgelieferten 120-mm-TriCool-Lüfter angebracht ist. Über diesem Gitter kann der optionale Plastikaufbau angebracht werden, der einen Teil des Luftstroms sowie Störgeräusche aus dem Gebläse zur Gehäuserückseite – und somit weg vom Benutzer – ableiten soll.

Die Seitenwände bestehen aus einem neuartigen Aluminium-Plastik-Aluminium Konzept, das (laut Herstellerangaben) Wärme und Laufgeräusche von Lüftern und Festplatten effektiver kompensieren sollen. Während die rechte Seitenwand mit drei normalen Gehäuseschrauben fixiert ist, wird die linke mit zwei Thumbscrews sicher befestigt. An der Unterseite ist außer den gewöhnlichen Standnoppen aus halbdurchsichtigem Gummi nichts Erwähnenswertes zu finden.

Die Rückseite ist, aufgrund der Anlehnung des internen Aufbaus an den BTX-Formfaktor, anders als bei herkömmlichen Gehäusen gehalten, womit wir direkt zum nächsten Abschnitt dieses Reviews, dem Innenleben des guten Stücks kommen.

Ausstattung innen

Um die Innenausstattung beschreiben zu können, muss zuerst der interne Aufbau erklärt werden, der sich durch so genannte Thermalzonen auszeichnet. Anders als beim eher spartanischen, standardmäßigen ATX-Aufbau werden beim Antec P180 die Hitzequellen des Mainboards, also CPU sowie Grafikkarte (Thermalzone #1), von anderen Faktoren wie dem Netzteil (Thermalzone #2) und den Festplatten (Thermalzone #3) und dadurch von deren entstehenden Luftströmen getrennt. Das Netzteil befindet sich nicht wie gehabt oberhalb des Motherboards sondern darunter. Dazu kommt, dass einer der beiden herausnehmbaren Festplattenkäfige im Thermalbereich des Netzteils angesiedelt und von diesem abermals durch einen 120-mm-Lüfter separiert ist. Den Abstand zwischen Thermalzone #1 und #2 gewährleistet eine Stahlplatte, die mit verschiebbaren Plastikklappen Öffnungen für die Kabelverlegung bietet.

InnenraumInnenraum vorneInnenraum hinten

Gegenüber dem oberen Festplattenkäfig thronen die im unteren eingebauten Datenträger um 90 Grad versetzt zur Gehäuselänge. Dadurch können in diesem bis zu vier Platten verbaut werden – im oberen sind es maximal zwei. Die in Mode gekommenen Halteclips für Laufwerke, die ohne Verschraubung für festen Halt sorgen, wurden auch in diesem Produkt integriert. Durch einfaches Einhaken der Schienen in die Peripherie kann diese daraufhin durch Herausziehen aus der Halterung entfernt werden. Die einzelnen Laufwerkkäfige sind entweder durch Plastik- oder Gummieinsätze voneinander entkoppelt, so dass eine hohe Laufruhe gewährleistet ist.

unterer Festplattenkäfigoberer FestplattenkäfigEntkoppelung der Festplatten

Grafikkarten-Fan-Duct Der schon erwähnte Fan-Duct, der für die Frischluftzufuhr der Grafikkarte zuständig ist, besteht wie viele Einzelteile des Gehäuses aus erfreulich stabilem, schwarzen Hartplastik. Er kann mit einem 80-mm-Lüfter bestückt werden, um mehr kühlere Luft gen Grafikkarte zu befördern – dies ist jedoch nicht zwingend notwendig, da durch den Sog, den die herausblasenden, großen Lüfter im Gehäuse erzeugen, genug Frischluft durch den Fan-Duct gesogen wird – auch ohne aktiven Luftwälzer.

Sehr erfreulich zeigt sich die Aufhängung für das Netzteil: Um Vibrationsübertragungen zu vermindern, besitzt sie weniger Chassiskontakt als herkömmliche Aufbauten. Außerdem wird durch die zentrale Konstruktion allen am Stromversorger angebrachten Lüftern ein ausreichend großer Luftraum für die Umwälzung bereitgestellt.

Staubfilter Alle aus Stahl gefertigten Lüftergitter sind im P180 in Wabenform gefertigt. Diese spezielle Stanzung ist für eine minimale Geräuschentwicklung durch hindurchtretende Luft, sowie einen gleichzeitig effektiven Luftdurchlass bekannt. Eine Besonderheit stellen die vor den optionalen Frontlüftern angebrachten, waschbaren Luftfilter dar. Diese müssen nicht etwa durch umständliches Auseinandernehmen der halben Vorderseite herausgenommen werden, denn hinter der Klapptür befinden sich zwei 120-mm-Luftdurchlässe, welche durch einen leichten Druck auf ihren rechten Bereich aufklappen und die Filter preisgeben.

Modding

In Bezug auf Modding sollte sich der Benutzer vor der eigentlichen Mod-Konzeption die Frage stellen, ob er sein teuer bezahltes Gehäuse tatsächlich bearbeiten möchte. Das P180 ist zwar ein sehr stabiler und von den glatten Aluminiumflächen her optisch zum Modifizieren einladender Tower, jedoch stellen Spezialanfertigungen wie die mehrschichtigen Seitenwände Hürden für einen erfolgreichen Mod dar.

Dazu kommt, dass die meisten Konzepte, die in dem Antec Gehäuse integriert sind (wie zum Beispiel das Top-Blowhole und die durchdachten Belüftungssysteme) unter einer Modifikation leiden könnten. Für den Einbau von 240-mm-Radiatoren zur Wasserkühlung ist der Deckel allerdings hervorragend geeignet, da dieser durch die Breite und den vorinstallierten 120-mm-Lüfter einen geeigneten Platz auch für ausladende Wärmetauscher bietet. Dazu kommt, dass im Oberteil des Gehäuses durch das nach unten versetzte Netzteil genügend Freiraum bereitsteht.

Auch für horizontale Ausgleichsbehälter, die ungefähr einen 80- oder 120-mm-Formfaktor besitzen, wäre das P180 ideal geeignet, da diese einfach in die schon vorinstallierten Frontaussparungen gesetzt werden könnten. Durch die herausnehmbaren Festplattenkäfige käme auch eine größere Pumpe nicht zu kurz.

Für Wasserbastler ist das Antec P180 folglich sehr geeignet, für Gelegenheitsmodder eher nicht.

Erfahrungen

Der Einbau der Komponenten gestaltet sich nach dem etwas nervigen Entfernen des Plastikaufbaus über der Grafikkarte problemlos. Zur Befestigung des Mainboards werden runde Stabmuttern in die hintere Gehäuseplatte gedreht, die ihren Job ohne Komplikationen verrichten. Die Befestigung der PCI/AGP-Steckkarten erfolgt mit dem inzwischen überholten Festschrauben mit Hilfe eines Schraubendrehers – hier wären Thumbscrews oder eine Presshalterung komfortabler gewesen.

Front mit LaufwerkenAntec P180 mit Testsystem

Nichtsdestotrotz sind die Einbaukonzepte im Gehäuse alles in allem sehr benutzerfreundlich und stabil gehalten. Die einfache Regelung der Lüfter geschieht über ein am Stromkabel abgezweigtes Drei-Wege-Potentiometer. Die Fronttür ist mit ihrem riesigen Öffnungswinkel vor unvorsichtigen Geschwistern und einer daraus folgenden Abbrechgefahr geschützt, da diese bei maximaler Öffnung plan an der linken Seitenwand anliegt.

Der Einbau von Laufwerken geschieht mit den Schienen kinderleicht und trotzdem sicher. Leider wird es in verwinkelten Bereichen wie dem Netzteilkäfig schnell scharf und gefährlich. Im Bereich des Netzteils stellte sich zudem der doch recht knapp bemessene Platz als Problem bei der Unterbringung nicht benötigter Kabel heraus, sodass hier ein Netzteil mit abnehmbaren Kabelsträngen ideal wäre. Der Verschluss der Seitenwände geschieht erfreulich leicht und die zugehörigen Rändelschrauben erleichtern das schnelle Schließen abermals. Nach dem schnell durchgeführten Entfernen der einzelnen Schraube an den Festplattenkäfigen lassen sich diese an einem Metallring über eine Schienenführung einfach herausziehen.

Platzmangel beim NetzteilKabeldurchführung

Etwas überflüssig scheint der Grafikkarten-Luftkanal, der mit installiertem Lüfter nur wenige Grad Celsius gut macht und eher stört als zu bereichern. Dafür ist er nicht fest installiert und kann komplett entfernt werden. Ein zusätzlicher Kritikpunkt an dem Luftkanal ist die Tatsache, dass die Verwendung eines 25 mm hohen Lüfters zusammen mit größeren Grafikkarten der Mittel- oder Oberklasse nicht möglich ist – hier muss auf flachere und schwieriger zu beschaffende Lüfter mit nur 15 mm Bauhöhe zurückgegriffen werden.

Plastikhaken einer Seitenwand Die verschiedenen Plastikkontruktionen sind verhältnismäßig leicht und bieten trotzdem eine gute Grundfestigkeit. Allerdings ist die recht dünne Plastiklasche an den Lüfterhalterungen etwas instabil und kann beim kräftigen Herausziehen brechen. Hier gilt es, Vorsicht walten zu lassen. Das gleiche Problem zeigt sich bei den Seitenwänden – diese sind nur mit je vier kleinen Plastikhaken am Gehäuse befestigt, was uns in Sachen Stabilität doch etwas skeptisch stimmt.

Testsystem

Als Referenz wurde der Silverstone Temjin TJ06 [3]-Tower verwendet. Das Innenleben des Testsystems bestand aus folgenden Komponenten:

Die Zalman-Lüftersteuerung, die zur Herunterregelung der Gehäuselüfter verwendet wurde, stellt 5-11 Volt zur Verfügung. Um die Möglichkeiten des Gehäuses auszureizen, wurde in die Halterung vor dem oberen Festplattenkäfig ein ichbinleise Fan 12/1000-Lüfter mit 1000 U/Min eingesetzt.

Die Temperaturen wurden gemessen, während das System den 3DMark03 als Dauerschleife ausführte. Die Lautstärkemessungen wurden mit einem „Voltcraft Digitales Schallpegelmessgerät 320“ durchgeführt, das Schallpegel im Bereich von 30 bis 120 Dezibel misst. Die Grundlautstärke des Messraumes lag bei subjektiv empfundener Stille unterhalb des Messbereiches, also bei weniger als 30 Dezibel.

Messungen

Kommen wir nun zu den Messergebnissen:

Lautstärke

 Temjin SST-TJ06 normal:
Vorne
48
Hinten
53
Oben
47
Links
48
Rechts
50
 Antec P180 normal:
Vorne
45
Hinten
51
Oben
50
Links
49
Rechts
50
 Temjin SST-TJ06 silent:
Vorne
35
Hinten
38
Oben
35
Links
34
Rechts
35
 Antec P180 silent:
Vorne
35
Hinten
39
Oben
36
Links
36
Rechts
36
Angaben in Dezibel

In Sachen Lautstärke nehmen sich die Kontrahenten nicht viel, die gemessenen Unterschiede sind marginal. Subjektiv betrachtet war jedoch das Betriebsgeräusch des Antec P180 vor allem im heruntergeregelten Betrieb etwas angenehmer.

Systemtemperaturen

 Temjin SST-TJ06 normal:
CPU
55
Mainboard
30
Festplatte 1
41
Festplatte 2
41
GPU
81
GPU-Umgebung
51
 Antec P180 normal:
CPU
48
Mainboard
28
Festplatte 1
30
Festplatte 2
30
GPU
58
GPU-Umgebung
46
 Temjin SST-TJ06 silent:
CPU
58
Mainboard
42
Festplatte 1
46
Festplatte 2
46
GPU
87
GPU-Umgebung
56
 Antec P180 silent:
CPU
51
Mainboard
33
Festplatte 1
32
Festplatte 2
32
GPU
61
GPU-Umgebung
50
Angaben in °C

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Antec landet mit dem Konzept der massiven Lüfterausstattung (aber auch aufgrund der cleveren Aufteilung in verschiedene Thermalzonen) einen klaren Punktsieg über das Referenzgehäuse, obwohl wir auf eine Verwendung des Grafikkarten-Fan-Ducts verzichtet haben. Trotzdem sind vor allem die Temperaturen der Festplatten und der Grafikkarte so gut, dass das Antec P180 getrost als das kühltechnisch beste Gehäuse betrachtet werden darf, dass ComputerBase.de jemals getestet hat. Well done, Antec!

Fazit

Das P180 von Antec kann mit einem herausragenden Gesamtkonzept überzeugen. Einige minimale Mängel wie der Komfort beim Einbau von Steckkarten oder vereinzelt nicht entgratete Stahlkanten können den hochgradig positiven Eindruck des Gehäuses nicht wirklich trüben. Vor allem die gut durchdachten Möglichkeiten der Kabelverlegung tragen zur optischen Ordnung und dem ohnehin schon exzellenten Luftstrom im Gehäuse bei.

Antec P180

Die im Großen und Ganzen effektiven und durchdachten Kühllösungen inklusive des Thermalzonen-Konzepts können überzeugen und bieten durch die 120-mm-Lüfter heruntergeregelt einen angenehmen, nicht störenden Geräuschpegel – bei erhöhter Drehzahl bleiben dennoch Reserven für sehr heiße Tage oder noch potentere Hardware. Optisch macht die neue Highend-Klasse der Kalifornier einiges her und wirkt durch das Aluminiumfinish sehr dezent und edel. Die Frontklappe ist nicht nur funktionell und edel, sondern bietet durch ihren hohen Klappwinkel dazu noch Schutz vor unvorsichtigen Zeitgenossen.

Für ca. 135 Euro erhält der Käufer ein ansprechendes, recht schweres aber hochgradig durchdachtes Gehäuse, welches sich auch vor Wasserkühlungen platztechnisch nicht verstecken muss.

URL-Liste:

  1. http://www.antec.com
  2. http://www.antec.com/us/productDetails.php?ProdID=75120
  3. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2004/test_silverstone_sst-tj06/
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