Einleitung
Nach dem X-Navigator [1] haben wir uns mit dem X-QPack erneut ein Produkt der US-amerikanischen Firma Aspire zur Brust genommen, das mit einer ähnlichen Farbwahl, aber einem völlig anderen Konzept daherkommt. Wir haben es hier weder mit einem Tower, noch mit einem Desktop- oder Barebone-Gehäuse zu tun. Es ist zwar als Barebone-Konkurrent konzipiert, unterscheidet sich von diesen aber durch die Verwendung mehr oder weniger standardgemäßer Mainboards und Netzteile und verspricht eine bessere Erweiterbarkeit, eine bessere Kühlung und einfach mehr Platz.
Lieferumfang
In einem gegenüber anderen Gehäusen wohltuend winzigen, schlicht gestalteten Pappkarton mit Tragegriff wird das mit den üblichen Schaumstoffelementen und einem Kunststoffsack sicher verpackte X-QPack geliefert. Im Innern fand sich neben dem vorinstallierten Netzteil eine Tüte mit Schrauben – und das war auch schon alles.
Die Be- und Entlüftung des Gehäuses beschränkt sich auf das Netzteil und einen 120-mm-Lüfter. Verfügbar ist es in den Farben Schwarz, Silber, Rot, Grün, Blau und Gelb. Die schwarzen und silbernen Varianten sind auch ohne Klarsichtfenster erhältlich.
Die technischen Daten des Aspire X-QPack lauten:
- Material: Aluminium/Kunststoff
- Abmessungen: ca. 230 x 285 x 350 mm (H x B x T)
- Gewicht: etwa 5,4 kg inklusive Netzteil
- zwei 5,25"-Front-Laufwerkschächte
- ein 3,5"-Front-Laufwerkschacht
- zwei interne 3,5"-Festplattenschächte
- ein Blau beleuchteter 120-mm-Lüfter
- Mainboard-Formfaktor: Micro-ATX (9,6" x 9,6")
- USB-, Firewire- und Audio-Anschlüsse an der Front
- U-Haube mit drei Acrylglasfenstern
- Display mit zwei Temperatursensoren
Während uns für den Test die Revision 1 und die Revision 2 des Gehäuses zur Verfügung standen, bei denen die Spezifikationen des Netzteils deutlich voneinander abwichen (Revision 1: 26A/28A/30A (3,3V/5V/12V), Revision 2: 31A/29A/14A/16A (3,3V/5V/12V1/12V2)), ist im Handel über die offiziellen Vertriebspartner nur noch die mit einem 24-poligen ATX-Stecker ausgerüstete Revision 2 zu finden, die im Gegensatz zu unserem älteren Modell keine Probleme mehr beim Betrieb einer Pentium-4-CPU machte. Alle Netzteile sind mit einer Hochglanzlackierung, einem Blau beleuchteten 80-mm-Lüfter und recht kurzen, ummantelten Kabeln ausgestattet, was in diesem Gehäuse aber kein Hindernis ist. Im Einzelnen sind das je ein ATX-, P4- und SATA-Stromstecker, zwei Stränge mit je zwei Steckern für Festplatten und DVD-Laufwerke und ein Stecker für Diskettenlaufwerke, Card-Reader oder Ähnliches.
Ausstattung außen





Die Rückseite ist unspektakulär und bietet rein gar nichts Besonderes gegenüber anderen Gehäusen.
Ausstattung innen
Schaut man sich das Innere des X-QPack an, fällt recht schnell die quasi-Zweiteilung des Gehäuses in einen unteren Bereich, in dem das Mainboard und die Steckkarten Platz finden, sowie einen oberen Bereich, der den ganzen Rest beherbergt, auf. Das Mainboard wird mit den Steckkarten auf einem Schlitten montiert, den man nach dem Lösen zweier Schrauben nach hinten aus dem Gehäuse ziehen kann.





Wie bei vielen Desktop-Gehäusen üblich, muss im X-QPack jede Komponente verschraubt werden - auf werkzeuglose Montagemöglichkeiten wurde offenbar aus Platzgründen verzichtet. Angesichts der Kompaktheit des Gehäuses sei Aspire dies verziehen.
Modding
Im Gegensatz zu den meisten Barebones und Desktop-Gehäusen bietet das Aspire X-QPack einige Modding-Möglichkeiten. Durch die drei vorinstallierten Acrylglasfenster kommen Beleuchtungseffekte im Gehäuseinnern ohne großen Aufwand sehr gut zur Geltung, selbst sägen muss man für ein Fenster schließlich nicht.
Auch Freunde der leisen und leistungsfähigen Wasserkühlungstechnik stehen nicht vor einer unlösbaren Aufgabe: Mit der einen oder anderen leichten Modifikation der Gehäusehaube lässt sich an der Rückseite ein 120-mm-Radiator montieren, der für die CPU und eine Grafikkarte oft schon ausreicht. Wer noch mehr Leistung benötigt, der findet im Innern sicher ein Plätzchen für einen zusätzlichen 80-mm-Radiator. Des Weiteren ist hinter der Front genug Platz für eine Pumpe und einen kleinen Ausgleichsbehälter - wer auf kompakte Pumpen der Marke Laing setzt, oder auf ein zweites optisches Laufwerk sowie ein Diskettenlaufwerk verzichten kann, der hat es noch leichter. Auch für die Klassiker Eheim 1046 und 1048 sollte genügend Platz vorhanden sein.
Erfahrungen
Bei allen Handgriffen, die etwas Platz brauchen, stößt man in diesem Gehäuse naturgemäß auf leichte Schwierigkeiten – zum Beispiel beim Anschließen sämtlicher Kabel an das Mainboard. Der Einbau der Hauptplatine und der Steckkarten auf dem Mainboardschlitten stellt keine Schwierigkeit dar. Auch wenn – wie überall – mit dem Schraubendreher gearbeitet werden muss. Beim Wiedereinbau des Mainboardschlittens fällt jedoch auf, dass zwischen Grafikkarte sowie CPU-Kühler und Gehäuserückwand kaum Platz ist. Somit scheiden die meisten Heatpipe-Tower-Kühler und Grafikkartenheatpipes zur leisen Kühlung des Systems leider aus. Flache Modelle wie z.B. die Zalman CNPS7xxx-Reihe dürften allerdings keine Schwierigkeiten machen. Der anschließende Einbau der Festplatten und optischen Laufwerke war ebenfalls schnell geschafft, auf Probleme stießen wir hier nicht. Allerdings muss zum Einbau eines CD-/DVD-Laufwerkes die Festplattenhalterung entfernt werden, die sonst die Befestigungslöcher der Laufwerke verdeckt.


Ist das alles geschafft, kann der Rechner in Betrieb genommen werden und wie immer waren wir sehr auf die Geräuschkulisse gespannt. Direkt nach dem Einschalten waren wir positiv überrascht, denn das Netzteil und der rückwärtige Lüfter wurden vom CPU-Kühler und der Grafikkarte deutlich übertönt. Heruntergeregelt ist der 120-mm-Lüfter kaum wahrnehmbar und lediglich das Netzteil fällt durch ein wahrnehmbares, für Transformatoren typisches Summen auf, das aber nicht allzu sehr stört.
Die Verkabelung des Displays, des Portkits und der Bedienelemente gestaltete sich einfach, denn alle Kabel sind mehr als ausreichend dimensioniert. Auch die beiden Temperaturfühler, die im Display mit „CPU“ und „HDD“ beschriftet sind, sind lang genug, um jeden relevanten Punkt im Gehäuse erreichen zu können. An dieser Stelle möchten wir darauf hinweisen, dass das Befestigen eines Temperaturfühlers direkt zwischen einem Chip (beispielsweise der CPU) und dessen Kühlkörper zu einem starken Temperaturanstieg und somit auch zur Zerstörung des Chips führen kann.
Kommen wir nun noch einmal zum vorinstallierten Netzteil. Nachdem das Testsystem (Revision 1) während der Temperaturmessungen mit seinem relativ hohen Stromverbrauch in unregelmäßigen Abständen abstürzte, wurde es mit einem be quiet! 400-W-Netzteil gegengetestet und lief damit stabil. Dies nahmen wir uns zum Anlass, die Ausgangsspannungen zu überprüfen, wobei uns auffiel, dass die 12-Volt-Leitung unter Volllast teilweise bis auf 10,6 V einbrach, was zweifellos die Ursache dieser Instabilität war. Bei einem etwas sparsameren, älteren Athlon XP-System brach die Leitung „nur“ auf 11,0 V ein, was nicht zu Abstürzen führte, aber dennoch weit außerhalb der nach ATX-Standard vorgegebenen +/-5-%-Toleranz lag. Auf Nachfrage bei Caseking.de wurde uns mitgeteilt, dass alle neueren Exemplare des X-QPack mit einer neuen Netzteilrevision (Revision 2) ausgeliefert werden, die uns dann auch zum Testen gestellt wurde. Mit dem neuen Netzteil besserte sich die Situation insofern, dass das Pentium 4 Extreme Edition-System nicht mehr abstürzte und beim Athlon XP-System die ATX-Spezifikation wieder eingehalten wurde. Trotzdem bleiben diese Ergebnisse inakzeptabel.
Leider ist es aufgrund des Platzmangels kaum möglich, im X-QPack andere Netzteile zu verbauen, sodass hier ob der mangelhaften Leistung des Aspire-Netzteils die ausdrückliche Empfehlung ausgesprochen werden muss, im X-QPack auf stromfressende Systeme mit Intel Pentium 4 Prescott- oder gar Dual Core-CPUs zu verzichten und sparsamere Prozessoren wie den Pentium M oder AMDs Athlon 64 zu verwenden.
Testsystem
Als Referenz in Sachen Lautstärke wurden verschiedene bisher getestete Gehäuse verwendet. Aufgrund des Testmainboards, das nur für Micro-ATX verwendet wird, haben wir in Ermangelung entsprechender Vergleichswerte für die Temperaturmessung nur den offenen Aufbau ohne Gehäuse zum Vergleich herangezogen.
Das Testsystem im Einzelnen:
- Intel Pentium 4 Extreme Edition 3,73 GHz mit Intel-Referenzkühler
- 2x 512 MB DDR2-533
- Intel D945GTP Micro-ATX
- Leadtek WinFast PX6600GT
- 2x 80 GB Hitachi Deskstar 7K250
- Lite-On LTD-163D DVD-ROM
- Zalman ZM-MFC1 Lüftersteuerung
Die Temperaturen wurden gemessen, während das System den 3DMark03 als Dauerschleife ausführte. Die Lautstärkemessungen wurden mit einem „Voltcraft Digitales Schallpegelmessgerät 320“ durchgeführt, das Schallpegel im Bereich von 30 bis 120 Dezibel misst. Die Grundlautstärke des Messraumes lag bei subjektiv empfundener Stille unterhalb des Messbereiches, also bei weniger als 30 Dezibel.
Messungen
Lautstärke
Angaben in Dezibel
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In Sachen Lautstärke hat uns das X-QPack positiv überrascht: Nachdem es im ungeregelten Modus nicht ganz an Gehäuse vom Kaliber eines Antec P180 heranreichte, kann es im Silent-Betrieb voll und ganz überzeugen und nimmt den bisherigen Spitzenreitern nochmals das eine oder andere Dezibel ab.
Systemtemperaturen
Angaben in °C
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Die Systemtemperaturen bewegen sich allerdings teilweise nicht mehr ganz im grünen Bereich. Dies ist aber hauptsächlich dem hitzigen Prozessor und dem ihm kaum gewachsenen Boxed-Kühler zuzuschreiben, schließlich sind die Temperaturen des offenen Aufbaus nicht weltbewegend besser. Für ein Gehäuse, das ausschließlich von einem 120ßmm-Lüfter und einem durchsatzschwachen Netzteil belüftet wird, sind dies sehr gute Ergebnisse.
Fazit
Es fällt schwer, zu diesem Gehäuse ein eindeutiges Fazit zu ziehen. Auf der einen Seite steht das Gehäuse selbst, das sehr gut verarbeitet, leicht, stabil und vor allem auch leise ist und mit einem recht einzigartigen Konzept überzeugt. Auf der anderen Seite finden sich die Probleme, die uns das zum Gehäuse gehörende Netzteil bereitet hat. Obwohl dieses mit einer Ausgangsleistung von 420 Watt gekennzeichnet ist, war es unserem Testsystem mit Pentium 4 Extreme Edition nicht im Ansatz gewachsen. Die neuerdings verbaute Netzteilversion führte zwar wenigstens nicht mehr zu Systemabstürzen, zufriedenstellende Leistung bringt sie jedoch auch nicht. Leider können normale ATX-Netzteile nur unter Verzicht auf optische Laufwerke beziehungsweise unter Verwendung von sehr kurzen Exemplaren, z.B. eines Plextor PX-716A, benutzt werden, sodass hier kaum Abhilfe geschaffen werden kann.
Wer jedoch auf die Verwendung allzu stromhungriger Bauteile verzichten kann, erhält mit dem Aspire X-QPack ein technisch in jeder Hinsicht durchdachtes Gehäuse, das mit einer leisen Geräuschkulisse seine Innereien gut zu kühlen vermag und optimal für jeden geeignet ist, der sein System öfter transportieren möchte, aber kein herkömmliches Barebone einsetzen will.
Das Aspire X-QPack ist beispielsweise für rund 120 Euro bei Caseking [2] erhältlich.

