Einleitung
Genau zehn Monate sind mittlerweile ins Land gestrichen, seit der koreanische Hersteller für leise Kühlhardware Zalman mit dem CNPS 7700 Cu [1] auf den Markt drängte und, sich mit dem Thermalright XP-120 [2] und dem NorthQ 3312 [3] einen klassischen Dreikampf liefernd, begann, das 120-mm-Lüfterformat auf dem Prozessor salonfähig zu machen. Mittlerweile sind viele Konkurrenten deutlich am damaligen Königstrio vorbei gezogen und erfreuen sich regen Absatzzahlen - unsere Referenz, der Noiseblocker Cool-Scraper, unterliegt aufgrund von Lieferengpässen aktuell sogar einem Verkaufsstopp - während die Veräußerung der angestaubten Zalmänner eigentlich nur noch mit der Euphorie und dem guten Ruf vergangener Tage erklärt werden kann.
Es war also allerhöchste Zeit für Zalman, in die koreanischen Hände zu spucken und einen neuen Kühlmeister nachzulegen. Erste, interessante Ansätze wurden ja bereits auf der diesjährigen Cebit mit dem CNPS 8000 [4] präsentiert. Doch alle Freunde der kühlen Prozessoren warteten vergeblich darauf, den großen Kesselkühler mit seinen 16 Heatpipes aus den Händlerregalen reißen zu dürfen: Zalman strich die Segel und kein Tester oder Endkunde bekam bis heute den CNPS 8000 in die Hände. Zu schwach war wohl seine Leistung, zu immens seine Produktionskosten.
Ende Mai, also nur zwei Monate nach der Cebit, nutzte man allerdings die Bühne der Computex, um der Fachwelt einen weiteren Hochkaräter darzubieten. Seitdem beherrscht die Neugier und die Vorfreude auf den CNPS 9500 [5] das Leben jedes Zalman-Fans. Zumal neben der optisch sehr ausgefallenen Grundkonstruktion und einer übergroßen Designstudie auch vollmundige Versprechen in den Raum gestellt wurden. So soll es der CNPS 9500 problemlos mit herkömmlichen Wasserkühlungen aufnehmen können, die gemeine 120-mm-Konkurrenz wird laut Angaben Zalmans dagegen deutlich überflügelt - schicken uns die Koreaner in den Tagen der göttlichen Spiritualität tatsächlich eine neue, vollkupferne Lichtgestalt oder verpuffen die sonnengereiften Vorschusslorbeeren kläglich im Glanze der bärenstarken Konkurrenz? Nach dem Test sind wir schlauer.
Lieferumfang
- Zalman CNPS 9500 LED
- integrierter, rahmenloser 92-mm-blue-LED-Ventilator
- Montagematerial für AMD (939/754) und Intel (478/775)
- Anleitung mit Schemazeichnungen (koreanisch, englisch)
- Tube Silikonwärmeleitpaste
- Zalman Fan Mate 2-Ministeuerung
- Selbstklebepad
- Zalman Sticker


Technische Eckpunkte
- Maße (L x B x H): 85 x 112 x 125 mm
- Vollkupferdesign, 3 x 6-mm-Heatpipes
- Kühloberfläche: ca. 3698 cm²
- Gesamtgewicht: ca. 530 Gramm
- 92-mm-Lüfter, blue LED, 4,2 Watt
- Umdrehungen: 1350 bis 2600 pro Minute
- Lautstärke: 18 bis 27,5 dB(A)
- Kompatibilität: S 478, 775 LGA und AMD K8
- Freigabe ohne Einschränkungen
- Produkthomepage [6]
Kühlkörper im Detail
Obwohl sich Zalman beim 9500 für ein wesentlich leistungsfähigeres Tower-Design entschieden hat, sieht man dem Kühler seine Herkunft deutlich an. Im Grunde handelt es sich um einen vertikal aufgestellten CNPS 7x00, dessen Hitzeaufnahme über drei 8-förmig aufgebogene Heatpipes realisiert wird. Dies hat zum Vorteil, dass nahezu die gesamte Wärmeaufnahme mit den blitzschnell hitzeleitenden Kapillarsystemen abgedeckt werden kann.



Der Zalman-typische Lamellenfächer aus piekfein verarbeiteten Kupfereinheiten formiert sich radial aufgesteckt um die Heatpiperundungen. Da deren Ausläufe offen sind, garantiert das Layout eine gute Zusatzkühlung von sockelnahen, sensiblen elektronischen Bauteilen. Hier vereint der CNPS 9500 LED die Vorteile der herkömmlichen Bauart (etwa eines XP-90C) mit dem Towerkühlerdesign, denn konventionelle Vertreter letzterer Bauart haben aufgrund ihrer parallel zum Motherboard angeordneten Lamellenführung häufig mit hohen Temperaturen der Spannungswandler zu kämpfen.



Im Gegensatz zum CNPS 7700 begnügt sich der 9500 wieder mit einem 92-mm-Lüfter. Unveränderter Kritikpunkt: Durch das rahmenlose und perfekt ins Gesamtkunstwerk integrierte Ventilatorkonzept ist der Austausch gegen ein beliebiges, handelsübliches Modell natürlich schwierig. Dafür geizt der verwendete LED-Lüfter nicht mit seinen formellen Reizen, denn maximal 2600 Umdrehungen pro Minute lassen genügend Reserven für leistungshungrige Anwender, während bei einer Anlaufspannung von etwas über 3 Volt und einer Drehzahl von weit unter 1000 Rotationen in der Minute auch Freunde des sehr leisen PCs auf ihre Kosten kommen sollten. Nur einen PWM-Support leistet der Ventilator leider nicht. Auch ist eine Doppelbestückung mit zwei dieser Lüfterformate nicht vorgesehen, obwohl das axialsymmetrische Lamellenlayout des CNPS 9500 diese Option grundlegend zulassen würde. Dagegen dürfte die immer beliebter werdende Entkoppelung der lediglich an der Bodenplatte fixierten Lüfterhalterung ohne immensen Bastelstress zu bewerkstelligen sein.
Der CNPS 9500 überrascht insgesamt mit recht kompakten Ausmaßen - die Koreaner haben scheinbar keine Lust mehr auf das Inkompatibilitäts-Dilemma der vergangenen Serie - und einem geringen Gewicht von nur leicht über 500 Gramm. Bei einer vollkupfernen Konstruktion in diesen Tagen eine wahre Seltenheit. Eine echte Rarität stellt zweifellos auch der gesamte optische Auftritt des CNPS dar, der den Zalman-Konstrukteuren erneut einen guten Geschmack und einen erfrischenden Hang zur Einzigartigkeit bescheinigen lässt.
Montage auf S. 478 und 775
Die Montage des koreanischen Wunderkühlers kann im Großen und Ganzen als gelungen bezeichnet werden. Auf Plattformen der Sockel 478-Basis wird auf das serienmäßige Retentionmodul zurückgegriffen und der Kühler mit dem beiliegenden Inbusschlüssel fixiert. Dies ist zwar aufgrund der Länge des Werkzeuges und den geringen Platzverhältnissen im Gehäuse etwas zeitaufwendig und bedarf einem gewissen Maß an Fingerspitzengefühl, vollzieht sich aber ohne den lästigen Ausbau der Hauptplatine.
Auch auf den gängigen Athlon 64-Konfigurationen kann das vorhandene Retentionmodul inklusive Backplate (bis auf gewisse Ausnahmen) genutzt werden, sodass der Installationsakt auch hier recht kurz ausfällt.
Lediglich beim serienmäßig nackten Sockel 775 muss aufgrund nicht vorhandener Arretierungsrahmen für Prozessorkühler etwas aufwändiger konstruiert werden. Dazu ist der Motherboardausbau erforderlich, denn über beiliegende Kunststoffparts wird ein entsprechendes Haltemodul für den CNPS über die Mounting-Holes der Hauptplatine angebracht. Ist dies geschehen, lässt sich der Zalman problemlos an diesem Rahmen fixieren, ausrichten und sitzt fest auf seiner Position.



Erfreut können wir weiterhin festhalten, dass Zalman an die spezifische (horizontale oder vertikale) Ausrichtung des Kupfer-Schönlings im System gedacht hat und es realisieren konnte, dass die Blasrichtung des Ventilators an den im Gehäuse vorhandenen Luftstrom angepasst werden kann. So ist es möglich, die auf den zentralen, zylindrischen Haltebolzen auf der Kühlergrundplatte aufgelegten Montagebügel aufgrund deren spezieller Formgebung entweder senkrecht oder parallel zur Heatpipeflucht aufzusetzen.
Zalman empfiehlt bei der Verwendung eines rückseitig angebrachten Gehäuselüfters die im Bild (oben, Mitte) zu sehende Ausrichtung. Diese Position ist allerdings auch ohne verwendeten Casefan anzuraten, wie die Temperaturtests später aufzeigen.
Lautstärkemessungen
Unsere vergleichenden Messungen im Einzelbetrieb des Kühlers erfolgen mit einem Voltcraft 320-Schallpegelmessgerät nach den bekannten Methoden in 0,5 Meter Abstand und Höhe. Dabei erfasst das Messgerät Lärmemissionen ab 30 dB(A), wobei sich die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfunden Stille bei 30,4 dB(A) einpendelte. Schalldrücke dieses Grenzwertes werden von uns als „super-silent" angegeben, da sie von den normalen Raumgeräuschen unter Nicht-Laborbedingungen nicht mehr unterscheidbar zu vernehmen sind. Zur weiteren Orientierung können - je nach subjektiven Empfinden - Werte bis 38 dB(A) als „leise" angenommen werden. Bis 45 dB(A) würden wir nach unserer Prozedur als „mittellaut" betiteln, während Resultate über 45 dB(A) als „laut bis extrem" für 99 Prozent der Anwender ohnehin nicht mehr in Frage kommen sollten.
Lautstärkevergleich
Angaben in Dezibel
|
Der CNPS 9500 LED reiht sich weitestgehend nebengeräuschsfrei etwa im Bereich seiner Hauskollegen ein und ist bei maximaler Drehzahl (2550 U/min) deutlich wahrnehmbar mit durchdringendem Luftumschlagsgeräusch zu vernehmen. Im getrimmten 5-Volt-Betrieb (etwa per Fan-Mate 2) geht er allerdings spürbar leiser zu Werke als die früheren CNPS 7x00-Modelle, ist aber für sensible Ohren immer noch präsent. Dagegen lässt sich die Drehzahl und das Geräuschverhalten mit speziellen Trimmern oder per Software (z.B. SpeedFan) noch weiter verringern, sodass im kompletten Silent-System ein "nicht wahrnehmbar" angenommen werden kann.
Testbedingungen
Der heutige Vergleich soll im Gegensatz zur gewohnten Testroutine auf zwei Plattformen durchgeführt werden. Zunächst beobachten wir die Performance des Zalmans wie gewohnt im geschlossenen Midi-Tower-System auf Sockel 478-Basis, um möglichst praxisnahe Ergebnisse präsentieren zu können. Weiterhin sei allerdings heute auch eine Gegenüberstellung im offenen Aufbau gestattet, der relativ System-unabhängige Testresultate zu Tage fördert. Folgende Konfigurationen kamen dabei zum Einsatz:
| geschlossenes System | offenes System |
|---|---|
|
|
Leider konnten wir die Vergleichstests im Sockel 478-System nicht vollkommen abschließen, da während der Testarbeiten das eingesetzte Abit IC7-G rauchend seinen Dienst quittierte. Die insgesamt bunte Mischung an mitgetesteten Prozessorkühlern der 92-mm- und 120-mm-Bauart auf beiden Plattformen sollte allerdings einen guten Überblick über die Leistungsfähigkeit des Koreaners gewährleisten.
Temperaturvergleich
Alle Boliden werden im eingebauten Zustand einer einstündigen Aufwärmphase ausgesetzt. Im Anschluss wird unser Tweakers4u-Toaster 3.0 halbstündig bemüht, die Prozessorauslastung auf 100 % zu halten. Daran schließt sich eine 15-minütige Leerlaufsituation an. Der Kerntemperatur-Verlauf wird dabei mit der Software Speedfan dokumentiert, die Maximaltemperaturen als Einordnung in den Diagrammen angegeben. Es ist dabei zu beachten, dass Temperaturdifferenzen von ein bis zwei Grad Kelvin durchaus als Messtoleranz angesehen werden können.
P4 3,4 GHz | Geschlossener Aufbau
Angaben in °C
|
Im geschlossenen Testsetup sichert sich das schicke Zalmännchen die Spitzenplatzierung der getesteten Kühler und verweist einschlägige Größen wie die Thermalright XP-90C-Papst-Combo (ob saugend oder blasend installiert) bei gleicher Drehzahl knapp in die Schranken. Der 120-mm-Vorgänger des CNPS 9500, der CNPS 7700, wird sehr deutlich überflügelt. Insgesamt fällt auf, dass der neue Asia-Spross bei Verminderung der Lüfterdrehzahl kaum an Leistung verliert. Dabei erweist sich bei schnelldrehendem Lüfter die Position zur Rückwand schauend (auch ohne Gehäuselüfter) noch als deutlich leistungsfähiger, während sich diese Ausrichtungsproblematik bei weiterer Drehzahldrosselung fast egalisiert.
P4 3,4 GHz EE | Offenliegender Aufbau
Angaben in °C
|
Auch der direkte Vergleich mit dem derzeit besten 92-mm-Tower-Kühler, dem AeroCool GT-1000, kann bei vergleichbarer Lautstärke vom CNPS 9500 LED gewonnen werden. Weiterhin geschlagen geben muss sich Zalmans Neuentwicklung allerdings von der bärenstarken 120-mm-Riege. Stellvertretend wurde hier der Scythe Ninja mit Noiseblocker SX2-Konfiguration aufgeführt - der Thermaltake Big-Typhoon [7], der Thermaltake Sonic-Tower und der Noiseblocker Cool-Scraper [8] gehören allerdings ebenfalls in diese Leistungsklasse herein, die weiterhin Referenz für leises und gutes Kühlen bleibt.
Finale Einschätzungen
Pro
- Derzeit bester 92-mm-Kühler
- Hohe Kompatibilität, kompakte Ausmaße
- Sehr gute Verarbeitung und Optik
- Akzeptables Gewicht
- Kompletter Lieferumfang (Fan Mate 2)
- Leichte Montage, Ausrichtung variierbar
- Bei Bedarf silent-tauglich
Con
- Lüfter nicht (problemlos) wechselbar
- Kein PWM-Support
- Relativ teuer

Zalman rückt mit dem CNPS 9500 LED wieder deutlich heran an die aktuelle Kühlspitze und sichert sich zumindest die Krone in der 92-mm-Liga. Für das piekfeine Performance- und Lautstärkeniveau der aktuell besten 120-mm-Towerkühler reicht es allerdings nicht ganz. Verweist man dabei auf das anfänglich aufgeführte Leistungsdiagramm des Herstellers, laut welchem die "leading competitors coolers with 120-mm-fan" vornehmlich überholt werden sollten, haben die Koreaner ihren Mund doch etwas zu voll genommen. Freilich wird die Performance im Vergleich zum 120-mm-CNPS7700 Cu drastisch gesteigert, doch dieser ist alles andere als "leading"... .
Nichtsdestotrotz gibt es am 9500 LED nicht viel auszusetzen: Die Performance stimmt, die Lautstärke ist dank mitgelieferter Fan Mate 2 von deutlich hörbar bis kaum wahrnehmbar zu justieren, die Optik und die qualitative Güte sind über jeden Zweifel erhaben. Die Montagekompatibilität und -einfachheit auf den beliebtesten Plattformen steht diesen ausdrücklich positiven Einschätzungen in Nichts nach und so bleibt lediglich der hohe Preis von knapp 60 Euro, der die rasche Beliebtheitsverbreitung der aufwendigen Konstruktion etwas bremsen könnte. Schließlich kostet der nur leicht schwächere AeroCool GT-1000 genau wie der etwas besser kühlende Thermaltake Big-Typhoon etwa ein Drittel weniger.
Letztendlich sind es allerdings auch die Detailqualität, die Ausstattung und der Zalman-Flair, die den neuen CNPS 9500 LED neben den nackten Kühlleistungsdaten zum fast uneingeschränkt empfehlenswerten Top-Produkt machen, weshalb ihm unsere finale Kaufempfehlung auch nicht verwehrt bleiben soll.



