Einleitung
Auch wenn AOpen auf dem Gehäusemarkt nicht gerade zu den etablierten Herstellern gehört, haben wir die neueste Entwicklung der Firma einmal unter die Lupe genommen. Das AOpen Aeolus G325 wird vom Hersteller als „Gamer-Cube“ bezeichnet und soll sich vor allem durch Design, Individualismus und, in der Gamer-Szene nach wie vor äußerst beliebt, Beleuchtungseffekte von den Konkurrenzprodukten abheben. Aber nicht nur das Design, sondern auch die inneren Werte sind nicht ganz alltäglich: Die größte Besonderheit dieses Gehäuses dürfte sein, dass es ausschließlich vom Netzteil entlüftet wird und die Lautstärke des Rechners ansonsten nur noch von den vom geneigten Käufer gewählten Komponenten abhängt. Nun mag man sich fragen, ob die Netzteilventilation für das ganze Gehäuse überhaupt ausreicht – immerhin werden andere Gehäuse teilweise mit fünf Lüftern oder mehr ausgeliefert. Diese und andere Fragen werden wir im folgenden Review klären.
Lieferumfang
Wie üblich gut gepolstert erreichte uns das AOpen G325 im bebilderten Pappkarton. Erhältlich ist es in der vorliegenden Farbkombination Schwarz/Rot und in Schwarz/Silbergrau.
Die technischen Daten des G325 lauten:
- Material: Stahlblech/Kunststoff
- Abmessungen: ca. 260 x 280 x 405 mm (H x B x T)
- Gewicht: etwa 4,7 kg ohne Netzteil
- ein 5,25"-Front-Laufwerkschacht
- ein 3,5"-Front-Laufwerkschacht
- zwei interne 3,5"-Festplattenschächte
- keine Lüfter (Entlüftung durch das Netzteil)
- Mainboard-Formfaktor: Micro-ATX (9,6" x 9,6")
- USB-, Firewire- und Audio-Anschlüsse an der Front
- U-Haube
Das beigelegte Zubehör beschränkt sich auf die nötigen Schrauben, einige Kabelbinder, ein Stück Vlies-Stoff zum Putzen des Gehäuses sowie ein mit Skizzen versehenes Anleitungsblatt. Unserem Testgerät lag ein passendes 750-Watt-Netzteil mit 12-cm-Lüfter bei, normalerweise wird das Gehäuse jedoch ohne Netzteil ausgeliefert.
Ausstattung außen
Die Front ist in fünf Segmente gegliedert, die an beiden Seiten von schwarzem und rotem Kunststoff eingefasst werden. Hinter dem obersten Segment verbirgt sich der 5,25"-Schacht, der auch über einen Knopf zum Öffnen der Laufwerkslade verfügt. Dieser kann an die Position der Taste am Laufwerk angepasst werden, sodass hier keine Kompatibilitätsprobleme auftreten sollten. Hinter der zweiten Blende von oben, die logischerweise per Hand aufgeklappt werden muss, befindet sich der 3,5"-Schacht für ein Diskettenlaufwerk oder einen Kartenleser. In der Lücke zwischen dem dritten und vierten Segment befindet sich der An/Aus-Taster sowie die in diesen integriert, rote Leuchtdiode für den Festplattenzugriff. Hinter der untersten Klappe findet man schlussendlich das Portkit mit Firewire-, Audio- sowie USB-2.0-Anschlüssen. Die Lücken zwischen den Segmenten sind mit Leuchtdioden blau beleuchtet.
Die U-Haube besteht aus schwarz lackiertem Stahlblech und trägt an Kufen erinnernde Designelemente, die die roten Streifen der Front fortsetzen und ausdrücklich nicht als Tragegriff benutzt werden sollten, da ihre Befestigung am Stahlblech nicht für das Gewicht eines ganzen Rechners ausgelegt wurde. Insgesamt wirken sämtliche Partien von Front und Haube durch ihre gute Verarbeitung und teilweise Hochglanzlackierung sehr hochwertig, obwohl es sich zum Großteil „nur“ um Kunststoff handelt.
Am ungewöhnlichsten mutet am G325 die Rückseite an, an der sofort die große, schwarze und mit einem AOpen-Logo versehene Kunststoffhaube für das Netzteil auffällt. Schraubt man diese ab, sieht man die ebenfalls mit Schrauben befestigte Blechhalterung für das Netzteil.
Ausstattung innen
Dem Formfaktor entsprechend geht es im Inneren des G325 recht eng zu. Das Mainboard wird über Abstandshalter mit dem Boden verschraubt und nimmt fast die komplette Grundfläche ein. Betrachtet man die Position des Festplattenkäfigs, so wird schnell deutlich, dass es im Bereich der Speichersteckplätze schnell eng werden kann. Der Festplattenkäfig selber ist an einer Schiene unterhalb des größeren Laufwerkkäfigs befestigt und mit zwei Schrauben fixiert. Die Festplatten werden mittels weicher Abstandhalter aus Gummi vom Rest des Gehäuses entkoppelt. An der Seite des Käfigs, die der Grafikkarte zugewandt ist, befindet sich eine leider etwas wackelig angeklebte Plastikfolie, die verhindert, dass der Käfig und die Grafikkarte in Kontakt kommen. Der Käfig für das optische Laufwerk wird zwischen die beiden breiten Streben gehängt, die dem Gehäuse Stabilität verleihen, und mit vier Schrauben gesichert.
Die Rückseite des G325 wird natürlich von der Netzteilhalterung beherrscht, die nicht nur nach außen, sondern auch den einen oder anderen Zentimeter nach innen ragt. Diese ist mit nicht weniger als sieben Schrauben an der Rückwand befestigt und muss zum Einbau des Netzteils abgenommen werden. Von hinten gesehen rechts daneben findet man die Klemmvorrichtung für die Steckkarten, die mit einer Rändelschraube festgezogen werden muss.
Je kleiner das Gehäuse, desto weniger werkzeuglose Befestigungsmöglichkeiten gibt es zumeist und das ist auch im AOpen G325 nicht anders. Abgesehen von der Steckkartenbefestigung und der Gehäusehaube muss alles mit einem Schraubenzieher befestigt werden, wobei ganz klar das Netzteil, zu dessen korrekter Befestigung insgesamt immerhin 16 Schrauben nötig sind, den Vogel abschießt.
Modding
Eigene bauliche Veränderungen sind am AOpen G325 nur sehr eingeschränkt möglich. In der Front könnten die blauen Leuchtdioden gegen andersfarbige ausgetauscht werden, das war's dann aber im Grunde auch schon. Denkbar wären sonst nur Modifikationen an der U-Haube, etwa Acrylglasfenster oder ein Lüfter zur Verbesserung der Festplattentemperaturen.
Die in Zeiten von Dual-Core-Prozessoren sehr beliebte Wasserkühlung wird im G325 kaum Platz finden, sodass hier auf externe Modelle zurückgegriffen werden müsste.
Erfahrungen
Wie in den meisten kleineren Gehäusen und Barebones ergeben sich auch im AOpen G325 einige platzbedingte Schwierigkeiten. Vor allem der sehr tief über dem Mainboard hängende Festplattenkäfig kann Probleme bereiten, wenn sehr hohe Speichermodule wie beispielsweise die XMS XPERT von Corsair [1] verwendet werden. Auch das Einstecken oder Entfernen von ATX- und IDE-Kabeln wird durch den Käfig erschwert. Bei der Wahl des CPU-Kühlers sollte dringend beachtet werden, dass dieser seitlich nicht zu ausladend ist, da hier ebenfalls die Festplatten im Weg sein können. Die Höhe des Kühlers unterliegt jedoch kaum Beschränkungen, da über dem CPU-Sockel meist sehr viel Platz ist. Wenn man die Hardware installiert, sollte man mit der Plastikfolie am Festplattenkäfig sehr vorsichtig umgehen, weil diese nur an zwei Seiten mit ein wenig Klebstoff befestigt ist. Unsere Empfehlung ist, erst das Mainboard, danach das Netzteil, dann die Laufwerke und zum Schluss erst die Grafikkarte zu montieren, damit es keine Probleme gibt.
Eine ganz besondere Problematik bietet an diesem Gehäuse das Netzteil. Damit ein Netzteil in das G325 passt, muss es kurz genug sein und Netzanschluss und Schalter dürfen sich nicht allzu nah am Lüfter im Netzteilboden befinden. Des Weiteren muss sich der Kabelstrang, wenn man auf die Netzteilrückseite blickt, weit rechts befinden. Die Netzteile von AOpen sind natürlich optimal geeignet und besitzen zusätzlich an der Rückseite noch zwei Gewinde zur Verschraubung, die bei anderen Netzteilen nicht vorhanden sind, was deren Eignung aber an sich nicht einschränkt. Eine Kompatilitätsliste ist bei Caseking [2] zu finden.
Beim ersten Start des ohne Probleme eingebauten Testsystems fiel neben der Tatsache, dass das System ohne Gehäuselüfter naturgemäß sehr leise startete, natürlich sofort die blaue Frontbeleuchtung auf. Hierbei werden die transparenten Kunstoffelemente zwischen den silberfarbenen Segmenten von seitlich eingebauten blauen Leuchtdioden beleuchtet, was eine recht angenehme, homogene Helligkeit zur Folge hat. Leider ist die rote HDD-LED, die in der Powertaste integriert ist, inmitten des blauen Lichts kaum noch zu sehen. Da die Frontbeleuchtung über einen durchgeschleiften Vier-Pin-Stecker mit Strom versorgt wird, ist die Abschaltung bei Nichtgefallen natürlich sehr einfach möglich.
Die Verarbeitung des Gehäuses ist allgemein gut, auch wenn man im Betrieb durchaus merkt, dass viele Teile aus Kunststoff bestehen und natürlich somit nicht so stabil sind wie der Rest des Gehäuses, der immerhin aus Stahl besteht. Man sollte also möglichst vermeiden, das G325 als Sitzgelegenheit zu missbrauchen. Im normalen Gebrauch gibt es jedoch außer der improvisiert wirkenden Folie am Festplattenkäfig nichts zu beanstanden. Die Lackierungen, teilweise matt, größtenteils aber hochglänzend, wirken alle hochwertig und sind einwandfrei. Ebenso die segmentierte Front, auch wenn ihr metallisch-silberner Glanz nicht das Gebrauchsgefühl einer Aluminiumfront ersetzen kann.
Testsystem
Als Referenz in Sachen Lautstärke wurden verschiedene bisher getestete Gehäuse verwendet, für die Temperaturmessungen wurde auch der offene Aufbau in den Vergleich mit einbezogen. Der Natur des Gehäuses entsprechend kam keine Lüftersteuerung zum Einsatz.
Das Testsystem im Einzelnen:
- Intel Pentium 4 Extreme Edition 3,73 GHz mit Intel-Referenzkühler
- 2x 512 MB DDR2-533
- Intel D945GTP Micro-ATX
- Leadtek WinFast PX6600GT
- 2x 80 GB Hitachi Deskstar 7K250
- Lite-On LTD-163D DVD-ROM
Die Temperaturen wurden gemessen, während das System den 3DMark03 als Dauerschleife ausführte. Die Lautstärkemessungen wurden mit einem „Voltcraft Digitales Schallpegelmessgerät 320“ durchgeführt, das Schallpegel im Bereich von 30 bis 120 Dezibel misst. Die Grundlautstärke des Messraumes lag bei subjektiv empfundener Stille unterhalb des Messbereiches, also bei weniger als 30 Dezibel.
Messungen
Lautstärke
Angaben in Dezibel
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Die Messergebnisse des AOpen G325 sind recht einfach zu erklären: Wo keine Gehäuselüfter sind, entsteht auch wenig Lärm. Dazu tragen auch die guten Entkoppler der Festplatten bei, die selbst eine testweise eingebaute Western Digital Raptor merklich beruhigen konnten.
Nun ist aber jedes Gehäuse immer ein Kompromiss aus Lautstärke und Kühlleistung und bei ausschließlicher Belüftung durch das Netzteil kann von vornherein damit gerechnet werden, dass die eine oder andere Komponente unter dem Kühlkonzept zu leiden hat.
Systemtemperaturen
Angaben in °C
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Ganz klar, die Festplatten sind die Schwachstellen des Gehäuses. Während alle anderen Komponenten durch den sehr langsam drehenden, leisen 12-cm-Lüfter im AOpen-Netzteil noch recht gut gekühlt wurden, machten die Temperaturen unserer Hitachi-Festplatten bei etwa 22 °C Raumtemperatur erst kurz vor der 50-°C-Marke halt – hier sind also kaum Reserven für hochsommerliche Tage vorhanden, da viele Hersteller bei 55 °C die Grenze für die Betriebstemperatur ziehen und es der Lebensdauer einer Festplatte sicherlich nicht schadet, ein paar Grad Celsius darunter zu bleiben.
Fazit
Insgesamt ist der G325 Gamer-Cube von AOpen ein gutes Gehäuse, das neben vielen Vorteilen nur wenige Nachteile aufweist. Über das Design lässt sich wie immer kein Urteil fällen, es ist und bleibt Geschmackssache. Aber die Verarbeitung, das Gewicht, ganz klar die Lautstärke und mit Abstrichen auch das Kühlkonzept sprechen für das Gehäuse.
Inkompatibilitäten können sich hauptsächlich bei der Kühlerwahl und beim Netzteil ergeben, denen man aber aus dem Weg gehen kann – besser als den zu hohen Festplattentemperaturen. Hier sind kühle Modelle oder etwas bastlerische Eigeninitiative gefragt. Darüber hinaus etwas störend sind die vielen Schrauben, die man für die Montage der Hardware benötigt, sodass der Einbau auch etwas länger dauern kann als bei anderen Gehäuse.
Am Ende muss der geneigte Käufer für sich selbst abwägen, was am wichtigsten ist – wir möchten an dieser Stelle durchaus eine eingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen.
Das AOpen G325 ist in den Farbvarianten Schwarz/Rot [3] und Schwarz/Silbern [4] für jeweils etwa 70 Euro erhältlich. Eine Liste kompatibler Netzteile ist dort ebenfalls verfügbar.




















