Einleitung
Nachdem wir uns kürzlich mit dem Asus Silent Square Pro [1] beschäftigen durften, begrüßen wir heute erneut einen Prozessorkühler aus der Feder des fernöstlichen Hardwareriesen. Mit dem Silent Knight soll dabei nun endgültig die Lücke zu den Top-Kühlern des Marktes geschlossen werden. Dabei trumpft der schicke Neuling mit einem extravaganten, an die Zalman CNPS 9000er Serie [2] angelehnten, vollkupfernen Lamellenfächerdesign auf, welches mit zentral verbautem 90-mm-Lüfter und Heatpipe-Sixpack durchaus hohes Kühlpotential suggeriert. Gepaart mit einem leisen Betriebsgeräusch, plattformübergreifend einfacher Montageoption und einem fairen Preisgefüge könnte der Silent Knight also durchaus den Ritterschlag zu den ganz großen erfahren.
Lieferumfang
Dem Silent Kight gebührt ein ehrenvoller Auftritt in einer schick in edlem Schwarz gestalteten Kartonage, in welcher sich neben dem Prozessorkühler in erster Linie auch das äußerst vielfältige Montagezubehör für die unterstützten AMD- und Intelplattformen tummelt. Vervollständigt wird das Lieferangebot von einer multilingualen Kurzanleitung sowie einer Spritze Wärmeleitpaste. Eine kleine Lüftersteuerung, wie wir sie noch beim Silent Square Pro begrüßen durften, ist diesmal leider nicht an Board.
Technische Daten
- Dual-Tower-Fächerkupferkühler im 92-mm-Design
- 6-fach-6-mm-Kupferheatpipe
- 2 x 64 kreisförmig angeordnete Lamellen mit max. 5 mm Abstand
- Gesamtabmessungen: (L) 115 x (B) 140 x (H) 110 mm
- Gesamtgewicht: ca. 610 Gramm
- Innenliegender, rahmenloser 92 mm Globe Fan mit blauer LED-Beleuchtung
- Umdrehungsgeschwindigkeit: 2200 U/min
- Luftdurchsatz: max. 86 m³/h
- Kompatibilität per Asus-Retention-Backplate (ohne Leistungseinschränkungen):
- AMD: Sockel 754, 939, 940, AM2
- Intel: Sockel 478, 775
- Herstellerhomepage [3]
- Vertriebe und aktuelle Preise [4]
Kühler im Detail
Erfreulicherweise traut sich Asus mit seiner Entwicklung deutlich aus der Einheitsgestaltung aktueller Hybrid-Towerkühler heraus und verpasst dem Silent Knight ein unverkennbares, außergewöhnliches Outfit, das nur auf den ersten Blick etwas an die zalmännische Formgebung der CNPS 9500er Reihe erinnert. So finden wir zwar auch beim Asus die rundfächerförmig an den Heatpipes kaltgelötet fixierten Kupferlamellen, doch weichen die übrigen Merkmale teils deutlich vom koreanischen Erfolgskonzept ab.
Im Prinzip besteht der Silent Knight, ähnlich dem Scythe Mine [5], aus zwei unabhängigen Kühltürmen, wobei jeder auf die Leistung von drei schwungvoll gebogenen 6-mm-Heatpipes und 64 hauchdünn geschnittenen (aber trotz ihrer ausgesprochenen Filigranität erfreulich robusten) Kühllamellen zurückgreifen kann. Verbindendes Element ist der zentral verschraubte 92-mm-Lüfter der Firma Globe Fan, welcher – mit blauer LED-Beleuchtung und transparenten Rotorblättern ausgestattet – das optische Gesamtbild im Betrieb verfeinern soll.
Qualitativ kämpft der Asus-Ritter ohne Frage in der oberen Liga. Materialwahl und Verarbeitung suggerieren ein dem Preis entsprechend hochwertiges Kühlprodukt, das kaum Beanstandungen zulässt.
Montagebesonderheiten
Analog zum Silent Square [6] setzt man auch beim Silent Knight auf das kombinierende Konzept aus Mainboardverschraubung und Klammerfixierung. Hierzu wird zunächst das universelle Befestigungsmodul mit Hilfe der plattformspezifischen Rückplatten aus dem Lieferumfang mit der Hauptplatine verbunden, wodurch deren Ausbau unwillkürlich zur Bedingung wird. Zudem besteht die freie Ausrichtbarkeit des Kühlers aufgrund der Anordnungen der Montagebohrungen nur für die unterstützten Sockel 775 und AM2.
Ist die Vorarbeit mit dem Aufbau des Retentionmoduls geleistet, gilt es den Kühler auf der mit Wärmeleitpaste benetzten CPU zu platzieren und mit der großen 4-Punkt-Haltebrücke zu befestigen. Im Allgemeinen geht die Gesamtprozedur recht problemlos vonstatten, wenngleich die vielen zu verbauenden Einzelteile in Kombination mit der etwas schwammigen Montageanleitung auf den ersten Blick etwas Verwirrung stiften. Lohn des Zeit- und Arbeitsaufwandes ist dann aber eine – im Gegensatz zu Intels Push-Pin-Methode – sichere und langlebige Montierform ohne wirklich nennenswerte Kompatibilitätseinschränkungen [7]. Auch wird beim Silent Knight die Bauhöhe des Kühlers mit 140 mm in Bezug auf die Schließbarkeit der Gehäuseseitenwand kaum zu unvorhergesehen Überraschungen führen.
Testsystem
In Anbetracht der ständig wachsenden thermischen Ansprüche aktueller Prozessoren haben wir unsere Testplattform mit der Zielstellung darauf ausgerichtet, dem allgemeinen Trend folgend eine möglichst leise aber dennoch stark skalierende Komposition zu wählen. Doppelherzstück ist daher ein 3,2 GHz starker Pentium XE 840 mit einer von Intel spezifizierten TDP von 135 Watt. Als weitere Schlüsselkomponente vertrauen wir beim Netzteil auf ein 600 Watt starkes Silverstone Strider ST06F. Für einen unbeeinflussten Testverlauf unter Silent-System-Bedingungen musste allerdings dessen temperaturgeregelter 120-mm-Bodenventilator der Serie einem laufruhigen und leisen Papst F2GLL weichen, der mit konstanten 1200 U/min rotiert. Ein eben solcher werkelt auch ausblasend als einziger Gehäuselüfter im komplett schallgedämmten Thermaltake Shark Fullsize-Aluminiumtower. Alle übrigen Komponenten sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen:
- Intel Pentium XE 840
- Intel D955XBK Mainboard
- 2x 512 MB Corsair CM2X512A-5400UL CL3
- MSI Radeon X850 XT [gekühlt mit Zalman VF-900 @ 5 Volt]
- Western Digital WD1200 [entkoppelt per Zalman ZM-2HC2]
- Silverstone Strider ST06F 600 Watt [mit Papst F2GLL]
- Thermaltake Shark [komplett gedämmt, Papst F2GLL Gehäuselüfter]
- Raumtemperatur 22°C
- Silikonwärmeleitpaste
Zur Bestimmung der jeweiligen Kühlerleistungen wird das System in der Aufwärmphase zunächst zwei Stunden im 3DMark05-Loop ausgelastet. Daran schließt sich eine einstündige Beanspruchungsphase an, in der mit dem in vier Instanzen laufenden Tweakers4u-Toaster besonderes Augenmerk auf die konstant maximale Prozessorauslastung gelegt wird. Die weiterhin zugeschalteten 3DMark05-Gametest-Durchläufe sichern unterdessen eine gleichbleibende Hochbelastung für das komplette System. Zum Abschluss gewähren wir jedem Kühler noch eine Leerlaufphase von einer halben Stunde. Während dieser Szenarien werden die Temperaturverläufe mit der SpeedFan-Software dokumentiert und die Maxima entsprechend von uns zur Bewertung herangezogen. Im Volllastbetrieb verbraucht das System dabei etwa 260 Watt, während im Leerlauf noch eine Leistungsaufnahme von 140 Watt zu verbuchen ist.
Die Messung der Lautstärke erfolgt derweil im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft 320 Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich. Zur besseren Übersichtlichkeit fließen die Angaben zur Lüfterlautstärke nun mit in die Temperaturdiagramme ein. Zu beachten gilt, dass die aufgeführten Temperaturen und Verhältnisse lediglich als Richtwert dienen und je nach Systemsetup teils deutlich variieren können.
Performancevergleich
CPU-Kühler im Performancevergleich
Angaben in °C
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Der Silent Knight zeigt in unserer Gegenüberstellung ein äußerst hohes Potential. So gewinnt der Asus-Spross den direkten Vergleich zum bauähnlichen Zalman CNPS 9500 souverän, kann in Relation zur verursachten Lautstärke sogar den größeren CNPS 9700 hinter sich lassen und klopft vorsichtig an die Tür der bärenstarken Spitzenreiter von Scythe. Auch bei gedrosselter Drehzahl zeigt sich die Kühlleistung noch mehr als ausreichend für die aktuelle Chipgeneration, sodass ein überaus positives Performance-Fazit gezogen werden kann.
Kritiken muss der Silent Knight wiederum hinsichtlich seiner minimalen Lautstärke einstecken. Auf 5 Volt gedrosselt, rotiert der 92-mm-Globe Fan zwar nur noch mit angenehmen 1000 U/min, doch trüben unschöne, sehr deutliche Klackergeräusche das Klangbild, sodass das sensible Ohr des Silent-PC-Freundes nicht zufrieden sein kann. Hier hätten die Asus-Ingenieure bei der Wahl des Lüfters durchaus etwas strenger selektieren sollen, um dem Kühler seinen Namen auch berechtigterweise zu verleihen.
Fazit
Langsam aber sicher mausert sich Asus zu einem ernstzunehmenden Mitstreiter auf dem Prozessorkühler-Markt. Nach der guten Silent-Square-Basis ist der Silent Knight nun ein echter Top-Kandidat, der es durchaus mit der etablierten Konkurrenz aufnehmen kann. Zwar sollten sich Liebhaber minimaler Systemlautstärke nach wie vor an individueller zusammenstellbaren, größeren Prozessorkühlern à la Scythe Infinity [8] oder Thermalright Ultra [9] orientieren. Als komplette Kühlercombo mit ausgefallener Optik, hoher Leistungsfähigkeit und akzeptabler Lautstärke stellt der Asus Silent Knight aber eine durchaus interessante Option als Gegenspieler zu Zalman und Co. dar.
Abseits des hohen Leistungspotentials, des wunderschön kupferglänzenden, akzentuiert beleuchteten Gesamtoutfits und der lobenswerten Verarbeitungsgüte gibt es neben der zu optimierenden Kühlerlautstärke respektive Lüfterqualität und des eventuell um eine Lüftersteuerung zu ergänzenden Lieferumfangs nur wenig Anlass zum Nörgeln. So bleibt die Montierform, die, wie schon beim Silent Square, in letzter Instanz nicht ganz gefallen kann. Sie bietet zwar eine sichere und plattformübergreifend kompatible Sockelfixierung. Doch die vielen Einzelteile und die leider nur lückenhaft erklärende Montageanleitung könnten speziell unerfahrene Anwender unter Umständen vor Probleme stellen. Dafür wird auf Intels Push-Pin-Methode verzichtet, ein Umstand, der in diesen Tagen mehr als gern gesehen wird.
Unterm Strich hat uns Asus' neuster Kühlbolide also ausgesprochen gut gefallen, sodass ihm eine Empfehlung unsererseits, unter Berücksichtigung der besprochenen Einschränkungen, nicht verwehrt bleibt. Der Asus Silent Knight ist ab sofort zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 59 Euro zu erwerben, wobei der tatsächliche Marktpreis [3] doch deutlich darunter liegt und im Laufe der Zeit noch weiter sinken wird.
















