Einleitung
Coolermaster definiert sein Standbein im Prozessorkühlsegment vorwiegend über den OEM-Markt. Nichts desto trotz erblicken von Zeit zu Zeit auch einige interessante Retail-Produkte das Licht der Welt, die zwar seit dem HHC-001 vor knapp vier Jahren, der die damals noch weitgehend unbekannte Heatpipe im Desktop-Bereich salonfähig machte, nur noch selten wirklich neue Trends setzen können, hier und da aber doch Gefallen finden.

Im heutigen Kurztest möchten wir zwei Exemplare aus der aktuellen Retail-Kühlerlinie von Coolermaster vorstellen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Der „Mars“ ist dabei das extravagant gestaltete Designermodell mit aufwändiger Konstruktion, gehobenem Preis und viel optischen Zubrot, während der „Hyper TX“ in allen Belangen deutlich zurückhaltender agiert und auf Bewährtes setzt. Welche der beiden Taktiken unterm Strich die bessere sein wird, soll im Verlauf des Berichtes geklärt werden.
Coolermaster Mars
Steckbrief
- Hybridkühler mit Aluminiumlamellen und Kupferboden
- 3-fach-Kupferheatpipe
- Kühlkörperabmessungen: (L) 133 x (B) 120 x (H) 105 mm
- Gesamtgewicht: ca. 675 Gramm
- Beleuchtung durch 2 blaue LEDs
- Innenliegender, rahmenloser 92-mm-Ventilator
- 3 Betriebsmodi per Jumper: „Power“ / „Silent“ / PWM
- Umdrehungsgeschwindigkeit: 3000 U/min/ 1800 U/min / 900 ~ 2500 U/min
- Luftdurchsatz: max. 94 m³/h
- 4-Pin-Anschluss inklusive PWM
- Multisockelmontierung per Mainboardverschraubung inkl. -ausbau für:
- AMD: Sockel 754, 939, 940, AM2
- Intel: Sockel 775
- Herstellerhomepage [1]
- Vertriebe und aktuelle Preise [2]
Besonderheiten
Der Coolermaster Mars gehört wahrlich zu den ausgefalleneren Schöpfungen der Prozessorkühlergeschichte und lässt sich diesen Umstand mit einem Anschaffungspreis von gut 40 Euro auch entsprechend honorieren. Hauptcharakteristikum des bis auf die dünne Bodenplatte aus Aluminium bestehenden Gebildes ist die aufgebogene Lamellenformierung zu einem planetenähnlichen Ellipsoid. Im Bereich der „Pole“ sind jeweils Aluminiumblöcke angebracht, in denen die auslaufenden Lamellen zusammengepresst vereint werden - ein System, wie wir es von Zalmans alten CNPS 7000er [3]-Konstruktionen her kennen. Drei kupferne 6-mm-Heatpipes komplettieren dabei das zeitgemäße Gestaltungselement des Kühlers.
Ansonsten verkörpert der Mars prinzipiell einen Kühler im herkömmlichen Belüftungsformat mit paralleler Lüfterstellung zum Mainboard. Solche Designs versprechen zwar in der Regel gute Peripheriemitkühlung, haben aber bei verträglicher Lautstärke im Allgemeinen kaum noch Chancen auf obere Plätze in den von Towerkühlern beherrschten Prozessorkühlrankings.
Belüftet wird der Mars von einem mit Metallfedern zentral aufgehangenen 92-mm-Ventilator, der zur optischen Aufwertung – anders als man es bei seinem Planetenvorbild erwartet hätte – von zwei blauen LEDs beleuchtet wird. Des Weiteren bietet der Lüfter eine gewisse Regeloption: So kann man per Jumpersetting bestimmen, ob konstant die vollen, ohrenbetäubenden 3000 U/min, die etwas leiseren 1800 U/min oder angepasste Drehzahlen im Bereich von 900 bis 2600 U/min per Pulsweiten-Modulierung (PWM) gefahren werden sollen. Bei herkömmlicher 5-Volt-Regelung über einen Potiwiderstand läuft der Lüfter leider nicht an, ist aber im Bereich der niederen Drehzahlen um die 1000 U/min grundlegend als „silent“ einzustufen.
Die Montierung des Mars' erfolgt plattformübergreifend durch die im Lieferumfang enthaltenen Schraubsysteme. Dabei setzt Coolermaster nicht auf eine Rückplattenmethode, sondern sieht eine separate Isolierung und rückseitige Fixierung der Haltebolzen am Mainboard vor. Die Vorgehensweise wird in der beigelegten Installationsanleitung auf brauchbare Art und Weise dargestellt, ist bis auf das Übel des Mainboardausbaus problemlos zu bewerkstelligen und sollte im Allgemeinen keine Kompatibilitätsrisiken hervorrufen.
Coolermaster Hyper TX
Steckbrief
- Hybridkühler im 92-mm-Design
- 3-fach-U-Kupferheatpipe
- 41 Aluminiumlamellen
- Kühlkörperabmessungen: (L) 44 x (B) 90 x (H) 136,5 mm
- Gesamtgewicht: ca. 485 Gramm
- 92-mm-Ventilator, entkoppelt aufgehangen
- Umdrehungsgeschwindigkeit: 650 bis 1800 U/min
- Luftdurchsatz: max. 72 m³/h
- 4-Pin-Anschluss inklusive PWM
- Montierbar ohne Mainboardausbau je nach Version für:
- AMD: Sockel 754, 939, 940, AM2
- Intel: Sockel 775
- Herstellerhomepage [4]
- Vertriebe und aktuelle Preise [5]
Besonderheiten
Der Hyper TX gehört mit seinem wenig polarisierenden Erscheinungsbild eher zu den zurückhaltenderen Zeitgenossen und zielt mit einem Anschaffungspreis von knapp 25 Euro [4] auf ein preisbewussteres Klientel. Dieser Umstand spiegelt sich bereits beim Lieferumfang wieder, denn bis auf den bloßen Kühler, der je nach Plattform als Intel-Sockel-775- bzw. AMD-Sockel-939/AM2- Version gewählt werden kann, finden sich keine weiteren Zugaben mit an Board.
Coolermaster verpackt beim Hyper TX einen wenig spektakulären Aluminiumlamellenkorpus mit leicht gewellter Lamellenformgebung inklusive Dreifach-U-Heatpipe und Kupferkühlcore unter einer semi-transparenten Kunststoffhaube, die sowohl als Lüfterhalterung, als auch als periphere Luftleitung fungiert. Hauptattraktion des Hyper TX ist allerdings der Lüfter selbst, der mit einem vergrößerten effektiven Durchmesser trotz 92-mm-Kantenlänge als 100-mm-Kandidat gewertet werden kann. Er wartet einem ohrenfreundlichen Drehbereich von maximal leicht hörbaren 1800 U/min bis hin zu überzeugend nebengeräuschfreien 650 U/min auf und ist per Gummidämpfer schwingungsentkoppelt am Kühler aufgehangen. Zudem wird seine Stromversorgung über den 4-Pin-Anschluss gewährt, sodass je nach Wunsch auf die leistungsregulierende PWM-Steuerfunktion des Mainboards zurückgegriffen werden kann.
Qualitativ hinterlässt der Hyper TX einen ordentlichen Gesamteindruck, wenngleich – dem Preis entsprechend – materiell als auch verarbeitungstechnisch keine Glanzpunkte erwartet werden sollten.
Je nach Version montiert man den Hyper TX ohne Ausbau des Mainboards entweder per Intel-Push-Pin-System, was aufgrund der moderaten Ausmaße und des geringen Kühlergewichts vertretbar ist, oder per AMD-2-Punkt-Haltebrücke mit Fixierhebel. Beide Mechanismen entsprechen im Prinzip den Vorgaben der Prozessorhersteller und sind weitgehend selbsterklärend, weshalb Coolermaster auch auf die Zugabe einer kurzen Montierbeschreibung verzichtet. Zur einmaligen Verwendung hat der Hersteller unterdessen die Wärmeaufnahme des Kühlers mit einer dünnen Schicht leistungsfähiger Wärmeleitpaste versehen, sodass unerfahrenen Anwendern mit dem sonst notwendigen Auftragen des zähflüssigen Fluids keinerlei Steine in den Weg gelegt werden.
Testsystem
In Anbetracht der ständig wachsenden thermischen Ansprüche aktueller Prozessoren haben wir unsere Testplattform mit der Zielstellung darauf ausgerichtet, dem allgemeinen Trend folgend eine möglichst leise aber dennoch stark skalierende Komposition zu wählen. Doppelherzstück ist daher ein 3,2 GHz starker Pentium XE 840 mit einer von Intel spezifizierten TDP von 135 Watt. Als weitere Schlüsselkomponente vertrauen wir beim Netzteil auf ein 600 Watt starkes Silverstone Strider ST06F. Für einen unbeeinflussten Testverlauf unter Silent-System-Bedingungen musste allerdings dessen temperaturgeregelter 120-mm-Bodenventilator der Serie einem laufruhigen und leisen Papst F2GLL weichen, der mit konstanten 1200 U/min rotiert. Ein eben solcher werkelt auch ausblasend als einziger Gehäuselüfter im komplett schallgedämmten Thermaltake Shark Fullsize-Aluminiumtower. Alle übrigen Komponenten sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen:
- Intel Pentium XE 840
- Intel D955XBK Mainboard
- 2x 512 MB Corsair CM2X512A-5400UL CL3
- MSI Radeon X850 XT [gekühlt mit Zalman VF-900 @ 5 Volt]
- Western Digital WD1200 [entkoppelt per Zalman ZM-2HC2]
- Silverstone Strider ST06F 600 Watt [mit Papst F2GLL]
- Thermaltake Shark [komplett gedämmt, Papst F2GLL Gehäuselüfter]
- Raumtemperatur 22°C
- Silikonwärmeleitpaste
Zur Bestimmung der jeweiligen Kühlerleistungen wird das System in der Aufwärmphase zunächst zwei Stunden im 3DMark05-Loop ausgelastet. Daran schließt sich eine einstündige Beanspruchungsphase an, in der mit dem in vier Instanzen laufenden Tweakers4u-Toaster besonderes Augenmerk auf die konstant maximale Prozessorauslastung gelegt wird. Die weiterhin zugeschalteten 3DMark05-Gametest-Durchläufe sichern unterdessen eine gleichbleibende Hochbelastung für das komplette System. Zum Abschluss gewähren wir jedem Kühler noch eine Leerlaufphase von einer halben Stunde. Während dieser Szenarien werden die Temperaturverläufe mit der SpeedFan-Software dokumentiert und die Maxima entsprechend von uns zur Bewertung herangezogen. Im Volllastbetrieb verbraucht das System dabei etwa 260 Watt, während im Leerlauf noch eine Leistungsaufnahme von 140 Watt zu verbuchen ist.
Die Messung der Lautstärke erfolgt derweil im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft 320 Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich. Zur besseren Übersichtlichkeit fließen die Angaben zur Lüfterlautstärke nun mit in die Temperaturdiagramme ein. Zu beachten gilt, dass die aufgeführten Temperaturen und Verhältnisse lediglich als Richtwert dienen und je nach Systemsetup teils deutlich variieren können.
Performancevergleich
CPU-Kühler im Performancevergleich
Angaben in °C
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So unterschiedlich beide Kühler in Preis und Gestalt sind, so divergent ist auch ihr Leistungsbild in Abhängigkeit von der verursachten Lautstärke: Während der Hyper TX als durchaus positive Überraschung unseres Vergleiches angesehen werden kann, da sowohl die gute Kühlperformance als auch die überaus geringe Lautstärke gefallen, hat sich der Mars mit seinen überraschend schwachen Leistungen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und begutachtet das Towerkühler-Testfeld, wie wir es bereits vermutet hatten, aus den mehr oder weniger hinteren Reihen.
Fazit
Unser Kurztest der beiden neuen Coolermaster Boliden hat deutlich gemacht, wie groß die Diskrepanz zwischen leistungs- und formorientierten Kühlkonzepten ausfallen kann. Der Mars repräsentiert dabei eher die tragische Figur der Betrachtung, indem er eindrucksvoll aufzeigt, dass extravagantes Auftreten nicht immer im Sinne der eigentlichen Hauptaufgabe stehen muss. So ist die gezeigte Kühlleistung konstruktionsbedingt einfach nicht auf dem aktuell durch die starke Konkurrenz definierten Niveau. Gleiches gilt für die im Allgemeinen zu hohe Lautstärke und die aufwändige Verschraub-Montage auf allen unterstützten Plattformen, sodass uns in der Summe nicht wirklich viele Argumente einfallen, weshalb der Kunde gut 40 Euro [6] in die blau beleuchtete Miniaturausgabe unseres orange-roten Nachbarplaneten investieren sollte.

Freude bescherte uns hingegen der Hyper TX, der mit einem ausgezeichneten Leistungsbild, einem super-silent-tauglichen, schwingungsentkoppelt befestigten, nahezu nebengeräuschsfreien Lüfter und obendrein mit einer vergleichsweise einfachen Montage auf den Intel- respektive AMD-Sockeln (je nach Version) aufwarten kann. Auf der Suche nach einem leisen, günstigen und trotzdem leistungsstarken Kühler ohne großen Schnickschnack darf man den knapp 25 Euro [4] teuren Coolermaster Hyper TX also durchaus in die engere Auswahl nehmen.















