ComputerBase

Test: Fünf VGA-Kühler im Vergleich

von Martin Eckardt

Einleitung

Ein ganzes Jahr liegt schon wieder zwischen uns und unserem letzten Grafikkarten-Kühlervergleich, in dem wir fünf damals aktuelle, luftbasierende Nachrüst-Kits für die heiß geliebte 3D-Hardware gegenüberstellten. So kamen wir im Juli '05 zu dem Schluss, dass der koreanische Silent-Experte und PC-Kühlungsspezialist Zalman mit dem VF-700 einen ganz besonderen Leckerbissen am Markt platzierte, der die seinerzeitige Konkurrenz in Form des beliebten Arctic-Cooling VGA-Silencers, des hübschen Revoltec Graphic-Freezers und des superleisen Glacialtech NorthPole1000 in den entscheidenden Disziplinen Kühlleistung, Lautstärke und Montagecharakter als bestes Komplettpaket eiskalt stehen lassen konnte.

Alle jagen Zalman
Alle jagen Zalman

Inzwischen hat sich aber einiges getan und die favorisierten Hersteller haben ihre neuen Produktlinien veröffentlicht. Somit ist es an der Zeit, diese vergleichend gegeneinander antreten zu lassen und zu beobachten, ob und wie sich die Kräfteverhältnisse verschoben haben und welchen VGA-Kühler man 2006 auf keinen Fall seinem Pixelbeschleuniger vorenthalten sollte. Somit treten gegeneinander an: Zalman mit der Bürde des Titelverteidigers und Thronfolgers in spé, dem VF-900 Cu. Arctic-Cooling mit der Ablöse der erfolgreichen VGA-Silencer-Reihe, dem Accelero X1 für aktuelle nVidia- sowie X2 für aktuelle ATI-Beschleuniger. Thermalright als Neuling auf dem Gebiet mit einem höchst interessanten Konzept namens V1-Ultra. Und als Außenseiter nicht zu vergessen: NorthQ mit dem NQ3860 Alu und dem NQ3850 Cu, die auf der Woge des Erfolges des alten VF-700-Layouts mitzuschwimmen versuchen.

Es wird also eine höchst interessante Gegenüberstellung, die speziell Liebhaber leiser, aber gut gekühler VGA-Hardware nicht versäumen sollten.

NorthQ 3850 Cu & 3860 Alu

Lieferumfang

Lieferumfang NQ 3850 Cu
Lieferumfang NQ 3850 Cu

Technischer Überblick

Grundsätzlich sind die NorthQ-Boliden analog zu den Zalman-Pendants auf allen Grafikkarten einsetzbar, deren Mounting-Hole-Lochabstand 55 mm (typischerweise ATI) oder 76 bis 78 mm (typischerweise nVidia) beträgt. Darunter fallen alle aktuellen Modelle von ATI ab der Radeon 9xxx-Serie sowie alle Kalifornischen Exemplare ab der Geforce 4. Bauartbedingte Inkompatibilitäten sind trotz häufig verwendeter Referenzdesigns aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Beschleuniger allerdings dennoch nicht gänzlich auszuschließen. NorthQ offeriert hierfür leider keine entsprechend gepflegten Listen - im Zweifelsfall könnte aber ein Blick auf das von Zalman bereitgestellte Inkompatibilitätsverzeichnis [1] helfen, wobei wir aufgrund des im Detail doch leicht abweichenden Kühlerdesigns geringfügig mehr Problemfälle mit den NorthQ-Produkten erwarten, aber dazu später mehr.

Kühler im Detail

Beide Kühler, NQ 3850 und NQ3860, unterscheiden sich lediglich in den verwendeten Materialien. Das grundlegende Fächerdesign, bei dem die einzelnen Metallfinnen zentral zusammengepresst und später aufgebogen wurden, ist beiden ebenso eigen, wie die gute Qualität, die allerdings im Finish nicht ganz der Güteklasse eines Zalman-Kühlers entspricht. Dies wird speziell bei den Lamellenkanten deutlich, die beim Überstreifen etwas schärfer anmuten - allerdings im absolut unkritischen Bereich.

NorthQ 3860 Al & 3850 Cu
NorthQ 3860 Al & 3850 Cu
NorthQ 3850 Cu
NorthQ 3850 Cu
NorthQ 3860 Al
NorthQ 3860 Al

Beim Lüfter setzt NorthQ im Gegensatz zum 80-mm-Modell des koreanischen Design-Paten nur auf einen rahmenlosen, nicht-LED-beleuchteten 70-mm-Rotor. Durch diese Platzersparnis kann er zentral in den Lamellenverlauf eingebettet werden, woraus sich unserer Meinung ein harmonischeres Erscheinungsbild als beim VF-700 ergibt. Zudem wird dadurch ermöglicht, die Formgebung der insgesamt 56 Lamellen etwas großzügiger zu gestalten und mehr Kühloberfläche zu gewinnen.

Einen absoluten Bock haben die Ingenieure allerdings bei der Nachaußenführung des Lüfterstromkabels geschossen. Während beim Zalman VF-700 über eine nach oben geschlossene Kunststoffführung verhindert wird, dass sich die Einzelstränge leicht verschieben und schlimmstenfalls mit den Rotorblättern kollidieren, kommt bei den NorthQ-Kühlern lediglich eine nach oben hin geöffnete Schiene zum Einsatz. Das Resultat: Bei beiden von uns getesteten Kühlern schleifte der Lüfter im Betrieb an den Kabelsträngen. Ohne Modifikationen an der Kabelführung war uns eine problemlose Verwendung der dänischen VGA-Kühler also nicht möglich. Uns ist unerklärlich, dass dieser signifikante Designfehler bei den herstellerinternen Testläufen nicht erkannt wurde. Nachbesserung ist daher Pflicht!

NorthQ 3850 Cu
NorthQ 3850 Cu
NorthQ 3850 Cu ohne Lüfter
NorthQ 3850 Cu ohne Lüfter
Konstruktionsbock: Probleme bei der Kabelführung
Konstruktionsbock: Probleme bei der Kabelführung

Im Vergleich zum Zalman sind die NorthQ-Kühler zwar etwas kleiner und flacher, setzen allerdings speziell im Außenbereich auf einen vollkommen anderen Lamellenschwung, der geringere Aussparungen für eventuelle, hochbauende elektronische Bauteile oder RAM-Kühler auf der Grafikplatine lässt, was unter Umständen zu mehr Kollisionen als beim VF-700 führen kann.

Bei den Dreingaben erfreuen uns die NorthQ-Boliden derweil mit einer hohen Ausstattungsvielfalt. Für die BGA-Speicher liefert der Hersteller acht kleine, mit einer Klebefolie ausgestattete Aluminiumblöcke mit und beugt damit der Überhitzung der hochgetakteten Texturspeicher aktueller 3D-Beschleuniger vor. Da deren Speicherbestückung zumeist nur noch auf der Platinenvorderseite erfolgt, unterstützt der vom Chiplüfter erzeugte Luftstrom die Wärmeabfuhr auch von den RAM-Kühlern.

NQ 3850 Cu vs. Zalman VF-700
NQ 3850 Cu vs. Zalman VF-700
NQ 3850 Cu vs. Zalman VF-700
NQ 3850 Cu vs. Zalman VF-700
NQ Zubehör: Steuerung, Adapter, RAM-Heatsinks
NQ Zubehör: Steuerung, Adapter, RAM-Heatsinks

Der lärmgeplagte Anwender erhält zudem die Möglichkeit, entweder über einen 4Pin auf 3Pin Adapter, der jeweils in zwei 12-Volt und zwei 5-Volt Ausgängen mündet, oder über eine kleine Drehpotisteuerung im Stile einer Zalman Fanmate, das Geräuschniveau der NQ-Cooler zu variieren. Überrascht hat uns allerdings der Sachverhalt, dass der Lüfter des Cu-Modells einen deutlich größeren Lärm verursachte, als jener der Aluminium-Variante, obwohl beide Lüfter im Grunde identische Leistungswerte aufweisen sollten. Zwar herrscht im Rahmen der Toleranzmaßgaben eine gewisse Drehzahldifferenz zwischen beiden Exemplaren, diese allein sollte allerdings nur nebenverantwortlich sein. Unter Umständen existieren auch qualitative Unterschiede.

Montage

Zur Installation des NQ 3850 und des NQ 3860 müssen im Grunde keine großen Worte verloren werden. Es sollte einzig vorher getestet werden, ob sich die gewünschte Anordnung der Speicher-Passivkühler realisieren lässt oder ob eventuell Kollisionen mit dem Chipkühler entstehen. In unserem Fall der GeForce 6800GT wurde es schon sehr eng und zwei der acht RAM-Kühler konnten nur noch längs aufgeklebt werden.

NorthQ 3860 Al & 3850 Cu
NorthQ 3860 Al & 3850 Cu
NorthQ 3860 Al & 3850 Cu
NorthQ 3860 Al & 3850 Cu

Ansonsten ist es anhand der mitgelieferten Schemaanleitung schnell vollbracht, das Arretierungssystem bestehend aus kleinen Bolzen, Schrauben und Isolierringen ordnungsgemäß anzubringen und den Kühler sicher auf der GPU zu fixieren.

Arctic-Cooling Accelero X1

Lieferumfang

Lieferumfang Arctic-Cooling X1
Lieferumfang Arctic-Cooling X1

Technischer Überblick

Kühler im Detail

Arctic-Cooling setzt beim Accelero auf ein wuchtiges Kühlerdesign, bleibt aber mit etwa 260 Gramm Gesamtgewicht deutlich im grünen Bereich. Erreicht wird dieser Umstand durch einen Hybrid-Aufbau mit hauchdünner Kupferbodenplatte als GPU-Kontakt in Kombination mit einem länglichen Lamellenkern aus Aluminium. Hinzu gesellen sich jeweils drei von der Wärmeaufnahme nach rechts und links verlaufende, platt gepresste Heatpipes. Das alles findet in einem üppig dimensionierten Kunststoffgehäuse Platz, welches wirkungsvoll als Luftleitkanal fungiert. Die Verarbeitungsqualität ist insgesamt recht ordentlich, dem Preis entsprechend mutet die Materialgüte allerdings nicht in letzter Instanz den höchsten Standards an.

Arctic-Cooling X1
Arctic-Cooling X1
Arctic-Cooling X1
Arctic-Cooling X1

Im Gegensatz zur Silencer-Baureihe distanziert sich der Schweizer Spezialist beim Accelero vom ehemals so hoch gelobten "Direct Heat Exhaust System" (kurz: DHES) und begründet den Verzicht auf das direkte Ausblasen der erwärmten Luft mit dem überaus geringen Wirkungseinfluss auf die Gehäusetemperatur (die Rede ist von einem 1K Differenz). Mit dem nun verfolgten Konzept müsse wesentlich weniger Luftdruck erzeugt werden, um das gleiche Kühlresultat zu erreichen. Das bedeutet mehr Leistung bei geringerer Lautstärke. Und in der Tat hat Arctic-Cooling beim verwendeten Lüfter endlich echte Silent-Qualitäten bewiesen: Maximal 2000 Rotationen absolviert der kleine Rundling, nach wie vor auf dem von Verax etablierten Grunddesign mit Kreiskegelrotor und ausgeprägtem Schaufelschwung, und surrt dabei nur schwer wahrnehmbar. Bei gedrosselter Drehzahl verschwindet das Betriebsgeräusch sogar nahezu vollkommen. Eine speziell entwickelte Motor-Vibrationsdämpfung sorgt im Zusammenspiel mit dem "Fluid Dynamic Bearing" - ein sich selbstständig nachölendes Lüfterlager, erfolgreich für minimalsten Lärmpegel. Erfreulich ebenfalls: Für die Stromversorgung stehen mit einem 2-Pin- und einem 4-Pin-Anschluss die auf Grafikkarten üblicherweise verwendeten Standards zur Verfügung, sodass eine pixelbeschleunigerspezifische Lüftersteuerung und der Drehbereich des Lüfters von 500 bis 2000 rpm ohne Weiteres ausgenutzt werden kann.

Arctic-Cooling X1
Arctic-Cooling X1
Arctic-Cooling X1
Arctic-Cooling X1
Wärmeleitpaste vordosiert
Wärmeleitpaste vordosiert

Montage

Größtes Wehrmutstropfen der Arctic-Cooling Grafikkartenkühler ist nach wie vor das geringe Kompatibilitätsspektrum. So ist der X1 lediglich für nVidias 6800er, 7800er und 7900 GTX Serie, der X2 nur für die ATI X1800 und X1900-Karten konzipiert. Hier punkten die mitunter deutlich kompakteren Mitbewerber zweifellos mit ihrer vielseitigeren, unabhängigeren Einsetzbarkeit.

Nichts desto trotz ist der Montagevorgang ein einfacher - nicht einmal die Wärmeleitpaste muss selbst aufgetragen werden, denn der Hersteller hat die Unterseite des Kühlers bereits mit einer optimal dosierten, hauchdünnen Schicht des hauseigenen Wärmeleitmediums MX-1 versehen. Lediglich die Schutzplastik muss abgenommen und der Kühler entsprechend der Platinenbohrungen um den Chip auf der Grafikkarte ausgerichtet werden. Nun kann er rückseitig über die vier alternierend festzuziehenden, mit kleinen Isolier-Unterlegscheiben versehenen Schrauben fixiert werden. Bei Bedarf kann man zusätzlich auch noch den beim X1 beiliegenden RAM-Aluminiumkörper für die hinteren Speicher, sofern dann vorhanden, anbringen.

Links: Kanalöffnung und Luftleitplastik zur zusätzlichen Spannungswandlerbelüftung
Luftleitkanal zu den Spannungswandlern
Luftleitkanal zu den Spannungswandlern
Arctic-Cooling X1
Arctic-Cooling X1
Arctic-Cooling X1
Arctic-Cooling X1

Mit einer Bauhöhe von 30 mm verdeckt der Accelero einen weiteren Steckplatz. Eine SLI-Konfiguration mit entsprechend ausgerüsteten Grafikkarten ist in jedem Fall, laut Hersteller auf jedem Board, möglich.

Thermalright V1-Ultra

Lieferumfang

Lieferumfang Thermalright V1-Ultra
Lieferumfang Thermalright V1-Ultra

Technischer Überblick

Kühler im Detail

Mit einem Anschaffungspreis von knapp 50 Euro definiert der TR V1-Ultra aktuell die preisliche Obergrenze der luftbasierenden VGA-Kühler. In gewohnter Thermalright-Manier erhält der Käufer aber auch absolut hochwertigst verarbeitete und aufwändigst zusammengefügte Materialien für sein teures Geld, die den V1-Ultra zu einem echten Edelprodukt avancieren lassen.

Thermalright V1-Ultra
Thermalright V1-Ultra
Thermalright V1-Ultra
Thermalright V1-Ultra

Das Arbeitsprinzip des Kühlers ist vergleichbar mit jenem der erhältlichen passiven Grafikkartenkühler des Marktes. Die Wärmeaufnahme des Hybridboliden erfolgt an der Chipoberfläche über den spiegelnd polierten, vernickelten Kupfercore. Im Folgenden beginnt die Temperaturregulierung lüfterlos auf der Vorderseite über den flachen, sehr grob lamellierten 80-mm-Leichtmetall-Kühlkörper, der bei Bedarf auch noch mit einem entsprechenden Lüfter bestückt werden kann. Zusätzlich transportieren drei Heatpipes die thermische Energie zum rückseitigen, deutlich filigraner und feinmaschiger gestalteten, hinteren Kupferkühlkörper, wo sie vom aufgeschraubten 80-mm-Serienventilator, der nicht in allen Lebenslagen vollkommen nebengeräuschsfrei daher kommt und für anspruchsvolle Ohren erst im 5-Volt-Betrieb zu akzeptieren ist, aktiv an die Umgebung abgegeben wird.

Aufgrund der Tatsache, dass die Position des "Rucksackkühlkörpers" überstehend gewählt wurde, zieht die erwärmte Luft zum Teil über das Grafikkarten-PCB hinweg, wodurch eine langfristig konstante Temperaturentwicklung gewährt wird. Kombiniert man die Wirkweise des V1 zusätzlich noch mit geeigneten Prozessor- und Gehäusebelüftungen, lassen sich im Vergleich zu Grafikkartenkühlern konventioneller Bauart wesentlich flexiblere Kühlkonzepte realisieren.

Thermalright V1-Ultra
Thermalright V1-Ultra
Thermalright V1-Ultra
Thermalright V1-Ultra

Nichts desto trotz birgt das V1-Design auch gewisse Risiken: Da die Erwärmung der Grafikkarte nicht nur vom Grafikchip allein, sondern auch von den Speicherbausteinen und Spannungswandlern ausgeht, die Ventilierung aber lediglich GPU-spezifisch und rückseitig erfolgt, könnten die übrigen Bauteile in thermisch bedenkliche Regionen vordringen. Zumindest für die Grafikspeicher legt Thermalright daher relativ üppig dimensionierte, mit selbstklebender Wärmeleitfolie bestückte, passive Aluminiumblöcke bei.

Montage

Das Montieren des Thermalright-Boliden gestaltet sich etwas schwieriger, als wir es von den koreanischen Referenzen gewohnt sind. Nachdem der Serienkühler weichen musste und alle entscheidenden Oberflächen entsprechend gereinigt wurden, gilt es eine Art Montiergestell über dem Grafikchip zu installieren. Dies wird über kleine, flexible Metallärmchen realisiert, die je nach Kartenlayout (ATI oder nVidia) in der längeren oder kürzeren Version gewählt und rückseitig fest mit der Grafikplatine verschraubt werden müssen. Kompatibel ist der V1-Ultra daher grundsätzlich zu allen gängigen 3D-Beschleunigern des Marktes, solange die entsprechenden Montagebohrungen serienmäßig vorhanden sind.

Thermalright V1-Ultra
Thermalright V1-Ultra
Thermalright V1-Ultra
Thermalright V1-Ultra

Ist der Montagerahmen fixiert und akkurat ausgerichtet, sind die frei stehenden BGA-Speicher mit den beiliegenden Speicherkühlern und (in unserem Fall der GeForce 6800 GT) die später vom Heatpipeverlauf verdeckten Speicherbausteine mit dem 1-mm-Wärmeleitpad versehen, kann der Kühlkörper von oben vorsichtig in den Rahmen eingeschoben und mit vier Schrauben wechselseitig fixiert werden. Bei diesem Vorgang ist enorm viel Fingerspitzengefühl gefragt, denn der massige Metallkörper beschädigt bei unachtsamer Handhabung schnell den freiliegenden Grafikprozessorkern.

Mit einem Gewicht von insgesamt etwa 360 Gramm gehört der Thermalright V1-Ultra schon zu den Kühlern der Wonneproppen-Klasse, sodass die Combo entsprechend behutsam transportiert werden will. Dafür wird ob der geringen Bauhöhe im Gegensatz zur Konkurrenz kein PCI-Steckplatz verdeckt.

Zalman VF-900 Cu

Lieferumfang

Lieferumfang Zalman VF-900 Cu
Lieferumfang Zalman VF-900 Cu

Technischer Überblick

Kühler im Detail

Er ist schon verdammt schick geworden, der neue VF-900 Cu. Wie er in seinem kupfernen Kleid vor einem liegt, rotbraun glänzend, piekfein verarbeitet, vollendet geformt - so einfach und doch so komplex. Endlich rund, endlich makellos, könnte man sich denken, so wie einst die erfolgreichen CNPS 7000er für die CPU... . Schade, und dann doch nur ein Kühler ;-)

Zalman VF-900 Cu
Zalman VF-900 Cu
Zalman VF-900 Cu
Zalman VF-900 Cu

Grundlegend hat der VF-900 nur noch wenig mit der Architektur des VF-700 zu tun. Zalman entfernt sich vom zusammengepressten und aufgebogenen Lamellencore und verpasst dem Cooler eine vollwertige Kupferbodenplatte höchster Polierstufe, in welche zwei fünf Millimeter Heatpipes eingelassen wurden und den gesamten Wärmeabtransport übernehmen, denn eine direkte Verbindung zwischen Kühlerboden und Lamellen ist nicht mehr vorhanden. Im Vergleich zum Vorgänger kommen dafür wesentlich mehr Lamellen zum Einsatz, die mit 0,2 Millimeter zudem dünner geschnitten und enger gestaffelt an den Heatpipes aufgereiht wurden. Insgesamt wirkt die ganze Konstruktion deutlich filigraner, was sich auch beim Gewicht wiederspiegelt: Der VF-900 ist mit etwa 185 Gramm gut 85 Gramm leichter als sein Wegbereiter.

Zalman VF-900 Cu
Zalman VF-900 Cu
Zalman VF-900 Cu
Zalman VF-900 Cu

Um den eingeschränkten Platzverhältnissen auf dem Grafikboard beizukommen, sitzt der Kühlcore nicht im Zentrum der Lamellenverläufe, sondern ist nach unten eingerückt und trägt zusätzlich die grundlegend neu gestaltete Arretierungsvorrichtung. Auch der mittig eingelassene 80-mm-Lüfter ist über drei Schrauben an der Wärmeaufnahme fixiert und kann bei Bedarf problemlos demontiert werden. Die Stromversorgung des Fans erfolgt üblicherweise über einen 3-Pin-Anschluss.

Neben dem Kühler selbst runden nach wie vor die praktische Fan Mate 2 Lüftersteuerung mit Drehpoti, über welchen die Betriebsspannung des Ventilators stufenlos zwischen fünf und zwölf Volt justiert werden kann, sowie acht mit selbstklebendem Wärmeleitpads ausgestattete Mini-Speicherkühler aus Aluminium das Gesamtpaket ab.

Zalman VF-900 Cu
Zalman VF-900 Cu
Fanmate 2 & RAM-Heatsinks
Fanmate 2 & RAM-Heatsinks
Zalman VF-900 Cu & VF-700 Al/Cu
Zalman VF-900 Cu & VF-700 Al/Cu

Montage

Der Arretierungsmechanismus des VF-900 ist in der Gegenüberstellung zum VF-700 etwas diffiziler geworden. Zalman vertraut nun auf eine gleichmäßige 4-Punkt-Fixierung und entfernt sich somit vom 2-Punkt-System des Vorreiters. Zunächst muss dabei herausgefunden werden, welche der vier Möglichen Lochabstands-Vorrichtungen zur eigenen Grafikkarte passen. Daraufhin werden die entsprechenden Positionen mit den Abstandsschrauben sowie je einem Gummi-Isolierring versehen. Der Kühler wird so präpariert nun vorderseitig auf der mit Wärmeleitpaste benetzten GPU-Oberfläche ausgerichtet und die Schrauben durch die vorhandenen Mounting-Holes der Grafikplatine manövriert.

Rückseitig werden diese nun vorsichtig, wechselseitig mit Rändelmuttern fixiert, wobei zwischengelegte PVC-Scheiben und Drahtfedern für Kurzschlussprotektion und Anpressdruckverteilung sorgen. Penibel zu beachten ist bei dieser Prozedur, dass der Kühler beim Festziehen der Muttern nicht verkantet und somit den ungeschützten GPU-Core beschädigen kann.

Zalman VF-900 Cu
Zalman VF-900 Cu
Zalman VF-900 Cu
Zalman VF-900 Cu

Ist dies geschafft, hat man einen extrem sicher sitzenden Kühler, dessen Anpressdruck deutlich den des Vorgängers überschreitet. Wichtig ist allerdings nach wie vor, die Schrauben und Muttern ohne Werkzeug, sondern nur mit den Fingern zu montieren. Mit seiner Bauhöhe von 30 mm versperrt auch der VF-900 einen PCI-Steckplatz.

Lautstärkemessverfahren

Die Käufer wollen leise Kühlhardware und der Markt reagiert. Lüfter, die im geschlossenen System kaum bis nicht mehr wahrzunehmen sind, haben längst ihren Seltenheitswert verloren. Damit sind wir jüngst an einem Punkt angelangt, der unseren vergleichenden Lautstärkemessungen nach unserem bisherigen Vorgaben nicht mehr gerecht wird. Zu stark näherten sich die ermittelten Ergebnisse, insbesondere im gedrosselten Bereich, dem mit unseren Mitteln messbaren Grenzwert an und ließen so fundamentierte Gegenüberstellungen einzelner Produkte im Dezimalbereich der natürlichen Toleranzen verpuffen. Wir haben nun reagiert und rücken deutlich näher an die Lärmquelle heran: 20 cm anstatt der bisherigen 70 cm sollen die Differenzen der erzeugten Schalldrücke expliziter zu Tage fördern und für höhere Vergleichbarkeit sorgen.

Wir messen nach wie vor im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft 320 Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille betrug 30,6 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Scala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich. Zur besseren Übersichtlichkeit fließen die Angaben zur Lüfterlautstärke nun mit in die Temperaturdiagramme ein.

Temperaturtestverfahren

Je einen zweistündigen Loop durchlaufend, dienen uns die Game-Tests des 3DMark 03 zur vollen Systemauslastung, insbesondere natürlich der Grafikkarte. Während dieser Zeit wird der GPU-Temperaturverlauf mit dem Riva-Tuner dokumentiert, der Maximalwert im Folgenden als Last-Temperatur aufgeführt. Im Anschluss erfolgt eine halbstündige Leerlaufphase zur Abkühlung auf die Idle-Temperatur.

Temperaturvergleich

Im Vorfeld seien ein paar Worte zur nachfolgenden Diagrammdarstellung erlaubt, denn erstmals fassen wir alle genommenen Messwerte zur besseren Vergleichbarkeit in einer Anschauung zusammen. Dabei haben wir uns bei den Temperaturmessungen sowohl für die eigentliche Chiptemperatur als auch für die Hitzeentwicklung der Spannungswandler als Indikator für den Nebenkühleffekt der einzelnen Kühlerdesigns interessiert und sowohl deren Last- als auch Leerlaufmaxima angegeben. Zur direkten Einschätzung, bei welchem Lärmpegel und bei welcher Lüfterumdrehungszahl welche Kühlleistungen erreicht wurden, haben wir die Schallpegelmessungen und die Drehzahlangaben ebenfalls an entsprechender Position mit aufgeführt. Der obere Diagrammblock repräsentiert dabei den 5-Volt- und der untere den 12-Volt-Betrieb der einzelnen Kühler.

Leistungs- & Lautstärkevergleich aktueller VGA-Kühlhardware
Leistungs- & Lautstärkevergleich aktueller VGA-Kühlhardware

Insgesamt offenbart sich uns ein scheinbar gewohntes Bild: Zalman schlägt mit dem VF-900 die Kontrahenten bei voller Drehzahl und kühlt sowohl den Grafikchip als auch die wichtigen Spannungswandler am wirkungsvollsten. Knapp dahinter reiht sich allerdings bereits der Arcitc-Cooling Accelero X1 ein, dessen Lüfterkonzept aber spürbar weniger Schalldruck erzeugt. Somit kann der X1 in Relation den VF-900 bei der Chipkühlung übertrumpfen, bietet aber wegen des geschlossenen Kühlerdesigns eine signifikant schwächere Spannungswandler-Kühlung. Thermalrights V1-Ultra liefert in der Serienkonfiguration ein ähnliches Bild ab: Die Chiptemperaturen sind absolut bei der Musik, nur der Nebenkühleffekt auf der Vorderseite ist aufgrund des Rucksacklüfters praktisch nicht vorhanden. Erst das zusätzliche, vorderseitige Montieren eines weiteren 80-mm-Lüfters (in unserem Fall der Coolink SWF 802) korrigiert diesen Makel und senkt bei kaum wachsender Geräuschemission auch die Chiptemperatur noch einmal leicht. Die NorthQ-Sprösslinge platzieren sich derweil eher im hinteren Bereich des Feldes, etwa auf einem Niveau mit ihrem Design-Pate, der ehemaligen Zalman-Referenz. Der Abstand zur Spitze ist bei vergleichbarer Lautstärke allerdings sehr gering und auch die verschiedenen Materialausführungen haben nur marginalen Einfluss auf die Kühlergebnisse. Erfreulich weiterhin und wichtig für stabile Übertaktungsversuche: Das „alte“ VF-700-Design liefert nach wie vor die Spitzenwerte bei den Spannungswandlern.

Bei gedrosselter Drehzahl im 5-Volt-Betrieb lässt sich erneut die erstaunliche Konstanz der Zalman-Entwicklungen beobachten, die kaum an Kühlperformance verlieren. Auch der Thermalright V1-Ultra harmoniert gut mit geringerer Luftzirkulation, profitiert aber in diesem Low-Noise-Modus von einem optionalen Dual-Lüfter-Setup. Ausgesprochen schwach - trotz niedrigster Geräuschabgabe - ist die 5-Volt-Vorstellung des Acceleros einzuschätzen. Genau wie seine Vorgänger der VGA-Silencer-Reihe enttäuscht auch der X1 mit einem unverhältnismäßig starken Leistungseinbruch bei Drehzahlsenkung.

Fazit

NQ 3850 Cu & 3860 Alu
Die beiden VGA-Kühler aus dänischen Landen gehen gewissermaßen als Schlusslicht aus dem Vergleich. Dabei ist es weniger die Leistungsfähigkeit des alternden Designs, die den Produkten eine bessere Bewertung verwehrt, als vielmehr qualitative Eckpunkte, wie die völlig fehlkonzeptionierte Kabelführung oder die Lüftergüte, die bei diesem Preisgefüge (etwa 20 Euro für den 3860 Alu und 30 Euro für den 3850 Cu) schlichtweg disqualifizieren. Wer sich dennoch für einen der NorthQ-Sprösslinge entscheidet, erhält ein komplett ausgestattetes VGA-Kühlerkit inklusive Spannungs-Poti und -Adapter sowie RAM-Kühler und ein leicht zu montierendes, herstellerübergreifend kompatibles Setup mit Silent-Tauglichkeit. Um die Großen der Szene zu ärgern, reicht es allerdings nicht.

Arctic-Cooling Accelero X1
Preis-HammerWiederum ist es Arctic-Cooling gelungen, mit dem Accelero ein preislich attraktives Produkt mit hoher Leistungsfähigkeit, geringer Lautstärke und annehmbarer Qualität am Markt zu platzieren. Dabei erhält der Käufer einen VGA-Cooler, der sich leicht montieren lässt und im Alltagsbetrieb eher durch seine Unauffälligkeit besticht. Nichts desto trotz sind es mitunter die alten Leiden, die dem Accelero eine uneingeschränkte Empfehlung gegenüber der teureren Konkurrenz verwehren: An vorderster Stelle steht hierbei die üppige Dimensionierung und das daraus resultierend kleine Kompatibilitätsfenster, denn nur wenig Chipgenerationen sind für die Nachrüstung mit dem AC-Produkt geeignet. Hinzu gesellt sich der stark einbrechende Leistungsverlauf bei gedrosselter Lüfterdrehzahl und die zum Teil bedenkliche Nebenkühlwirkung auf die Spannungswandler. Unterm Strich können Freunde des leisen PCs mit schmalen Portemonnaie, die im Besitz der entsprechenden Grafikkarten sind und von deren Serienbelüftung ob ihrer zu hohen Lautstärke schon mit chronischen Kopfschmerzen durch den Tag wandeln, beherzt zugreifen, sollten aber die Kritikpunkte an der X1 / X2 - Architektur im Hinterkopf behalten und von ausgedehnten Übertaktungsversuchen bei gedrosselten Lüfterdrehzahlen Abstand nehmen. Da aber das Preis-Leistungsverhältnis im Besonderen besticht - die Acceleros sind bereits ab 13 Euro zu haben - geht unsere Preis-Hammer-Auszeichnung erneut an die Schweizer Ingenieure.

Thermalright V1-Ultra
Thermalright offeriert mit dem V1-Ultra eine interessante VGA-Kühllösung für den gehobenen Anspruch und Geldbeutel, kostet er mit 40 Euro doch deutlich mehr als die Widersacher. Zu seinen überzeugenden Disziplinen gehören vor allem seine Chipkühlleistung und die Verarbeitungsgüte sowie seine Platzergonomie und die minimale Geräuschkulisse. Gewisse Schwächen muss man dem Produkt aber in Sachen peripherer Bauteilkühlung und Montiereinfachheit wie -Sicherheit sowie der Wahl des Serienlüfters zusprechen. Damit platziert sich das Thermalright-Komplettpaket unterm Strich klar hinter Zalmans neuem VF-900 und sollte in der Summe der Preis-Leistungseigenschaften auch dem älteren VF-700 und dem Accelero den Vortritt lassen. Damit empfiehlt sich der V1-Ultra vor allem für all jene, denen die extravagante Bauform des Kühlers neue bzw. erweiterte Möglichkeiten der Komponentenkühlung im PC verspricht.

Zalman VF-900 Cu
Hardware-HammerZalman ist mit dem VF-900 Cu erneut ein wahres Meisterstück gelungen. Der Kühler überzeugt auf ganzer Linie und distanziert die Mitbewerber teils deutlich. Besonders impressiv setzte sich neben der akkuraten, filigranen Verarbeitungs- und Materialqualität und dem harmonischen Erscheinungsbild die atemberaubende Kühlperformance für Chip und umliegende Bauteile in Szene. Dabei steigert der koreanische Kühlspezialist die ohnehin schon als sehr gut zu bezeichnende Leistung des Vorgängers signifikant und definiert neue Maßstäbe speziell im Low-Noise-Betrieb. Der Lieferumfang ist gewohnt komplett und hochwertig, die Montage problemlos und herstellerübergreifend und das Geräuschniveau bei Bedarf silent-tauglich - nahezu ohne Leistungseinbußen. Somit fällt unser Fazit für das mit einem Anschaffungspreis von knapp 30 Euro noch als erschwinglich zu bezeichnende koreanische Kühlkunstwerk eindeutig aus: Hardware-Hammer und Testsieg! Die Jagd auf Zalman muss also weiter gehen.

URL-Liste:

  1. http://www.zalman.co.kr/product/cooler/VF700_incompatiblelist_eng.html
  2. http://www.thermalright.com/a_page/main_support_faq_motherboard_v1ultra.htm
  3. http://www.zalman.co.kr/eng/product/view.asp?idx=192&code=013
Copyright © 1999–2012 ComputerBase GmbH