Einleitung
Lange mussten wir auf ihn warten und nun endlich steht er in den Händlerregalen: Der Noiseblocker Cool-Scraper 120 der zweiten Revision. Nachdem der deutsche Spezialist für leise Hardwareprodukte zum Ende des vergangenen Jahres die vielfach prämierte, erste Revision vom Markt nahm und damit vielen Fans Tränen in die Augen trieb, ließ die Ankündigung einer überarbeiteten Version deren Herzen wieder höher schlagen. Sollte es nun endlich gelingen, den derzeitigen Klassenprimus Scythe Ninja in die Schranken zu weisen? Die von Noiseblocker im Vorfeld getätigten Versprechungen, denen zufolge bei gleicher Lüfterbestückung bis zu sechs Grad bessere Kühlergebnisse im Vergleich zum „alten“ Scraper zu erwarten sein, ließen uns hellhörig werden und voller Vorfreude erste Sektflaschen kalt stellen. Mehr Kühloberfläche und eine optimierte Lamellenführung gepaart mit einigen findigen Detaillösungen sollen den Scraper Rev.2 in den Kühlolymp befördern. Wir schauen nach, ob es gelingt.
Der Kühler geht in der lüfterlosen Version derzeit für etwa 44 Euro über die Ladentheke. Zusammen mit dem SX1-Ultra-Silent-Lüfter werden knapp 50 Euro fällig - im Vergleich zur High-End-Konkurrenz also ein durchaus passendes Preisgefüge.
Lieferumfang
- Noiseblocker Cool-Scraper Rev.2-Towerkühler
- Noiseblocker SX1 Ultra-Silent-Fan (sofern nicht lüfterlos)
- Montagematerial
- Montagekit für gewünschten Sockel
- Montageanleitung in deutscher Sprache
Um den Verkaufspreis des neuen Scrapers nicht unnötig in die Höhe zu treiben, werden nicht mehr alle unterstützen Sockel-Montagekits mitgeliefert, sondern nur noch ein entsprechend gewähltes. Später können die Kits aber auch separat erworben werden, sodass ein Plattformwechsel kein Kühlerwechsel bedeuten muss - Noiseblocker spricht hier von absoluter Zukunftssicherheit und verspricht, auch für kommende Desktop-Sockel passende Arretierungsoptionen zu entwickeln.
Technische Eckdaten
- Noiseblocker Cool-Scraper 120 Rev. 2
- Hybrid-Towerkühler mit zentraler 25,5-mm-Mehrkammerheatpipe
- 42 Aluminiumlamellen (ca. 126 x 59 mm) mit 2 mm Abstand
- Maße (B x T x H) inkl. Lüfter: 83 x 126 x 153 mm
- Gewicht inkl. Lüfter: ca. 590 Gramm
- Kompatibilität: Sockel 478, 775, 939, 940, 754
- Freie 360°-Drehbarkeit
- Entfernbare Air-Stripes für optimale Luftführung
- Noiseblocker Ultra-Silent-Fan SX1 Rev. 1.2
- 120-mm-Format
- Maximal 1200 U/min
- Förderleistung: 65 m³/h
- 2,16 Watt, 3-Pin Anschluss
Kühler im Detail
Während die Revision 1 des Cool-Scrapers noch auf dem BAT1 der Firma Coollink basierte und vom deutschen Unternehmen lediglich mit dem hauseigenen Lüfter versehen sowie unter eigenem Namen vertrieben wurde, stellt die Revision 2 eine speziell von Noiseblocker entworfene und fernöstlich exklusiv produzierte Kühlerversion dar. Nichtsdestotrotz sind die Wurzeln des neuen Scrapers überaus deutlich spürbar, denn das gesamte Design entspricht im Groben der alten Revision.



So verfügt auch das neue Noiseblocker-Pendant über eine zentrale, mit 25,5 mm Durchmesser leicht angewachsene Mehrkammerheatpipe als grundlegendes Wärmeaufnahmemedium. Ab einer Bauhöhe von 25 Millimetern beginnt dann die Lamellenführung mit insgesamt 42 Leichtmetalleinheiten - sechs mehr als beim Cool-Scraper der Rev. 1. Gepaart mit deren deutlich größeren Fläche, die sich vom Fledermausdesign des BAT1 entfernt hat, erhofft sich der Hersteller einen merklichen Performancegewinn. Allerdings schrumpft damit auch der für den Supersilent- oder Passivbetrieb mit geringem Gehäuseluftzug bevorzugt üppigere Lamellenabstand von knapp drei auf nur mehr zwei Millimeter. Dennoch beteuert Noiseblocker, der Cool-Scraper 120 Rev. 2 harmoniere bestmöglichst mit geringem Luftumschlag.
Die Qualität des Gebotenen ist dem Preis entsprechend sehr hoch und liegt im tadellosen Bereich des Vorgängers.



Die größten Veränderungen gab es bei der Ventilierung. Zunächst verfügt der Scraper über zwei seitliche Luftleitschienen, so genannte Air-Stripes, welche den Luftstrom des angebauten Lüfters zielgerichtet durch die Lamellen führen sollen. Für den lüfterlosen Betrieb sind die Stripes zu entfernen, sodass die Gehäuseluftzirkulation besser angreifen kann - in der Praxis bringt dieses Detail etwa 1 K Temperaturdifferenz.
Während die erste Revision noch über eine komfortable Drahtbügelhalterung für die Lüfterfixierung verfügte, kommt nun wieder eine herkömmliche Schraubarretierung zum Einsatz, die bei Bedarf eine einfachere Lüfterentkopplung erlaubt.
Auch beim mitgelieferten Lüfter wurde aufgestockt - er hört zwar nach wie vor auf den Namen NB-UltraSilentFan SX1, dahinter steckt jedoch eine technisch weiterentwickelte Revision des erfolgreichen Qualitätslüfters. Mehr Luftdruck bei gleicher Lautstärke, erzielt durch eine deutlich geschwungenere Flügelarchitektur, eine höhere Laufruhe und Lebensdauer durch individuelle Lagerauswuchtung und sechs Jahre Herstellergarantie gehören zu den wichtigsten, vom Hersteller angepriesenen Eckpunkten des optisch ansprechenden Lüfters, dessen erfrischendes Farbkonzept wie der Deckel zum Cool-Scraper-Topf passt.



Selbst bei vollen 1200 Umdrehungen pro Minute ist das Laufgeräusch des SX1 bei praxisnahen Abständen kaum noch wahrzunehmen. Unseren positiven Eindruck trüben allerdings die leichten Rasselgeräusche des HP-CAP-Kugellagers, die bei einem Qualitätsprodukt dieser Preisklasse nicht auftreten sollten, es de facto aber tun und wohl auf die leider vorhandene Serienstreuung zurückzuführen sind. Ebenso gut hätten wir ein tadelloses, nebengeräuschfreies Exemplar erwischen können, wie es hoffentlich bei dem Großteil der Käufer landet.
Montage
Bei aller optischer und leistungstechnischer Finesse stellt die Realisierung einer komfortablen Montage für die meisten Herstellern nach wie vor ein unüberwindbares Problem dar. Kaum einem gelingt es, die serienmäßigen Retentionoptionen plattformübergreifend zu nutzen und dem Anwender so eine sorglose, schnelle und unkomplizierte Arretierung der High-Tech-Kühlhardware zu gewähren. Und so baut auch der Cool-Scraper in der Rev. 2 auf exakt das gleiche Montierverfahren wie sein Vorgänger. Wir haben für unseren Test sowohl die Montagekits, bestehend aus je zwei Montageplatten, für den Intel-Sockel 775 als auch die aktuellen AMD-Pendants geordert.
Nach dem Ausbau der Hauptplatine und dem Entfernen der vorhandenen Serienmodule werden gemäß der beiliegenden, deutschen Installationsanleitung die Montageschrauben von unten durch die Rückplatte und die Mounting-Holes des Motherboards geführt und von oben mit Rändelmuttern fixiert. Dabei verzichtet Noiseblocker unverständlicherweise auf eine Isolierung der Metallmuttern, die direkt auf das PCB geschraubt werden - zur Sicherheit haben wir hauchdünne Plastikscheiben (siehe Markierung im Bild unten) untergelegt, die sowohl eine mechanische als auch elektrische Beschädigung der sensiblen Leiterbahnen vereiteln sollen.



Der Cool-Scraper, dessen Arretierungsaufnahme mit der entsprechenden Metallplatte versehen wurde, wird nun auf die mit Wärmeleitpaste benetzte CPU aufgesetzt und mit weiteren Rändelmuttern fixiert. Dabei ist vor allem auf ein gleichmäßiges Anziehen der Muttern zu achten, damit der Kühler auch wirklich plan auf dem Prozessor aufliegt. Nun kann der Kühler nach Belieben ausgerichtet werden: Ein Novum, welches nur der Cool-Scraper bietet. Volle 360°, um eine optimale Anpassung an den Gehäuseluftstrom zu erreichen. Experimentieren zum Ausloten des besten Setups ist also Pflicht!
Knapp könnte es mit hochbauenden Northbridgekühlern zugehen: In unserem Fall lag die unterste Lamelle des Scrapers bündig auf dem Passiv-Element des MSI-Boards auf - insgesamt unkritisch, höher hätte der NB-Kühler allerdings ebenfalls nicht sein dürfen. Bei der Ausrichtung parallel zum Netzteil ist zudem eine Kollision mit den RAM-Bänken in ungünstigen Fällen nicht gänzlich auszuschließen.
Kühlperformance
Aktiv im offenen System
Wir testen zunächst bei offenliegender Systemkonfiguration und setzen den Cool-Scraper in Relation zu unseren bisherigen Referenzen. Dazu gewähren wir jedem Kühler eine Aufwärmphase von einer halben Stunde, gespickt mit allerlei auslastenden Applikationen. Im Anschluss wird unser Tweakers4u-Toaster 3.0 in Kombination mit einem 3DMark03-Gametest-Loop halbstündig bemüht, die Prozessor- und Systemauslastung auf 100% zu halten. Der Kerntemperatur-Verlauf wird dabei mit der Software Speedfan dokumentiert, die Maximaltemperaturen als Einordnung in den Diagrammen angegeben. Es ist dabei zu beachten, dass Temperaturdifferenzen von ein bis zwei Grad Kelvin durchaus als Messtoleranz angesehen werden können.


- Pentium 4 „Prescott“ 3,4 Extreme Edition
- MSI Combo (Intel 915P) Sockel 775
- Antec NeoPower HE 430 Watt, 80-mm-Lüfter
- Raumtemperatur: ca. 22 °C
- Sapphire Radeon X800 PCIe (by Sapphire)
Zur Ventilation setzen wir auf den Noiseblocker Ultra-Silent-Fan SX1 in der Rev. 1.2, um die Leistungsdifferenzen der einzelnen Kühler herauszufiltern und nicht vom verwendeten Lüfter abhängig zu machen.
Offenes System mit NB SX1 Rev.1.2
Angaben in °C
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Zugegeben, uns war ein gewisses Maß an Enttäuschung anzusehen, als deutlich wurde, dass der neue Cool-Scraper nicht nur den Scythe Ninja ziehen lassen muss, sondern auch knapp hinter seinen Vorgänger zurückfällt. Um die Ergebnisse entsprechend zu untermauern und Anwenderfehler auszuschließen, haben wir mehrere Montagen und Gegentests vorgenommen. Zudem überprüften wir die Leistungen auf einer Athlon-64-Sockel- 939-Plattform, um auch eventuelle Differenzen plattformübergreifend auszuschließen. Die Resultate waren allerdings immer übereinstimmend: Scythe Ninja vor den Noiseblocker-Schwestern, wobei die erste Version des Scrapers immer die Nase hauchdünn in Front behalten konnte.
Allgemein kann man aber festhalten, dass sich der neue Cool-Scraper nach wie vor prima in die sehr eng beieinanderliegende Riege der großformatigen Spitzenkühler eingliedert, ihm nach oben hin aber das letzte Quäntchen Durchschlagskraft fehlt. Auffällig ist zudem, dass die Performance mit sinkender Lüfterdrehzahl stärker nachlässt, als dies bei der Revision 1 der Fall war.
Semi-Passiv im geschlossenen System
Weiterführend überprüfen wir auch die Leistung ohne direkt aufgeschnallten Ventilator, nur erzielt durch einen Frischluft einblasenden Gehäuselüfter (Papst F/2GLL 120 mm). Bei vielen Freunden des leisen PCs ist eine solche semi-passive Konfiguration beliebt, da zumindest auf eine Lärmquelle, den CPU-Lüfter, verzichtet werden kann. Testverfahren und Testsystem entsprechen der bereits erläuterten Prozedur, wobei als Gehäuse ein vollgedämmtes Thermaltake Shark dient. Das verwendete Antec-Netzteil verfügt, vergleichbar mit den beliebten Passiv-Netzteilen, lediglich über minimal beeinflussende Wirkung, da es nur über einen ausblasenden 80-mm-Ventilator verfügt. Die einblasende Aufhängung des Gehäuselüfters wurde gewählt, da sie deutlich bessere Performancewerte erzielte. Ausblasend war ein stabiler Betrieb nicht möglich. Die Air-Stripes am Cool-Scraper wurden natürlich entfernt.
Semipassiv mit Papst F2GLL (1230 Upm)
Angaben in °C
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Auch im eingebauten, horizontalen Betrieb bestätigen sich die Ergebnisse des aktiv ventilierten Durchlaufes auf unserer offenen Plattform. Der deutlich gestiegene Abstand zwischen Lüfter und Kühlkörper verringert nun die Effizienz des Gefüges, sodass wir auf einen 5-Volt-Test verzichten, in welchem keine stabilen Lastszenarien mehr durchführbar waren. Wiederum dominiert der Ninja das Geschehen, während der neue Scraper dem geschrumpften Lamellenabstand Tribut zollen muss und sich erneut leicht hinter seinem Vorgänger einreiht.
NB Ultra-Silent-Fan SX1 Rev. 1.2 im Vergleich
Abschließend wollen wir noch einige Worte zum neuen Noiseblocker-Hauslüfter verlieren, der vom Hersteller natürlich in den höchsten Tönen gelobt wird, uns allerdings während des Testverlaufes einige unschöne Charaktereigenschaften offenbarte. Zunächst wies unser Modell wie beschrieben minimale Störgeräusche neben den normalen Betriebsgeräuschen auf - ein solches Verhalten tritt allerdings bei allen großen Lüfterserien – speziell im unteren Drehzahlbereich – auf und muss daher wohl oder übel verschmerzt werden.
Um herauszufinden, wie der SX1 mit dem Cool-Scraper harmoniert, haben wir kurzerhand noch einen Leistungs-Lautstärkevergleich auf offener Testplattform durchgeführt:
Lüftervergleich im offenen System
Angaben in °C
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In der direkten Gegenüberstellung zum "alten" SX1 zeigte die Revision 1.2 eine etwas geringere Maximaldrehzahl, geht dafür aber auch etwas leiser zu Werke. Der Papst F2GLL verbindet dabei alle drei positiven Eigenschaften: Hoher Luftdurchsatz und damit gute Kühlleistung sowie geringes Betriebsgeräusch. Der Performance-Abstand des SX1 Rev. 1.2 im 12-Volt-Betrieb ist wohl auf die im Toleranzbereich sehr weit unten angesiedelte, geringere Drehzahl zurückzuführen, denn spezifiziert ist der Lüfter wie sein Vorgänger auf 1200 U/min.
Noch markanter wird der Abstand bei gedrosselter Drehzahl im 5-Volt-Modus, in dem der SX1 Rev. 1.2 überdurchschnittlich einbricht und einen scheinbar deutlich geringeren Luftdruck als die Mitbewerber generieren kann. Ebenfalls ärgerlich: Im Gegensatz zum Papst und zur Rev. 1.0 läuft die Rev. 1.2 des Ultra-Silent-Fans nicht selbstständig mit 5-Volt-Betriebsspannung an.
Fazit und Empfehlungen
Die Revision 1.0 des Cool-Scrapers hat Noiseblocker eine schwere Bürde hinterlassen, denn der Kühler war in nahezu allen Lebenslagen ausgesprochen stark. Und somit enttäuscht es zwar ein wenig, verwundert aber bei näherem Hinsehen kaum, dass der neue Scraper die Performancewerte seines Wegbereiters nicht weiter hat steigern können, sondern sich bei aktiver Ventilierung auf etwa gleichem Niveau, bei passiver Mitbelüftung leicht dahinter einpendelt. Sicher war die Reduzierung des Lamellenabstandes trotz Vergrößerung der Kühloberfläche bei der Auslegung auf minimalen Luftumschlag nicht die optimale Wahl.
Nichtsdestotrotz hinterlässt der Noiseblocker Cool-Scraper 120 Rev. 2 ein ausgesprochen positives Bild. Seine Kühlperformance sichert ihm nach wie vor einen absoluten Spitzenrang in der Konkurrenz, seine qualitative Finesse und sein äußeres Erscheinungsbild sind über jeden Zweifel erhaben und seine preisliche Einordnung ist als überaus fair zu bezeichnen. Die Montage ist zwar wiederum nicht sonderlich gut gelungen, eröffnet durch die freie 360°-Drehbarkeit des Kühlkorpus' aber sehr variable Kühlkonzepte. Hinzu kommt, dass der Cool-Scraper sowohl in einer lüfterlosen als auch in der hier getesteten SX1-Variante erhältlich ist und dem Käufer so eine individuelle Grundlage für ein sehr leises, aber dennoch leistungsstarkes Kühlsystem offeriert. Unsere Kaufempfehlung soll ihm daher nicht verwehrt bleiben.



