Einleitung
Kaum ein anderer Hersteller liegt bei den Freunden des leisen und gut gekühlten Desktop-PCs derzeit so hoch im Kurs, wie die japanische Schmiede Scythe. Dieses entgegengebrachte Vertrauen und diese Sympathie zu den fernöstlichen Retail-Produkten resultiert aus der unheimlich gut gewählten Symbiose aus Innovation, Performance, Qualität und Preis, die die Konkurrenten des Kühlermarktes ins Schwitzen bringt. Paradebeispiel des Erfolges ist der Scythe Ninja, der sich seit über einem Jahr an der Spitze der Charts und Empfehlungslisten festsetzen und selbst von den Neuentwicklungen der Mitbewerber, wenn überhaupt, nur schwer in Bedrängnis gebracht werden konnte. Nun nimmt Scythe die Ablöse des Ninja selbst in die Hand und präsentiert mit dem Infinity einen nicht weniger imposanten Kühlkoloss mit 5-fach Heatpipe und 120-mm-Belüftung für alle aktuellen Plattformen, der speziell aktiv ventiliert neue Maßstäbe setzen will.
Lieferumfang
Sicher verpackt in einer nett gestalteten Retail-Kartonage kommt Scythe's neuer Giga-Kühler daher. Mit an Board ist der passende 120-mm-Silentlüfter sowie zwei Drahtbügel zu dessen Fixierung am Kühlkörper. Des weiteren finden sich die zur Montage auf den verschiedenen AMD- und Intel-Sockeln notwendigen Installationsclips, eine bebilderte Kurzanleitung in englischer Sprache sowie ein Tütchen Wärmeleitpaste auf Silikonbasis im Paket.
Technische Daten
- Hybrid-Kühltower im 120-mm-Layout
- Gesamtabmessungen: (L) 125 x (B) 116 x (H) 160 mm
- Überlappende Lamellenstruktur aus 30 Aluminiumfinnen („Infinity Interleave Fin Structure“)
- Lamellendicke: ca. 1 mm, Lamellenabstand: ca. 3 mm
- Efektive Kühloberfläche ca. 4360 cm²
- 5-fach U-Heatpipe Aufbau
- 120-mm-Scythe-Silientlüfter verbaut:
- Model AD1212DS-A7GL(6TCL3)
- Maximal 1200 U/min
- Schalldruck 23,5 dB(A)
- Fördervolumen: 79 m³/h
- Gesamtgewicht: ca. 960 Gramm
- „Versatile Toll-Free Multiplatform System“ für Intel 478 / 775 und AMD 754 / 939 / AM2
- Herstellerhomepage [1]
- Vertrieb und aktuelle Preise [2]
Kühler im Detail
Scythe liefert mit dem Infinity ein wahrhaft beeindruckendes Stück CPU-Kühler ab. Allein der Materialaufwand für den japanischen Mammutkühler, der, den bereits als riesig zu deklarierenden Ninja aus eigenem Hause noch übertreffend, in seiner Größe und seinem Gesamtgewicht von fast einem Kilogramm seinesgleichen am Markt sucht, ist atemberaubend. Für viele potentielle Käufer stellt dabei im Besonderen das Hohe Gewicht, welches sie ihrer CPU respektive ihrem Mainboard nicht zumuten wollen, den Problemfaktor dar. In der Praxis stellt sich dieses allerdings als eher unkritisch heraus, sofern man bei montiertem Kühler - speziell bei der etwas unsichereren Sockel-775-Anbringung - entsprechend behutsam mit seinem Rechenknecht umzugehen weiß.
Trotz seiner wahnwitzigen Dimensionen vermittelt Scythes neuer, diesmal auf einem fünfach-U-Heatpipe basierender Hybrid-Tower-Kühler ein überaus hohes Maß an Filigranität und Materialgüte. Dafür zeichnen sich in erster Linie die 30 hauchdünnen, zur Oberflächenvergrößerung in den vornehmlich ventilierten Seitenbereichen einzigartig überlappend angebrachten Aluminiumlamellen verantwortlich, die abrundend den Firmennamen als Qualitätssiegel tragen. Mit einem Lamellenabstand von etwa 3 mm sollte sich der Infinity bei entsprechendem CPU-Setup zudem auch zum passiven bzw. semi-passiven Kühlbetrieb per Gehäuselüfterventilation eignen.
Wie schon beim Ninja verwirklichen die Japaner auch beim Infinity die Lüfteranbringung per Drahtbügelhalterung. Dabei ist es auch beim Neuling trotz seines eher rechteckigen Layouts möglich, den Ventilator wahlweise an einer der vier Seiten zu fixieren. Da der Lieferumfang des Infinity nur ein Bügelpaar enthält, ist eine Dual-Lüftermontage nicht vorgesehen; sofern der entsprechende Platz im Gehäuse vorhanden ist, aber auch nicht unmöglich. Der Scythe-Support sollte hier für alle Performance-Junkies, die sich die zwei bis drei Grad Kelvin bessere Kühlleistung durch einen zweiten Lüfter nicht entgehen lassen wollen, bei Bedarf mit einem zweiten Drahtbügelpaar aushelfen können.
Einen guten Griff haben die Japaner auch bei der Wahl des mitgelieferten 120-mm-Lüfters getan. Scythe arbeitet jüngst mit verschiedenen Lüfterherstellern zusammen und vertreibt entsprechend würdige, leise Fabrikate unter eigener Flagge. Dieses Zusammenwirken kommt natürlich auch den Abstimmungen der Kühler-Combos zugute, sodass dem Infinity ein bereits bei voller Drehzahl (1200 U/min) angenehm leiser Partner zur Seite steht, der sich bei Bedarf in absolute Silent-Tauglichkeit bei minimalen Lagerlaufgeräuschen verabschiedet.
Montagebesonderheiten
Wie bereits beim Mine-Cooler gesehen, baut auch der Infinity auf das von Scythe entwickelte „Versatile Tool-free Multiplattform System“ zur Montage auf allen aktuellen Prozessorsockeln. Dazu werden die mitgelieferten, spezifischen Clips einfach am Kühlkörper eingerastet - das geht problemlos, schnell und vor allem, ohne Werkzeug. Allerdings lassen sich die robusten Metallclips mitunter etwas schwierig wieder aus ihren Aufnahmen am Kühlkörper entfernen.
Mit einer Bauhöhe von 160 mm ist der Infinity noch einen Zentimeter höher als Ninja und Mine und benötigt damit entsprechend breite Gehäuseformen. Zwischen Mainboardoberfläche und Seitenwand sollten zur uneingeschränkten Kompatibilität daher mindestens 165 mm Freiraum vorhanden sein. Viele Gehäusetypen vereiteln aufgrund dieser Bedingung die Einsetzbarkeit des Infinity bereits im Vorfeld.
Der Montageakt selber wird trotz der Zielstellung, den Kühler bei eingebautem Mainboard montieren zu können, speziell mit dem ungeliebten Push-Pin-System für Intels Sockel 775 zum Gedults- und Fingerspitzengefühls-Spiel. Der aufzubringende Anpressdruck ist zwar moderat, die enorme Abmessung des Infinity, dessen Lamellen die Haltevorrichtungen zum Großteil überdecken, steht allerdings als Hauptproblem im Raum. Im Zweifelsfall ist es daher zu empfehlen, das Mainboard zur angenehmeren Installation des Kühlriesens aus dem Gehäuse zu nehmen oder sich wahlweise mit einem langen, flachen Gengenstand (etwa einem langem Holzlineal) zu behelfen und behutsam die Spreizstifte einzudrücken. Im Allgemeinen würden wir uns aber aus Sicherheitsgründen wieder eine geschraubte Back-Platen-Montage für den Sockel 775 wünschen.
Ob des Platzmangels ähnlich erschwert sieht es auch beim unterstützten Intel Sockel 478 aus, wobei das Einrasten der Klammern ins Retention-Modul bei eingebautem Mainboard nahezu unmöglich erscheint. AMD-Besitzer haben es mit dem Infinity wiederum am einfachsten, denn die 6-Punkt-Klammern, die den Kilokoloss mit schwungvollem Hebelumlegen auf der CPU fixieren, sind je nach Layout auch im Gehäuse noch den Umständen entsprechend bequem zu bedienen.
Testsystem
In Anbetracht der ständig wachsenden thermischen Ansprüche aktueller Prozessoren haben wir unsere Testplattform mit der Zielstellung darauf ausgerichtet, dem allgemeinen Trend folgend eine möglichst leise aber dennoch stark skalierende Komposition zu wählen. Doppelherzstück ist daher ein 3,2 GHz starker Pentium XE 840 mit einer von Intel spezifizierten TDP von 135 Watt. Als weitere Schlüsselkomponente vertrauen wir beim Netzteil auf ein 600 Watt starkes Silverstone Strider ST06F. Für einen unbeeinflussten Testverlauf unter Silent-System-Bedingungen musste allerdings dessen temperaturgeregelter 120-mm-Bodenventilator der Serie einem laufruhigen und leisen Papst F2GLL weichen, der mit konstanten 1200 U/min rotiert. Ein eben solcher werkelt auch ausblasend als einziger Gehäuselüfter im komplett schallgedämmten Thermaltake Shark Fullsize-Aluminiumtower. Alle übrigen Komponenten sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen:
- Intel Pentium XE 840
- Intel D955XBK Mainboard
- 2x 512 MB Corsair CM2X512A-5400UL CL3
- MSI Radeon X850 XT [gekühlt mit Zalman VF-900 @ 5 Volt]
- Western Digital WD1200 [entkoppelt per Zalman ZM-2HC2]
- Silverstone Strider ST06F 600 Watt [mit Papst F2GLL]
- Thermaltake Shark [komplett gedämmt, Papst F2GLL Gehäuselüfter]
- Raumtemperatur 22°C
- Silikonwärmeleitpaste
Zur Bestimmung der jeweiligen Kühlerleistungen wird das System in der Aufwärmphase zunächst zwei Stunden im 3DMark05-Loop ausgelastet. Daran schließt sich eine einstündige Beanspruchungsphase an, in der mit dem in vier Instanzen laufenden Tweakers4u-Toaster besonderes Augenmerk auf die konstant maximale Prozessorauslastung gelegt wird. Die weiterhin zugeschalteten 3DMark05-Gametest-Durchläufe sichern unterdessen eine gleichbleibende Hochbelastung für das komplette System. Zum Abschluss gewähren wir jedem Kühler noch eine Leerlaufphase von einer halben Stunde. Während dieser Szenarien werden die Temperaturverläufe mit der SpeedFan-Software dokumentiert und die Maxima entsprechend von uns zur Bewertung herangezogen. Im Volllastbetrieb verbraucht das System dabei etwa 260 Watt, während im Leerlauf noch eine Leistungsaufnahme von 140 Watt zu verbuchen ist.
Die Messung der Lautstärke erfolgt derweil im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft 320 Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich. Zur besseren Übersichtlichkeit fließen die Angaben zur Lüfterlautstärke nun mit in die Temperaturdiagramme ein. Zu beachten gilt, dass die aufgeführten Temperaturen und Verhältnisse lediglich als Richtwert dienen und je nach Systemsetup teils deutlich variieren können.
Performancevergleich
CPU-Kühler im Performancevergleich
Angaben in °C
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Der Scythe Infinity präsentiert sich als neuer Spitzenreiter unserer Gegenüberstellung. Zwar hält der Zalman CNPS 9700 noch die Top-Marke, erkauft sich seinen knappen Vorsprung aber mit deutlich größerem Lärmaufkommen. Der Japaner ist mit seinem Serienlüfter allerdings bereits bei voller Drehzahl kaum noch zu hören und setzt sich in der Relation mit etwa 4 Kelvin Differenz vor die Kontrahenten von Zalman, Thermalright und den Ninja aus eigenem Hause. Damit macht der Infinity eindrucksvoll deutlich, wer aktuell das Zepter in der Hand hält.
Semi-Passivbetrieb
Ergänzend zu den Ergebnissen im aktiv ventilierten Betrieb sollen uns auch die semi-passiven Eigenschaften des Infinity interessieren. Semi-passiv bedeutet in unserem Fall, dass kein Lüfter direkt am Kühlkörper installiert wird, sondern lediglich der rückwärtig ausblasende Gehäuselüfter sowie der im Netzteil verbaute Ventilator für zirkulierende Luft sorgen. Eine solche Betriebsform kann unter Umständen eine ganz attraktive Option darstellen, wenn es um möglichst leise Systemkonfigurationen, optimalerweise auf der Basis von äußerst energiesparenden Einzelkomponenten, geht, da jeder zusätzliche Lüfter im System selbst bei identischen Drehzahlen als störende Lärmquelle fungiert.
Bauartbedingt empfehlen sich in solchen Fällen vornehmlich Prozessorkühler im senkrecht aufgestellten Tower-Format, da diese den Gehäuseluftstrom zumeist sehr direkt erfahren und nutzen. Des weiteren hat die Praxis gezeigt, dass ein größerer Lamellenabstand im semi-passiven Modus meist bessere Ergebnisse nach sich zieht, als eine möglichst große Kühloberfläche. Damit werden die Karten hierbei völlig neu gemischt, sodass die Kühlresultate aus den aktiven Betrachtungen keineswegs blind übertragbar sind.
Um die Leistung des Infinity einordnen zu können, stellen wir ihm die aktuellen Kühler aus eigenem Haus entgegen. Darunter natürlich auch der Scythe Ninja, der sich in der Vergangenheit [3] in dieser Disziplin die Krone sichern konnte, aktiv ventiliert allerdings dem Infinity den Vortritt lassen muss.
Semi-passiv-Betrieb (mit Papst F2GLL Gehäuselüfter)
Angaben in °C
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Der semi-passive Modus selektiert sehr stark, sodass sich uns ein weit gestreutes Bild zeigt, welches erwartungsgemäß den Ninja als geeignetsten Kühler hervorbringt. Der Infinity hält zwar bei maximaler Drehzahl des Gehäuselüfters noch den Anschluss, kommt aber bei 5-Volt-Drosselung mit dem schwachen Luftstrom überhaupt nicht mehr aus. Der Scythe Mine als Vertreter der kompakteren Bauarten ist aufgrund seiner eng stehenden Lamellen von Grund auf kaum auf die Bedürfnisse des semi-passiven Betriebs ausgelegt, sodass wir vollkommen auf die 5-Volt-Messungen verzichten mussten.
Wir werden diese Leistungsübersicht natürlich in späteren Veröffentlichungen um die Mitbewerber ergänzen, sofern potente Neuentwicklungen aus den Konkurrenzlagern zum Test bereitstehen. Wer allerdings ein System mit semi-passiver Kühlform, etwa einen leisen Ein-Lüfter-PC, realisieren möchte, ist mit dem Scythe Ninja derzeit sehr gut beraten.
Fazit
Da können die Mitbewerber nur staunend zusehen: Binnen 15 Monaten hat sich die japanische, ehemals auf passive Kühlkomponenten spezialisierte Schmiede Scythe vom Hinterbänkler zum Souverän des Prozessorkühler-Marktes gemausert und düpiert nun, eine mehr als würdige Ablöse des Ninja findend, mit dem Infinity abermals die konkurrierende Elite. Dabei besticht der neue Giga-Kühler nicht nur in spezifischen Eckpunkten, sondern in nahezu allen Disziplinen und hinterlässt so ein absolut homogenes Gesamtbild von einem beinahe makellosen CPU-Kühler.
Die Kühlleistung des neuen 5-Heatpipe-Riesen ist atemberaubend und selbst bei geringem Luftstrom für alle aktuellen Chips ausreichend, die Lautstärke des mitgelieferten 120-mm-Lüfters überzeugt und ist spätestens im getrimmten Betrieb als absolut silent-tauglich einzustufen. Über jeden Zweifel erhaben präsentiert sich derweil auch die pikfeine, qualitative Umsetzung des Gebotenen und schnürt zusammen mit einem nahezu unschlagbaren Infinity-Preis von unter 40 Euro ein Gesamtpaket, das der Konkurrenz kaum noch Luft zum Atmen lässt. Lediglich die Montage des Kolosses könnte je nach Systemvoraussetzungen Probleme bereiten. Zunächst baut der Infinity mit 160 mm extrem hoch und bedingt damit einen sehr großen Abstand zwischen Mainboard und Gehäuseseite von mindestens 165 mm. Weiterhin lässt das ausladende Design trotz „VTMS“-Clipsystem unter Umständen Schwierigkeiten bei der Sockelmontage, speziell mit den nervigen Intel-775-Push-Pins, aufkommen - hier läge unsere Präferenz nach wie vor auf einer verschraubenden Back-Plate-Lösung.

Insgesamt bietet sich uns mit dem Scythe Infinity, je nach Anwendungsbereich, einer der aktuell komplettesten Prozessorkühler des Marktes, der neben seinem hervorragendem Leistungs-Lärmcharakter auch mit einem bestechenden Preis-Leistungsgefüge aufwarten kann und sich dementsprechend unsere Redaktionsempfehlung in Form unseres Hardware-Hammers redlich verdient hat. Käuflich erworben werden kann das Scythe-Sahnestück beispielsweise im Onlineshop von Caseking [4].















