Einleitung
Zalmans große, erfolgreiche Zeiten am CPU-Kühlermarkt liegen zweifelsfrei schon einige Jahre zurück. Damals war es ein gewisser CNPS 7000 Cu [1], der die noch recht raren Kontrahenten düpierte und die Schar der bastelwütigen und übertaktungsfreudigen PC-Fanatiker in zwei Lager teilte. In jene, die ihre bis zum Anschlag getakteten Chips weiter mit ohrenbetäubenden Delta-Turbinen kühlen wollten und jene, die erkannten, dass es mit Zalmans neuem Wunderkühler auch leiser und trotzdem kühl geht. Heute nimmt im Alltag niemand mehr die Strapazen eines Delta-Lüfters auf sich, denn leise ist im Umgang mit dem Rechenknecht längst zur Philosophie geworden. Basierend auf dieser Entwicklung genießt Zalman nach wie vor einen hervorragenden Ruf und steht für viele noch immer als Inbegriff für leises und gutes Prozessorkühlen, ohne angesichts der über die Jahre stark angewachsenen Konkurrenz wirklich neue Glanzlichter gesetzt haben zu können.
Lediglich der vor einem Jahr vorgestellte CNPS 9500 [2] hatte ob seines außergewöhnlichen Designs das Potential, die glorreiche Zalman-Zeit wieder aufblühen zu lassen, blieb aber hinter den allgemeinen Erwartungen zurück und war insgesamt nicht in der Lage, sich dauerhaft an der Spitze der Kühlercharts zu etablieren. Heute startet Zalman einen erneuten Anlauf und präsentiert den CNPS 9700 LED - den großen Bruder des CNPS 9500 mit größerem Layout und 110-mm-Belüftung. Wir sind gespannt, ob damit die Rückkehr an die Kühlspitze möglich ist.
Die Bereitstellung des Kühlers erfolgte dankenswerterweise durch Alternate.de [3]. Der CNPS 9700 LED wird im Online-Shop ab Oktober für 69 Euro zu erstehen sein.
Lieferumfang
Gewohntermaßen erhält der Zalman-Kunde mit dem Kühlerkauf ein wahres Rundum-Sorglos-Paket, das keine Wünsche offen lässt. Neben dem CNPS 9700 LED befinden sich die obligatorischen Montageutensilien inklusive -Anleitung (leider ohne deutsche Sprachfassung), die praktische Minilüftersteuerung Fan Mate 2 sowie ein Fläschchen der neuen Zalman ZM-STG1 Wärmeleitpaste in der nett gestalteten Kartonage. Als Zeichen der persönlichen Verbundenheit mit dem koreanischen Konzern darf man sich obendrein noch den beiliegenden Zalman-Sticker an die Gehäusefront heften.
Technische Daten
- Material: Kupferbodenplatte, Kupferlamellen
- Dreifach-6-mm-Heatpipekonstruktion
- Maße: (L) 90 x (B) 124 x (H) 142 mm
- Superdünne Lamellen: 0,2 mm
- Effektive Kühloberfläche: 5490 cm²
- Gewicht komplett: ca. 764 g
- Integrierter 110-mm-LED-Lüfter (blau)
- Drehzahl:1250 bis 2800 U/min
- Geräuschentwicklung: 19,5 bis 35 dB(A)
- Ohne CPU-Freigabeeinschränkungen
- für AMD Sockel 939 / 940 / 754 / AM2 per Klammer
- für Intel Sockel 775 per Mainboardverschraubung
- Herstellerhomepage [4]
- Vertrieb und aktuelle Preise [2] (ab Oktober 2006)
Kühler im Detail
Beim Kühlerdesign hat sich Zalman nicht auf Experimente eingelassen und übernimmt die spektakulären Formen des kleineren Bruders. Zu den prägnantesten Merkmalen gehören dabei die drei 8-förmig gebogenen 6-mm-Heatpipes, welche die insgesamt 125 aufgelöteten Kupferlamellen tragen und dadurch einen Lamellenfächer-Lufttunnel erzeugen, der einseitig vom neuen 110-mm-Zalman-Rotor ventiliert wird.
Die qualitative Güte des Kühlers ist dem hohen Preis entsprechend atemberaubend gut. Das Kupfer blitzt in seiner unwiderstehlichen Rotbräune und verliert seinen Glanz aus Erfahrung mit dem CNPS 9500 auch nicht bereits nach einigen Wochen. Die Lamellen überzeugen mit ihrem hauchdünnen 0,2-mm-Schnitt und der transparente Blue-LED-Lüfter fügt sich nahtlos in die stimmige Optik ein, die auch ein Jahr nach ihrer Vorstellung beim kleineren 92-mm-Pendant nichts an ihrer Außergewöhnlichkeit verloren hat.
Um eine gewisse Flexibilität bei der Lautstärke und Leistungsentfaltung des CNPS 9700 zu gewährleisten, stellt Zalman seinem Kühler mit der Fan Mate 2 eine praktische Mini-Lüftersteuerung zur Seite, die aufgrund der durchdachten Kabelführung problemlos am Gehäuseäußeren angebracht werden kann und stufenlos zwischen fünf und elf Volt ausgibt.
Montagebesonderheiten
Zalman macht sein neues Flaggschiff von Werk aus nur noch für die aktuellen Sockel fit und zeigt – dem allgemeinen Trend nachgehend – dem Sockel 478 die kalte Schulter. Somit liegen dem Lieferumfang nur noch entsprechende Kits für den Intel-Sockel 775 sowie die AMD-Systeme auf 754-, 939-, 940- und AM2-Basis bei. Besitzer letzterer profitieren wie sooft vom sinnvollen Serien-Retention-Modul der AMD-Plattformen und können ohne Mainboard-Ausbau zu Werke gehen. Dazu muss lediglich der AMD-spezifische Haltebügel ins Kühlerlayout gefädelt und entsprechend der Ösenfixierung eingehakt werden.
Glücklicherweise verschont Zalman die Intel-Besitzer vor der gefürchteten Spreizstiftplage und spendiert auch dem CNPS 9700 das aus den vorherigen CNPS-Kühlerserien bekannte Nachrüst-Befestigungsmodul für den Sockel 775. Für dessen Anbringung ist zwar der Ausbau der Hauptplatine aus dem Gehäuse unumgänglich, dafür erhält man eine sichere, stabile und langlebige Montage, die ohne große Kraftanwendung zu vollziehen und in jedem Fall Intels Push-Pin-System vorzuziehen ist.
Im Übrigen ist der CNPS 9700 auf allen unterstützten Sockeln frei ausrichtbar. Sinnvoll sind je nach Gehäuseausstattung und -Belüftung allerdings nur die Modi mit Blasrichtung zur Gehäuserückwand oder zum Netzteillüfter, wobei ersterer in der Regel bessere Ergebnisse liefert. Hinsichtlich der Gehäusekompatibilität sollte aufgrund der Bauhöhe des Kühlers unbedingt darauf geachtet werden, dass zwischen Mainboard und Seitenwand mindestens 150 mm Freiraum besteht.
Testsystem
In Anbetracht der ständig wachsenden thermischen Ansprüche aktueller Prozessoren haben wir unsere Testplattform mit der Zielstellung darauf ausgerichtet, dem allgemeinen Trend folgend eine möglichst leise aber dennoch stark skalierende Komposition zu wählen. Doppelherzstück ist daher ein 3,2 GHz starker Pentium XE 840 mit einer von Intel spezifizierten TDP von 135 Watt. Als weitere Schlüsselkomponente vertrauen wir beim Netzteil auf ein 600 Watt starkes Silverstone Strider ST06F. Für einen unbeeinflussten Testverlauf unter Silent-System-Bedingungen musste allerdings dessen temperaturgeregelter 120-mm-Bodenventilator der Serie einem laufruhigen und leisen Papst F2GLL weichen, der mit konstanten 1200 U/min rotiert. Ein eben solcher werkelt auch ausblasend als einziger Gehäuselüfter im komplett schallgedämmten Thermaltake Shark Fullsize-Aluminiumtower. Alle übrigen Komponenten sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen:
- Intel Pentium XE 840
- Intel D955XBK Mainboard
- 2x 512 MB Corsair CM2X512A-5400UL CL3
- MSI Radeon X850 XT [gekühlt mit Zalman VF-900 @ 5 Volt]
- Western Digital WD1200 [entkoppelt per Zalman ZM-2HC2]
- Silverstone Strider ST06F 600 Watt [mit Papst F2GLL]
- Thermaltake Shark [komplett gedämmt, Papst F2GLL Gehäuselüfter]
- Raumtemperatur 22°C
- Silikonwärmeleitpaste
Zur Bestimmung der jeweiligen Kühlerleistungen wird das System in der Aufwärmphase zunächst zwei Stunden im 3D-Mark-05-Loop ausgelastet. Daran schließt sich eine einstündige Beanspruchungsphase an, in der mit dem in vier Instanzen laufenden Tweakers4u-Toaster besonderes Augenmerk auf die konstant maximale Prozessorauslastung gelegt wird. Die weiterhin zugeschalteten 3D-Mark-05-Gametest-Durchläufe sichern unterdessen eine gleichbleibene Hochbelastung für das komplette System. Zum Abschluss gewähren wir jedem Kühler noch eine Leerlaufphase von einer halben Stunde. Während dieser Szenarien werden die Temperaturverläufe mit der SpeedFan-Software dokumentiert und die Maxima entsprechend von uns zur Bewertung herangezogen. Im Volllastbetrieb verbraucht das System dabei etwa 260 Watt, während im Leerlauf noch eine Leistungsaufnahme von 140 Watt zu verbuchen ist.
Die Messung der Lautstärke erfolgt derweil im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft 320 Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Scala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich. Zur besseren Übersichtlichkeit fließen die Angaben zur Lüfterlautstärke nun mit in die Temperaturdiagramme ein. Zu beachten gilt, dass die aufgeführten Temperaturen und Verhältnisse lediglich als Richtwert dienen und je nach Systemsetup teils deutlich variieren können.
Performancevergleich
CPU-Kühler im Performancevergleich
Angaben in °C
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Bei voller Drehzahl setzt sich der große Zalman an die Spitze unseres Rankings, erkauft sich diesen Ruhm aber mit einem Arbeitsgeräusch, welches mit seinem starken Luftumschlag deutlich über der erträglichen Grenze liegt. Mit gedrosselter Drehzahl und angenehmem Betriebsgeräusch erfreut uns der CNPS 9700 mit einem Kühlcharakter auf der Höhe der aktuellen Referenzen. Im Vergleich zum kleineren Bruder ist die Steigerung durch das üppigere Kühlerlayout erstaunlich. Eine absolute „Unhörbarkeit“ kann dem neuen Koreaner allerdings nicht bescheinigt werden. Ein leichtes Lagerrasseln im getrimmten Modus und durch das Design geförderte Luftverwirbelungen vereiteln die Vergabe des beliebten Silent-Prädikats.
Zalman Wärmeleitpaste
Erstmalig liefert Zalman eine eigene „Hochleistungswärmeleitpaste“ im Bundle mit seinen Kühlern aus. Dabei handelt es sich bei der „ZM-STG1“ um ein nicht aushärtendes, elektrisch nicht leitendes Wärmeleitmedium, dessen Wärmeleitwert mit spezifizierten 4 W/mK nur unwesentlich über dem herkömmlicher Silikon- (2,8 W/mK) und deutlich unter dem der umstrittenen Liquid-Pro-Flüssigmetall-Paste [5] (80 W/mK) liegt. Dennoch verspricht Zalman eine deutliche Leistungsverbesserung durch die Verwendung der hauseigenen Paste, die wir natürlich hinterfragen wollen.
Als erste positive Eigenschaft ist zunächst die Dosier- und Verteilbarkeit der in einem kleinen Nagellack-Fläschchen daherkommenden Wärmeleitpaste zu nennen. Mit angegebenen 3,5 Gramm Inhalt ist die Liefermenge etwa für zehn Anwendungen ausreichend, wenngleich ein restloses Ausleeren des Fläschchens mit dem im Deckel integrierten Pinsel nahezu unmöglich erscheint.
Wir haben die Zalman-Paste im Kurztest mit dem CNPS 9700 gegen herkömmliche Silmore-Silikonpaste, die wir aus ökonomischen Gründen auch in unseren Kühlertests verwenden, sowie gegen die beliebte Arctic-Silver V antreten lassen, um Anhaltspunkte über die Qualität des mitgelieferten Mediums zu erhalten. Beachtet werden muss, dass der Hersteller eine etwa siebentägige Betriebsdauer angibt, bis die ZM-STG1 ihre endgültige Leistungsfähigkeit entfaltet - eine Eigenschaft, die wir in unserem Kurztest vernachlässigen müssen.
WLP-Vergleich mit Zalman CNPS 9700
Angaben in °C
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Wenngleich sich die erzielten Ergebnisse typischerweise nahe des Messtoleranzbereiches bewegen, kann die ZM-STG1 tendenziell mit den besten Resultaten aufwarten. Ob der marginale Ergebnisunterschied die preisliche Differenz zwischen den einzelnen Pasten allerdings rechtfertigt, bleibt Geschmackssache. Schließlich schlägt das auch einzeln erhältliche [6] Zalman-Gebräu mit fast 2 Euro pro Gramm zu Buche, während ein Gramm Silikonwärmeleitpaste schon für etwa 55 Cent zu erstehen ist. Arctic-Silver V kostet mit 2,20 Euro pro Gramm dagegen noch etwas mehr.
Fazit
Mit dem CNPS 9700 LED gelingt es Zalman, sich wieder an die zeitweise deutlich davon geeilte Konkurrenz heran zu pirschen. Der Kühler ist mit seiner sehr hohen Leistung in der Lage, alle am Markt befindlichen Prozessoren auch bei geringeren Drehzahlen adäquat mit Frischluft zu versorgen und zeigt genügend Reserven für zukünftige Aufgaben. Leider lässt sich der verbaute 110-mm-Lüfter nicht in Drehzahlregionen unter die für Freunde des „Super-Silent-PCs“ magische 1000 U/min-Marke dimmen, sodass ein absolut geräuschloses Kühlen mit Zalmans neuem Fächer-Riesen nicht möglich ist - das Gros der Anwenderschaft wird aber mit dem „Silent-Mode“ des CNPS 9700 LED uneingeschränk zufrieden sein.
Insgesamt überzeugt das von den Koreanern geschnürte Gesamtpaket neben den überaus positiven, ergonomischen Eckpunkten Materialqualität, Verarbeitung, Montagecharakter auf allen unterstützen Plattformen und optische Ausgefallenheit auch in der Hochwertigkeit der Zugaben: Mit der „ZM-STG1“ erhält man eine weit über dem üblichen Standard angesiedelte Wärmeleitpaste, während die „Fan Mate 2“ als Mini-Lüftersteuerung gute Dienste verrichtet.
Bleibt letztendlich nur der Preis, der mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 69 Euro zum Verkaufsstart Zalman-typisch recht hoch angesiedelt ist. Im Laufe der Marktpräsenz des CNPS 9700 LED sollte dieser aber noch auf ein erträgliches Maß fallen, wenngleich die starke Konkurrenz von Scythe und Co. immer deutlich erschwinglicher sein wird. Nichts desto trotz erhält der CNPS 9700 LED von uns eine klare Kaufempfehlung, nicht nur für Zalman-Liebhaber. Der Kühler wird ab Oktober bei Alternate [2] erhältlich sein.
















