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Test: Coolermaster Gemin II

von Martin Eckardt

Einleitung

„Nicht die Größe, sondern die Technik ist entscheidend!“ Ein Slogan, der in einigen Bereichen des Lebens durchaus häufiger seine Anwendung findet, scheint bei CPU-Kühlen nur in Ansätzen zu greifen. Denn betrachtet man die Produktentwicklungen der letzten Jahre, so sind die erfolgreichsten Machwerke der etablierten Kühlerhersteller zumeist eins: Verdammt groß! Während sich technisch seit dem Siegeszug der Heatpipe, im Desktop-Bereich Anfang 2002 eingeleitet durch den Coolermaster HHC-001, nicht mehr viel Bahnbrechendes ereignet zu haben scheint, standardisierten sich sukzessive 80-, 92- und mittlerweile sogar 120-mm-Kühlerlayouts mit entsprechenden Lüftern. Gerade Kühler letztgenannter Ausstattungsgarde rangieren mit ihrer wahnwitzigen Größe und ihrem enormen Gewicht bisweilen stark an der Grenze des Verträglichen. Kompatibilitätsprobleme mit Gehäuse und Mainboard sowie komplizierte Montageprozeduren stehen bei diesen Kühlmonstern auf der Tagesordnung.

Coolermaster Gemin II
Coolermaster Gemin II

Unbehelligt von diesen Umständen schickt sich wiederum Coolermaster an, dem Größenwahn die Krone aufzusetzen und präsentiert mit dem Gemin II einen Kühlboliden, der bei herkömmlicher Bauart auf die Belüftung durch zwei 120-mm-Ventilatoren setzt und damit, abseits der in vielen Fällen zumindest optional dual belüftbaren Towerkühler, ein neues - sicherlich nicht massentaugliches - Kapitel der Prozessorkühlgeschichte schreibt. ComputerBase hat sich Coolermasters Neuling im Rahmen eines Einzeltests in bekannter Manier zur Brust genommen und klärt auf, inwieweit sich das Konzept als potent und sinnvoll erweist.

Lieferumfang

Coolermaster Gemin II Lieferumfang
Coolermaster Gemin II Lieferumfang

Knapp 40 Euro [1] muss der Kunde auf den Ladentisch legen, um in den Genuss des nackten Gemin-II-Mammutkühlers zu kommen. Die beiden 120-mm-Lüfter müssen zusätzlich erworben werden und schlagen je nach Qualität noch einmal mit zehn bis 30 Euro zu Buche. Indes beinhaltet die nett gestaltete Verpackungskartonage neben dem Kühler lediglich die Montageutensilien nebst mehrsprachiger Installationsanleitung sowie eine Spritze sehr zähflüssiger Coolermaster-Wärmeleitpaste.

Technische Daten

Kühler im Detail

Wir haben uns inzwischen an sehr große Prozessorkühler gewöhnt; das 120-mm-Kühlerlayout gilt nun schon seit zwei Jahren als salonfähig und hat längst die kleineren Formate ins Abseits verdrängt. Insbesondere dann, wenn es um die Realisierung möglichst leiser, aber dennoch leistungsstarker Konzepte geht. Und so erscheint uns auch der Gemin II ob seiner lüfterlosen Abmessungen von 175 x 124,6 x 81,5 mm und seinem Gewicht von knapp 850 Gramm als gar nicht so außergewöhnlich groß. Tatsächlich sind es nur 25 Millimeter, die den neuen Coolermaster beispielsweise in der Länge vom Thermalright SI-128 [4] unterscheiden.

Sechsfach Heatpipe
Sechsfach Heatpipe
Wellenformlamellen
Wellenformlamellen
Wirkt wie verlängert: Alleine stehen kann er nicht
Wirkt wie verlängert: Alleine stehen kann er nicht

In der Seitenansicht wirkt der hybride Kühler, als hätte man ihn nachträglich verlängert und im gleichen Atemzug seines Standvermögens beraubt. Schwungvolle Leichtmetalllamellenverläufe, eine massive 12-mm-Kupferbodenplatte und der protzige Einsatz von sechs 6-mm-Heatpipes kennzeichnen den Auftritt des Gemin II. Dabei hält man stets qualitativ hochwertiges Geschütz in der Hand, wenngleich sich die größtenteils unbehandelten Metalloberflächen sehr oxidierfreudig zeigen.

Doppelte Lüfteraufnahme
Doppelte Lüfteraufnahme
Coolermaster Gemin II
Coolermaster Gemin II
Coolermaster Gemin II
Coolermaster Gemin II

Wirklich spannend wird's mit dem Gemin II erst, wenn es um die Belüftung geht. Damit beide 120-mm-Ventilatoren auf dem Kühlkörper platziert werden können, liegen dem Lieferumfang zwei Metallbügel bei, die zunächst mit vier kleinen Schrauben fixiert werden wollen. Aufgrund der breiten Löcher ist diese Platzierung relativ variabel, sodass die Ausrichtung der Lüfter je nach Gehäuselayout und Platzbedingungen längs verschoben werden kann. Der daraus resultierende Überstand der Lüfter, deren erzeugter Luftstrom nicht wirklich zur Prozessorkühlung beitragen kann, wird von Coolermaster als Feature angepriesen: „Erstmalig wurde ein CPU-Kühler entwickelt, der nicht nur ausschließlich für die Kühlung des Hauptprozessors geeignet ist, sondern auch alle auf dem Mainboard befindlichen Komponenten inklusive Chipsatz, Arbeitsspeichermodule sowie Grafikkarten unterstützend mit Frischluft versorgt und so erheblich zu höherer Stabilität und Lebensdauer des kompletten Systems beitragen kann.“ Aus der Not hat man also eine Tugend gemacht, die ihren praktischen Nutzen erst noch unter Beweis stellen muss.

Metallbügel zur variablen Lüftermontage
Metallbügel zur variablen Lüftermontage
Mühsame Lüfterbefestigung per Grobgewindeschrauben
Mühsame Lüfterbefestigung per Grobgewindeschrauben
High-End-Cooling 2001 vs. 2007: 60 mm Alpha Pal 6035 und 2 x 120 mm CM Gemin II
High-End-Cooling 2001 vs. 2007: 60 mm Alpha Pal 6035 und 2 x 120 mm CM Gemin II

Als ausgesprochen mühsam kann muss die Fixierung der Lüfter an den Metallbügeln eingestuft werden. Insgesamt acht grobgewindrige Gehäuselüfterschrauben wollen in den Kunststoffrahmen der Lüfter versenkt werden – ein zeit- und kraftraubender Akt. Hier hätte man sich seitens Coolermaster eine leichter zu bewerkstelligende Methode ausdenken sollen.

Montagebesonderheiten

Montiert werden kann der Coolermaster-Spross grundsätzlich auf allen Intel Sockel 775 sowie AMD Sockel 754 / 939 / 940 und AM2-Plattformen. Allerdings ist ob der enormen Größe der Konstruktion eine Kompatibilitätsabsicherung des eigenen Mainboards und vor allem des eigenen Gehäuses nicht zu unterschätzen. Leider bietet Coolermaster selber keine entsprechend gepflegten Listen an, sodass in diesem Punkt wohl wieder die Eigenregie der Kundschaft gefragt ist.

Montagemodul für Intel Sockel 775
Montagemodul für Intel Sockel 775
Überragt RAM-Bänke
Überragt RAM-Bänke
Und teilweise Chipsatzkühler
Und teilweise Chipsatzkühler

Der Gemin II wird, bedingt durch seine Größe und sein Gewicht, direkt mit dem Mainboard verschraubt. Dabei greift Coolermaster auf die Technik zurück, die bereits beim „Mars [5]“ zum Einsatz kam. Zunächst muss die Bodenplatte des Kühlers um die sockelspezifische Metallfassung ergänzt werden. Danach kann er im Intel-Fall direkt auf die CPU aufgesetzt und auf der Mainboardrückseite vierfach fixiert werden. Bei AMD-Systemen erfolgt die Verschraubung ebenfalls von unten, während eine gut isolierte Metallrückplatte für den nötigen Halt sorgt. Beide Prozeduren sind grundlegend ähnlich selbsterklärend und werden in der mehrsprachigen Anleitung brauchbar dargestellt. Sie bedingen allerdings den lästigen Ausbau der Hauptplatine und im AMD-Fall das Entfernen der vorhandenen Standard-Retention-Kits.

Komplett montiert, keine Mainboardinkompatibilitäten in Sicht
Komplett montiert, keine Mainboardinkompatibilitäten in Sicht
Dual-Noiseblocker-SX2-Bestückung
Dual-Noiseblocker-SX2-Bestückung
Kaum noch Platz im nicht gerade kleinen TT Shark
Kaum noch Platz im nicht gerade kleinen TT Shark

Das bereits mühevoll an den Haltebügeln verschraubte Lüfterduo wird aus Platz- und Handlungsgründen erst aufgesetzt, wenn Mainboard inklusive Gemin-II-Kühlkörper wieder im Gehäuse verstaut wurden, denn erst dann kann die richtige Ausrichtung im System vorgenommen werden. Ab diesem Punkt wird es auch im geräumigsten Gehäuse knackig eng, speziell wenn sich verlegte Kabelstränge und verbaute Gehäuselüfter nicht auf Anhieb mit dem neuen, 24 cm breiten Spielgefährten anfreunden möchten. Ein Blick auf unser Montagebeispiel im Thermaltake Shark verdeutlicht dann auch schnell, dass die Grenzen des Machbaren und vor allem des Sinnvollen erreicht sind – eine klar definierte Luftstromführung im Gehäuse, initiiert vom rückwandig montierten Gehäuse- sowie vom Netzteillüfter, wird durch die quirlenden Prozessorlüfter vereitelt. Hinzu kommt, dass der Gehäuselüfter sehr in seiner Wirksamkeit eingeschränkt wird, da das Gemin-II-Lüfterduo nahezu direkt mit ihm abschließt.

Testsystem

Auch im Jahr 2007 bleibt unser Kühlertestsystem zunächst unangetastet, denn trotz neuer Core-2-Duo-Prozessoren hat sich der 3,2 GHz starke Pentium XE 840 mit einer von Intel spezifizierten TDP von 135 Watt als gut skalierende Doppelherz-CPU etabliert. Als weitere Schlüsselkomponente unseres auf den möglichst leisen, aber dennoch gut gekühlten Betrieb ausgerichteten Systems vertrauen wir beim Netzteil auf ein 600 Watt starkes Silverstone Strider ST06F. Für einen unbeeinflussten Testverlauf unter Silent-System-Bedingungen musste allerdings dessen temperaturgeregelter 120-mm-Bodenventilator der Serie einem laufruhigen und leisen Papst F2GLL weichen, der mit konstanten 1200 U/min rotiert. Ein eben solcher werkelt auch ausblasend als einziger Gehäuselüfter im komplett schallgedämmten Thermaltake Shark Fullsize-Aluminiumtower. Alle übrigen Komponenten sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen:

Kühlertestsystem im TT Shark
Kühlertestsystem im TT Shark
Dual-Core Heizkraftwerk Pentium XE 840 auf Intel D955XBK
Dual-Core Heizkraftwerk Pentium XE 840 auf Intel D955XBK

Zur Bestimmung der jeweiligen Kühlerleistungen wird das System in der Aufwärmphase zunächst zwei Stunden im 3DMark05-Loop ausgelastet. Daran schließt sich eine einstündige Beanspruchungsphase an, in der mit dem in vier Instanzen laufenden Tweakers4u-Toaster besonderes Augenmerk auf die konstant maximale Prozessorauslastung gelegt wird. Die weiterhin zugeschalteten 3DMark05-Gametest-Durchläufe sichern unterdessen eine gleichbleibende Hochbelastung für das komplette System. Zum Abschluss gewähren wir jedem Kühler noch eine Leerlaufphase von einer halben Stunde. Während dieser Szenarien werden die Temperaturverläufe mit der SpeedFan-Software dokumentiert und die Maxima entsprechend von uns zur Bewertung herangezogen. Im Volllastbetrieb verbraucht das System dabei etwa 260 Watt, während im Leerlauf noch eine Leistungsaufnahme von 140 Watt zu verbuchen ist.

Achtung! Die Temperatur-Messergebnisse sind mitunter recht stark an die verwendete Testplattform geknüpft und können je nach Konfiguration erheblich abweichen. Sie sollten nur als Orientierung und grobe Tendenz, nicht allerdings als absolut angesehen werden.

Die Messung der Lautstärke erfolgt derweil im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft 320 Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich. Zur besseren Übersichtlichkeit fließen die Angaben zur Lüfterlautstärke mit in die Temperaturdiagramme ein.

Performancevergleich

Unsere Kühlercharts wurden im Laufe der vergangenen Testmonate immer unübersichtlicher und beinhalteten für ihre Ausmaß zu wenige Informationen. Diesem Umstand wollen wir ab sofort beikommen und beginnen mit dem heutigen Test neue Charts in tabellarischer Form, die neben den Prozessortemperaturen und Schalldruckwerten eine Fülle weiterer Messergebnisse beinhalten und so unter Umständen noch bessere Einschätzungen des jeweiligen Kühlers zulassen. Der Coolermaster Gemin II, bestückt mit zwei Noiseblocker-SX2-Lüftern, macht den Anfang, wobei der beliebte Scythe Ninja und Zalmans bärenstarker CNPS 9700 CU als Referenzen zur Debatte stehen. Unsere alten Kühlercharts, die aufgrund kleinerer Veränderungen am Testsystem zum Teil mit gewissem Toleranzbewusstsein genossen werden sollten, sind hier [6] zu finden.

Messergebnisse in der Gegenüberstellung
Messergebnisse in der Gegenüberstellung

Die Kühlleistung des Gemin II kann sich im Dualbetrieb bei leicht erhöhter Lautstärke gegenüber dem Einzellüfter für einen Kühler dieser Bauart durchaus sehen lassen. Der Thronstoß der aktuellen Spitzenkühler im Towerformat gelingt aber auch dem Coolermaster-Mammut, der speziell bei gedrosselten Drehzahlen im Quervergleich deutlich mehr Reserven einbüßt, mit unserem Testsetup nicht. Hingegen fällt die mitbelüftende Wirkung der umliegenden Bauteile schwächer aus, als ursprünglich erwartet. Lediglich der direkt im Wind stehende RAM wird gut gekühlt, die Chipsatztemperatur pendelt sich derweil nur auf Höhe der Referenzen ein. Eine Tatsache, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch die spürbar stärkere Gehäuseerwärmung zu begründen ist.

Fazit

Coolermaster präsentiert mit dem Gemin II einen interessanten, insgesamt aber nicht ganz problemlosen Kühler mit hoher Leistungsfähigkeit und gutem, qualitativen Standard. Das Konzept ist gewagt, aber vor allem mit Blick auf die Mainboardkompatibilität und Montage brauchbar gelöst. Allerdings tappte man auch in vorhersehbare Fettnäpfchen: Der enorme Platzanspruch und der daraus resultierende hohe Inkompatibilitätsfaktor bei kleineren Gehäusen oder der kaum unterstützte Luftstrom im Gehäuse mit der folgerichtig stärkeren Innenerwärmung fallen negativ ins Gewicht. Hinzu gesellt sich eine geschraubte Lüfterarretierung, die keinesfalls alltagstauglich ist.

Unterm Strich ist der Coolermaster Gemin II für alle experimentierfreudigen Luftkühlfans empfehlenswert, die ein großes Gehäuse bereitstellen können und hohe Kühlperformance ohne Towerkühler erreichen wollen. Der lüfterlose Gemin II kann zu etwa 38 Euro im Onlineshop von Caseking [7] erworben werden.

URL-Liste:

  1. http://www.caseking.de/shop/catalog/product_info.php?cPath=25_426&products_id=6268&osCsid=373ea31de2d199eca64e7d9a189453b3&ref=35
  2. http://www.coolermaster.de/
  3. http://www.caseking.de/shop/catalog/product_info.php?cPath=25_426&products_id=6268&osCsid=373ea31de2d199eca64e7d9a189453b3
  4. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2006/test_thermalright_si-128/
  5. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2006/test_coolermaster_mars_hyper_tx/2/#abschnitt_besonderheiten
  6. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2006/test_coolermaster_mars_hyper_tx/5/#abschnitt_performancevergleich
  7. http://www.caseking.de/shop/catalog/product_info.php?cPath=25_426&products_id=6268&osCsid=e647b2cef8b7baacfff5468335d7085c&ref=35
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