Einleitung
Unternimmt man einen Rückblick auf die wirklich erfolgreichen Prozessorkühler-Entwicklungen der letzten drei Jahre, so erkennt man neben dem Trend zum Großformatigen und Leisen vor allem den markanten Wandel hin zur Towerbauart. Durch diese konnte man – in Kombination mit geschicktem Heatpipeeinsatz – Wärmeaufnahme und -abgabe lokal trennen und realisierte durch die senkrecht zum Mainboard positionierte Lüfterausrichtung leistungsstarke Belüftungskonzepte für den Prozessor sowie das gesamte System. Dabei erwies sich neben den bekannten Größen des Marktes Zalman, Thermalright und Co. vor allem Scythe, ursprünglich pionierhaft im Bereich passiver PC-Kühllösungen aktiv, als äußerst innovativ und präsentierte unter anderem mit dem Ninja und dem Infinity Prozessorkühler, die in Preis und Leistung genau auf die Bedürfnisse der anspruchsvollen Kundschaft zugeschnitten schienen.

Unser heutiger Proband entsprang wiederum der japanischen Erfolgsfeder und soll in seiner Performance den aktuellen Referenzen ebenbürtig sein, basiert aber wieder auf herkömmlicher Bauweise mit zum Mainboard parallel ausgerichtetem Lüfter. Imposante Ausmaße, ein prolliges Heatpipe-Sixpack und Bewährtes in Sachen Silentlüfterausstattung sowie eine übergreifend kompatible Clipmontage kennzeichnen dabei den Auftritt des Scythe Andy Samurai Master, dem wir heute in gewohnter Manier auf den Zahn fühlen wollen.
Lieferumfang
Der knapp 40 Euro [1] teure Japan-Kühler kommt in gewohnt aufwändig stilisierter Verpackungskartonage daher. Dabei beinhaltet diese neben dem komplett vormontierten Andy Samurai Master inklusive 120-mm-Lüfter eine knappe, mehrsprachige Anleitung auf Basis von Schemazeichnungen, ein Tütchen Silikonwärmeleitpaste sowie die patentierten Montage-Clips für die unterstützten Sockel.
Technische Daten
- Hybridkühler: Kupferbodenplatte, hauchdünne Aluminiumlamellen
- Sechsfach-6-mm-Heatpipekonstruktion
- Maße mit Lüfter: (L) 125 x (B) 137 x (H) 130 mm
- Überlappende Lamellenstruktur („Infinity Interleave Fin Structure“)
- Lamellenabstand: ca. 1 mm
- Gewicht komplett: ca. 690 g
- „Top Mount“-120-mm-Scythe-Lüfter (DFS122512L)
- Drehzahl: ca. 600 bis 1200 U/min
- Geräuschentwicklung: 20,5 dB(A)
- Luftdurchsatz: 83,3 m³/h
- Montage per VTMS-Clips („Versatile Tool-Free Multiplatform System“)
- für AMD Sockel 939 / 940 / 754 / AM2
- für Intel Sockel 478 / 775
- Herstellerhomepage [2]
- Vertrieb und aktuelle Preise [3]
Kühler im Detail
Der mit ausladenden Abmessungen und knapp 700 Gramm Einsatzgewicht durchaus üppig geratene Andy Samurai Master zeichnet sich zunächst durch seinen unorthodoxen Heatpipeverlauf aus. Denn das zwischen der nur zwei Millimeter dünnen Kupferbodenplatte und dem aufgesetzten Aluminiumkühlkörper sauber eingelassene Sechserpack befördert die aufgenommene Wärme paarweise höhenversetzt zum großen, separaten oberen Lamellenkörper.
Dieser besteht aus 65 hauchdünnen Leichtmetallfinnen im Ein-Millimeter-Abstand, wobei jede vierte aufgesteckte Lamelle nur verkürzt im Bereich der Heatpipes angebracht wurde. Optisch entsteht so ein Überlappungseffekt der Lamellenstruktur, die trotz ihrer Filigranität einen überraschend robusten Eindruck hinterlässt und bereits beim Infinity [4] für außerordentliche Leistungen sorgte. Sowohl Material- als auch Verarbeitungsqualität stimmen.
Dem erstklassigen Kühlkörper steht komplettierend natürlich noch ein 120-mm-Lüfter zur Seite, dessen Befestigung über die sehr beliebte Drahtbügelmethode schraubenlos realisiert wird. Erfreulicherweise ist auch die Güte der Scythe-Lüfter mittlerweile auf einem Top-Niveau angelangt, sodass selbst anspruchsvolle Anwender mit sensiblem Ohr und Hang zum Leisen kaum enttäuscht werden. In einem Drehzahlbereich von 600 bis 1200 nahezu nebengeräuschsfrei agierend, deckt der Ventilator des Japaners dabei das aktuell verbreitetste Spektrum ab.
Montagebesonderheiten
Auch der Andy Samurai Master verfügt über das erfolgreiche Scythe-Montagesystem, das zunächst ein werkzeugloses Wechseln der spezifischen Halteklammern für die unterstützten AMD-Sockel 754/939/940 und AM2 sowie Intel-478- und -775-Systeme erlaubt. Die VTMS-Klammern werden einfach mit sanften Druck an der entsprechenden Aufnahme des Kühlerunterbaus eingeklickt. Ferner wird der Kühler auf die mit Wärmeleitpaste benetzte CPU aufgesetzt und recht bequem per Klammer oder – etwas diffiziler – per ungeliebter, da unausgereifter Push-Pin-Technik eingerastet. Der Mainboardausbau ist, da nicht auf rückseitige Verschraubungen gesetzt wird, nicht zwingend erforderlich, erleichtert im Zweifelsfall aber den Einbau ob der geringen Platzverhältnisses bei eingesetztem Mammutkühler.
Sofern es die Bedingungen zulassen, sollte der Samurai Master so platziert werden, dass der äußere Heatpipeschwung in Richtung Gehäuseboden zeigt. In vielen Fällen (etwa in unserem) könnten aber zu nahe respektive zu große Chipsatzkühler diese Ausrichtung verhindern, sodass eine parallele Heatpipeführung gewählt werden kann. Vermeiden sollte man unterdessen den Einbau mit „nach oben“ schauenden Heatpipeschwüngen.
Testsystem
Auch im Jahr 2007 bleibt unser Kühlertestsystem zunächst unangetastet, denn trotz neuer Core-2-Duo-Prozessoren hat sich der 3,2 GHz starke Pentium XE 840 mit einer von Intel spezifizierten TDP von 135 Watt als gut skalierende Doppelherz-CPU etabliert. Als weitere Schlüsselkomponente unseres auf den möglichst leisen, aber dennoch gut gekühlten Betrieb ausgerichteten Systems vertrauen wir beim Netzteil auf ein 600 Watt starkes Silverstone Strider ST06F. Für einen unbeeinflussten Testverlauf unter Silent-System-Bedingungen musste allerdings dessen temperaturgeregelter 120-mm-Bodenventilator der Serie einem laufruhigen und leisen Papst F2GLL weichen, der mit konstanten 1200 U/min rotiert. Ein eben solcher werkelt auch ausblasend als einziger Gehäuselüfter im komplett schallgedämmten Thermaltake Shark Fullsize-Aluminiumtower. Alle übrigen Komponenten sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen:
- Intel Pentium XE 840
- Intel D955XBK Mainboard
- 2x 512 MB Corsair CM2X512A-5400UL CL3
- MSI Radeon X850 XT [gekühlt mit Zalman VF-900 @ 5 Volt]
- Western Digital WD1200 [entkoppelt per Zalman ZM-2HC2]
- Silverstone Strider ST06F 600 Watt [mit Papst F2GLL]
- Thermaltake Shark [komplett gedämmt, Papst F2GLL Gehäuselüfter]
- Raumtemperatur 22°C
- Silikonwärmeleitpaste
Zur Bestimmung der jeweiligen Kühlerleistungen wird das System in der Aufwärmphase zunächst zwei Stunden im 3DMark05-Loop ausgelastet. Daran schließt sich eine einstündige Beanspruchungsphase an, in der mit dem in vier Instanzen laufenden Tweakers4u-Toaster besonderes Augenmerk auf die konstant maximale Prozessorauslastung gelegt wird. Die weiterhin zugeschalteten 3DMark05-Gametest-Durchläufe sichern unterdessen eine gleichbleibende Hochbelastung für das komplette System. Zum Abschluss gewähren wir jedem Kühler noch eine Leerlaufphase von einer halben Stunde. Während dieser Szenarien werden die Temperaturverläufe mit der SpeedFan-Software dokumentiert und die Maxima entsprechend von uns zur Bewertung herangezogen. Im Volllastbetrieb verbraucht das System dabei etwa 260 Watt, während im Leerlauf noch eine Leistungsaufnahme von 140 Watt zu verbuchen ist.
Achtung! Die Temperatur-Messergebnisse sind mitunter recht stark an die verwendete Testplattform geknüpft und können je nach Konfiguration erheblich abweichen. Sie sollten nur als Orientierung und grobe Tendenz, nicht allerdings als absolut angesehen werden.
Die Messung der Lautstärke erfolgt derweil im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft 320 Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich. Zur besseren Übersichtlichkeit fließen die Angaben zur Lüfterlautstärke mit in die Temperaturdiagramme ein.
Performancevergleich
CPU-Kühler im Performancevergleich
Angaben in °C
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Die Leistungen der aktuellen Spitzenkühler liegen alle sehr dicht beieinander, Unterschiede können von Fall zu Fall wohl allein den Messtoleranzen zugerechnet werden. Bei vergleichbarer Lautstärke hält der Andy Samurai Master den Anschluss an die Riege der starken High-Towerkühler und liegt etwa auf einem Niveau mit den Mitbewerbern ähnlicher Bauart.
Fazit
Dem Scythe Andy Samurai Master gelingt ein ausgezeichneter Spagat zwischen Kühlleistung, niedriger Lautstärke und hoher Ergonomie. Zwar konnte er erwartungsgemäß auf unserem Testsetup, das bekanntermaßen eher High-Towerkühler präferiert, nicht für neue Spitzenwerte sorgen, doch zeigt er in der Referenz zu den anderen Kühlern herkömmlicher Bauart (Thermalright SI-120/SI-128, CM Gemin II etc.), dass er zu den Stärksten seiner Zunft gehört und damit allen aktuellen thermischen Anforderungen gewachsen ist. Speziell Anwender, die ohne großen finanziellen und materiellen Aufwand einen leisen PC gestalten wollen, sollten ein Auge auf den Japaner werfen, denn seine Lüfterausstattung ist nicht nur qualitativ hochwertig, sondern ab Umdrehungen unter der magischen 1000er Marke auch absolut silent-tauglich.
Daneben überzeugt der Andy Samurai Master mit teilweise überlegenen Charakterzügen, die das derzeitige Scythe Kühlerportfolio auszeichnen. Hierbei ist zunächst das ausgesprochen lobenswerte Verhältnis zwischen Preis und Güte zu nennen; mehr als 40 Euro muss in der heutigen Zeit niemand mehr für einen Hochleistungsluftkühler ausgeben, dessen Qualität keine Wünsche offen lässt – der Andy Samurai gilt als bestes Beispiel und ist bisweilen schon deutlich günstiger zu haben! Apropos haben. Einfach haben es auch jene unerfahrenen Anwender, die sich mit dem Scythe-Sprössling erstmalig an das Verbauen eines doch recht voluminösen 120-mm-Kühlers wagen wollen. Dank des einfachen VTMS-Clipsystems müssen keine langen Vorbereitungen getroffen werden und trotz einengender Platzverhältnisse ist die Montage auch ohne lästigen Mainboardausbau oder langwierige Verschraubungen zu bewerkstelligen.
Und so bleibt uns abschließend nur die logische Konsequenz, auch den Samurai Master mit einer Empfehlung zu versehen, sofern man aus gegebenen Gründen nicht auf einen High-Towerkühler setzen will oder kann. Zu erstehen ist der Kühler unter anderem im Online-Shop von HPM-Computer [5].














