Einleitung
Wie in der Formel 1 scheinen auch am High-End-Kühlermarkt die Fronten größtenteils geklärt. Die Siege machen Scythe und Thermalright im Ferrari- und McLaren-Mercedes-Stil unter sich aus, während sich hin und wieder andere Hersteller (aktuell Xigmatek [1]) in BMW-Manier mit Achtungserfolgen ins Rampenlicht rücken und die Großen ärgern können. Im Mittelfeld tummelt sich derweil eine Schar zum Teil wenig beachteter Kontrahenten, die ihrerseits aber dennoch Bemerkenswertes zu liefern im Stande sind. Einem solchen Kandidaten wollen wir heute unsere Beachtung schenken – dem Spire Fourier IV. Spire [2], als chinesischer Hersteller von Kühl- und Peripherielösungen für den heimischen PC schon seit 1991 tätig, ohne im High-End-Segment bislang Fuß fassen zu können, präsentiert mit dem Fourier IV einen vollkupfernen Prozessorkühler mit Quad-Heatpipe und interessantem Belüftungskonzept sowie verschraubter Multiplattformmontage. ComputerBase fühlt dem schicken, etwa 40 Euro teuren Neuling im 92-mm-Format in gewohnter Manier auf die Kühlrippen und klärt, ob man beim nächsten Kühlerkauf nicht vielleicht auch einmal bei Spire vorbei schauen sollte.
Lieferumfang
Als seltene Zugabe erweitert Spire den Lieferumfang um ein Slotblendenpotentiometer zur spannungsbedingten Regulierung der Lüfterdrehzahl. Das Potentiometer ist optional einsetzbar und wird einfach zwischen Lüfteranschluss und Stromquelle geschaltet. Zudem finden wir das obligatorische Montagezubehör für die unterstützten Sockel sowie eine Spritze Spire-Wärmeleitpaste im Karton. Großer Minuspunkt: Dem Kühler liegt keine dokumentierende Anleitung bei, was gerade bei unerfahrenen Anwendern zu unnötigen Problemen führen kann. Eine kurze, bebilderte Produktbeschreibung (optimalerweise in verständlicher Sprache) sollte in unseren Augen auf jeden Fall mitgeliefert werden.
Technische Daten
- Vollkupferkühler
- Vierfach-6-mm-Heatpipekonstruktion
- Maße mit Lüfter: (L) 126 x (B) 107 x (H) 99 mm
- 52 Kupferlamellen, Abstand: ca. 1,5 mm
- Gewicht komplett: ca. 855 g
- 92-x-92-x-25-mm-Lüfter, 3-Pin-Anschluss
- Drehzahl: ca. 2000 bis 3500 U/min
- Geräuschentwicklung: 19 – 26 dB(A)
- Luftdurchsatz: 62,6 – 98,9 m³/h
- Geeignet für
- AMD Sockel 939 / 940 / 754 / AM2 per Rückplattenverschraubung
- Intel Sockel 775 per Rückplattenverschraubung
- Herstellerhomepage [1]
- Aktuelle Preise und Händler [3]
Kühler im Detail
Als einer von wenigen Herstellern vertraut Spire beim aktuellen Flaggschiff auf eine reine Kupferausführung. Dabei bringt der edelmetallene 92-mm-Spross Fourier IV noch vertretbare 855 Gramm auf die Waage. Doch dies ist nicht seine einzige Besonderheit: Der markante Schwung des großzügigen Lamellenkörpers erinnert stark an die Formgebung des AeroCool VM-102 [4] VGA-Kühlers.



Das grundlegende Kühlerdesign des Fourier IV feierte mit seiner strikten Trennung von Wärmeaufnahme und -Abgabe, den verbindenden 6-mm-Heatpipes sowie der horizontaler Lüfterausrichtung unter anderem bereits bei Thermalrights SI-120-Reihe [5] Erfolge, wenngleich dessen Leistung nicht ganz an die potenter Towerkühler heran zu reichen wusste. Während die Lüfter bisher allerdings immer einblasend von oben auf dem Lamellenkörper angebracht worden war, fixieren beim Fourier IV zwei Drahtbügel den transparent-blauen 92-mm-Lüfter von unten durch die Lamellen blasend. Leider ist der Serienlüfter mit seinem Drehzahlspektrum von 1700 bis 3400 U/min (beispielsweise mit Hilfe des mitgelieferten Potentiometers regelbar) kaum für den Einsatz in leisen PCs konzipiert.



Qualitativ ist das Gebotene hervorragend. Der Kupferkorpus ist sauber gearbeitet, Reste der Lötarbeiten sind nicht auszumachen. Etwas kritisch ist lediglich die geringe Grundstabilität der Konstruktion. Schnell verbiegen sich die Heatpipes bei falscher Krafteinwirkung gegen den Lamellenkörper (beispielsweise bei ruppigem Transport).



Montagebesonderheiten
Die Montage des Kühlers erwies sich entgegen unserer ersten Annahme als echte Zerreißprobe. Da beim gut 800 Gramm schweren Boliden sinnvollerweise auf eine mainboardverschraubte Installation gesetzt wird, ist die Hauptplatine zunächst aus dem Gehäuse zu entfernen, während am Kühlerboden der zum genutzten Sockel passende, unten abgebildete Metallarm befestigt werden muss.
Anschließend platziert man den so präparierten Fourier IV auf der mit Wärmeleitpaste benetzten CPU, richtet von unten die mitgelieferte Rückplatte mit Isolationsschicht – zum Mainboard schauend – an den Montagebohrungen aus und fixiert sie mit Hilfe der passenden Schrauben in abwechselnder Reihenfolge und von unten durch die Bohrungen geführt mit dem Kühler. Dabei stellten sich in unserem Fall neben der allgemeinen Schwierigkeit dieser Montagemethode zwei fundamentale Probleme ein, die auf die schlechte (da viel zu großflächige) Metallrückplatte mit ihrer viel zu dünnen Isolationsschicht zurückzuführen sind.
Denn rückseitig aus der Platine heraus ragende Lötkontakte, die in unserem Fall mehrere Millimeter abstehen, verhindern eine gleichmäßige Auflage der Rückplatte, da sie nicht von einer entsprechend dicken, flexiblen Isolationsschicht ausgeglichen werden, wie es bei Rückplatten der Konkurrenz zumeist der Fall ist. Somit ist ein gleichmäßiges Anziehen und ein damit verbundener, gleichmäßiger Anpressdruck des Kühlers kaum zu bewerkstelligen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Mainboard im Bereich des CPU-Sockels durch die entstandene Hebelwirkung teilweise enorm gebogen wird . Das so ausgestattete System zum Laufen zu bringen – undenkbar!
Um dennoch einen Test durchführen zu können, behalfen wir uns mit einer alternativen Rückplatte von Scythe, welche mit ihrer dicken Weichschicht die herausstehenden Lötpins auf der Mainboardrückseite problemlos kompensieren kann.




Eine überarbeitete Rückplatte ist also absolut Pflicht, wenngleich unser Problem von Mainboard zu Mainboard variieren kann. Und wo wir bereits beim Ausbessern sind: Das Fehlen einer Montageanleitung, möglichst bebildert, ist bei einem Retail-Prozessorkühler der gehobenen Preisklasse einfach nicht akzeptabel.
Testsystem
Nach wie vor bleibt unser Kühlertestsystem unangetastet, denn trotz neuer Core-2-Duo-Prozessoren hat sich der 3,2 GHz starke Pentium XE 840 mit einer von Intel spezifizierten TDP von 135 Watt als gut skalierende Doppelherz-CPU etabliert. Zwar setzen nur noch wenige Anwender auf diese ältere Infrastruktur, doch kommt es bei der Auslotung der Kühlleistungen und beim Vergleich der Prozessorkühler nicht auf Rechenleistung, sondern vielmehr auf die thermische Leistung der CPU an. Was nützt die aktuellste Prozessorgeneration, wenn mit ihr die Spreu nicht mehr von Weizen getrennt werden kann und urplötzlich Mittelklassekühler auf einer Höhe mit den High-End-Probanden liegen? Nicht viel, wenn man sich für die wirklichen Kräfteverhältnisse zwischen den Produkten interessiert. Umgekehrt gilt allerdings: Wer auf einer heißen CPU ordentlich abschneidet, kühlt auch eine weniger verlustreiche CPU problemlos.
Als weitere Schlüsselkomponente unseres auf den möglichst leisen, aber dennoch gut gekühlten Betrieb ausgerichteten Systems vertrauen wir beim Netzteil auf ein 600 Watt starkes Silverstone Strider ST06F. Für einen unbeeinflussten Testverlauf unter Silent-System-Bedingungen musste allerdings dessen temperaturgeregelter 120-mm-Bodenventilator der Serie einem laufruhigen und leisen Papst F2GLL weichen, der mit konstanten 1200 U/min rotiert. Ein eben solcher werkelt auch ausblasend als einziger Gehäuselüfter im komplett schallgedämmten Thermaltake Shark Fullsize-Aluminiumtower. Alle übrigen Komponenten sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen:
- Intel Pentium XE 840
- Intel D955XBK Mainboard
- 2x 512 MB Corsair CM2X512A-5400UL CL3
- MSI Radeon X850 XT [gekühlt mit Zalman VF-900 @ 5 Volt]
- Western Digital WD1200 [entkoppelt per Zalman ZM-2HC2]
- Silverstone Strider ST06F 600 Watt [mit Papst F2GLL]
- Thermaltake Shark [komplett gedämmt, Papst F2GLL Gehäuselüfter]
- Raumtemperatur 23°C
- Silikonwärmeleitpaste


Zur Bestimmung der jeweiligen Kühlerleistungen wird das System in der Aufwärmphase zunächst zwei Stunden im 3DMark05-Loop ausgelastet. Daran schließt sich eine einstündige Beanspruchungsphase an, in der mit dem in vier Instanzen laufenden Tweakers4u-Toaster besonderes Augenmerk auf die konstant maximale Prozessorauslastung gelegt wird. Die weiterhin zugeschalteten 3DMark05-Gametest-Durchläufe sichern unterdessen eine gleich bleibende Hochbelastung für das komplette System. Zum Abschluss gewähren wir jedem Kühler noch eine Leerlaufphase von einer halben Stunde. Während dieser Szenarien werden die Temperaturverläufe mit der SpeedFan-Software dokumentiert und die Maxima entsprechend von uns zur Bewertung herangezogen. Im Volllastbetrieb verbraucht das System dabei etwa 260 Watt, während im Leerlauf noch eine Leistungsaufnahme von 140 Watt zu verbuchen ist.
Achtung! Die Temperatur-Messergebnisse sind mitunter recht stark an die verwendete Testplattform geknüpft und können je nach Konfiguration erheblich abweichen. Sie sollten nur als Orientierung und grobe Tendenz, nicht allerdings als absolut angesehen werden.
Die Messung der Lautstärke erfolgt derweil im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft 320 Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich. Zur besseren Übersichtlichkeit fließen die Angaben zur Lüfterlautstärke mit in die Temperaturdiagramme ein.
Performancevergleich
Die Performance des Fourier IV ist erschreckend schlecht. Zunächst vermuteten wir eine Fehlfunktion des Kühlers, da er selbst bei vollen Drehzahlen kaum in der Lage war, unsere Test-CPU unter 80 °C zu kühlen. Um etwaige Anwendungsfehler auszuschließen, haben wir den Spire-Spross insgesamt fünf Mal neu montiert, verschiedene Ausrichtungen auf dem Sockel, gar verschiedene Wärmeleitpasten erprobt – wieder und wieder zeigten sich die wahnsinnig schlechten Ergebnisse von über 80 °C Kerntemperatur bei einsetzender Taktverlangsamung der CPU. Auch das Verändern der Lüfterblaßrichtung zum Mainboard hin resultierte lediglich in nochmals um 2 bis 3 Kelvin schlechteren Temperaturwerten. Da trotz der von uns verwendeten, anderen Rückplatte der vorhandene Anpressdruck des Kühlers auf der CPU satt und die Auflage gleichmäßig war, vermuteten wir einen Defekt des Kühlers bzw. Teildefekt der Heatpipes, da der eigentliche Lamellenkühlkörper während des Betriebes gefühlt keine Arbeitstemperaturen erreichte.
Wir kontaktierten Spire ob der miserablen Ergebnisse und ließen uns ein zweites Sample zukommen. Doch auch dieses zeigte nicht die von uns erhoffte Leistung. Allerdings konnten wir mit dem zweiten Modell zumindest annehmbare Kühlwerte generieren, die nun in den Charts dokumentiert sind. Der Quervergleich zu den anderen Produkten zeigt allerdings, dass Leistung und Lautstärke beim Fourier IV in keinem akzeptablen Verhältnis stehen. Einen erneuten Defekt können wir zwar auch hier nicht vollkommen ausschließen, da aber der Lamellenkörper und insbesondere die Heatpipes im Betrieb heiß werden, ist von einer ordnungsgemäßen Funktion unseres zweiten Samples auszugehen.
CPU-Kühler im Performancevergleich
Angaben in °C
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Fazit
Spire liefert mit dem Fourier IV einen optisch durchaus sehenswerten, aber technisch noch sehr unausgegoren wirkenden Prozessorkühler ab, der in unserem Test nur wenige Kaufargumente für sich sammeln konnte. Für ihn sprechen die schicke Kupferoptik, die extravagante Konstruktion und das mitgelieferte Potentiometer. Ansonsten überwiegt eine Anhäufung von Kinderkrankheiten, die man bei einem Kühler der gehobenen Preisklasse weder erwarten, noch akzeptieren kann.
Die Abstinenz einer erklärenden Montageanleitung ist dabei noch das geringste Übel. Viel schwerwiegender ist die miserable Rückplatte, die eine adäquate Montage auf unserer Plattform vereitelt und wohl auch bei anderen Mainboards zu Problemen führen kann. Hier muss zwangsläufig nachgebessert werden. Notfalls muss Spire separate Rückplatten für die unterstützten Sockel mitliefern.
Wirklich kritisch wird es bei den abgelieferten Kühlleistungen. Beide Samples lieferten keine zufriedenstellenden Leistungen ab, wobei unser erstes Modell defekt erschien. Doch die Kühler entstammen der laufenden Produktion und sollten einigermaßen repräsentative Werte abliefern. Schließlich gibt es eine Reihe von Qualitätskontrollen, die hier scheinbar nicht gegriffen haben. Der fehlerhafte Fourier IV hätte also genau so beim Kunden landen können. Fast schon nebensächlich muss erwähnt werden, dass der Fourier IV kein Leisetreter ist und in zeitgemäß auf geringe Lautstärke abgestimmten Systemen nur bedingt zu gefallen weiß.
Unterm Strich bleibt also der Blick auf einen hübschen Prozessorkühler mit fragwürdiger Performance, der seinem Preis von etwa 40 Euro [2] in unseren Augen erst gerecht werden kann, wenn die genannten Kritikpunkte ausgebessert worden sind.



