Einleitung
Seitdem die Heatpipe als grundlegendes Prozessorkühlerelement ihren Siegeszug angetreten hat, hat sich an der Art ihrer Verwendung wenig geändert. Entweder wird sie unterstützend in eine Lamellenkonstruktion eingearbeitet, oder sie dient als alleiniger Leiter der Wärmeenergie von der Wärmeaufnahme zum Radiatorteil des Kühlers. Als limitierender Faktor in allen bisherigen Fällen steht allerdings eine Anzahl an Materialübergängen, die den Wirkungsgrad des Kühlers bisweilen deutlich einschränkt. CPU-Core, Heatspreader, Bodenplatte, Heatpipes, Kühlfinnen und dazwischen jeweils Schichten von Wärmeleitpaste, Lötzinn oder schlimmstenfalls Luft – das Optimierungspotential scheint theoretisch noch recht groß zu sein.
Einen ersten Ansatz liefert die Firma Xigmatek [1] mit ihrem auf der CeBIT 2007 vorgestellten Kühler HDT-S963, der im Fokus des heutigen Kurztests stehen soll. Das Leichtgewicht scheint bei der ersten Betrachtung nur ein unscheinbarer Towerkühler im 92-mm-Format zu sein, doch ein Blick unter den Kühler verrät: Hier wurde an Material gespart, um die Effizienz zu erhöhen. Denn der Xigmatek HDT-S963 verzichtet auf eine zwischengeschaltete Bodenplatte: Die abgeflachten Heatpipes liegen direkt auf der Prozessoroberfläche auf, wodurch sich eine viel effektivere Wärmeaufnahme und -ableitung realisieren lassen sollte. ComputerBase verrät schon vor der Markteinführung, wie sich das Konzept in der Praxis schlägt und ob es sich lohnt, den mit knapp 25 Euro äußerst günstigen Neuling im Auge zu behalten.
Lieferumfang
Ohne fertige Verkaufsverpackung und damit auch ohne finalen Lieferumfang startet unser Testexemplar des HDT-S963 ins Rennen. Mit dabei werden im Handel auf jeden Fall Montageclips für Intels Sockel 775 sowie für die AMD-Pendants 939 und AM2 sein. Darüber hinaus finden wir ein kleines Luftleitblech, das zur Unterstützung der Peripheriekühlung an beliebiger Stelle rückseitig an den Kühllamellen fixiert werden kann, vor.
Technische Daten
- Aluminium-Towerkühler
- Dreifach-6-mm-Heatpipekonstruktion
- „H.D.T.“ (Heatpipe Direct Touch)-Technologie
- Maße mit Lüfter: (L) 92 x (B) 76 x (H) 134 mm
- 42 Aluminiumlamellen, Abstand: ca. 2 mm
- Gewicht komplett: ca. 410 g
- 92 x 92 x 25 mm Lüfter, 4-Pin-PWM
- Drehzahl: ca. 1200 bis 2800 U/min
- Geräuschentwicklung: 23 – 35 dB(A)
- Luftdurchsatz: 66,3 – 92,7 m³/h
- Geeignet für
- AMD Sockel 939 / 940 / 754 / AM2 per 2-Punkt-Klammer
- Intel Sockel 775 per 4-Punkt-Clipsystem
- Herstellerhomepage [2]
- Unverbindliche Preisempfehlung: 25 Euro
Kühler im Detail
Der Xigmatek HDT-S963 gehört mit knapp über 400 Gramm inklusive Lüfter zu den leichtesten Towerkühlern des Marktes. Bis auf die Heatpipes besteht der minimalisierte Bolide komplett aus Aluminium, wobei der Wärmetauscher aus insgesamt 42 aufgesteckten, dezent geschwungenen Leichtmetalllamellen gefertigt wurde. Als Besonderheit liefert der Hersteller noch ein kleines gebogenes Leitblech mit, das an beliebiger Stelle in die Lamellenstruktur eingesteckt werden kann und einen Teil der ausströmenden Luft auf das Mainboard lenkt, um dort Spannungswandler und Chips mit zu belüften und dem tendenziellen Problem von Towerkühlern, eben diese Nebenkühlung nur bedingt zu bieten, entgegenwirkt.



Das eigentliche Markenzeichen des Kühlers ist allerdings das „H.D.T. (Heatpipe Direct Touch)“-System. Die drei U-förmig aufgebogenen Kupfer-Heatpipes liegen dabei platt gedrückt direkt auf der CPU-Oberfläche auf und können die Wärme so effizienter aufnehmen und abführen, als dies beim Verlöten mit einer zusätzlichen Bodenplatte bisher der Fall war. In Kombination mit dem heatpipefixierenden Aluminiumblock, der außerdem zur Halterung der Montageclips dient, wurde so ein heterogener Kühlerboden realisiert, der aufgrund der Übergänge nicht vollkommen plan ist. Dank Heatspreader und Wärmeleitpaste ergeben sich im Allgemeinen gegenüber herkömmlichen Bodenplatten aber keine Nachteile.
Qualitativ setzt der Xigmatek HDT-S963 freilich keine neuen Glanzpunkte. Das Gebotene geht bei einem anvisierten Verkaufspreis von etwa 25 Euro aber absolut in Ordnung. Alle Materialien sind mit Bedacht gewählt, die Übergänge ordentlich verarbeitet und vollkommen ausreichend für die Funktion als Prozessorkühler ohne große optische Spielerein.
Als weiterer Pluspunkt ist die serienmäßige Lüfterbefestigung des mitgelieferten 92-mm-Modells zu nennen. Xigmatek setzt hier – dem Trend folgend – auf entkoppelnde Gummibolzen, die zur Vibrationsminimierung und damit als Feinschliff für ein möglichst leises Betriebsgeräusch dienen sollen. Leider ist der verbaute Lüfter, der mit Hilfe des 4-Pin-Anschlusses auch PWM-fähig ist (also per Pulsweitenmodulation vom Mainboard reguliert werden kann), bei höheren Drehzahlen ab 2000 U/min nicht mehr sonderlich leise und laufruhig. Dafür ist es mit herkömmlicher Spannungsdimmung möglich, den Lüfter bei etwa 5 Volt mit lediglich 400 U/min zu betreiben – dabei sinkt die Lärmemission auf eine zu vernachlässigende Größe. Im Hinblick auf einen idealen Spagat aus Leistung und Lautstärke sind unserer Meinung nach Drehzahlen zwischen 1000 und 1500 U/min sinnvoll. Entweder manuell eingestellt, oder – je nach Mainboard – per PWM gesteuert, agiert der HDT-S963 hier bei äußerst angenehmer Kulisse und trotzdem überzeugender Kühlcharakteristik.



Montagebesonderheiten
Zur Montage des Kühlers müssen keine großen Worte verloren werden. Will man ihn auf Intels Sockel 775 installieren, fixiert man zunächst die beiden Clipbügel am Kühlerboden und arretiert den Xigmatek-Spross standesgemäß in bekannter Manier per 4-Punkt-Push-Pin-Methode auf der CPU. AMD-Besitzer legen derweil nur die entsprechende Halteklammer in die Führungsschlitze der Bodenplatte ein und befestigen den Kühler schnell und einfach am Retentionmodul des Mainboards.



Trotz des vormontierten Lüfters gehen beide Akte vollkommen unkompliziert und ohne nervigen Mainboardausbau mit Hilfe der Standardkomponenten von Statten, Inkompatibilitäten sind lediglich bei flachen HTPC-Gehäusen zu erwarten. Eine freie Ausrichtung des Kühlers in alle Himmelsrichtungen ist aus Symmetriegründen Intel-Systemen vorbehalten, während sich die möglichen Ausrichtungen im AMD-System nach der Platzierung des Sockels richten.
Testsystem
Auch im Jahr 2007 bleibt unser Kühlertestsystem zunächst unangetastet, denn trotz neuer Core-2-Duo-Prozessoren hat sich der 3,2 GHz starke Pentium XE 840 mit einer von Intel spezifizierten TDP von 135 Watt als gut skalierende Doppelherz-CPU etabliert. Als weitere Schlüsselkomponente unseres auf den möglichst leisen, aber dennoch gut gekühlten Betrieb ausgerichteten Systems vertrauen wir beim Netzteil auf ein 600 Watt starkes Silverstone Strider ST06F. Für einen unbeeinflussten Testverlauf unter Silent-System-Bedingungen musste allerdings dessen temperaturgeregelter 120-mm-Bodenventilator der Serie einem laufruhigen und leisen Papst F2GLL weichen, der mit konstanten 1200 U/min rotiert. Ein eben solcher werkelt auch ausblasend als einziger Gehäuselüfter im komplett schallgedämmten Thermaltake Shark Fullsize-Aluminiumtower. Alle übrigen Komponenten sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen:
- Intel Pentium XE 840
- Intel D955XBK Mainboard
- 2x 512 MB Corsair CM2X512A-5400UL CL3
- MSI Radeon X850 XT [gekühlt mit Zalman VF-900 @ 5 Volt]
- Western Digital WD1200 [entkoppelt per Zalman ZM-2HC2]
- Silverstone Strider ST06F 600 Watt [mit Papst F2GLL]
- Thermaltake Shark [komplett gedämmt, Papst F2GLL Gehäuselüfter]
- Raumtemperatur 22°C
- Silikonwärmeleitpaste


Zur Bestimmung der jeweiligen Kühlerleistungen wird das System in der Aufwärmphase zunächst zwei Stunden im 3DMark05-Loop ausgelastet. Daran schließt sich eine einstündige Beanspruchungsphase an, in der mit dem in vier Instanzen laufenden Tweakers4u-Toaster besonderes Augenmerk auf die konstant maximale Prozessorauslastung gelegt wird. Die weiterhin zugeschalteten 3DMark05-Gametest-Durchläufe sichern unterdessen eine gleichbleibende Hochbelastung für das komplette System. Zum Abschluss gewähren wir jedem Kühler noch eine Leerlaufphase von einer halben Stunde. Während dieser Szenarien werden die Temperaturverläufe mit der SpeedFan-Software dokumentiert und die Maxima entsprechend von uns zur Bewertung herangezogen. Im Volllastbetrieb verbraucht das System dabei etwa 260 Watt, während im Leerlauf noch eine Leistungsaufnahme von 140 Watt zu verbuchen ist.
Achtung! Die Temperatur-Messergebnisse sind mitunter recht stark an die verwendete Testplattform geknüpft und können je nach Konfiguration erheblich abweichen. Sie sollten nur als Orientierung und grobe Tendenz, nicht allerdings als absolut angesehen werden.
Die Messung der Lautstärke erfolgt derweil im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft 320 Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich. Zur besseren Übersichtlichkeit fließen die Angaben zur Lüfterlautstärke mit in die Temperaturdiagramme ein.
Performancevergleich
CPU-Kühler im Performancevergleich
Angaben in °C
|
Die Leistung des Xigmatek HDT-S963 in unserem Ranking ist bestechend. Zwar ist im niedertourigen Bereich nach wie vor ein starker 120-mm-Bolide zu präferieren, doch bereits bei verträglichem Lärmpegel rangiert der leichte Neuling auf nahezu einer Höhe mit den Referenzen und zeigt, dass die bodenlose Heatpipeverwendung durchaus Potential aufweist. Besonders der Vergleich mit dem ähnlich gebauten Cooler Master Hyper TX [3] bescheinigt dem Xigmatek eine um zwei bis drei Kelvin bessere Performance bei gleicher Drehzahl.
Fazit
Der Xigmatek HDT-S963 hinterlässt im Test einen ausgesprochen guten Eindruck. Er verkörpert die Rückkehr zum eigentlichen CPU-Kühler, ohne viel Drumherum, ohne Schnörkel – geradlinig, funktionell und effizient. Überraschend leistungsstark trumpft das kompakte Fliegengewicht auf und zeigt so manchem früheren Überflieger die Rücklichter. Das Konzept mit den direkt aufliegenden Heatpipes ist dabei der Garant für konstante Kühlleistungen auf höchstem Niveau und wird, material- und damit kostensparend (aber dennoch leistungssteigernd), mit Sicherheit in Kürze Nachahmer finden.
Auch andere Grundbelange werden ausgezeichnet umgesetzt: Die Qualität des Gebotenen ist ordentlich, die Montage bisweilen kinderleicht und die Option auf die immer beliebter werdende PWM-Lüftersteuerung vorhanden. Des Weiteren wurden mit dem einsetzbaren Luftleitblech zur Belüftung ausgewählter Mainboardkomponenten und der entkoppelten Lüfteraufhängung wertvolle Ideen aufgegriffen. Mit Blick auf die Lautstärke und die Güte des verbauten Lüfters gibt es sicher noch Optimierungspotential, positiv ist allerdings der sehr weite Regelbereich des 92-mm-Lüfters (in unserem Fall von 400 bis 2650 U/min zwischen 5 und 12 Volt), so dass dem Anwender auch bei der individuellen Abstimmung des Lärmverhaltens keine unnötigen Steine in den Weg gelegt werden. Und auch der Endkundenpreis ist applausverdächtig, denn mit angestrebten 25 Euro (in Kürze bei Caseking [4] erhältlich) bewegt man sich teilweise weit unter der Konkurrenz. Nach Summation der genannten Charakterzüge bleibt uns abschließend nur, dem Xigmatek HDT-S963 eine deutliche Kaufempfehlung auszusprechen.



