Einleitung
Für viele Kenner, Liebhaber und Interessierte auf dem Sektor der Prozessorkühler steht der Name Zalman seit der Geburt der CNPS-(„Computer Noise Prevention System“)-Produktsparte und im Speziellen seit dem Modell CNPS 7000 Cu für qualitativ hochwertige Kühler mit ausgezeichneter Leistungsfähigkeit und angenehmer Geräuschkulisse. Und noch immer zehrt die Marke Zalman vom brillianten Ruf der damaligen Sockel-A/478-Primuskühler, die ihrer Konkurrenz das gewisse Etwas voraus waren. Heute, da die zalmännischen Gegenspieler nicht mehr Alpha Pal oder Swiftech MCX, sondern Scythe Mugen, Thermalright Ultra oder Xigmatek HDT heißen, haben die Koreaner nur noch wenig Freude am Gerangel um den besten Prozessorkühler, verzichten auf schnörkellose, aber effiziente Kühltechnik und bleiben stattdessen lieber ihrer Linie treu.
Das charakteristische Zalman-Fächerdesign erkennt man sofort, sei es horizontal eingesetzt wie beim CNPS 7X00, oder vertikal aufgestellt wie beim CNPS 9X00. Mit dem CNPS 8700 schickt sich nun ein neuer Spross an, Zalmans Serie an Rundfächerkühlern zu erweitern. Dabei lässt der heute vorgestellte Neuling das ehemals beliebte, aber eigentlich kaum mehr zeitgemäße Layout der 7000er-Reihe wieder aufleben, verbindet seinen Auftritt jedoch mit dem Einsatz von zwei 6-mm-Heatpipes. ComputerBase nimmt sich die Frischzellenkur zur Brust und testet im gewohnten Umfang, was der so aktualisierte Zalman noch zu leisten im Stande ist.
Lieferumfang
Der Lieferumfang ist Zalman-typisch komplett und beinhaltet neben dem Kühler, der mehrsprachigen und bebilderten Montageanleitung sowie dem Montagematerial für die unterstützten Sockel auch eine Tube Wärmeleitpaste auf Silikonbasis und die beliebte Fan-Mate-2-Lüftersteuerung samt doppelseitigem Klebepad zu deren Fixierung. Der Kühler ist bei Alternate [1] erhältlich und kostet zum Testzeitpunkt 49 Euro.
Technische Daten
- Vollkupferkühler mit CNPS-Fächerdesign und 0,2-mm-Lamellen
- Doppel-6-mm-Heatpipekonstruktion
- Maße mit Lüfter: (L) 120 x (B) 123 x (H) 67 mm
- Lamellenoberfläche: ca. 3300 cm²
- Gewicht komplett: ca. 480 g
- 110-x-110-x-25-mm-Lüfter, 3-Pin-Anschluss, per LED beleuchtet
- Drehzahl: ca. 1150 bis 2300 U/min
- Geräuschentwicklung: 17,5 – 33 dB(A)
- Zalman Fan-Mate II (5 bis 11 Volt regelbar)
- Geeignet für
- AMD Sockel 939 / 940 / 754 / AM2 per original Retentionmodul und 2-Punkt-Klammer
- Intel Sockel 775 per Kunststoff-Retentionmodul mit Rückplatte und 2-Punkt-Klammer
- Herstellerhomepage [2]
- Vertrieb und aktueller Preis [3]
Kühler im Detail
Der CNPS 8700 LED ist ein typischer Zalman-Kühler der letzten Jahre. Auf den ersten Blick erkennt man die unverwechselbare Handschrift der Koreanischen Entwickler, die beim neuen Vollkupferspross wie seit eh und je auf das Rundlamellen-Fächerdesign mit hauchdünn geschnittenen, mit einem Zalman-Logo versehenen Edelmetalllamellen und zentral eingelassenem, rahmenlosen Lüfter setzen. Die gesamte Konstruktion erinnert dabei sehr stark an den VF-900-Grafikkartenkühler, bei dem man erstmalig Heatpipes ins Fächerdesign einfließen ließ. Bei Schwung, Linienführung und Verarbeitungstechnik werden zudem die Parallelen zum CNPS 9500 / 9700 deutlich.



Etwas überraschend fällt der Blick unter die Haube aus. Demontiert man den Lüfter samt Metallhalterung und Abdeckung, kommt die verlötete Heatpipeauflage zum Vorschein. Hier hat Zalman offenbar stark am Material und möglicherweise an Kühlpotential gespart, denn die effektive Kontaktfläche zwischen Heatpipes und Kühlerboden respektive anderen Komponenten ist vergleichsweise klein. Da im Gegensatz zur CNPS-7000-Konstruktion die Lamellen beim 8700 nur noch über die Kapillare mit Wärme versorgt werden und über keinen direkten Kontakt zum Kühlerboden verfügen, könnte es hier schon einige Abstriche im Wirkungsgrad des Neulings geben.
Die Materialqualität des Kupferlings ist standesgemäß überzeugend. Die CPU-Auflage ist plan und der Materialschnitt sauber und keineswegs scharfkantig. Allerdings sollte man vorhandenes Gewaltpotential nicht am Zalman-Kühler auslassen, denn ob der dünn geschnittenen Lamellen ist es mit der allgemeinen Robustheit und Sturzunempfindlichkeit nicht so gut bestellt. Geht man allerdings entsprechend sorgsam mit seinem teuren Zögling um, hat man auch lange Freude an der schick goldbraun glänzenden Kupferoptik, die man auf dem Markt aus Kosten- und Gewichtsgründen nur noch selten zu Gesicht bekommt.



Die Belüftung der runden Kupferschale übernimmt ein rahmenloses 110-mm-Modell mit transparenten Rotorblättern und blauer LED-Beleuchtung samt herkömmlichem 3-Pin-Molexanschluss. Die Drehzahlen zeigen sich dabei variable zwischen 2300 und 1100 U/min, was sich im leisen System als deutlich wahrnehmbar über dem maximal akzeptablen Pegel bis zu moderat wahrnehmbar mit geringen Nebengeräuschen darstellt. Für superleise Systeme sind die Zalmänner leider nach wie vor nicht geeignet – der etwas weniger penible und anfällige Anwender wird aber mit den Stufen unter sieben Volt (problemlos regelbar mit Hilfe der beigelegten Fan-Mate-2-Lüftersteuerung) durchaus gut leben können.
Montagebesonderheiten
Bewährtes gibt es bei der Montage zu beobachten. Die zentral am Kühler einzulegende Metallklammer harmoniert tadellos mit dem Serienretentionmodul der unterstützten AMD-Sockel, sodass hier kein Mainboardausbau von Nöten ist und die Klammer einfach eingehakt werden kann.
Intel-Sockel-775-Nutzer arbeiten ebenfalls mit dieser Klammer, müssen ihre Plattform aber mit dem Kunststoff-Befestigungsmodul modifizieren. Der Ausbau der Hauptplatine ist hier notwendig, da das Modul per Rückplattenverschraubung fixiert wird. Das Besondere an der Zalman-Methode ist, dass der Kühler durch die Kombination aus verschraubtem Modul und gesteckter Klammer später auch bei Intel-Anwendern schnell und einfach ausgebaut werden kann, um beispielsweise die Wärmeleitpaste zu erneuern oder den Prozessor zu wechseln. Angenehm ist obendrein, dass das bewegliche Ende der Montageklammer so geformt wurde, dass ein leichtes Öffnen sowohl per Hand als auch per Schraubendreher möglich ist.



Platz oder Kompatiblitätsprobleme dürften in herkömmlichen Rechnern keine bestehen. Entscheidend für viele, die den Kühler in flachen Gehäusen einsetzen wollen, ist im Speziellen die Höhe des Kühler, die beim beleuchteten CNPS 8700 67 mm beträgt.
Testsystem
Nach wie vor bleibt unser Kühlertestsystem unangetastet, denn trotz neuer Core-2-Duo-Prozessoren hat sich der 3,2 GHz starke Pentium XE 840 mit einer von Intel spezifizierten TDP von 135 Watt als gut skalierende Doppelherz-CPU etabliert. Zwar setzen nur noch wenige Anwender auf diese ältere Infrastruktur, doch kommt es bei der Auslotung der Kühlleistungen und beim Vergleich der Prozessorkühler nicht auf Rechenleistung, sondern vielmehr auf die thermische Leistung der CPU an. Was nützt die aktuellste Prozessorgeneration, wenn mit ihr die Spreu nicht mehr von Weizen getrennt werden kann und urplötzlich Mittelklassekühler auf einer Höhe mit den High-End-Probanden liegen? Nicht viel, wenn man sich für die wirklichen Kräfteverhältnisse zwischen den Produkten interessiert. Umgekehrt gilt allerdings: Wer auf einer heißen CPU ordentlich abschneidet, kühlt auch eine weniger verlustreiche CPU problemlos.
Als weitere Schlüsselkomponente unseres auf den möglichst leisen, aber dennoch gut gekühlten Betrieb ausgerichteten Systems vertrauen wir beim Netzteil auf ein 600 Watt starkes Silverstone Strider ST06F. Für einen unbeeinflussten Testverlauf unter Silent-System-Bedingungen musste allerdings dessen temperaturgeregelter 120-mm-Bodenventilator der Serie einem laufruhigen und leisen Papst F2GLL weichen, der mit konstanten 1200 U/min rotiert. Ein eben solcher werkelt auch ausblasend als einziger Gehäuselüfter im komplett schallgedämmten Thermaltake Shark Fullsize-Aluminiumtower. Alle übrigen Komponenten sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen:
- Intel Pentium XE 840
- Intel D955XBK Mainboard
- 2x 512 MB Corsair CM2X512A-5400UL CL3
- MSI Radeon X850 XT [gekühlt mit Zalman VF-900 @ 5 Volt]
- Western Digital WD1200 [entkoppelt per Zalman ZM-2HC2]
- Silverstone Strider ST06F 600 Watt [mit Papst F2GLL]
- Thermaltake Shark [komplett gedämmt, Papst F2GLL Gehäuselüfter]
- Raumtemperatur 23°C
- Silikonwärmeleitpaste


Zur Bestimmung der jeweiligen Kühlerleistungen wird das System in der Aufwärmphase zunächst zwei Stunden im 3DMark05-Loop ausgelastet. Daran schließt sich eine einstündige Beanspruchungsphase an, in der mit dem in vier Instanzen laufenden Tweakers4u-Toaster besonderes Augenmerk auf die konstant maximale Prozessorauslastung gelegt wird. Die weiterhin zugeschalteten 3DMark05-Gametest-Durchläufe sichern unterdessen eine gleich bleibende Hochbelastung für das komplette System. Zum Abschluss gewähren wir jedem Kühler noch eine Leerlaufphase von einer halben Stunde. Während dieser Szenarien werden die Temperaturverläufe mit der SpeedFan-Software dokumentiert und die Maxima entsprechend von uns zur Bewertung herangezogen. Im Volllastbetrieb verbraucht das System dabei etwa 260 Watt, während im Leerlauf noch eine Leistungsaufnahme von 140 Watt zu verbuchen ist.
Achtung! Die Temperatur-Messergebnisse sind mitunter recht stark an die verwendete Testplattform geknüpft und können je nach Konfiguration erheblich abweichen. Sie sollten nur als Orientierung und grobe Tendenz, nicht allerdings als absolut angesehen werden.
Die Messung der Lautstärke erfolgt derweil im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft 320 Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich. Zur besseren Übersichtlichkeit fließen die Angaben zur Lüfterlautstärke mit in die Temperaturdiagramme ein.
Performancevergleich
Der Zalman CNPS 8700 LED kämpft entsprechend seiner Möglichkeiten. Dass sich aus dem alten Design keine neuen Spitzenwerte pressen lassen und die etablierte Towerkühler-Konkurrenz nicht bedrängt werden kann, stand schon vor dem Test fest. Im Quervergleich zu anderen Nicht-Towerkühlern (etwa dem Scythe Andi Samurai oder dem Thermalright SI-128) ist der Abstand allerdings doch deutlich. Vor allem im lautstärkeerträglichen, gedrosselten Modus bricht die Leistung des Zalmans spürbar ein. Besonders schade ist das konstant aufdringliche Brummen des verbauten Lüfters in nahezu allen Lebenslagen.
CPU-Kühler im Performancevergleich
Angaben in °C
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Fazit
Mit dem CNPS 8700 LED ergänzt Zalman seine Produktpalette um einen flachen Kühler für Multimedia- und HTPCs, der größtenteils auf Bewährtes zurück greift und keine neuen Akzente zu setzen im Stande ist. Positiv sind vor allem die qualitative Umsetzung, die gewohnt gute Dokumentation, die sichere und angemessene Montage auf den unterstützten Plattformen sowie die mitgelieferte Lüftersteuerung Fan Mate 2. Die schicke Kupferoptik und das typische Zalman-Flair gibt es natürlich oben drauf. Die LED-Beleuchtung ist derweil Geschmackssache.
Bei der Leistung spielt der CNPS 8700 trotz Heatpipeeinsatz erwartungsgemäß nicht ganz vorne mit und muss auch ähnlich gesinnte Kontrahenten von Scythe und Thermalright deutlich davon ziehen lassen – für thermisch weniger anspruchsvolle Prozessoren im genannten Anwendungsbereich ist die Performance aber noch akzeptabel. Unterdessen ist die Lautstärke etwas enttäuschend. Zalman sieht sich mit den „Computer Noise Prevention System“-Produkten gerne als Verfechter des leisen PCs, doch leider entsprechen die Produkte auf diesem Gebiet schon länger nicht mehr dem Stand der Technik. Die Ansprüche der Anwender an ein wirklich leises Kühlprodukt sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen, ohne dass sich die Koreaner zum Feinschliff an ihren Produkten gezwungen sahen. Hinzu kommt die Tatsache, dass dem Anwender keine Möglichkeit des Lüftertausches bleibt, sodass er auf ein hochwertiges und entsprechend leises Serienmodell beim Kauf vertrauen muss. Der brummige Lüfter des CNPS 8700 verkörpert dies nur bedingt.
Unterm Strich ist der neue Zalman ein mit 49 Euro (UVP) recht teurer Zeitgenosse mit zu hoher Lärmemission, dessen Leistung für die aktuelle, weniger hitzköpfige Prozessorgeneration von AMD und Intel bei Normaltakt noch ausreicht. Für anspruchsvollere Anwendungen greift man lieber zur stärkeren und bisweilen auch günstigeren Konkurrenz, Zalman-Liebhaber finden auch in der CNPS-9000er-Serie potenteres Geschütz. Wenn es allerdings flach und Zalman sein soll, kann man auch zum CNPS 8700 greifen, der beispielsweise bei Alternate [4] käuflich zu erwerben ist.




