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Test: ZEROtherm Hurricane HC92 (8800)

von Martin Eckardt

Einleitung

Am Grafikkartenmarkt ist mit der letzten Beschleunigergeneration eine bemerkenswerte Trendwende eingetreten – zumindest aus der Sicht der VGA-Kühlung. Während früher nicht selten noch laut krächzende Rotoren ihr Unheil auf den Werkskarten trieben, haben AMD und Nvidia bei den aktuellen 3D-Zauberern ihr Augenmerk neben der Rechenleistung auch auf die Kühlbarkeit der Chips und auf die Geräuschkulisse der Serienkühlungen gelegt. Beide sind mittlerweile an einem, für den Großteil der Anwender, recht befriedigenden Punkt angelangt, an welchem zur Realisierung eines akzeptabel leisen Computersystems mit aktueller Grafikleistung nicht zwangsläufig der Wechsel der Seriengrafikkartenkühlung vollzogen werden muss.

ZEROtherm Hurricane HC92 Cu (8800)
ZEROtherm Hurricane HC92 Cu (8800)

Wer mit der Kühlung seines Pixelbeschleunigers leistungs- oder lautstärketechnisch dennoch nicht zufrieden ist, hat nach wie vor die Qual der Wahl. Mit dem Accelero S1 [1] belegen derzeit unangefochten die Schweizer von Arctic-Cooling den Platz an der Sonne unserer VGA-Kühler-Charts in den entscheidenden Disziplinen Leistung, Geräuschkulisse und Preis. Diese Dominanz unterbrechen wollend, schickt ZEROtherm mit dem „Hurricane HC92 Cu“ und dem „Hurricane HC92 Cu 8800“ zwei Alternativen ins Rennen, die im heutigen Test ihr Können unter Beweis stellen müssen.

Hurricane HC92 Cu (8800)

Der ZEROtherm Hurricane HC92 Cu ist in zwei verschiedenen Versionen am Markt erhältlich. Dabei beruhen sowohl die günstigere Normalversion als auch die etwas teurere 8800er-Version auf derselben Konstruktion und sind auch zu den gleichen Grafikkarten kompatibel. Die Unterschiede finden sich im Detail: So ist der Lieferumfang der 8800er-Version um entsprechende Zusatz-Passivkühlkörper für die spezifischen Spannungswandler auf den Boards der GeForce 8800 erweitert. Zudem gibt ZEROtherm an, die Heatpipes für die Grafikkartenkühler selektiert und die 8800er Version des Hurricanes mit den besseren Wärmeleitkapillaren ausgestattet zu haben.

Eckdaten

Liste kompatibler Grafikkarten
  • NVIDIA Geforce 7600 Serie
  • NVIDIA Geforce 7900 Serie
  • NVIDIA Geforce 8500 Serie
  • NVIDIA Geforce 8600 Serie
  • NVIDIA Geforce 8800 Serie
  • ATI Radeon X1600 Serie
  • ATI Radeon X1800 Serie
  • ATI Radeon X1900 Serie
  • ATI Radeon X2600 Serie
  • ATI Radeon HD3XXX Serie
  • Inkompatible Grafikkarten:
  • NVIDIA Geforce 7800 AGP Serie
  • NVIDIA Geforce 7950 GX2 Serie
  • ATI Radeon X2900 Serie

Kurzbeschreibung

Lieferumfang der Normalversion
Lieferumfang der Normalversion
ZEROtherm Hurricane HC92 Cu
ZEROtherm Hurricane HC92 Cu
Hohe Qualität inklusive acht RAM-Passivkühler
Hohe Qualität inklusive acht RAM-Passivkühler

Der Lieferumfang der Hurricane-Kühler ist als standesgemäß und komplett zu beschreiben. Zum eigentlichen VGA-Kühler gesellen sich acht grün eloxierte Aluminium-Passiv-Kühlblöcke für den Grafikspeicher, eine Spritze Wärmeleitpaste, das Montagematerial inklusive knapper Anleitung sowie eine etwas merkwürdig geformte Drehpotentiometer-Lüftersteuerung. Die 8800er-Variante des Kühlers enthält zusätzlich noch Spannungswandlerkühler für die entsprechenden Nvidia-Boards.

Der Kühler selbst ist bis auf eine Kunststoffabdeckung aus hochwertigem Kupfer gefertigt und vertraut auf die Arbeitsweise von vier Heatpipes. Der qualitative Standard ist dabei sehr hoch, was bei einem Preis von gut 40 Euro erwartet werden darf.

Ohne Haube kühlt er besser und ist leiser
Ohne Haube kühlt er besser und ist leiser
Freiliegender blau beleuchteter 92-mm-Lüfter
Freiliegender blau beleuchteter 92-mm-Lüfter
Äußerlich nicht zu unterscheiden: HC92 und HC92 8800
Äußerlich nicht zu unterscheiden: HC92 und HC92 8800

Allerdings bedarf die Konstruktion des Hurricane bei genauer Betrachtung der ein oder anderen Optimierung. So kann, wie sich später zeigen wird, auf die graue Kunststoffabdeckung im Betrieb getrost verzichtet werden, denn sie verursacht nur zusätzlichen Lärm durch gesteigerte Luftverwirbelungen, ohne der Kühlleistung zuträglich zu sein.

Des Weiteren baut der HC92 Cu mit einer Gesamthöhe von 54,5 mm im Vergleich zur Konkurrenz und angesichts der knappen Platzverhältnisse im Bereich der Steckkarten sehr hoch, sodass gleich zwei zusätzliche Slots belegt werden. Ein Mitgrund für diesen Umstand stellt der verwendete 92-mm-Lüfter dar, der sehr luftförderstark agiert, bei voller Drehzahl aber inakzeptabel laut wird und selbst bei maximaler Drosselung nicht auf unhörbar zu trimmen ist. Für Anhänger des lautlosen PCs sind die Hurricane-Kühler also nicht unbedingt geeignet.

Flexible Lochabstände bei der 4-Punkt-Montage erhöhen Kompatibilität
Flexible Lochabstände bei der 4-Punkt-Montage erhöhen Kompatibilität
Enorm hoher Aufbau verdeckt zusätzlich zwei Steckplätze
Enorm hoher Aufbau verdeckt zusätzlich zwei Steckplätze
Sicherer Halt in allen Lebenslagen
Sicherer Halt in allen Lebenslagen

Dafür gibt es im Hinblick auf die Montage wieder Erfreuliches zu berichten, denn nachdem der Originalkühler von der Grafikkarte entfernt wurde, geht der Aufbau des ZEROtherm Sprosses Dank der einfachen Methodik schnell und problemlos über die Bühne. Es sind lediglich die vier Doppelgewinde-Schraubstifte bei entsprechendem Lochabstand an der Montagevorichtung des Kühlerbodens einzudrehen und ferner mit vier Daumenschrauben grafikkartenrückseitig alternierend festzuziehen.

Testsystem

Kühlertestsystem im TT Shark
Kühlertestsystem im TT Shark
Asus Radeon X1900XTX
Asus Radeon X1900XTX

Am Testsystem wurde im Gegensatz zu unseren Prozessorkühler-Tests bis auf die Grafikkarte nichts geändert. Als Renderbrett produziert nun mit der Radeon X1900XTX von Asus eine der verlustleistungsstärksten Grafikkarten des vergangenen Jahres genügend Abwärme, um ein gut selektiertes Testfeld aufzustellen. Das Testverfahren sieht unterdessen einen 30-maligen 3D-Mark-06-Loop vor, durch den das System und im Speziellen die Grafikkarte beansprucht und entsprechend aufgewärmt wird. Während dieser Periode werden alle wichtigen Sensor-Parameter (Temperaturen, Drehzahlen etc.) mit dem Tool Everest [4] dokumentiert. Die Maximalwerte aus diesen Messungen ziehen wir zum Vergleich der Produkte heran.

Die Messung der Lautstärke erfolgt, sofern möglich, im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft-320-Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich.

Download: Lüfterhörprobe als mp3-Datei [5]

Zusätzlich zu den Messungen der Schalldrücke bieten wir auch bei den Grafikkartenkühlern kleine Tonaufnahmen als Hörproben an. Diese wurden in unmittelbarer Nähe zum laufenden Lüfter aufgenommen und lassen damit besonders gute Rückschlüsse auf den Toncharakter des Lüfters zu. Zum Download der mp3-Dateien gelangt man mit einem Klick auf das obige Logo.

Leistungscheck

Kühler
[Spannung]
Drehzahl
[U/min]
Leerlauf
[°C]
Auslastung
[°C]
Lärm
[dB(A)]
ZEROtherm HC92 Cu (8800)
ohne Plastikabdeckung
[12 Volt]
3000 GPU: 32
Umg: 30
VRM: 48
GPU: 47
Umg: 38
VRM: 65
44,3
ZEROtherm HC92 Cu (8800)
mit Plastikabdeckung
[12 Volt]
3190 GPU: 32
Umg: 30
VRM: 49
GPU: 47
Umg: 38
VRM: 67
50,6
ZEROtherm HC92 Cu (8800)
ohne Plastikabdeckung
[5 Volt]
1480 GPU: 33
Umg: 32
VRM: 52
GPU: 53
Umg: 42
VRM: 77
34,1
AC Accelero S1
[12 Volt]
1850 GPU: 35
Umg: 33
VRM: 52
GPU: 53
Umg: 44
VRM: 74
35,4
ZEROtherm HC92 Cu (8800)
mit Plastikabdeckung
[5 Volt]
1530 GPU: 34
Umg: 32
VRM: 53
GPU: 56
Umg: 44
VRM: 77
35,3
Zalman VF-1000
[12 Volt]
2500 GPU: 36
Umg: 33
VRM: 52
GPU: 56
Umg: 44
VRM: 72
46,7
AC Accelero S1
[5 Volt]
750 GPU: 37
Umg: 36
VRM: 60
GPU: 58
Umg: 49
VRM: 90
30,6
Zalman VF-1000
[5 Volt]
1450 GPU: 38
Umg: 35
VRM: 56
GPU: 61
Umg: 48
VRM: 81
32,8
Zalman VF-900
[12 Volt]
2470 GPU: 38
Umg: 32
VRM: 52
GPU: 74
Umg: 46
VRM: 77
48,2
ZEROtherm GX810
[thermogeregelt]
800 -
1950
GPU: 40
Umg: 36
VRM: 59
GPU: 75
Umg: 51
VRM: 78
35,1 –
50,3
Zalman VF-900
[5 Volt]
1350 GPU: 39
Umg: 35
VRM: 55
GPU: 85
Umg: 54
VRM: 86
34,1
Standardkühler
[thermogeregelt]
N.A. GPU: 50
Umg: 44
VRM: 63
GPU: 89
Umg: 64
VRM: 92
N.A.

„GPU“: Chiptemperatur | „Umg“: Umgebungssensor auf Platine | „VRM“: Spannungswandlertemperatur

Die ZEROtherm-Hurricane-Kühler schlagen sich im Quervergleich erstaunlich gut. Dabei zeigt sich, dass beide Probanden, HC92 Cu und HC92 Cu 8800, identische Leistungen ausweisen – von einer Selektion der besseren Modelle zur 8800er Serie kann aus unserer Sicht also nicht die Rede sein. Wie auch immer: Der HC92 ist enorm kühlleistungsstark, aber auch sehr laut bei hohen Drehzahlen, was unsere Hörproben zu untermauern wissen. Das liegt zum einen am drehzahlstarken Lüfter, zum anderen an der recht sinnlosen Kunststoffabdeckung. Demontiert man die Plastikhaube, erreicht man nicht nur leicht verbesserte Kühlwerte, sondern senkt auch noch die Luftverwirbelungen und Nebengeräusche erheblich. Wer sich für einen der ZEROtherm-Sprosse entscheidet, sollte diesen Eingriff unbedingt vornehmen.

Fazit

ZEROtherm klettert mit den Hurricane-VGA-Kühlern an die Spitze unserer Leistungscharts, kann aber nicht vollkommen überzeugen. Heraus zu heben ist in jedem Fall die beeindruckende Kühlleistung der HC92-Konstruktion, die teils deutlich über den anderen bisher getesteten Konkurrenzprodukten liegt. Die einfache Montage auf allen gängigen Beschleunigern, die hohe Qualität sowie der überaus komplette Lieferumfang gehören ebenfalls zu den positiven Eindrücken der Neulinge.

Hohe Performance und gute Qualität – aber leider noch nicht ausgereift
Hohe Performance und gute Qualität – aber leider noch nicht ausgereift

Deutliche Abstriche gibt es zunächst in Sachen Kompatibilität, denn der Grafikkartenkühler von ZEROtherm geht, zwei zusätzliche Steckkartenslots verdeckend, für unseren Geschmack zu verschwenderisch mit den Platzressourcen im Gehäuse um. Außerdem machen die Hurricanes ihrem Namen alle Ehre – Maximaldrehzahlen von über 3000 U/min bei inakzeptabel hoher Geräuschkulisse sind einfach nicht mehr zeitgemäß, zumal der HC92 Cu auch bei geringeren Drehzahlen noch mehr als ausreichend Leistungsreserven aufbietet. Hinzu gesellt sich eine nutzlose Kunststoffabdeckung, die nur der Lärm erzeugenden Luftverwirbelung dient und unbedingt überarbeitet respektive gänzlich weg gelassen werden sollte.

Unterm Strich wurde mit dem ZEROtherm Hurricane also ein überaus leistungsstarkes Grafikkartenkühlerkonzept mit leider noch zu vielen Kinderkrankheiten verheiratet, sodass uns das getestete HC92-Gespann trotz Spitzenperformance keine allgemeine Empfehlung abringen konnten. Wer dennoch zugreifen möchte, bekommt den normalen HC92 Cu [2] für aktuell etwa 40 Euro, während für den nahezu identischen HC92 Cu 8800 [2] etwa 45 Euro verlangt werden.

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2007/test_ac_accelero_s1_zerotherm_gx810/
  2. http://www.zerotherm.net/
  3. http://www.caseking.de/shop/catalog/default.php?cPath=975_1318
  4. http://www.computerbase.de/downloads/software/systemueberwachung/everest/
  5. http://www.computerbase.de/downloads/software/benchmarks/cpu-kuehler_hoerproben/
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