Einleitung
Mit dem Ultra-120 [1] gelang der asiatischen Edelkühlerschmiede Thermalright im Jahre 2006 der erfolgreiche Einstieg in die 120-mm-Towerkühlerkonkurrenz. Ein Jahr später erfuhr der Ultra-120 seine Ablöse durch die eXtreme-Variante [2], deren Heatpipeausstattung gegenüber dem Vormodell von vier auf sechs aufgestockt wurde. Bis heute gehört der Ultra-120 eXtreme zu den leistungsfähigsten 120-mm-Towerkühlern am Markt und wird bisweilen nur durch Kühlgiganten wie den Scythe Orochi oder den IFX-14 aus eigenem Hause übertrumpft. In Anlehnung an das erfolgreiche Konzept des Ultra-120 eXtreme spendiert der Hersteller dem Kühler nun, zwei Jahre nach dem Urprodukt, erneut eine Designauffrischung. Diesmal hält Thermalright allerdings Abstand von allen die Leistung beeinflussenden Faktoren und widmet sich ausschließlich dem äußeren Erscheinungsbild des Kühlers: Mit dem „True Black 120“ können Freunde der edlen Kühleroptik nun eine komplett schwarze Version des Ultra-120 eXtreme erwerben. PC-Cooling [3] stellte uns ein Exemplar des neuen Thermalright-Schönlings, der lüfterlos zu einem Preis von 59,90 Euro verfügbar ist, für einen Kurztest zur Verfügung.
Lieferumfang
Geliefert wird der True Black 120 in einer typischen Thermalright-Kühlerbox, die stilecht an die Kühlerfarbe angepasst wurde. Ansonsten stimmt der Lieferumfang des Edelkühlers nominell mit jenem der Vorgänger überein: Neben dem Kühlkörper und einer bebilderten Anleitung gibt es Montagematerial für Intels Sockel 775 sowie AMDs AM2(+). Montagekits für ältere AMD-Plattformen sind optional erhältlich. Neu ist die beigelegte Wärmeleitpaste, die auf den Namen „Chill Factor 2“ hört, und eine etwas höhere Leistung als die frühere Thermalright-Silikonpaste verspricht. Außerdem liegen dem True Black 120 vier Drahtbügel sowie vier Gummistrings zur Anbringung von bis zu zwei 120-mm-Lüftern bei.
Technische Daten
- Hybrid-Towerkühler im 120-mm-Format
- Material: Kupferbodenplatte, Aluminiumlamellen
- Komplett vernickelt
- Sechsfach-6-mm-Heatpipekonstruktion
- 52 Lamellen, Abstand: 1,5 mm
- Kühloberfläche: ca. 3700 cm²
- Maße Kühlkörper (ohne Lüfter): (L) 63,5 x (B) 132 x (H) 160,5 mm
- Gewicht: ca. 790 g (ohne Lüfter)
- Geeignet für bis zu zwei 120-mm-Lüfter div. Bauhöhen
- Verschraubte Multiplattformmontage für Intel 775 oder AMD AM2(+)
- Support für AMD Sockel 754/940/939 mit separatem Retentionkit
- AM2-Rückplatte für Gigabyte- oder Asrock-Boards ebenfalls separat erhältlich
- Freigabe je nach Lüfter ohne Einschränkungen
- Herstellerhomepage und Kompatibilitätsliste [4]
- 59,90 Euro, PC-Cooling [2]
Impressionen und Details




Im Gegensatz zum Wechsel vom Ultra-120 zum Ultra-120 eXtreme, bei dem zwei Heatpipes dazu kamen, hat Thermalright hin zum True Black 120 keine konstruktiven Veränderungen vorgenommen. Nach wie vor hat man es bei diesem Kühler um einen vergleichsweise schmalen Towerprobanden mit geringem Lamellenabstand zu tun. Sechs 6-mm-U-Heatpipes drängen sich auf engen Raum und führen die Wärme – ausgehend von einer üppigen Kupferaufnahme – nach oben. Insgesamt 52 an den Luftstrom angepasste Aluminiumlamellen übernehmen die Radiatorfunktion.




Besonderheit des True Black ist seine namensgebende Außenhaut. Traditionell ließ man die Metalloberflächen bei Thermalright bisher unbehandelt oder versah sie mit Oxidschichten, bei denen der typisch silbrige Aluminiumglanz beibehalten wurde. Beim True Black setzt man erstmalig auf eine spezielle Komplettvernickelung des Kühlkörpers, die zu einem leicht glänzenden, schwarzen Erscheinungsbild führt. Diese Veredelung verfolgt neben der Funktion des Korrosionsschutzes lediglich eine optische Aufwertung. Auf eine Verbesserung der Kühlleistung wird dabei nicht abgezielt. Im Praxistest zeigt sich die vernickelte Oberfläche ähnlich anfällig gegenüber Fingerabdrücken, wie es bereits bei den Vorgängern der Fall war.




Zur Anbringung eines oder zweier 120-mm-Lüfter am Kühlkörper setzt Thermalright nach wie vor auf Drahtbügel. Diese werden am Kühlkörper sowie an den unteren Rahmenbohrungen der Lüfter eingespannt. Leider harmonieren die beigelegten Bügel nicht mit allen Lüftern tadellos – bei einem Scythe S-Flex rutschen die Bügel beispielsweise immer wieder aus der Halterung und man muss die Biegung etwas verändern, um einen sicheren Halt zu gewährleisten. Auch ist die Fixierung von Lüftern, die über verbundene Rahmenbohrungen verfügen, nicht ohne Weiteres möglich. Wer möchte, der kann den ohnehin schon recht satten Anpressdruck der Lüfter erhöhen, indem er die beigelegten Gummistrings zwischen Kühlkörper und Lüfter anbringt. Eine minimal schwingungsentkoppelnde Wirkung sollte dadurch erreicht werden können.




Die Montage realisiert Thermalright über direktverschraubte Rückplattenhalterungen für AMD (AM2/+) und Intel (775). Nachdem die Motherboardrückplatte (für Intel beiliegend, für AMD wird die Serienrückplatte verwendet) untergelegt, die CPU mit Wärmeleitpaste versehen und das entsprechende Montagekreuz am Kühlkörper eingefedelt wurde, kann der True Black 120 aufgesetzt und von oben mittels vier Federschrauben arretiert werden. Als konsequent inkonsequent könnte man bezeichnen, dass Thermalright darauf verzichtet, die Montageutensilien farblich an das Gesamtkonzept anzupassen.
Aufgrund des recht schmalen Kühlkörperdesigns stellt die Installation keine große Hürde dar, auch wenn zumindest für Intel-Plattformen ein Motherbaordausbau notwendig wird. Mögliche Inkompatibilitäten könnten vor allen Dingen ob der üppigen Bauhöhe des Kühlers von 160,5 mm auftreten, die für einige Gehäuse zu groß sein dürfte. Generell gelten für den True Black 120 die gleichen Motherboard-Kompatibilitäten [5] wie für den Ultra-120 eXtreme.
Testsystem
Heiz- und Herzstück unserer aktuellen Kühlertestplattform ist der mit einer spezifizierten Thermal Design Power (TDP) von 130 Watt ausgezeichnet skalierende Intel Core 2 Extreme QX6700, eine imposant leistungsfähige Quad-Core-CPU im 65-nm-Design, deren vier Kerne mit jeweils 2,66 GHz bei 1,35 Volt Kernspannung betrieben werden.
Als weitere Schlüsselkomponente unserer auf einen möglichst leisen Betrieb ausgelegten Komposition vertrauen wir beim Netzteil auf das Be-Quiet Straight-Power mit 600 Watt, das uns mit freundlicher Unterstützung von Be-Quiet [6] zur Verfügung gestellt wurde und beispielsweise bei Caseking [7] erhältlich ist. Den temperaturgeregelten, sehr leisen Serienlüfter des hocheffizienten Netzteiles tauschen wir aus Gründen des fairen Kühlervergleiches gegen einen mit konstant 800 U/min drehenden Scythe S-Flex, der den Papst F2GLL als Referenzlüfter im neuen System ablöst. Ein weiterer S-Flex werkelt auch rückseitig auf Höhe des Prozessorsockels ausblasend als einziger Gehäuselüfter im neuen Testgehäuse, dem Coolermaster Stacker 830, das uns zu diesem Zweck von Caseking [8] zur Verfügung gestellt wurde. Das Stacker 830 als meistverkauftes High-End-Gehäuse Europas bietet die Annehmlichkeiten einer weit verbreiteten Innenraumaufteilung, großzügigen Platzverhältnissen und durch den üppigen Gebrauch von lochblechernen Seitenwänden gute Belüftungs- und Luftansaugmöglichkeiten für die verschiedenen Testkühlerkonzepte. Alle weiteren Komponenten sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen:
- Intel Core 2 Extreme QX6700 „Kentsfield“ (4 x 2,66 GHz, 130 Watt TDP)
- XFX nForce 680I SLI (ISH9)
- 2x 512 MB Corsair CM2X512A-5400UL CL3
- Asus Radeon X1900XTX [gekühlt mit Arctic-Cooling Accelero S1 & Turbo-Module @ 5 Volt]
- Be-Quiet Straight-Power 600 Watt [mit Scythe S-Flex SFF21D bei 800 U/min]
- Coolermaster Stacker Gehäuse [mit Scythe S-Flex SFF21D bei 800 U/min Gehäuselüfter]
- Seagate Barracuda V 120 GByte SATA
- Raumtemperatur 23°C
- Arctic-Cooling MX-2 Wärmeleitpaste




Testverfahren: Wir gönnen dem frisch gestarteten System zunächst eine einstündige Aufwärmphase, in der Futuremarks „Ice Storm Fighter“-Demo (eine speziell auf die Leistungsfähigkeit von Quad-Core-Systemen abgestimmte, berechnungstechnisch in Threads aufgeteilte Grafikdemo, die das gesamte System entsprechend aufheizt) zum Einsatz kommt. Daran schließt sich der eigentliche Hitzetest für den Prozessor an, wobei wir uns dazu des kleinen, aber feinen Tools Core2MaxPerf 1.0 [9] bedienen, um die CPU-Auslastung aller vier Kerne über eine weitere Stunde konstant maximal zu halten. Core2MaxPerf 1.0 hat sich im Test gegen einige andere, potentielle Auslastungstools wie etwa Prime95, Intels Thermal Analysis Tool oder S&M aufgrund der besonders intensiven thermischen Beanspruchung aller vier Kerne durchgesetzt. Zum Abschluss der Testdurchläufe gewähren wir jedem Kühler noch eine Leerlaufphase von einer halben Stunde. Während des gesamten Szenarios werden die Temperaturverläufe mit der Everest-Ultimate-Software dokumentiert und die Maxima von uns zur Bewertung herangezogen. Wir testen jeden Kühler zunächst im 12-Volt-Modus, danach im 5-Volt-Betrieb.
Im Volllastbetrieb der CPU verbraucht unser System etwa 270 Watt, während im Leerlauf noch eine Leistungsaufnahme von 155 Watt zu verbuchen ist.
Achtung! Die Temperatur-Messergebnisse sind mitunter recht stark an die verwendete Testplattform geknüpft und können je nach Konfiguration erheblich abweichen. Sie sollten nur als Orientierung und grobe Tendenz, nicht allerdings als absolut angesehen werden.



Die Messung der Lautstärke erfolgt im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers im 40-cm-Abstand mit einem Voltcraft-320-Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Ab dieser Schwelle kann das vom Kühler emittierte Geräusch nicht mehr vom Messgerät aufgelöst werden. Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht respektive kaum mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der sehr störende Bereich.
Als neuen Service bieten wir außerdem ab sofort MP3-Hörproben der Kühlcombos in den jeweiligen Betriebsmodi (5 Volt / 12 Volt) an, da die gemessenen Schalldruckwerte nur für wenige Leser wirklich greif- und vorstellbar sind. Außerdem kann man mit Hilfe dieser Aufnahmen, die im Abstand von 5 cm zum Objekt erfolgen, den Charakter des jeweiligen Lüftergeräusches besser erfassen und einschätzen.
Ferner werden von uns die vom Lüfter erzeugten Windgeschwindigkeiten mit einem Anemometer gemessen und die maximale Geschwindigkeit als Indikator für den Volumendurchsatz angegeben. Dieser lässt sich dann einfach per Multiplikation des von uns angegebenen Wertes mit dem jeweiligen Lüfterquerschnitt abschätzen. Dabei ist bei der Ermittlung der Querschnittsfläche darauf zu achten, dass der Rotorbereich nicht mit eingerechnet werden darf.
Leistung
Wir untersuchen die Kühlleistung des True Black 120 in gewohnter Manier mit unseren drei 120-mm-Referenzlüftern aus den verschiedenen Leistungsklassen. Damit fällt der Vergleich zu den übrigen Kühlern des Marktes sehr einfach.
Kühlercharts mit Referenzlüftern
Demnach unterstreicht der True Black 120 die brillante Leistungscharakteristik der Ultra-120-eXtreme-Konstruktion und ordnet sich tendenziell etwas vor dem bereits vor Monaten getesteten Schwestermodell ein. Die Gründe hierfür sind allerdings lediglich in den Toleranzen der Fertigung und der Messgenauigkeit zu suchen. Grundsätzlich kann man vom True Black 120 die gleiche, enorm hohe Leistung in allen aktiv belüfteten Lebenslagen erwarten wie vom Ultra 120 eXtreme. Demnach gehört der True Black 120 zu den derzeit stärksten Towerluftkühlern des Marktes.
Kühlervergleich mit gleichen Lüftern
Angaben in °C
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Hierbei handelt es sich um das arithmetische Mittel der Kerntemperaturen der vier nativen Kerne unseres Testprozessors, die zur Generierung der Rangfolge in den Charts herangezogen werden.
Fazit
Thermalright erweitert mit dem True Black 120 sein ohnehin bereits sehr hochwertiges Produktprotfolio um einen weiteren hochkarätigen Prozessorkühler und beweist, dass das bereits etwas in die Jahre gekommene Ultra-120-Kühlerdesign nach wie vor zu den leistungsfähigsten des Marktes gehört. Aufgrund seiner durchaus speziellen Optik und seines im Vergleich zur Konkurrenz (aber auch zur Ultra-120-eXtreme-Schwester) sehr hohen Preises richtet sich der True Black 120 vornehmlich an Liebhaber der Marke.
Ansonsten erhält man mit dem True Black 120 einen Towerkühler in gewohnter Thermalright-Qualität mit sicherer Verschraubmontage und ordentlichem Zubehör. Lediglich die Drahtbügel zur Lüfterbefestigung gefallen nicht in jeder Situation beziehungsweise mit jedem Lüftermodell.
Wer also bereit ist, für den speziellen Look und die Exklusivität knapp 60 Euro plus Lüfterkosten zu mobilisieren, darf beherzt zugreifen und den Kühler beispielsweise bei PC-Cooling [11] erwerben. Wer sich dagegen nicht mit optischem Geplänkel herumschlagen will, ist mit einem Kühler vom Schlage eines EKL Groß-Clock'ners oder eines Scythe Ninja 2 zum jeweils halben Preis sicher besser beraten.
Weitere Empfehlungen
- Noctua NH-U12P [12] (hohe Leistung, super Gesamtpaket, leise, etwas teuer)
- EKL Groß-Clock'ner [13] (hohe Leistung, leiser Lüfter, recht günstig)
- Xigmatek HDT-S1283 [14] (hohe Leistung, günstig, leicht, einfache Montage)
- OCZ Vendetta 2 [15] (hohe Kühlleistung, günstig, groß)
- Scythe Mugen [16] (hohe Leistung, günstig, vielseitig einsetzbar, sehr groß)
- Scythe Ninja Cu [17] (hohe Leistung, exklusiv, hohe Qualität, Semi-Passiv-Betrieb möglich, teuer)
- ZEROtherm Nirvana NV120 [18] (hohe Leistung, gute Verarbeitung, etwas laut)
- Scythe Orochi [19] (sehr hohe Leistung als Tower oder Top-Flow, Passiv-Betrieb möglich, sehr leise, sehr groß, etwas teuer)
- Enzotech Ultra-X [20] (hohe Leistung als Top-Flow-Kühler, sichere Montage, etwas laut, teuer)






