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Test: Arctic-Cooling Accelero TwinTurbo

von Martin Eckardt

Einleitung

Der Schweizer Hersteller Arctic-Cooling genießt nicht zuletzt aufgrund der überaus fairen Preis-Leistungsgestaltung seiner Kühlprodukte einen hervorragenden Ruf. Speziell die aktuelle VGA-Kühler-Produktpalette lässt der Konkurrenz nur wenig Luft zum Atmen, führt die Accelero-Serie in Form des S1, S2 oder Xtreme doch in nahezu beängstigender Manier so gut wie alle Leistungscharts ungefährdet an. Mit dem TwinTurbo bekommt die Accelero-Familie nun frischen Nachwuchs. Im Stile der S1- oder S2-Produkte wird hier ein üppiger, aber recht einfach gehaltener Hybrid-Kühlkörper mit Heatpipeausstattung auf den 3D-Beschleuniger geschnallt. Wie dem Namen TwinTurbo zu entnehmen ist, verfügt der Kühler über eine serienmäßige Doppelbelüftung und hebt sich dadurch, aber auch durch die etwas kompakteren Ausmaße, von der beliebten S-Serie ab. Wir haben uns den Arctic-Cooling Accelero TwinTurbo im Test näher angesehen und wollen klären, ob auch dieser Spross zielsicher auf die Schweizer Erfolgsspur einbiegen kann.

Lieferumfang

Arctic-Cooling Accelero TwinTurbo Lieferumfang

Der Arctic-Cooling TwinTurbo wird in einer typischen Blisterverpackung geliefert. Dabei wird der Lieferumfang von acht Speicher- und vier speziellen Spannungswandlerkühlkörpern, zwei Slotblenden, dem entsprechenden Montagematerial inklusive ausreichend ausführlicher Anleitung mit deutschem Sprachteil, einem 12/7-Volt-Stromanschlussadapter sowie einem Hersteller-Sticker ergänzt.

Eckdaten

Kurzbeschreibung

Mit dem Accelero TwinTurbo stellt Arctic-Cooling der S-Serie eine neue Schwester zur Seite. Im Unterschied zu den etablierten Kühlern verfügt der TwinTurbo allerdings über einen deutlich kleineren Kühlkörper und ist bereits standardmäßig mit einer speziell eingepassten Doppelbelüftung ausgestattet. Preislich positioniert sich der Schweizer dabei in gewohnt niedrigen Regionen und ist bereits für knapp 20 Euro zu erstehen.

Arctic-Cooling Accelero TwinTurbo Verpackung Arctic-Cooling Accelero TwinTurbo Arctic-Cooling Accelero TwinTurbo Serienmäßig aufgetragene Wärmeleitpaste

Herzstück des hybriden Kühlkörpers stellen die vier 6-mm-Heatpipes dar, die von der aus Kupfer gefertigten Wärmeaufnahme in dem aus 30 längs verlaufenden Aluminiumlamellen bestehenden, 75 mm breiten Radiatorpart münden. Der Lamellenabstand ist im Vergleich zum passiv ausgelieferten Accelero S1, der auf einer Breite von 105 mm auch nur 32 Leichtmetallelemente aufzuweisen hat, deutlich von etwa drei auf zwei Millimeter gesunken. Dadurch könnte der TwinTurbo speziell bei geringerer Belüftung spürbare Leistungsnachteile an den Tag legen. Der Kühlkörper des TwinTurbo hinterlässt derweil einen angenehm robusten und ordentlichen Eindruck in Sachen Verarbeitung.

Kompakter Hybrid-Kühlkörper mit Vierfach-Heatpipe

Die Belüftung des TwinTurbos wird von zwei drehzahlstarken 80-mm-Lüftern übernommen, die in einen speziellen Kunststoffhalterahmen integriert wurden. Dieser Rahmen wird über einen Klickmechanismus mit dem Lamellenkörper des Schweizers verbunden und ist bei Bedarf leicht zu entfernen. Die beiden Lüfter drehen mit maximal 2000 U/min und sind damit deutlich zu laut für den Einsatz im Silent-System. Sie beziehen ihren Strom über einen zusammengeführten 3- oder 4-Pin-VGA-Anschluss inklusive Drehzahlüberwachung und PWM-Funktion direkt von der Grafikkarte oder wahlweise ohne Überwachungsfunktion über den mitgelieferten Adapter mit zwölf oder sieben Volt Arbeitsspannung. Erstere Variante ermöglicht ein bequemes Regeln der Ventilatoren per Software (z.B. den Rivatuner).

Zum großen Problem könnten allerdings die extrem dünnen Stromkabel der Lüfter werden. Unvorsichtiges Lösen der Steckverbindungen oder leichtes Knicken der Kabel kann bereits zum Kabelbruch und damit zum Defekt führen. Hier sollte der Hersteller unbedingt nachbessern und etwas haltbarere Kabelverbindungen bemühen.

Ausreichend: Passive Zusatzkühler für Speicher und VRM 80-mm-Doppelbelüftung im Rahmen Vorbildlich, aber extrem anfällig: 3- oder 4-Pin-VGA-Anschlüss inkl. PWM Demontierbarer Halterahmen der beiden 80-mm-Lüfter

Die Montage der TwinTurbo-Combo auf den unterstützten VGA-Beschleunigern geht einfach von der Hand. Nachdem der Originalkühler (unter Verlust der Herstellergarantie) von der Grafikkarte entfernt und die Oberflächen der Chips sorgfältig gereinigt wurden, können bereits die mitgelieferten, mit einer doppelseitig klebenden Wärmeleitfolie ausgestatteten Passivkühlblöcke für die Speicherbausteine sowie die Spannungswandler an entsprechender Stelle aufgesetzt werden.

Aufgeklebt: Bestückung der gereinigten RAM-Bausteine Montierter TwinTurbo ohne Lüfter Belegt zwei weitere Slots Komplett montiert: Arctic-Cooling Accelero TwinTurbo

Im Anschluss daran wird der TwinTurbo, dessen Kupferbodenplatte ab Werk bereits mit einer idealen Menge Wärmeleitpaste für den Ersteinsatz versehen wurde, vorderseitig auf der GPU positioniert und unter Verwendung entsprechender Isolationsringe und Abstandhalter rückseitig mit vier kleinen Schrauben alternierend fixiert. Aufgrund der relativ kompakten Grundfläche wird er TwinTurbo die Boards der meisten Grafikkarten nur gering überragen. Aufgrund der Höhe des Kühlers von 53 mm werden allerdings zwei zusätzliche Slots verdeckt.

Testsystem und -Verfahren

ATI Radeon X1900XTX als Basis für den Kühlertest Blick ins Testsystem für VGA-Kühler

Da der Arctic-Cooling TwinTurbo-Kühler nicht zu unserer aktuellen G80-Testgrafikkarte kompatibel ist, testen wir den Schweitzer auf der ATI/AMD Radeon X1900XTX. Ohne Heatspreader ausgestattet, verfügt der hitzköpfige Grafikchip nur über eine kleine Kontaktfläche zu den Kühlern und stellt damit höchste Ansprüche an die Kühlhardware. Das Testverfahren sieht unterdessen einen 30-minütigen 3D-Mark-06-Loop vor, durch den das System und im Speziellen die Grafikkarte beansprucht und aufgewärmt wird. Während dieser Periode werden alle wichtigen Sensor-Parameter (Temperaturen, Drehzahlen etc.) mit dem Tool Everest [3] dokumentiert. Die Maximalwerte aus diesen Messungen ziehen wir zum Vergleich der Produkte heran.

Die Messung der Lautstärke erfolgt, sofern möglich, im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft-320-Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich.

Download: Lüfterhörprobe als mp3-Datei [4]

Zusätzlich zu den Messungen der Schalldrücke bieten wir auch bei den Grafikkartenkühlern kleine Tonaufnahmen als Hörproben an. Diese wurden in unmittelbarer Nähe zum laufenden Lüfter aufgenommen und lassen damit besonders gute Rückschlüsse auf den Toncharakter des Lüfters zu. Zum Download der mp3-Dateien gelangt man mit einem Klick auf das obige Logo.

Temperatur und Lautstärke

Serienbelüftung

Die Lüfterausstattung des Arctic-Cooling TwinTurbo wurde nicht in letzter Konsequenz auf minimale Lautstärke abgestimmt. Speziell der bei den Schweizern immer wieder zu beobachtende Nebengeräuschcharakter mit spürbaren Schleif- und Rattergeräuschen im getrimmten Modus trübt das Bild. Darüber hinaus wartet das Doppelpack des TwinTurbo bei hohen Geschwindigkeiten mit sehr intensiven, eindringlich-hellen Laufgeräuschen auf. Minimal ist die Serienbelüftung auf etwa 500 U/min bei kaum wahrnehmbarem Geräusch trimmbar.

Im Performancevergleich mit den direkten Kontrahenten, die aufgrund der geänderten Testplattform extra für diesen Bericht noch einmal mitgetestet wurden, schlägt sich der TwinTurbo sehr beachtlich und stellt unter Beweis, dass die Abstimmung zwischen Kühlkörper und Lüfter-Duo gut gewählt ist. Vor allem die Accelero-S1-Schwester, die mit ihrem rahmenlosen Turbo-Modul viel Leistung verschenkt, kann bei deutlich kompakteren Abmessungen bezwungen werden. Vorne liegt der TwinTurbo auf dem hohen Niveau des Scythe Musashi, der allerdings bei gleicher Drehzahl merklich leiser arbeitet, und des Xigmatek Battle-Axe, dessen Kühlkraft durch die nicht ideale HDT-Auflage [5] beim frei liegenden ATI-Chip limitiert wird.

Kühler
[Spannung]
Leerlauf
[°C]
Auslastung
[°C]
Lärm
[dB(A)]
Test
Xigmatek Battle Axe
2 x 92 mm
2200 U/min
GPU: 33
Umg: 35
VRM: 51
GPU: 51
Umg: 45
VRM: 66
43,0 02/08 [6]
Scythe Musashi
2 x 100 mm Scythe
1900 U/min
GPU: 36
Umg: 35
VRM: 52
GPU: 53
Umg: 44
VRM: 69
36,9 09/08 [7]
AC Accelero TwinTurbo
2 x 80 mm Serie
1850 U/min
GPU: 34
Umg: 35
VRM: 54
GPU: 53
Umg: 45
VRM: 72
41,6 09/08
AC Accelero S1
2 x 80 mm Turbo Modul
1850 U/min
GPU: 36
Umg: 34
VRM: 54
GPU: 55
Umg: 45
VRM: 77
35,4 09/07 [8]
Xigmatek Battle Axe
2 x 92 mm
1100 U/min
GPU: 35
Umg: 35
VRM: 55
GPU: 55
Umg: 46
VRM: 73
31,8 02/08 [5]
AC Accelero TwinTurbo
2 x 80 mm Serie
1100 U/min
GPU: 35
Umg: 36
VRM: 58
GPU: 56
Umg: 49
VRM: 83
31,9 09/08
Scythe Musashi
2 x 100 mm Scythe
760 U/min
GPU: 39
Umg: 38
VRM: 65
GPU: 62
Umg: 50
VRM: 93
30,5 09/08 [6]
AC Accelero S1
2 x 80 mm Turbo Modul
750 U/min
GPU: 38
Umg: 36
VRM: 62
GPU: 62
Umg: 49
VRM: 94
30,6 09/07 [7]
AC Accelero TwinTurbo
2 x 80 mm Serie
520 U/min
GPU: 37
Umg: 36
VRM: 69
GPU: 66
Umg: 51
VRM: 105
30,5 09/08
Standardkühler
80 mm Radial
thermogeregelt
GPU: 50
Umg: 44
VRM: 63
GPU: 89
Umg: 64
VRM: 92
N.A. N.A.

„GPU“: Chiptemperatur | „Umg“: Umgebungssensor auf Platine | „VRM“: Spannungswandlertemperatur

Referenzbelüftung

Zusätzlich zur Gegenüberstellung der Serienbelüftung testen wir (sofern es möglich ist) alle VGA-Kühler noch mit unserem 120-mm-Referenzlüfter, dem Noctua NF-P12. Der Lüfter bietet ein sehr nebengeräuschsarmes Klangbild und eignet sich sowohl für leistungsfähige als auch für leise Auslegungen. Die Befestigung des Lüfters an den jeweiligen Kühlkörpern erfolgte, falls nicht anders möglich, per Kabelbinder.

TwinTurbo mit Noctua-120-mm-Referenzlüfter

Referenzbelüftung | GPU Last

 12 Volt ( 1250 U/min ):
Arctic-Cooling Accelero S1
53
Xigmatek Battle Axe
54
Arctic-Cooling TwinTurbo
55
Scythe Musashi
56
 5 Volt ( 580 U/min ):
Arctic-Cooling Accelero S1
59
Xigmatek Battle Axe
64
Scythe Musashi
64
Arctic-Cooling TwinTurbo
65
Angaben in °C

Referenzbelüftung | VRM Last

 12 Volt ( 1250 U/min ):
Arctic-Cooling Accelero S1
70
Arctic-Cooling TwinTurbo
74
Scythe Musashi
79
Xigmatek Battle Axe
80
 5 Volt ( 580 U/min ):
Arctic-Cooling Accelero S1
83
Arctic-Cooling TwinTurbo
91
Scythe Musashi
94
Xigmatek Battle Axe
98
Angaben in °C

In puncto 120-mm-Belüftung stellt der Accelero S1 nach wie vor die absolute Referenz dar. Seine Abmessungen sind nahezu ideal auf das Lüfterformat abgestimmt. Dagegen verpufft ein Großteil der Performance der Mitbewerber inklusive des TwinTurbo, die hier nahezu auf einem Level kühlen, aufgrund des deutlich überstehenden 120-mm-Ventilators. Nichtsdestotrotz kann sich der Einsatz eines 120-mm-Lüfters aus Sicht der Leistungserhöhung und Lautstärkesenkung lohnen.

Fazit und Empfehlungen

Mit dem Accelero TwinTurbo ergänzt Arctic-Cooling seine VGA-Kühler-Linie um einen gut abgestimmten Komplettkühler mit Doppelbelüftung. Dabei überzeugt die auf einer Höhe mit der aktuellen Konkurrenz von Xigmatek oder Scythe liegende Kühlleistung des kompakten Sprosses in Verbindung mit der Serienbelüftung. Ist man allerdings gewillt, das Serien-Lüfterduo gegen ein oder zwei 120-mm-Pendants zu tauschen, sollte man nach wie vor lieber zum S1 aus gleichem Hause greifen. Hinsichtlich seiner Lautstärkeentfaltung kann der TwinTurbo nicht vollends brillieren und weist im unteren Drehzahlbereich die ein oder andere unschöne Nuance auf. Dafür wird die direkte Stromversorgung inklusive Regulierung per Grafikkarte sowie PWM-Support geboten. Leider fällt die vorhandene Verkabelung recht dünn und damit speziell im Bereich der Anschlüsse sehr bruchanfällig aus.

Geschwister: Arctic-Cooling Accelero TwinTurbo und S1

Abseits davon wartet der Arctic-Cooling TwinTurbo mit einer preislich angemessenen Verarbeitungsqualität und einer einfachen, schnell ausführbaren Montageform auf. Wünschenswert wäre an dieser Stelle allerdings noch ein etwas breiteres Kompatibilitätsfenster, das sich durch mehr Bohrungen an der Installationsplatte leicht hätte umsetzen lassen, um auch für spätere Grafikkartenneuanschaffungen gewappnet zu sein.

Unterm Strich hat Arctic-Cooling mit dem TwinTurbo wieder ein ordentliches Gesamtpaket geschnürt, das zu einem Fairen Einstiegspreis von knapp über 20 Euro [1] zu erstehen ist.

URL-Liste:

  1. http://www.arctic-cooling.com/deu/
  2. http://www.caseking.de/shop/catalog/PC-Zubehoer/VGA-Kuehler-Heatpipes/Alle-VGA-Kuehler/Arctic-Cooling-Accelero-Twin-Turbo::11013.html
  3. http://www.computerbase.de/downloads/software/systemueberwachung/everest/
  4. http://www.computerbase.de/downloads/software/benchmarks/cpu-kuehler_hoerproben/
  5. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2008/test_xigmatek_battle-axe_vga-kuehler/3/#abschnitt_leistungscheck
  6. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2008/test_xigmatek_battle-axe_vga-kuehler/
  7. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2008/test_scythe_musashi_grafikkartenkuehler/
  8. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2007/test_ac_accelero_s1_zerotherm_gx810/
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