Einleitung
Als geschrumpfte Version des HAF 932 kommt das HAF 922 daher. Es ist eine deutlich kleinere und kostengünstigere Version des bekannten HAF-932-Gehäuses, bei dem das optische Erscheinungsbild allerdings ähnlich gehalten ist. Mit einem Preis um 90 Euro herum soll das „HAF Mini“ im Bereich der Gaming-Midi-Tower mitmischen und setzt zu diesem Zweck neben der Optik vor allem auf Kühlleistung durch viele große Lüfter; wenngleich diese ebenfalls nicht mehr ganz so riesig sind wie die des großen Bruders.
Lieferumfang und Daten
Die technischen Daten des Gehäuses im kompakten Überblick:
- Material: Stahl, Kunststoff
- Abmessungen: ca. 502 x 253 x 563 mm (H x B x T)
- Gewicht: etwa 8,7 kg
- fünf 5,25"-Front-Laufwerkschächte (einer davon mit Einbauschienen für 3,5"-Geräte nutzbar)
- fünf Schächte für 3,5"-Festplatten
- zwei 200x30-mm-Lüfter mit 700 U/Min oben (schwarz) und in der Front (rot beleuchtet)
- mehrere Aufnahmen für alternative Lüfterbestückungen (120, 140 und 200 mm) in Deckel, Seitenwand und Boden
- Mainboard-Formfaktoren: ATX, Micro-ATX
- Beleuchtungsschalter, eSATA-, USB- und Audioanschlüsse in der Front
Im Lieferumfang ist alles notwendige wie Schrauben und Abstandshalter enthalten, allerdings auch nicht wesentlich mehr. Da im Unterschied zum ähnlich aufgebauten Storm Sniper aus gleichem Hause die Lüfter in der Seite und im Deckel von außen festgeschraubt werden, benötigt man hier keine speziellen 25 bzw. 30 mm langen Schrauben und so liegen dem Gehäuse auch keine bei – dafür ist sogar die Bedienungsanleitung mit einer Kunststoff-Schutzhülle versehen. Hier sollte Cooler Master die Prioritäten vielleicht überdenken.
Ausstattung außen
Das Design des HAF 922 ist sichtbar angelehnt an das des großen Bruders HAF 932 [1], auch wenn die Formgebung – passend zur reduzierten Größe – vor allem an der Seitenwand etwas braver ausgefallen ist. Die Front soll mit den Querrippen im unteren Bereich und den Einbuchtungen an den Seiten den Eindruck erwecken, aus Metall zu sein, kann aber nur bei oberflächlicher Betrachtung über ihre Kunststoffnatur hinwegtäuschen. Cooler Master hat es allerdings geschafft, Farbton und Oberflächenstruktur von Kunststoff- und Blechteilen so gut anzugleichen, dass hier ein stimmiges Gesamtbild entsteht. Das gilt insbesondere für den Deckel, auf den im vorderen Bereich noch eine Kunststoffblende im Design der Front aufgesetzt wurde. Dahinter erwecken allerdings Wabengitter und Blechprägungen den Eindruck, dem Rest des Deckels wäre eine zierende Abdeckung abhanden gekommen.
Die Seitenwände sind etwas gefälliger gestaltet, beide sind deutlich ausgebuchtet und die linke weist einen großen „HAF“-Aufdruck sowie Lüfteröffnungen auf. Daran können zwei 120- oder ein 200-mm-Lüfter montiert werden, ein Staubilter ist leider nicht vorgesehen. Die gute Sichtbarkeit der gegebenenfalls montierten Lüfter hinterlässt zusammen mit deren ebenfalls sichtbaren Befestigungsschrauben einen eher negativen Eindruck, was jedoch Geschmackssache ist.












Wie bei anderen aktuellen Gaminggehäusen von Cooler Master ist im Gehäusedeckel neben den obligatorischen Bedienelementen Power-/Reset-Taster und LEDs auch eine Taste zum Ein- und Ausschalten der Lüfterbeleuchtung integriert, auf eine Lüftersteuerung wurde allerdings verzichtet. In der Front befinden sich zwei USB-, zwei Audioports und ein SATA-Port (der mittlerweile in vielen Gehäusen den bisher üblichen FireWire-Port als schnellste Schnittstelle ersetzt). Die Gehäuserückseite offenbart neben den üblichen Öffnungen auch Schlauchdurchlässe sowie eine einzeln stehende Slotblende, welche bereits einen Hinweis auf den inneren Aufbau liefert, der im Folgenden thematisiert wird.
Ausstattung innen
Was von außen höchstens an eben jener Slotblende erkennbar ist, die es auch beim Cooler Master Storm Sniper gibt, offenbart sich sofort beim Abnehmen der Seitenwände: Beide Gehäuse sind innen fast identisch. Was für den Hersteller aus Kostengründen sicher gut und sinnvoll ist, ist für den Kunden eventuell ein Hindernis: wenn der Innenraum des einen Produktes nicht gefällt, fällt das andere als Alternative ebenfalls aus. Allerdings kann auch genau der entgegen gesetzte Fall eintreten.
Das Mainboard wird auf einem nicht herausnehmbaren Tray montiert, der unten eine große Öffnung und einige Befestigungspunkte für Kabelbinder aufweist, um die Kabel dahinter verstecken zu können. Gegenüber dem rund 50 Prozent teureren Storm Sniper sind leider einige Komfortfunktionen dem Rotstift zum Oper gefallen, unter anderem eine werkzeuglose Arretierung der Eweiterungskarten sowie ein Lüfterrahmen im Boden, sodass jetzt Karten und Lüfter verschraubt werden müssen. Weiterhin ohne Werkzeug möglich ist der Einbau von Laufwerken und Festplatten, allerdings ist der Festplattenkäfig jetzt fest vernietet und nicht verschraubt. Die entsprechenden Gewinde sind allerdings vorhanden und sitzen direkt neben den Nieten, sodass hier mithilfe eines Bohrschraubers schnell Abhilfe geleistet werden kann. 5,25"-Laufwerke werden per Knopfdruck arretiert; ein gut funktionierendes System, welches bereits aus anderen Gehäusen wie dem Cooler Master Cosmos bekannt ist. Laufwerke können aber auch traditionell beidseitig verschraubt werden. Festplatten werden erst einzeln in mehr oder weniger entkoppelte Kunststoffrahmen eingelegt und dann in den Käfig geschoben. Bis zu fünf Festplatten werden vom 200-mm-Lüfter in der Front direkt mit Frischluft befächert.








Hinten unten befindet sich die Aufnahme für das Netzteil mit zwei gepolsterten Auflageflächen und der Möglichkeit, das Netzteil in beiden möglichen Ausrichtungen zu verschrauben. Die Auflageflächen bereiten allerdings Schwierigkeiten, sobald ein Netzteil an der Unterseite nicht plan ist beziehungsweise ein erhobenes Lüftergitter verbaut wurde. Dies führt zu einer erhöhten Einbauposition, die dafür sorgt, dass das Netzteil nicht mehr unter einen Blechvorsprung des Mainboard-Trays passt. Hier bleibt also nur die Möglichkeit, das Netzteil mit dem Lüfter nach oben zu montieren – oder der Griff zu Zange oder Dremel. Dies hatten wir bereits beim Storm Sniper bemängelt, leider macht der Hersteller keine Anstalten dieses Problem zu beseitigen.
Was allerdings sehr gut in dieses Gehäuse passt, sind hohe Towerkühler – das HAF 922 ist grundsätzlich schon recht breit und die ausgebuchtete Seitenwand verschafft hier zwei wertvolle zusätzliche Zentimeter Platz. Auch die Montage eines Radiators wird dadurch begünstigt – ein testweise montierter alter Aqua Computer EVO 240 ließ noch etwa fünf respektive zehn Millimeter Luft zum Netzteil beziehungsweise zur Grafikkarte. Die meisten aktuellen Radiatoren sind weniger dick, sodass hier im Allgemeinen keine Probleme zu erwarten sind.
Neben den Erweiterungsslots befindet sich eine weitere Slotblende, die allerdings im Gegensatz zum Storm Sniper keine besondere Funktion hat. Dieser Slot kann im HAF 922 beispielsweise für einen Adapter mit USB- und Firewire-Anschlüssen genutzt werden, der ansonsten einen vollwertigen Erweiterungsslot blockieren würde.
Erfahrungen
Beim Einbau stießen wir auf das bereits erwähnte Problem mit der Netzteilaufnahme, bei der Netzteile mit außen liegendem Lüftergitter Schwierigkeiten machen. Ansonsten verlief der Einbau der Testhardware problemlos. Eine interessante Hilfe sind dabei zwei bereits im Auslieferungszustand eingesetzte Abstandshalter, die sich von den übrigen unterscheiden und das Mainboard schon vor dem Festschrauben genau in Position halten. Sicher nur ein kleines Detail, aber doch wünschenswert in jedem Gehäuse.
Die werkzeuglose Montage von Laufwerken ist längst Standard, ebenso die Verwendung von Rändelschrauben für die Steckkarten – das HAF 922 hebt sich in dieser Hinsicht nicht von der Konkurrenz ab. Auch die Aussparung im Mainboardtray zur Kühlermontage ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Die Verarbeitung ist zwar insgesamt ordentlich, allerdings fiel ab und zu bei voller Drehzahl der 200-mm-Lüfter eine laute Vibration des Deckels auf, da hier das Lüftergitter direkt auf dem Lüfter aufliegt. Hier wäre eine simple Entkoppelung angebracht.
Im Gegensatz zu den meisten in Blau beleuchteten Gehäusen hat es Cooler Master beim HAF 922 geschafft, die Helligkeit der roten Status-LEDs so zu wählen, dass sie zwar sichtbar sind, aber einen dunklen Raum nicht komplett beleuchten können. Zusammen mit der abschaltbaren Beleuchtung des Frontlüfters sorgt dies dafür, dass man einen Rechner in diesem Gehäuse auch ohne weiteres Nachts laufen lassen kann, ohne dass er stört – was bei beleuchteten Gehäusen selten ist.












Testsystem
Das Testsystem im Detail:
- AMD Athlon 64 X2 4800+ (Toledo) mit Boxed-Kühler
- Gigabyte GA-K8N51PVMT-9 (Geforce 6150, nForce 430)
- 2 x 512 MB + 2 x 256 MB Corsair DDR400
- Asus HD 4850
- 2 x 80 GB Hitachi Deskstar 7K250 SATA
- LG GSA-H20L DVD-RAM
- Be Quiet P4 Blackline 400W
Die Temperaturen wurden gemessen, während das System den 3DMark05 als Dauerschleife ausführte. Die Lautstärkemessungen wurden mit einem „Voltcraft Digitales Schallpegelmessgerät 320“ durchgeführt, das Schallpegel im Bereich von 30 bis 120 Dezibel misst. Die Grundlautstärke des Messraumes lag bei subjektiv empfundener Stille unterhalb des Messbereiches, also bei weniger als 30 Dezibel. Als Referenzen wurden verschiedene bisher getestete Gehäuse verwendet.
Für die Regelung der Lüfter wurde eine Scythe Kaze Master 5,25" genutzt, die einen Regelbereich von etwa 3,7 bis 12 Volt aufweist.
Messungen
Das HAF 922 aus Cooler Masters „High Air Flow“-Serie ist, wie der Name schon sagt, auf hohen Luftdurchsatz ausgelegt, und dementsprechend sind auch die Lüfter dimensioniert. Bei 12 Volt Spannung drehen diese relativ schnell und erzeugen eine auf die Dauer nervige Geräuschkulisse, wobei die 200-mm-Lüfter bei dieser Geräuschsinfonie für die Luftumschlagsgeräusche und der 120-mm-Lüfter im Heck für das Lagerklackern zuständig sind. Heruntergeregelt auf 5 Volt verhalten sich allerdings alle Beteiligten erstaunlich ruhig, sodass das HAF 922 zusammen mit einer Lüftersteuerung durchaus für einen halbwegs leisen Rechenknecht tauglich ist. Bei jeder höheren Spannung tut sich allerdings besonders der minderwertige 120-mm-Lüfter hervor.
Lautstärke
Angaben in Dezibel
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Speziell bei voller Drehzahl sorgen die 200-mm-Lüfter für ordentlich Durchzug, die Temperaturen sind insgesamt auf einem niedrigen Niveau. Heruntergeregelt drehen sich die im direkten Vergleich zum Storm Sniper schwächer dimensionierten Lüfter allerdings nur noch sehr langsam, sodass hier keine Spitzentemperaturen mehr erreicht werden können. Da die beiden Gehäuse innen quasi gleich sind, haben wir beim HAF 922 die optionalen Lüfter in der Seitenwand weggelassen, wovon interessanterweise vor allem die CPU-Temperatur profitiert - ansonsten sind nur die Festplatten im HAF 922 durch die langsameren Lüfter minimal wärmer.
Systemtemperaturen
Angaben in °C
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Achtung: Die Messungen einiger anderer Gehäuse erfolgten noch mit der GeForce 6600 GT!
Fazit
Das Cooler Master HAF 922 ist recht neu auf dem Markt, bietet allerdings in Summe bekannte Kost: den Innenraum des Storm Sniper und das äußere Erscheinungsbild des großen HAF 932. Da der Hersteller sich vor allem innen weitgehend an die Standards gehalten hat, ist das „HAF Mini“ ein Allround-Gehäuse ohne große Stärken und Schwächen geworden. Mit seinen großen Lüftern ist es gut für kompakte High-End-Systeme geeignet, mithilfe einer Lüftersteuerung ist es aber auch ruhig zu stellen. Leider spricht außer der Tatsache, dass es keine gravierenden Schwächen gibt, keine Besonderheit für das HAF 922, denn sowohl Ausstattung als auch Verarbeitung sind bekannt.
Wer das Design ansprechend findet, der kann somit ruhig zugreifen. Allerdings sprechen wir keine allgemeine Kaufempfehlung aus, im Bereich um 100 Euro (erhältlich beispielsweise bei Caseking [2]) gibt es einfach zu viele Alternativen, die gleich gut oder besser sind.
Tagesaktuelle Preise und Verfügbarkeiten:

