Einleitung
Unter dem neuen Label „CM Storm“ hat Cooler Master in den letzten Monaten zwei verwandte Gehäuse vorgestellt, die auf die besonderen Bedürfnisse von PC-Spielern und vor allem LAN-Party-Besuchern zugeschnitten sein sollen. Die zwei Varianten sind das Storm Sniper und das erst kürzlich präsentierte Storm Scout, wobei das zweite etwas günstiger ist und auf einige Ausstattungsmerkmale verzichten muss. Das Sniper mit seiner integrierten Lüftersteuerung, seinen großen Lüftern und den kleinen aber feinen Features, die man sonst selten findet, scheint daher deutlich interessanter.
Lieferumfang und Daten
Die technischen Daten des Gehäuses im kompakten Überblick:
- Material: Stahl, Kunststoff
- Abmessungen: ca. 510 x 255 x 567 mm (H x B x T)
- Gewicht: etwa 10,6 kg
- fünf 5,25"-Front-Laufwerkschächte (einer davon mit Einbauschienen für 3,5"-Geräte nutzbar)
- fünf Schächte für 3,5"-Festplatten
- zwei 200x30-mm-Lüfter (500-1.000 U/min, blau beleuchtet) vorne und oben sowie ein 120-mm-Lüfter (max. 1200 U/min) oben
- mehrere Aufnahmen für alternative Lüfterbestückungen in Deckel, Seitenwand und Boden
- Mainboard-Formfaktoren: ATX, Micro-ATX
- Lüftersteuerung (5 bis 12 Volt), Beleuchtungsschalter, eSATA-, USB-, Firewire- und Audioanschlüsse im Gehäusedeckel
Im Lieferumfang ist alles notwendige wie Schrauben und Abstandshalter enthalten, zusätzlich gibt es einige Kabelbinder und runde, unauffällige Ersatzfüße für all' diejenigen, denen die werksseitig montierten drehbaren Füße nicht zusagen. Auch die nötigen Schrauben, um zusätzliche Lüfter mit Stärken von 25 oder 30 mm an der linken Seitenwand zu montieren, sind enthalten.
Ausstattung außen
Wie bei vielen „Gamer“-Gehäusen divergiert auch beim CM Storm Sniper die Meinungen über das Design stark. Es ist mit seinen kühlrippenartigen Luftschlitzen oben und der Kunststoffhülle nicht so schlicht wie die gängigen Aluminiumtower, aber auch nicht so verspielt wie andere Gehäuse für die gleiche Zielgruppe. Da diese vor allem aus aktiven LAN-Party-Besuchern besteht, wird das Design von der Kunststoffhülle um den Stahlkorpus bestimmt, die oben und unten die quer verlaufenden Lüftungsschlitze aufweist sowie vorne und an der linken Seite mit Mesh-Flächen versehen ist. Die Hülle vermittelt den Eindruck eines hohen Luftdurchsatzes, was im Zusammenspiel mit den großen verbauten Lüftern auch den Tatsachen entspricht. Die breiten Schlitze vorne und hinten im Deckel sind mit Stahl verstärkt und bilden Tragegriffe.
Auffällig sind auch die Ausbuchtungen beider Seitenwände, die neben den optischen auch ganz praktische Effekte haben. Auf der linken Seite können so trotz eventuell angebrachter Lüfter noch sehr hohe Towerkühler benutzt werden, auf der rechten Seite steht mehr Platz zum Verstecken der Kabel zur Verfügung. Für die Lüftermontage ist in der linken Seitenwand ein Metallgitter montiert, welches leider nicht völlig fest mit dem Stahl der Seitenwand verbunden ist, sodass hier bei schnell drehenden Lüftern durchaus Geklapper zu erwarten ist. Auch das Kunststoffnetz, welches als Staubfilter zwischen Seitenwand und Gitter liegt, hilft gegen Vibrationen nicht. Eine ähnliche Konstruktion ist auch im unteren Teil der Front zu finden, der zur Reinigung separat von der restlichen Front abnehmbar ist und den großen 200-mm-Lüfter verdeckt. Die Blenden der 5,25"-Schächte bestehen ebenfalls aus Metallgittern in Kunststoffrahmen.










Vorne im Deckel ist das Bedienfeld zu finden, in dem mit je einem Firewire-, eSATA- und vier USB-Ports sowie Mikrofon- und Kopfhöreranschlüssen alle gebräuchlichen Anschlussmöglichkeiten untergebracht sind. Daneben gibt es den obligatorischen Power-Taster, einen gegen versehentliche Betätigung geschützten Reset-Taster sowie einen Drehregler für die Lüfterdrehzahl, in dessen Mitte ein Schalter für die Lüfterbeleuchtung integriert wurde. Zwei fast schon störend helle, blaue Leuchtdioden zeigen Betriebsstatus und Festplattenaktivität an. All' diese Elemente sind in in ein sehr dünnes Aluminiumblech eingelassen, welches seinerseits auf der Plastikhülle aufgeklebt ist. Im Auslieferungszustand war dieses Blech bei unserem Exemplar etwas aus der Form geraten, konnte aber wieder an seinen Platz gedrückt werden. Richtig plan wird dieses Aluminium jedoch nie, sodass hier zusammen mit den Tastern und Reglern aus Kunststoff der Eindruck einer etwas minderwertigen Materialwahl entsteht.
Ausstattung innen
Innen entspricht das CM Storm Sniper weitgehend dem Stand der Technik. Das Mainboard wird auf einem nicht heraus nehmbaren Tray montiert, der unten eine große Öffnung und einige Befestigungspunkte für Kabelbinder aufweist, um die Kabel dahinter verstecken zu können. Zwischen Mainboard und Deckel sind knapp fünf Zentimeter Platz, was zusammen mit der Möglichkeit, 120-mm-Lüfter im Deckel zu montieren, prädestiniert ist für den Radiator einer Wasserkühlung. Allerdings kann es trotzdem noch zu Kollisionen mit Bauteilen auf dem Mainboard kommen, da die meisten Kombinationen von Radiator und Lüfter mehr als fünf Zentimeter Platz beanspruchen. Zum Austauschen der Lüfter im Deckel muss die Kunststoffabdeckung entfernt werden, die – ebenso wie Front und Boden – mit einigen Kunststoffhaken am Stahlkorpus befestigt ist. Darunter kommen die Metallprofile für die Tragegriffe, die Lüfteröffnungen sowie die Elektrik des Frontpanels zum Vorschein. Die Demontage der Front ist eigentlich nie nötig, der Boden muss entfernt werden, wenn man den Festplattenkäfig oder den Kunststoffrahmen des Bodenlüfters entfernen will. In diesen kann ein optionaler 120-mm-Lüfter eingeclickt werden.
Im Gegensatz zum Festplattenkäfig nicht entfernbar ist der 5,25"-Käfig, der fünf Laufwerken Platz bietet. Arretiert werden diese per Knopfdruck, ein gut funktionierendes System, welches bereits aus anderen Gehäusen wie dem Cooler Master Cosmos bekannt ist. Laufwerke können aber auch traditionell beidseitig verschraubt werden. Festplatten werden erst einzeln in mehr oder weniger entkoppelte Kunststoffrahmen eingelegt und dann in den Käfig geschoben. Bis zu fünf Festplatten werden vom 200-mm-Lüfter direkt mit Frischluft befächert.












Hinten unten befindet sich die Aufnahme für das Netzteil mit zwei gepolsterten Auflageflächen und der Möglichkeit, das Netzteil in beiden möglichen Ausrichtungen zu verschrauben. Diese Auflageflächen bereiten allerdings Schwierigkeiten, sobald ein Netzteil an der Unterseite nicht plan ist beziehungsweise ein erhabenes Lüftergitter verbaut wurde. Dies führt zu einer erhöhten Einbauposition, die dafür sorgt, dass das Netzteil nicht mehr unter einen Blechvorsprung des Mainboard-Trays passt. Hier bleibt also nur die Möglichkeit, das Netzteil mit dem Lüfter nach oben zu montieren – oder der Griff zu Zange oder Dremel.
Neben den Erweiterungsslots, die eine werkzeuglose Arretierung einzelner Karten zulassen, befindet sich ein besonderes Feature der CM-Storm-Gehäuse, das sogenannte „StormGuard“-System. Dabei handelt es sich um eine Slotblende mit sechs Öffnungen, durch die drei Peripheriegeräte fest an den Rechner gebunden werden können, um den schnellen Diebstahl beispielsweise auf einer LAN-Party zu verhindern. Alternativ kann dieser Slot aber auch für einen Adapter mit beispielsweise USB- und Firewire-Anschlüssen genutzt werden, der ansonsten einen vollwertigen Erweiterungsslot blockieren würde.
Erfahrungen
Beim Öffnen des Gehäuses fiel uns zuerst das bereits erwähnte Geklapper des zu locker befestigten Gitters in der linken Seitenwand auf. Ohne oder mit leisen Lüftern ist dies noch unkritisch, allerdings können die Vibrationen von einigen Festplatten oder auch von stärkeren Lüftern in der Seitenwand hier für störende Geräusche sorgen. Auch die nicht gerade perfekte Verarbeitung der Aluminiumblende mit den Frontanschlüssen trägt ihren Teil dazu bei, dass das Gehäuse für seinen stolzen Preis von immerhin etwa 150 Euro insgesamt etwas zu schlecht verarbeitet ist. Auch die Fehlkonstruktion der Netzteilaufnahme könnte hier dem einen oder anderen Nutzer auf dem Weg zum perfekten Luftstrom Kopfzerbrechen bereiten.








Neben der in Teilen suboptimalen Verarbeitung fällt das CM Storm Sniper aber auch durch einige gute Ideen auf – die Aussparung im Mainboard-Tray zum Wechseln des CPU-Kühlers ist ebenso zu nennen wie die integrierte Lüftersteuerung sowie die Möglichkeit, die Lüfterbeleuchtung unabhängig von deren Drehzahl an- oder abzuschalten. Sowohl für zu regelnde Lüfter als auch für die Beleuchtung stehen jeweils zwei zusätzliche Anschlüsse bereit, sodass auch CPU- oder Grafikkartenlüfter geregelt werden können.








Testsystem
Das Testsystem im Detail:
- AMD Athlon 64 X2 4800+ (Toledo) mit Boxed-Kühler
- Gigabyte GA-K8N51PVMT-9 (Geforce 6150, nForce 430)
- 2 x 512 MB + 2 x 256 MB Corsair DDR400
- Asus HD 4850
- 2 x 80 GB Hitachi Deskstar 7K250 SATA
- LG GSA-H20L DVD-RAM
- Be Quiet P4 Blackline 400W
Die Temperaturen wurden gemessen, während das System den 3DMark05 als Dauerschleife ausführte. Die Lautstärkemessungen wurden mit einem „Voltcraft Digitales Schallpegelmessgerät 320“ durchgeführt, das Schallpegel im Bereich von 30 bis 120 Dezibel misst. Die Grundlautstärke des Messraumes lag bei subjektiv empfundener Stille unterhalb des Messbereiches, also bei weniger als 30 Dezibel. Als Referenzen wurden verschiedene bisher getestete Gehäuse verwendet.
Für die Regelung der Lüfter wurde die integrierte Lüfftersteuerung genutzt, die einen Regelbereich von 5 bis 12 Volt bietet.
Messungen
Wie bei Gehäusen mit integrierter Lüftersteuerung üblich, sind im CM Storm Sniper recht schnell drehende Lüfter verbaut, die im Betrieb mit voller Spannung entsprechend Krach machen. Die beiden 200-mm-Lüfter tun sich dabei besonders hervor, während der 120-mm-Lüfter im Heck auch bei 12 Volt recht leise bleibt. Im Betrieb mit fünf Volt bleibt die Geräuschkulisse recht angenehm, allerdings sind andere Gehäuse deutlich leiser. Die nachgerüsteten Noiseblocker SX1 in der Seitenwand tragen zu keinem Zeitpunkt signifikant zum Lärmpegel bei.
Lautstärke
Angaben in Dezibel
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Speziell bei voller Drehzahl sorgen die 200-mm-Lüfter für ordentlich Durchzug, aber auch heruntergeregelt kann sich die Kühlleistung des CM Storm Sniper sehen lassen. Die Temperaturen sind insgesamt auf einem niedrigen Niveau.
Systemtemperaturen
Angaben in °C
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Achtung: Die Messungen einiger anderer Gehäuse erfolgten noch mit der GeForce 6600 GT!
Fazit
Auch bei diesem Gehäuse erwarten wir, dass die Meinungen unserer Leser stark auseinander gehen werden – schon allein das schwer in Worte fassbare Design des Gehäuses und seine Ausrichtung auf Spielernaturen bedingen das. Es gibt aber auch handfeste Gründe, die für oder gegen das CM Storm Sniper sprechen. Bei einem stolzen Preis von etwa 150 Euro dürfen Schnitzer wie die fehlerhafte Netzteilaufnahme oder die mangelhafte Verarbeitung des Frontpanels eigentlich nicht passieren. Andererseits sprechen Kühlleistung und die Ausrichtung auf die Bedürfnisse von LAN-Party-Gästen durchaus dafür, dieses Gehäuse als Basis für einen Spielerechner zu verwenden.
Alles in Allem scheint uns das CM Storm Sniper aber auch nur für diese Zielgruppe, aktive LAN-Party-Besucher, so richtig interessant zu sein. Für diese Kunden stellt das Gehäuse am ehesten eine Rundum-Sorglos-Lösung dar. Für alle anderen Anwendungszwecke gibt es entweder günstigere oder besser verarbeitete Gehäuse. Eine generelle Empfehlung können wir für das CM Storm Sniper deshalb nicht aussprechen.
Eine spezielle „AMD Dragon Edition“ [1] ist übrigens für etwa 160 Euro bei Caseking erhältlich.
Tagesaktuelle Preise und Verfügbarkeiten:


