ComputerBase

Test: Lancool K58

von Benjamin Marks

Einleitung

Mit dem K58 schickt Lancool ein weiteres Gehäuse im mittleren Preissegment ins Rennen. Die Zugehörigkeit zur Dragonlord-Serie verrät schon im Vorfeld, worauf sich der Käufer einzustellen hat, wenn er dieses Gehäuse in Betrieb nimmt, und der erste Blick auf den Midi-Tower lässt die Erwartungen auf eine reichhaltige Ausstattung hinter der dezenten Metallfassade steigen. Mit einer gelungenen Kombination aus Mesh-Front (Lochblech), Me­tall-Seitenteilen und Kunststoff-Deckel bzw. Seitenstreben signalisiert das K58 eine charman­te Dominanz. Nach dem Lancool Metal-Boned K7 (ComputerBase-Test [1]) testen wir auch diesen Sprössling auf Herz und Nieren.

Lancool K58
Lancool K58

An dieser Stelle geht unser Dank für die Bereit­stellung des Samples an den Online-Händler Caseking aus Berlin. Dort kann das Lancool K58 für etwa 70 Euro [2] erworben werden. Auch diverse Kombinationen des Gehäuses mit Lüftersets, Kühlern oder Netzteil sind erhält­lich.

Lieferumfang und Daten


Neben den üblichen Schrauben und einer Anleitung gehören diverse Thumb-Screws, eine zusätzliche Halteleiste für das Kabelmanagement, ein 4-Pol-Lüfteranschluss, Vibrationsdämpfer und der hardwareseitige Lautsprecher zum Lieferumfang des Gehäuses.

Ausstattung außen

Lancool verzichtet beim K58 wie beim K7 in Gänze auf das für Lian Li typische Corporate Design und geht einen eigenen Weg. In der Front befinden sich fünf herausnehmbare Blenden, die jeweils von Innen mit einem Staubfilter ausgestattet sind. Trennt man die Front vom Chassis, bietet sich der freie Blick auf die fünf 5,25"-Erweiterungs­slots sowie den vorinstallierten 140-mm-Lüfter, der für die Belüftung des Innenraums sorgt. Der Deckel bietet auf einer großzügigen Fläche Lüftungsschlitze. Neben den optional erhältlichen zwei 140-mm-Lüftern sorgen in abgeschwächter Form auch thermische Effekte dafür, dass aufsteigende Wärme aus dem Gehäuse transportiert wird. Diesen sogenannten Kamineffekt machen sich inzwischen mehrere Hersteller zu Nutzen.

Zwischen Deckel und Chassis ist genügend Platz um einen Dual-Radiator anzubringen, der ohne Eingriff am Gehäuse ein- und ausgebaut werden kann, denn Durchgangslöcher für die Schläuche sind bereits vorhan­den. Die Seitenteile aus 0,8 mm dickem Stahl sind sauber verarbeitet und rasten fest am Chassis ein. Für Liebhaber der gepflegten Präsentation ihrer Hardware hat Lancool ebenfalls eine Version mit Seitenfenster im Angebot.

Auf der Rückseite bietet sich dem Käufer das seit längerem erfolgreiche Konzept, das Netzteil am Boden anzuordnen und mit Frischluft von der Unterseite des Gehäuses zu versorgen. Weiter oben befördert ein mächtiger 120-mm-Lüfter die warme Luft zuverlässig aus dem Inneren. Zum Standard in diesem Preissegment sind auch die Durchgangsöffnungen für Schläuche geworden, um eine externe Wasserkühlung anschließen zu können.

Lancool K58 – Front mit Luftfilter
Lancool K58 – Front mit Luftfilter
Lancool K58 – Portkit
Lancool K58 – Portkit
Lancool K58 – Netzteil Luftfilter
Lancool K58 – Netzteil Luftfilter
Lancool K58 – Front
Lancool K58 – Front
Lancool K58 – Rückseite
Lancool K58 – Rückseite

Insgesamt ist das K58 ordentlich verarbeitet und spricht mit seiner dezent-schicken Optik eine breite Käuferschicht an. Durch den leicht auftragenden Deckel wirkt das Gehäuse mächtiger als es tatsächlich ist. Dieses Konzept ist allerdings durchdacht und ansprechend umgesetzt.

Ausstattung innen

Im Innenraum zeigt sich sofort das bereits angesprochene Konzept, das Netzteil an der Unterseite zu platzieren und durch Lüftungsschlitze im Boden und einem außen angebrachten Staubfilter mit Frischluft zu versorgen. Genau wie bei allen anderen Komponenten bleibt Lancool auch beim Netzteil der Linie der werkzeuglosen Befestigung treu. So kann das Netzteil über einen Bügel fest und vibrationsgedämpft an das Chassis geklammert werden. Optional bietet sich jedoch auch die Möglichkeit von außen Schrauben anzubringen.

Alle Kabel lassen sich, Dank des Kabelmanagementsystems (KMS), hinter dem Mainboardtray verlegen. Dies sorgt für einen optimierten Luftfluss im Innenraum. Um die rechte Außenwand nicht unnötig auszubeulen, sind entlang des KMS Löcher gebohrt, um die rückseitig verlaufenden Kabel mit Kabelbinder zu fixieren. Ein pfiffiges Konzept setzt Lancool mit dem Festplattenkäfig um. Dieser bietet Platz für vier 3,5"- oder 2,5"-Festplatten. Zumindest die 3,5"-Varianten lassen sich ohne Hilfe von Werkzeug befestigen und in der Aufnahme, entkoppelt vom Chassis, in den Käfig einschieben. Mit einer Leiste an der Seite wird dann verhindert, dass sich die Festplatten selbstständig machen. Der 140-mm-Lüfter in der Front sorgt dafür, dass die hitzeempfindlichen Speichermedien mit ausreichend kühler Luft versorgt werden. Auch zwei der fünf möglichen 5,25"-Laufwerke lassen sich ohne Werkzeug befestigen.

Lancool K58 – Innenraum
Lancool K58 – Innenraum
Lancool K58 – Frontlüfter
Lancool K58 – Frontlüfter
Lancool K58 – ohne Deckel
Lancool K58 – ohne Deckel
Lancool K58 – eingebaute Hardware
Lancool K58 – eingebaute Hardware
Lancool K58 – mechanische Halterung
Lancool K58 – mechanische Halterung
Lancool K58 – Schlauchdurchführung
Lancool K58 – Schlauchdurchführung
Lancool K58 – Festplattenhalterung
Lancool K58 – Festplattenhalterung
Lancool K58 – 5,25" Schächte
Lancool K58 – 5,25" Schächte
Lancool K58 – Innenraum
Lancool K58 – Innenraum

Im Mainboardtray findet sich eine großzügig dimensionierte Aussparung, falls ein CPU-Kühler befestigt werden soll, der eine Backplatte beinhaltet. Das Mainboard wird ebenfalls werkzeuglos mit Thumb-Screws befestigt, womit endlich das zittrige Einfädeln der standardmäßig beiliegenden Mainboardschrauben entfällt.

Ein äußerst interessantes Konzept zeigt sich beim Einbau von Erweiterungskarten, denn auch dies geschieht ohne Werkzeug über eine Schiebemechanik, die nicht nur für sicheren Halt der (meist) teuren Karten sorgt, sondern diese auch vibrationsgedämpft in ihrer Position hält.

Erfahrungen

Die Ausstattungsmerkmale des Lancool K58 sprechen bereits im Vorfeld für sich. Seine wahren Stärken offenbart es allerdings erst beim Einbau der Hardware und insbesondere beim Verlegen der Kabel. Vom Adjektiv „werkzeuglos“ kann zweifelsohne gesprochen werden. Weitere Pluspunkte erhält das K58 für seine einwandfreie Verarbeitung. Egal ob Plastik-Anbauteile, das Chassis oder die Stahl-Seitenwände, alles passt gut zusammen und zeugt von hervorragender Qualität. Einzig der 140-mm-Lüfter in der Front gibt Anlass zur Kritik. Er lässt sich – falls gewünscht – vom Chassis lösen; um ihn jedoch auszubauen zu können, ist es notwendig, vorher den gesamten Festplattenkäfig zu entfernen. Hier hätten wir uns, wo sich das K58 doch ausgesprochen weit (und weitestgehend ohne Werkzeug) zerlegen lässt, eine einfachere Lösung gewünscht.

Testsystem im Betrieb

Das Testsystem im Detail:

Intel Core 2 Quad Q6600 mit Arctic Freezer 7
Asus P5W64 WS Pro (i975X)
2 x 1024 MB + 2 x 512 MB Kingston DDR2-800
Asus GeForce 8800 GT
160 GB Seagate Barracuda ST3160811AS SATA-II
Enermax Infiniti 720W EIN720WT

Die Temperaturen wurden gemessen, während das System den 3DMark05 als Dauerschleife ausführte. Die Lautstärkemessungen wurden rein subjektiv durchgeführt und sind deshalb anstatt in einer Dezibelskala in diesem Test ausnahmsweise in Schulnoten von 1 (unhörbar) bis 6 (extrem störend) angegeben. Bei rund 600 U/min sind beide Lüfter extrem leise und subjektiv nahezu unhörbar. Auch im Bereich um 1.000 U/min, was etwa 7 V entspricht, fallen sie noch nicht negativ auf. Typische Geräusche minderwertig verarbeiteter Lager wie z.B. ein Brummen oder Schleifen treten nur in Maßen auf und können lediglich wahrgenommen werden, wenn man sich in direkter Nähe zum Lüfter befindet. Erst bei 12 V und etwa 1.200 U/min sind beide vorinstallierten Lüfter deutlich hörbar, schaufeln allerdings auch ordentlich Luft durch das Gehäuse.

Lautstärke

120-mm-Lüfter (5V)
1,5
140-mm-Lüfter (5V)
1,0
120-mm-Lüfter (7V)
2,0
140-mm-Lüfter (7V)
1,5
120-mm-Lüfter (12V)
3,5
140-mm-Lüfter (12V)
3,0
Angaben in Schulnoten

Auch in puncto Temperaturen braucht sich das K58 nicht hinter anderen Gehäusen seiner Klasse zu verstecken. Es macht durchweg einen positiven Eindruck.

Systemtemperaturen

 Lancool K58 silent:
CPU
71
Mainboard
45
Festplatte
38
GPU
71
 Lancool K58 normal:
CPU
65
Mainboard
38
Festplatte
34
GPU
50
Angaben in °C

Modifikationsmöglichkeiten

In Zeiten des kontinuierlichen Fortschritts und eines stetig größeren Angebots auf dem Markt für Computerzubehör lohnt sich ein Blick auf potenzielle Modifikationsmöglichkeiten eines Gehäuses. Um immer leistungsstärkere Prozessoren, Grafikkarten und Co. adäquat kühlen zu können, dimensionieren die Hersteller ihre Kühlkolosse fortwährend größer. Doch wer setzt sich schon gerne mit Gehörschutz an den Computer? Aus diesem Grund soll im Folgenden untersucht werden, welche Möglichkeiten sich für ein Silent System bieten, welches Raumwunder hinter dem K58 steckt, um eine Wasserkühlung zu integrieren, und welche optischen Änderungen bei diesem Midi-Tower-Boliden vorgenommen werden können.

Silent System

Gerade bei immer leistungsfähigeren Komponenten in heutigen Computern und damit äquivalent leistungsstärkeren Kühlungen liegt es nahe, über Möglichkeiten nachzudenken das System so leise wie möglich zu gestalten. Ein ansprechendes Verhältnis zwischen Kühlleistung und Lautstärke bietet hierbei eine Wasserkühlung. Wie bereits angesprochen, kann im Deckel des K58 ein Dualradiator untergebracht und über zwei 120-mm-Lüfter mit Frischluft versorgt werden. Die Pumpe und der Ausgleichsbehälter können mühelos (vorausgesetzt, es werden nicht alle der fünf 5,25“-Schächte benötigt) im Frontbereich über den Festplatten angebracht werden. (Doch so viel Leistung hat auch seinen Preis, so kostet ein Komplett-Set [3] schnell rund 200 €. Stellt der Käufer seine Wasserkühlung sogar individuell zusammen, kann es u.U. mehr werden.)

Alternativ kann mit etwas handwerklichem Geschick (welches zweifelsohne bei einer Wasserkühlung ebenso benötigt wird) das System auch mit Dämmmaterialien und sehr leisen Komponenten ruhig gestellt werden. Das K58 bietet dafür nahezu ideale Voraussetzungen, da der Innenraum über viele glatte Flächen ohne Unterbrechung verfügt, welche das Anbringen der Dämmmaterialien erheblich erleichtern. Das Lancool K58 gehört mit rund 10 kg zwar nicht zu den schwersten Gehäusen seiner Klasse, bringt allerdings eine ordentliche Masse mit, um auftretenden Vibrationen entgegenzuwirken.

Werden die vorinstallierten Lüfter auf 7 V oder darunter geregelt, erfüllen sie die Ansprüche eines Silent Systems in vollem Umfang. Ebenso wie die Festplatten, Erweiterungskarten und das Netzteil sind auch die Lüfter durch Gummiösen vibrationsgedämpft befestigt.

Optische Änderungen

Für Käufer, die ihre Hardware gern auch bei geschlossenem Gehäuse präsentieren möchten, kommt ein Seitenfenster in Frage. Mit ein wenig handwerklichem Geschick, dem nötigen Werkzeug und einer Plexiglasscheibe verwandelt sich der Innenraum des K58 binnen weniger Stunden in einen echten Showroom. Wird zusätzlich noch eine Kaltlichtkathode in der eigenen Wunschfarbe verbaut, ist es auch nachts ein Hingucker. Um den vorderen Lufteinlass besser zur Geltung zu bringen, kann die Frontpartie kreisrund ausgeschnitten, der dahinter angebrachte Lüfter etwas weiter nach vorne gerückt und mit einem ansprechenden Lüftergitter verziert werden. Wer die Mesh-Front durch seine optischen Laufwerke gestört sieht, kann die Laufwerke etwas weiter einschieben, die herausgenommenen Blenden von der Breite so anpassen, dass sie problemlos durch die Seitenstreben passen, und sie an den Laufwerken anbringen.

Wird, wie bereits im Abschnitt „Ausstattung innen“ angesprochen, ein CPU-Kühler verwendet, der auf eine Backplatte zurückgreift, kann diese durch einen zusätzlichen Lüfter in der rechten Außenwand gekühlt werden. Der Personenkreis, dem nicht das nötige handwerkliche Geschick gegeben ist, welcher aber trotzdem nicht auf diese optischen Änderungen verzichten möchte, kann auf das Lancool K62 [4] für rund 100 € zurückgreifen.

Vergleich zum Lancool K7

In diesem Abschnitt soll das Lancool K58 mit seinem kleinen Bruder, dem erst kürzlich auf ComputerBase getesteten K7 [5], verglichen werden. Obwohl beide Gehäuse aus dem gleichen Hause stammen, gibt es doch signifikante Unterschiede, die nicht einzig an den verschiedenen Designs festgemacht werden können.

Lancool K58 vs. Lancool K7
Lancool K58 vs. Lancool K7

Wie bereits in vorangegangenen Abschnitten angesprochen, löst sich Lancool beim Design des K58 etwas von der schlichten Eleganz, die sowohl beim K7 als auch bei vielen Gehäusen des Mutterkonzerns Lian Li zu finden sind. Zunächst fällt auf, dass im K7 bedeutend mehr Schrauben zu finden sind. Beim Einbauen der Hardware wird dem Käufer bewusst, welchen Komfort das werkzeuglose Arbeiten mit sich bringt. Außerdem ist anzumerken, dass im K58 bedeutend mehr Wert auf vibrationsentkoppelte Komponenten gelegt wird. So sind es im K7 einzig die Festplatten, welche von Haus aus mit Schwingungsdämpfern ausgestattet sind.

Der Innenraum von K58 und K7 ist durch die Anordnung des Netzteil unten (K58) bzw. oben (K7) grundlegend verschieden aufgebaut. Einen letzten Hinweis darauf, dass es sich bei dem K58 und dem K7 um unterschiedliche Gehäuse handelt gibt der Blick auf die Originalverpackung des K58. Dort ist angegeben, dass sich Grafikkarten mit einer maximalen Länge von 29 cm verbauen lassen, was für aktuelle Karten vollkommen ausreichend ist. Beim Lancool K7 sind es allerdings gar 29,5 cm.

Länge aktueller Grafikkarten

NVIDIA GTX 295
27,0
ATI Radeon 4870 X2
27,0
NVIDIA GTX 285
26,7
ATI Radeon 4890
23,0
Angaben in Zentimeter (cm)

Hat man die Qual der Wahl, wird es dem Einen oder Anderen sicherlich schwer fallen, sich zwischen diesen beiden hervorragenden Gehäusen des mittleren Preissegmentes zu entscheiden. Beide haben ihre Vor- und Nachteile, überlegte und intelligente Konzepte und machen optisch allemal was her.

Fazit

Mit dem K58 ist Lancool ein ordentliches Gehäuse geglückt, welches von der Ausstattung und Funktionalität in einer höheren Liga spielt, als man es vom Preis her erwartet. Viele kleine Extras sorgen für viele positive Überraschungen. Mit der (auch für Lian Li typischen) sehr guten Verarbeitung, dem ansprechenden Design und dem großen Modifikationspotenzial punktet es in allen Bereichen. Lediglich der schwer auswechselbare 140-mm-Lüfter in der Front und die bei 12V etwas zu hohen Drehzahlen der vorinstallierten Lüfter geben Anlass zur Kritik. Unterm Strich erhält das Lancool K58 nichtsdestoweniger wie das K7 eine uneingeschränkte Kaufempfehlung in diesem Preissegment.

Empfehlung (08/09)
Empfehlung (08/09)

Tagesaktuelle Preise und Verfügbarkeiten:

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2009/test_lancool_metal-boned_k7/
  2. http://www.caseking.de/shop/catalog/Gehaeuse/Lancool/Lancool-K58-Midi-Tower-black::12885.html
  3. http://www.caseking.de/shop/catalog/Wasserkuehlung/Interne-Wasserkuehlungen/Universal-Medium-Wasserkuehlungs-Set-10-8mm::12292.html
  4. http://www.caseking.de/shop/catalog/Gehaeuse/Lancool/Lancool-K62-Midi-Tower-black::12886.html
  5. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2009/test_lancool_metal-boned_k7/
  6. http://www.computerbase.de/preisvergleich/a409959.html
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