Einleitung
Mit dem K7, das den eigentümlichen Zusatz „Metal-Boned“ trägt (um auf den Stahl-Unterbau unter dem Aluminiumkleid hinzuweisen), möchte Lancool im umkämpften Segment der mittelpreisigen Miditower mitmischen. Das K7, dem man sofort ansieht, dass Lancools Wurzeln bei Lian Li liegen, soll hier eine qualitativ hochwertige Alternative darstellen. Während die Konkurrenz bei diesen Preisen oft und gerne Kunststoffe einsetzt, kommt Lancool mit einem Vollmetallgehäuse daher, dessen sichtbare Teile sogar das edle Erscheinungsbild von gebürstetem Aluminium aufweisen. Viele Teile aus dem durchaus reichhaltigen Zubehörangebot von Lian Li passen übrigens auch in oder an das Lancool K7.
An dieser Stelle geht unser Dank an den Online-Händler Caseking aus Berlin für die Bereitstellung des Samples. Dort kann die champagner-goldene Variante [1] für etwa 90 Euro erworben werden. Um es gleich vorweg zu nehmen und diejenigen zu beruhigen, die ein goldfarbenes Gehäuse als Geschmacksverirrung erster Klasse empfinden: Das Lancool K7 gibt es auch in Schwarz.
Lieferumfang und Daten
Die technischen Daten des Gehäuses im kompakten Überblick:
- Material: Außenhülle aus Aluminium, Chassis aus Stahl (0,8 mm)
- Abmessungen: ca. 460 x 210 x 490 mm (H x B x T)
- Gewicht: etwa 7,2 kg
- drei 5,25"-Front-Laufwerkschächte
- ein 3,5"-Front-Laufwerkschacht
- fünf Schächte für 3,5"-Festplatten
- zwei 120-mm-Lüfter in der Front und einer an der Rückseite, 1200 U/min, mit Drehzahlüberwachung
- Mainboard-Formfaktoren: ATX und Micro-ATX
- eSATA-, Firewire-, vier USB- und zwei Audioanschlüsse im Deckel (nur 2x USB und kein eSATA bei der schwarzen Variante)
Neben den üblichen Schrauben, einer Anleitung sowie einigen Kabelbindern gehört auch eine dem Design angepasste Blende für optische Laufwerke zum Lieferumfang des Gehäuses. Die champagner-goldene (89 Euro [2]) unterscheidet sich außer in Farbe und Preis auch bei der Ausstattung mit Anschlüssen von der schwarzen Version (69 Euro [1]): letztere muss ohne eSATA und mit nur zwei USB-Ports auskommen.
Ausstattung außen
Den für Lian Li typischen Minimalismus findet man auch beim Lancool K7. Ohne jede Rundung oder Ausbuchtung ist das K7 so quaderförmig wie man ein Gehäuse nur bauen kann. Die Seitenwände sind völlig glatt, der Deckel weist nur eine kleine Klappe für die Anschlüsse sowie zwei Taster auf und glänzt ansonsten ebenfalls durch die Optik des gebürsteten Aluminiums. Die Front ist ebenfalls recht glatt und weist nur die Laufwerksblenden sowie im unteren Bereich ein sehr sauber gearbeitetes Gitter auf, hinter dem die beiden 120-mm-Frontlüfter sitzen. Eingefasst ist dieses Gitter von einem U-förmigen Einschnitt, der als Lufteinlass dient. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man die zwei kleinen LEDs, die in der rechten oberen Ecke den Betriebsstatus des Gehäuses anzeigen. Hinter den kleinen Bohrungen in der Front sitzen deutlich größere 5-mm-LEDs, deren Licht aber nur sehr gedämpft sichtbar und daher recht dezent ist – andere Gehäuse, insbesondere jene mit blauen LEDs, können nachts auch schon einmal ein ganzes Zimmer illuminieren.







Die Verarbeitung außen ist insgesamt sehr ordentlich, sämtliche Ausstanzungen und Falze an den Kanten sind sehr sauber gearbeitet. Gleiches gilt auch für die Oberfläche der gebürsteten Aluminiumflächen. Zwar gibt es an einigen Stellen unverdeckte Schrauben, die allerdings das Gesamtbild nicht wesentlich stören. Die Rückseite ist optisch (verständlicherweise) nicht ganz so ansprechend und gibt mit ihrer Lackierung schon einen Hinweis darauf, was den geneigten Käufer im Innenraum erwartet: Stahl.
Ausstattung innen
Die Aufteilung des grau lackierten Stahl-Innenlebens ist recht klassischer Natur. Auf den ersten Blick sieht alles so aus, wie man es noch von Gehäuse aus den Anfangszeiten des ATX-Standards kennt: Das Netzteil hängt hinten oben, darunter befinden sich das Mainboard und ein rückwärtig ausblasender Lüfter. Hinter der Front tummeln sich die 5,25"-Schächte und der Käfig für die quer zu montierenden Festplatten, sogar einen dedizierten 3,5"-Schacht mit Frontblende findet man hier. Letzterer wird, seit Diskettenlaufwerke dem Untergang geweiht sind, von vielen Herstellern schon seit Jahren nicht mehr verbaut.
Abseits der Standardkost gibt es beim K7 auch einige Ausstattungsmerkmale, die vor allem in dieser Preisklasse nicht State of the Art sind. Neben der schraubenlosen Montage von optischen Laufwerken und der Verwendung von 120-mm-Lüftern ist da vor allem der herausnehmbare Mainboardtray zu erwähnen. Dieses Feature findet man auch bei wesentlich teureren Gehäusen nicht allzu oft, obwohl es dem geneigten Käufer durchaus die Arbeit mit dem Gehäuse stark erleichtern kann. Zwar nicht schraubenlos, aber durchaus wirkungsvoll ist die Entkoppelung der Festplatten vom Rest des Gehäuses gelöst. Pro Festplatte werden mit speziellen Schrauben vier sehr weiche Gummipuffer montiert und das Ganze dann ohne Berührung zwischen Käfig und Festplattengehäuse in den um 180° drehbaren 3,5"-Käfig gehängt.
Gespart wurde allerdings bei den Erweiterungssteckplätzen, die weder mit einer schraubenlosen Montage noch mit Rändelschrauben ausgestattet sind. Die Frage nach dem Sinn stellt sich beim Rahmen, der das Netzteil teilweise einfasst und darüber hinaus keine weitere Funktion hat, sowie bei dem innenseitigen Lüftergitter des rückwärtigen Lüfters. Letzteres ist aus Stahlblech geschnitten, obwohl es mit den bekannten verchromten Lüftergittern durchaus ästhetisch und aerodynamisch bessere Alternativen gibt.
Auf der Rückseite des Mainboardtrays sind zwei Klammern befestigt, die zusammen mit den drei Öffnungen für Kabel dafür sorgen, dass zu lange Kabel gut verstaut werden können. Dem gleichen Zweck dient eine Kunststoffkabelschelle am Gehäuseboden, wobei die Kabel für die LEDs und Taster am Gehäuse im Zusammenspiel mit Micro-ATX-Boards etwas zu kurz sind, um mit dieser Schelle befestigt zu werden. Die Innenraummaße sind trotz der recht kleinen äußeren Abmessungen großzügig: Kühler können eine maximale Bauhöhe von etwa 175 mm aufweisen, was selbst für sehr große Towerkühler wie den Scythe Mugen noch ausreicht, Grafikkarten können eine maximale Platinenlänge von etwa 28 Zentimetern aufweisen, wobei allerdings eventuell vorhandene Stromstecker Probleme mit dem Festplattenkäfig verursachen können.






Erfahrungen
Was beim Umgang mit dem Gehäuse immer wieder auffällt, ist die gute Verarbeitung des K7 und die Wahl des Materials. Sowohl die Hülle aus Aluminium als auch das Chassis aus Stahl wissen durchgehend zu überzeugen, aber auch die verbauten Lüfter gehören durchaus du den besseren ihrer Zunft. Vielleicht sind sie für ein wirklich leises System mit 1.200 U/min etwas zu schnelldrehend dimensioniert, allerdings können sie mit ihren 3-Pin-Steckern problemlos an Lüftersteuerungen und Mainboards mit Steuerfunktion angeschlossen werden.
Für ein Gehäuse der Preisklasse unter 100 Euro ist das K7 außergewöhnlich weit zu zerlegen. So lassen sich die Front mit einem Handgriff sowie Mainboardtray, Gehäusedeckel und Festplattenschacht mit wenigen Schrauben demontieren, ohne irgendwelche Nieten aufbohren zu müssen oder anderweitig destruktiv tätig zu werden. Das erleichtert die Modifikation des Gehäuses stark und führt auch zu saubereren Ergebnissen, falls für die Festplatten eine eigene, gedämmte Konstruktion oder eine Wasserkühlung eingebaut werden soll.










Testsystem
Das Testsystem im Detail:
- AMD Athlon 64 X2 4800+ (Toledo) mit Boxed-Kühler
- Gigabyte GA-K8N51PVMT-9 (Geforce 6150, nForce 430)
- 2 x 512 MB + 2 x 256 MB Corsair DDR400
- Asus HD 4850
- 2 x 80 GB Hitachi Deskstar 7K250 SATA
- LG GSA-H20L DVD-RAM
- Be Quiet P4 Blackline 400W
Die Temperaturen wurden gemessen, während das System den 3DMark05 als Dauerschleife ausführte. Die Lautstärkemessungen wurden mit einem „Voltcraft Digitales Schallpegelmessgerät 320“ durchgeführt, das Schallpegel im Bereich von 30 bis 120 Dezibel misst. Die Grundlautstärke des Messraumes lag bei subjektiv empfundener Stille unterhalb des Messbereiches, also bei weniger als 30 Dezibel. Als Referenzen wurden verschiedene bisher getestete Gehäuse verwendet.
Für die Regelung der Lüfter wurde eine Scythe Kaze Master 5,25" genutzt, die einen Regelbereich von etwa 3,7 bis 12 Volt aufweist.
Messungen
Die Verwendung von Stahl für das Chassis, der Verzicht auf unnötige Öffnungen im Gehäuse und die Wahl qualitativ gut brauchbarer Lüfter sorgen dafür, dass das K7 in Sachen Lautstärke eine gute Figur macht – allerdings nur, wenn man die Betriebsspannung der Lüfter auf 7 Volt oder darunter senkt. Bei vollen 12 Volt drehen sie mit 1.200 U/min, was sehr deutlich hörbar und störend ist. Im Drehzahlbereich um 600 U/min sind die Ventilatoren allerdings nicht mehr wahrnehmbar und machen auch sonst nicht durch störende Nebengeräusche auf sich aufmerksam. Für die champagner-goldene Variante wird es sicher schwierig, eine optisch passende Steuerung zu finden, sodass wir hier explizit auf die Möglichkeit hinweisen wollen, die Lüfter über integrierte Lösungen von modernen Mainboards zu regeln.
Lautstärke
Angaben in Dezibel
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Trotz des klassischen – oder besser: einfachen – Lüftungskonzeptes gibt sich das Lancool K7 auch bei dem Temperaturen keine Blöße. Diese liegen zwar nicht auf dem Niveau ausgewiesener High-End-Tower, aber für ein Gehäuse dieser Preisklasse ist auch ein Platz im oberen Mittelfeld beachtlich.
Systemtemperaturen
Angaben in °C
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Achtung: Die Messungen einiger anderer Gehäuse erfolgten noch mit der GeForce 6600 GT!
Fazit
Bei Gehäusen unter 100 Euro wird oft und viel Gebrauch von Kunststoffen gemacht, da ist ein Stahl-Aluminium-Hybride wie das Lancool K7 eine willkommene Abwechslung. Die Verwendung von Aluminium für den Look und Stahl für ein stabiles Chassis hat hier zu einem wirklich guten und empfehlenswerten Gehäuse geführt. Die Verarbeitung ist – wie von Lian Li gewohnt – sehr gut, die Ausstattung mit einer Stealth-Blende, Lüftern mit 3-Pin-Anschluss und einem herausnehmbaren Mainboardträger ist klassenuntypisch gut.
Da die etwas zu hoch gewählte Drehzahl der Lüfter wirklich unser einziger Kritikpunkt ist, bekommt das Lancool K7 eine uneingeschränkte Kaufempfehlung in diesem Preissegment.
Tagesaktuelle Preise und Verfügbarkeiten:


