Einleitung
Aktuell präsentiert sich der CPU-Kühlermarkt – speziell in den Spitzenpostionen des 120-mm-Formates – als enorm dicht besetzt. Fast alle großen Kühlerspezialisten haben sich mit ihren Flaggschiffen positioniert und liegen etwa auf einem Niveau. Trotz dieses Umstandes versuchen auch immer wieder Neulinge die Aufmerksamkeit der anspruchsvollen Anwenderschaft auf sich zu ziehen und mit ihren Entwicklungen die etablierte Konkurrenz aufzumischen. Zu diesen Neulingen zählt auch die 2008 gegründete Firma Prolimatech, deren Wurzeln zum Teil beim Klassenprimus Thermalright liegen und die nun mit dem „Megahalems“ ihr Erstlingswerk zur Begutachtung schickt. Wir haben uns eines der ganz frühen Exemplare sichern können und wollen einen ersten Ausblick auf die Leistungsfähigkeit des robusten 120-mm-Towerkühlers geben.
Lieferumfang
Die Lieferbeigaben unseres „Vorserien-Megahalems“ beschränken sich auf die Montagematerialien für Intels Sockel 775 und 1366, eine Spritze Wärmeleitpaste, eine bebilderte Anleitung sowie zwei Drahtbügel zur Befestigung eines optionalen Lüfters. Eine AMD-Unterstützung ist allerdings auch für die Serie leider nicht geplant.
Technische Daten
- Prolimatech Megahalems CPU-Kühler
- Hybrid-Towerkühler mit Doppeltower-Design
- Sechsfach 6-mm-U-Heatpipe
- Abmessungen (ohne Lüfter): 130 x 74 x 159 mm
- Abmessungen (mit Standardlüfter): 130 x 98 x 159 mm
- Lamellenabstand: ca. 2 mm
- Optional bis zu zwei 120-mm-Lüfter
- Befestigung per Drahtbügel
- Kühlkörpergewicht: 790 Gramm
- Kompatibilität: Intel Sockel 775 und 1366 per Rückeplattenverschraubung
- Herstellerhomepage [1]
- Vertrieb und Preis: Caseking.de [2] (ca. 59 Euro, ab März)
Kühler im Detail
Prolimatechs Kühlerpremiere präsentiert sich zunächst im wenig auffälligen 120-mm-Towergewandt und einheitlicher Silberglanz-Optik. Charakteristisch ist das Doppelturm-Design mit zwei getrennten Aluminiumlamellen-Radiatoren als Wärmetauscher und deren schmetterlingsartiger Schnitt. Die Lamellen weisen dabei einen Abstand von 1,5 Millimetern zueinander und eine ausgesprochene Robustheit im Stile eines Nocuta NH-U12P auf.




Insgesamt wurden beim Megahalems sechs 6-mm-Heatpipes in bekannter U-Einarbeitung verbaut. Diese verlaufen nahezu parallel und eng gestaffelt und transportieren die Wärme von der Kupferbodenplatte zu den Lamellenparts. Der sauber gearbeitete Boden des Kühlers ist minimal konkav gewölbt, was im Zuge der exklusiven Intel-Unterstützung als durchaus legitim erscheint, da die Heatspreader der Intel-Prozessoren im Gegensatz zu den ebenen AMD-Pendants eine entsprechende Krümmung aufweisen.




Der Prolimatech Megahalems wird ohne Lüfter geliefert, kann aber symmetriebedingt mit bis zu zwei 120-mm-Modellen bestückt werden. Dem Lieferumfang liegt allerdings nur ein entsprechendes Drahtbügelpaar zur Ventilatorfixierung bei, sodass standardmäßig vom Single-Lüfter-Betrieb ausgegangen werden sollte. Ein zweiter Lüfter, sofern er aus Platzgründen überhaupt montiert werden kann, verbessert die Temperaturen je nach Setup etwa um zwei bis drei Kelvin bei leicht gesteigerter Lärmkulisse und ist damit nur in wenigen Fällen sinnvoll.
Insgesamt wirkt der Kühlkörper des Megahalems extrem robust, sehr hochwertig in Material und Verarbeitung und auf einem stimmigen Konzept basierend.
Montagebesonderheiten
Die größeren Steine legt Prolimatech dem Käufer bei der Montage des Kühlers in den Weg. Während AMD-Besitzer gänzlich außen vor gelassen werden, müssen Intel-Anwender zunächst eine Rückplattenhalterung bei ausgebautem Motherboard installieren. Hierbei treten bereits die ersten potentiellen Probleme auf, denn die Metallstreben der Halterung sind derart dick und ausladend dimensioniert, dass Kollisionen mit sockelnahen Bauteilen oder Kühlern nicht ausgeschlossen sind. Hier hätte es eine deutliche platzsparendere Konstruktion auch getan. Hinzu gesellt sich die Tatsache, dass dem Lieferumfang unseres Vorserienmodells keine Isoliermaterialien beiliegen, um einen leitenden Kontakt und damit einen möglichen Kurzschluss zwischen den aufliegenden Rändelschrauben und der Hauptplatine zu verhindern.




Ist der Halterahmen trotz dieser Widrigkeiten angebracht, kann der Megahalems auf der mit Wärmeleitpaste benetzten CPU aufgesetzt werden. Ein zentraler Steg und zwei Federschrauben sichern dabei den festen Sitz des Kühlers auf der CPU. Aufgrund der üppigen Ausmaße des Lamellenkörpers sind allerdings auch hierbei Kollisionen zwischen dem Kühler und hochbauenden Chipsatzkühlern nicht ausgeschlossen. In unserem Fall lag die unterste Lamelle direkt am Chipsatzkühler an – ein adäquates Anbringen des Lüfterdrahtbügels war dabei allerdings nicht mehr möglich, wie im Bild zu sehen.
Letzte Schwierigkeiten könnten auch noch aufgrund der Bauhöhe des Prolimatech-Neulings entstehen. Vom Motherboard aus gemessen, beträgt die Höhe des Megahalems 165 mm. Auch hier sollte sich der Anwender vor dem Kauf absichern, dass es hinsichtlich des Gehäuses dabei zu keinen Problemen kommt.
Testsystem
Heiz- und Herzstück unserer aktuellen Kühlertestplattform ist der mit einer spezifizierten Thermal Design Power (TDP) von 130 Watt ausgezeichnet skalierende Intel Core 2 Extreme QX6700, eine imposant leistungsfähige Quad-Core-CPU im 65-nm-Design, deren vier Kerne mit jeweils 2,66 GHz bei 1,35 Volt Kernspannung betrieben werden.
Als weitere Schlüsselkomponente unserer auf einen möglichst leisen Betrieb ausgelegten Komposition vertrauen wir beim Netzteil auf das Be-Quiet Straight-Power mit 600 Watt, das uns mit freundlicher Unterstützung von Be-Quiet [3] zur Verfügung gestellt wurde und beispielsweise bei Caseking [4] erhältlich ist. Den temperaturgeregelten, sehr leisen Serienlüfter des hocheffizienten Netzteiles tauschen wir aus Gründen des fairen Kühlervergleiches gegen einen mit konstant 800 U/min drehenden Scythe S-Flex, der den Papst F2GLL als Referenzlüfter im neuen System ablöst. Ein weiterer S-Flex werkelt auch rückseitig auf Höhe des Prozessorsockels ausblasend als einziger Gehäuselüfter im neuen Testgehäuse, dem Coolermaster Stacker 830, das uns zu diesem Zweck von Caseking [5] zur Verfügung gestellt wurde. Das Stacker 830 als meistverkauftes High-End-Gehäuse Europas bietet die Annehmlichkeiten einer weit verbreiteten Innenraumaufteilung, großzügigen Platzverhältnissen und durch den üppigen Gebrauch von lochblechernen Seitenwänden gute Belüftungs- und Luftansaugmöglichkeiten für die verschiedenen Testkühlerkonzepte. Alle weiteren Komponenten sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen:
- Intel Core 2 Extreme QX6700 „Kentsfield“ (4 x 2,66 GHz, 130 Watt TDP)
- XFX nForce 680I SLI (ISH9)
- 2x 512 MB Corsair CM2X512A-5400UL CL3
- Asus Radeon X1900XTX [gekühlt mit Arctic-Cooling Accelero S1 & Turbo-Module @ 5 Volt]
- Be-Quiet Straight-Power 600 Watt [mit Scythe S-Flex SFF21D bei 800 U/min]
- Coolermaster Stacker Gehäuse [mit Scythe S-Flex SFF21D bei 800 U/min Gehäuselüfter]
- Seagate Barracuda V 120 GByte SATA
- Raumtemperatur 23°C
- Arctic-Cooling MX-2 Wärmeleitpaste




Testverfahren: Wir gönnen dem frisch gestarteten System zunächst eine einstündige Aufwärmphase, in der Futuremarks „Ice Storm Fighter“-Demo (eine speziell auf die Leistungsfähigkeit von Quad-Core-Systemen abgestimmte, berechnungstechnisch in Threads aufgeteilte Grafikdemo, die das gesamte System entsprechend aufheizt) zum Einsatz kommt. Daran schließt sich der eigentliche Hitzetest für den Prozessor an, wobei wir uns dazu des kleinen, aber feinen Tools Core2MaxPerf 1.0 [6] bedienen, um die CPU-Auslastung aller vier Kerne über eine weitere Stunde konstant maximal zu halten. Core2MaxPerf 1.0 hat sich im Test gegen einige andere, potentielle Auslastungstools wie etwa Prime95, Intels Thermal Analysis Tool oder S&M aufgrund der besonders intensiven thermischen Beanspruchung aller vier Kerne durchgesetzt. Zum Abschluss der Testdurchläufe gewähren wir jedem Kühler noch eine Leerlaufphase von einer halben Stunde. Während des gesamten Szenarios werden die Temperaturverläufe mit der Everest-Ultimate-Software dokumentiert und die Maxima von uns zur Bewertung herangezogen. Wir testen jeden Kühler zunächst im 12-Volt-Modus, danach im 5-Volt-Betrieb.
Im Volllastbetrieb der CPU verbraucht unser System etwa 270 Watt, während im Leerlauf noch eine Leistungsaufnahme von 155 Watt zu verbuchen ist.
Achtung! Die Temperatur-Messergebnisse sind mitunter recht stark an die verwendete Testplattform geknüpft und können je nach Konfiguration erheblich abweichen. Sie sollten nur als Orientierung und grobe Tendenz, nicht allerdings als absolut angesehen werden.



Die Messung der Lautstärke erfolgt im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers im 40-cm-Abstand mit einem Voltcraft-320-Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Ab dieser Schwelle kann das vom Kühler emittierte Geräusch nicht mehr vom Messgerät aufgelöst werden. Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht respektive kaum mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der sehr störende Bereich.
Als Service bieten wir außerdem MP3-Hörproben der Kühlcombos in den jeweiligen Betriebsmodi (5 Volt / 12 Volt) an, da die gemessenen Schalldruckwerte nur für wenige Leser wirklich greif- und vorstellbar sind. Außerdem kann man mit Hilfe dieser Aufnahmen, die im Abstand von 5 cm zum Objekt erfolgen, den Charakter des jeweiligen Lüftergeräusches besser erfassen und einschätzen.
Ferner werden von uns die vom Lüfter erzeugten Windgeschwindigkeiten mit einem Anemometer gemessen und die maximale Geschwindigkeit als Indikator für den Volumendurchsatz angegeben. Dieser lässt sich dann einfach per Multiplikation des von uns angegebenen Wertes mit dem jeweiligen Lüfterquerschnitt abschätzen. Dabei ist bei der Ermittlung der Querschnittsfläche darauf zu achten, dass der Rotorbereich nicht mit eingerechnet werden darf.
Testresultate
Übersicht - Referenzbelüftung
Als ein wichtiges Kriterium für den Vergleich der Leistungsfähigkeit eines Kühlkörpers gilt die gegenüberstellende Messung mit gleichen Lüftern. Für 120-mm-Kühler und solche, die dazu kompatibel sind, setzen wir nach wie vor auf die tabellarisch näher charakterisierten drei Lüfterexemplare der verschiedenen Leistungsklassen.
Aufgrund fehlender Serienbelüftung beschränken wir uns beim Megahalems auf die Gegenüberstellung mit unseren drei Referenzlüftern. Hier präsentiert sich der robuste Neuling von seiner besten Seite und greift leistungsübergreifend die Spitzenpositionen an. Nur die Riesen von Thermalright (IFX-14) und Scythe (Orochi) können das Niveau des Prolimatech-Neulings halten.
Kühlercharts mit Referenzlüftern
Kühlervergleich mit gleichen Lüftern
Angaben in °C
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Hierbei handelt es sich um das arithmetische Mittel der Kerntemperaturen der vier nativen Kerne unseres Testprozessors, die zur Generierung der Rangfolge in den Charts herangezogen werden.
(Bei den mit * gekennzeichneten Kühlern handelt es sich um s.g. Top-Blow-Kühler. Alle anderen sind im Towerformat gefertigt.)
Fazit
Neueinsteiger Prolimatech liefert mit dem Megahalems eine in jeglicher Hinsicht imposante Vorstellung ab. Das Leistungsniveau unseres Testexemplars des robusten Doppeltower-Kühlers ist mit variabler Lüfterausstattung sogar referenzträchtig. Damit eignet sich der Megahalems gleichsam für leise Systeme als auch für anspruchsvolle Performance-Konfigurationen. Basierend auf hochwertigen Materialien und höchster Verarbeitungsgüte, spielt bereits unser Vorserienmodell qualitativ in einer Liga mit den Edelkühlern von Thermalright oder Noctua.
Weniger euphorisch müssen derweil die Montagebegebenheiten reflektiert werden, bei denen zunächst der Verzicht auf eine AMD-Unterstützung bedauernswert heraus sticht. Abseits davon zeigt sich allerdings auch die Intel-Rückplattenmontage alles andere als ausgereift. So ist die Modulkonstruktion des Halterahmens für den ohnehin schon sehr üppig dimensionierten Prozessorkühler viel zu platzverschwenderisch konzipiert – Inkompatibilitäten zu vielen Motherboards sind vorprogrammiert. Hier sollten die Ingenieure das aktuelle Konzept unbedingt noch einmal überdenken, um dem späteren Unmut der Käuferschaft zu entgehen.
Unterm Strich könnte Prolimatech mit dem Megahalems also durchaus einen Erfolg landen, sofern die Serienproduktion das Leistungs- und Qualitätsniveau unseres Prototypen halten kann und die Schwächen bei der Montage ausgebessert werden. Der Startpreis von 59,90 Euro [1] (verfügbar ab März) für den lüfterlosen Prozessorkühler ist dabei natürlich sehr hoch angesetzt, angesichts der Qualität und der Performance allerdings vertretbar.
Weitere Empfehlungen
- Towerkühler
- Scythe Mugen 2 [8] (sehr hohe Leistung, vielseitig einsetzbar, sehr groß)
- Noctua NH-U12P [9] (hohe Leistung, super Gesamtpaket, leise, etwas teuer)
- Xigmatek HDT-S1283 [10] (hohe Leistung, günstig, leicht, einfache Montage)
- Thermaltake V14 Pro [11] (hohe Leistung, extravagantes Design, vollkupfern, teuer, Lüfter nicht wechselbar)
- OCZ Vendetta 2 [12] (hohe Kühlleistung, günstig, groß)
- Scythe Orochi [13] (sehr hohe Leistung als Tower oder Top-Blow, Passiv-Betrieb möglich, sehr leise, sehr groß, etwas teuer)
- EKL Groß-Clock'ner [14] (hohe Leistung, leiser Lüfter, recht günstig)
- Top-Blow-Kühler
- Enzotech Ultra-X [15] (hohe Leistung als Top-Blow-Kühler, sichere Montage, etwas laut, teuer)
- Noctua NH-C12P [16] (hohe Leistung als Top-Blow-Kühler, super Gesamtpaket, etwas teuer)
- AVC Black Samurai [17] (hohe Leistung, LGA 1366 Support, mühsame Montage)







