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Test: Scythe Fenriswolf

von Arne Müller

Einleitung

Der Name des japanischen Unternehmens Scythe steht bisher hauptsächlich für leistungsfähige CPU-Kühler und leise Lüfter. Bei diesem Angebot erscheint es jedoch nicht abwegig, dass der Hersteller jetzt auch mit einem Gehäuse an den Start geht. In Folge dessen bietet Scythe so gut wie alles aus dem Bereich Gehäuse und Kühlung an: Kühler, Lüfter, Lüftersteuerungen, Gehäuse und Zubehör.

Scythe Fenriswolf
Scythe Fenriswolf

Das Scythe Fenriswolf wurde zusammen mit dem Casemodder Benjamin Franz von Plexmod.de [1] entwickelt. Dabei wurde besonders Wert darauf legt, mit dem Gehäuse eine gute Grundlage für einen Casemod zu schaffen. Und ein Blick auf den Serienzustand lässt attestieren, dass es sich in der Tat nicht um einen Blickfang ab Werk handelt.

Das Gehäuse ist in der für Casemods recht passenden Preisklasse um 100 Euro positioniert. Es basiert auf dem gleichen Kern wie das Hiper Osiris, unterscheidet sich aber trotzdem recht deutlich von diesem Verwandten.

Lieferumfang

Die technischen Daten des Gehäuses im kompakten Überblick:

Zum Einbau von Festplatten in den Laufwerksschacht wird ein Hard Disk Stabilizer x4 [2] mitgeliefert, der selbst montiert werden muss. Daneben findet man eine Anleitung und eine Schachtel mit einem sicherlich lebenslang ausreichenden Vorrat an Rändelschrauben mit Grob- und Feingewinde. Besondere Erwähnung verdient auch die Ausstattung des Gehäuses mit Slip-Stream-Lüftern [3], die sich gegenüber den in anderen Gehäusen oft verwendeten Billiglüftern positiv hervortun.

Ausstattung außen

Das Äußere des Scythe Fenriswolf ist schlicht gehalten. Einheitlich schwarze Flächen dominieren, die einzigen auffälligen Elemente sind das Scythe-Logo in der Front sowie das kleine „b“ auf der Seitenwand, mit dem sich der Mitentwickler Benjamin Franz auf dem Gehäuse verewigt hat. Die Frontklappe besteht aus dickem Aluminium, dessen Profil bei genauem Hinsehen an der Oberkante erkennbar ist. Von einem verchromten Rahmen ist ein großes Gitter eingefasst, auf dem das Herstellerlogo prangt. Öffnet man die Tür, so werden die Bedienelemente an der oberen Gehäusekante sowie die neun 5,25"-Schächte sichtbar. Die untersten drei sind standardmäßig mit dem Halter für einen 120-mm-Lüfter belegt, der vierte von unten mit einem Einbaurahmen für 3,5"-Geräte wie Floppydrives oder Cardreader. Auch an der Front des Gehäusekerns sind in den Ecken Profile erkennbar, die schon von außen den Aufbau des Gehäuses erahnen lassen. Des Weiteren sind die Schrauben sichtbar, mit denen der 5,25"-Käfig befestigt ist.

Scythe Fenriswolf – rechte Seite
Scythe Fenriswolf – rechte Seite
Scythe Fenriswolf
Scythe Fenriswolf
Scythe Fenriswolf – linke Seite
Scythe Fenriswolf – linke Seite
Scythe Fenriswolf – Front
Scythe Fenriswolf – Front
Scythe Fenriswolf – Rückseite
Scythe Fenriswolf – Rückseite
Scythe Fenriswolf – Logo
Scythe Fenriswolf – Logo

Die Seitenwände sind ebenso wie der Gehäusedeckel mit je zwei Rändelschrauben gesichert und können abgenommen werden. Sie bestehen aus recht dünnem Aluminium, was das geringe Gewicht des Gehäuses begründet. Allerdings neigen solche dünnen Wände oft zu Vibrationen. Um dies zu verhindern, liegen sie oben und unten auf schmalen Schaumstoffstreifen auf. Der Deckel ist bei unserem Exemplar und der erstem Fertigungscharge noch verklebt, lässt sich allerdings mit etwas Geduld vom Korpus trennen. In weiteren Chargen soll laut Scythe auf den Klebstoff verzichtet werden, was die Angelegenheit natürlich deutlich vereinfacht. Im Deckel befinden sich unter einer kleinen Klappe auch die USB-, Firewire- und Audioanschlüsse.

Scythe Fenriswolf – Portkit
Scythe Fenriswolf – Portkit
Scythe Fenriswolf – Türdetail
Scythe Fenriswolf – Türdetail

Scythe Fenriswolf – Logo
Scythe Fenriswolf – Logo
Scythe Fenriswolf – Deckel
Scythe Fenriswolf – Deckel

Ausstattung innen

Deutlich interessanter ist der Innenraum des Fenriswolf, der – einem aktuellen Trend folgend – komplett schwarz lackiert ist. Vom Aufbau her handelt es sich zwar weitgehend um ein Standardgehäuse, wie sie seit der Einführung von ATX Stand der Technik sind (Netzteil hinten oben, darunter das Mainboard, vorne und hinten ein Lüfter). Allerdings unterscheidet sich das Material doch deutlich von den meisten günstigeren Gehäusen. Front, Rückseite und die vier horizontalen Gehäusekanten sind aus recht dickem Aluminium gefertigt, welches dem Gehäuse eine gute Stabilität verleiht. Die Seitenwände sowie Boden und Deckel sind wesentlich dünner.

Der große 5,25"-Schacht mit neun Einbauplätzen ist allerdings eine vom Standard abweichende Entwicklung. Er besteht auf jeder Seite aus drei ineinander gesteckten und mit dem Korpus verschraubten Aluminiumteilen, sodass hier mit mäßigem Aufwand Platz geschaffen werden kann für Modifikationen. Möglich wäre beispielsweise die Verlegung des Netzteils in die Front, um eine Wasserkühlung einbauen zu können. Auch für den Einbau überlanger Grafikkarten kann es sinnvoll sein, einen Teil der Schächte zu opfern. Karten mit einer reinen Platinenlänge bis 32 Zentimeter passen allerdings auch so in das Gehäuse. Ähnlich wie die Seitenwände werden auch alle Laufwerke mit schmalen Streifen aus Schaumstoff entkoppelt. Sämtliche vorinstallierten Blenden sind mit je vier Rändelschrauben fixiert, mit denen auch alle Geräte festgeschraubt werden müssen – einen schraubenlosen Mechanismus, wie man ihn bei vielen anderen Herstellern findet, sucht man leider vergebens.

Scythe Fenriswolf – Innenraum hinten
Scythe Fenriswolf – Innenraum hinten
Scythe Fenriswolf – Innenraum vorn
Scythe Fenriswolf – Innenraum vorn
Scythe Fenriswolf – Kantenprofil
Scythe Fenriswolf – Kantenprofil
Scythe Fenriswolf – Frontlüfter
Scythe Fenriswolf – Frontlüfter
Scythe Fenriswolf – 3,5"-Adapter
Scythe Fenriswolf – 3,5"-Adapter
Scythe Hard Disk Stabilizer x4
Scythe Hard Disk Stabilizer x4

Erfahrungen

Wie bereits erwähnt, ist das Fenriswolf im Gegensatz zu vielen anderen Gehäusen weniger die perfekte Komplettlösung für ein luftgekühltes System, sondern die Grundlage, um selbst Hand an das Gehäuse zu legen und mit entsprechend handwerklichen Hilfsmitteln Aufbau, Kühlung und Aussehen an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. So sieht das Gehäuse auch von innen auf den ersten Blick altbacken aus, allerdings unterscheidet es sich in vielen kleinen Details von den meisten anderen Gehäusen, die dem Standardaufbau folgen. Das fängt bei der Materialwahl und -stärke an, geht bei der schwarzen Innenlackierung weiter und gipfelt schließlich in der guten Konfigurierbarkeit des Gehäuses. Es gibt wenige Gehäuse, die man mit wenigen Handgriffen und ohne beispielsweise Nieten aufzubohren so weit zerlegen lassen wie das Scythe Fenriswolf. Bei den Einzelteilen und dem verbleibenden Kern kann man seiner Kreativität mit Dremel und Bohrmaschine freien Lauf lassen, ohne dabei in verwinkelten Ecken arbeiten zu müssen.

Besonders gut geeignet ist das Gehäuse für den Einbau einer Wasserkühlung – obwohl es relativ klein ist. Weil im Deckel und im Boden außer dem Portkit keine weiteren Bauteile oder Vorleistungen existieren, kann man hier oder auch im 5,25"-Käfig problemlos einen oder mehrere Radiatoren integrieren, und auch die Pumpe findet immer irgendwo ihren Platz. Aber auch der Einbau weiterer Belüftungsmöglichkeiten ist sehr einfach möglich. Noch einfacher wäre es allerdings, wenn Scythe noch konsequenter auf Modularität gesetzt hätte und auch der Gehäuseboden abnehmbar wäre. Grundsätzlich ist er genauso mit den horizontalen Streben verbunden wie der Deckel, allerdings zusätzlich festgeschweißt. Wenn dieser Teil abgenommen werden soll, ist also wesentlich mehr Handarbeit gefragt.

Auch im Serienzustand legt einem das Fenriswolf keine Steine in den Weg zum fertigen System, allerdings dauert der Einbau der Hardware etwas länger als bei der Konkurrenz. Das liegt unter anderem an den vielen Rändelschrauben, die gelöst und wieder fixiert werden wollen, sowie an der Notwendigkeit, den Hard Disk Stabilizer, also die Vorrichtung zum Entkoppeln der Festplatten, selbst zusammen zu bauen. Für Freunde großer Towerkühler noch eine wichtige Information: Der Abstand zwischen Mainboard-PCB und Seitenwand beträgt 175 mm, abzüglich der Platzbedürfnisse von CPU und Sockel sollten also etwa 165 mm maximale Höhe für den Kühler übrig bleiben.

Scythe Fenriswolf – Lieferumfang
Scythe Fenriswolf – Lieferumfang
Scythe Fenriswolf
Scythe Fenriswolf

Scythe Fenriswolf
Scythe Fenriswolf
Scythe Fenriswolf – Deckel
Scythe Fenriswolf – Deckel

Testsystem

Das Testsystem im Detail:

Die Temperaturen wurden gemessen, während das System den 3DMark05 als Dauerschleife ausführte. Die Lautstärkemessungen wurden mit einem „Voltcraft Digitales Schallpegelmessgerät 320“ durchgeführt, das Schallpegel im Bereich von 30 bis 120 Dezibel misst. Die Grundlautstärke des Messraumes lag bei subjektiv empfundener Stille unterhalb des Messbereiches, also bei weniger als 30 Dezibel. Als Referenzen wurden verschiedene bisher getestete Gehäuse verwendet.

Für die Regelung der Lüfter wurde eine Scythe Kaze Master 5,25" genutzt, die einen Regelbereich von etwa 3,7 bis 12 Volt bietet.

Messungen

Lautstärke

 Scythe Fenriswolf silent:
Vorne
32,0
Hinten
33,8
Oben
30,8
Links
33,2
Rechts
33,1
 Scythe Fenriswolf normal:
Vorne
32,2
Hinten
34,1
Oben
31,7
Links
34,0
Rechts
34,4
 SilverStone FT01 silent:
Vorne
33,2
Hinten
35,1
Oben
33,5
Links
32,1
Rechts
32,9
 SilverStone FT01 normal:
Vorne
35,2
Hinten
36,4
Oben
35,5
Links
34,2
Rechts
35,8
 Ikonik Zaria A20 silent:
Vorne
38,1
Hinten
38,6
Oben
36,7
Links
40,4
Rechts
38,7
 Ikonik Zaria A20 normal:
Vorne
49,6
Hinten
52,0
Oben
49,3
Links
51,5
Rechts
51,1
 Gigabyte iSolo 210 silent:
Vorne
35,4
Hinten
38,2
Oben
34,6
Links
38,1
Rechts
35,4
 Gigabyte iSolo 210 normal:
Vorne
37,9
Hinten
41,9
Oben
37,2
Links
41,1
Rechts
38,3
 NZXT Zero silent:
Vorne
32,8
Hinten
34,8
Oben
34,0
Links
35,8
Rechts
35,2
 NZXT Zero normal:
Vorne
37,0
Hinten
39,7
Oben
37,2
Links
41,8
Rechts
38,3
Angaben in Dezibel

Die sehr guten Messwerte vom FT01 werden vom Scythe Fenriswolf noch einmal leicht unterboten, was vor allem auf die auch im 12-Volt-Betrieb langsam und daher leise laufenden Lüfter zurückzuführen ist. Motor- oder Schleifgeräusche sucht man hier vergebens. Nennenswerte Schalldämmung bietet das Gehäuse allerdings nicht, sodass lautere Einzelkomponenten deutlich hörbar sind. Vibrationen der Festplatten konnten wir kaum feststellen, der Hard Disk Stabilizer leistet hier gute Arbeit. Aber auch hier kommt es auf den Typ der eingesetzten Festplatte an.

Systemtemperaturen

 Scythe Fenriswolf silent:
CPU
58
Mainboard
40
Festplatte 1
34
Festplatte 2
34
GPU
83
GPU-Umgebung
49
 Scythe Fenriswolf normal:
CPU
54
Mainboard
33
Festplatte 1
29
Festplatte 2
29
GPU
77
GPU-Umgebung
43
 SilverStone FT01 silent:
CPU
57
Mainboard
39
Festplatte 1
36
Festplatte 2
33
GPU
82
GPU-Umgebung
47
 SilverStone FT01 normal:
CPU
53
Mainboard
32
Festplatte 1
32
Festplatte 2
30
GPU
78
GPU-Umgebung
44
 Ikonik Zaria A20 silent:
CPU
53
Mainboard
38
Festplatte 1
35
Festplatte 2
33
GPU
77
GPU-Umgebung
66
 Ikonik Zaria A20 normal:
CPU
44
Mainboard
32
Festplatte 1
31
Festplatte 2
30
GPU
75
GPU-Umgebung
65
 Gigabyte iSolo 210 silent:
CPU
64
Mainboard
36
Festplatte 1
37
Festplatte 2
35
GPU
63
GPU-Umgebung
41
 Gigabyte iSolo 210 normal:
CPU
53
Mainboard
35
Festplatte 1
36
Festplatte 2
35
GPU
49
GPU-Umgebung
38
 NZXT Zero silent:
CPU
58
Mainboard
34
Festplatte 1
31
Festplatte 2
30
GPU
62
GPU-Umgebung
42
 NZXT Zero normal:
CPU
50
Mainboard
29
Festplatte 1
28
Festplatte 2
28
GPU
60
GPU-Umgebung
38
Angaben in °C

Aufgrund des Standardlayouts und der langsamen Lüfter vermag das Fenriswolf bei der Kühlleistung allerdings nicht so recht zu überzeugen. Der Klassische Kuhhandel zwischen Lautstärke und Temperaturen. Die Festplattentemperaturen sind zwar sehr gut, der Rest allerdings höchstens Durchschnitt. Ein weiterer Lüfter in der Seite und/oder einer im Deckel würden hier sicherlich helfen.

Fazit

Ein endgültiges Urteil über das Scythe Fenriswolf ist so einfach nicht zu fällen. Es ist zweifellos im Hinblick auf Material und Verarbeitung ein sehr gutes Gehäuse, auch das Design dürfte viele Käufer ansprechen. Allerdings ist es ohne weitere Modifikationen technisch nur Mittelmaß und dafür mit einem empfohlenen Preis von 119 Euro unterm Strich zu teuer. Wirklich geeignet ist das Gehäuse allerdings für Bastler, die mit dem Scythe Fenriswolf eine qualitativ hochwertige Basis mit viel Spielraum zur Umsetzung extravaganter Wünsche erhalten. Für diesen Zweck, für den das Gehäuse in erster Linie auch geschaffen wurde, können wir eine klare Empfehlung aussprechen. Ziel erreicht.

Scythe Fenriswolf
Scythe Fenriswolf

Das Scythe Fenriswolf wird laut Hersteller in wenigen Wochen mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 119 Euro im deutschen Handel erhältlich sein. So lange müssen sich Interessenten noch gedulden.

Tagesaktuelle Preis und Verfügbarkeit:

URL-Liste:

  1. http://www.plexmod.de/
  2. http://www.computerbase.de/preisvergleich/a362586.html
  3. http://www.computerbase.de/preisvergleich/a294636.html
  4. http://www.computerbase.de/preisvergleich/?fs=scythe+fenriswolf&in=
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