Einleitung
Der für seine High-End-Gehäuse aus Aluminium bekannte taiwanische Hersteller SilverStone hat mit dem FT01 eine neue Produktlinie namens Fortress gestartet. Das Gehäuse verbindet ein wichtiges Designelement des Temjin TJ07 – das durchgehende Aluminiumprofil, welches Boden, Front und Deckel des Gehäuses bildet – mit technischen Ideen wie dem Überdruckprinzip und mit geschrumpften Abmessungen. Dadurch dürfte das FT01 einem wesentlich größeren Käuferkreis attraktiv erscheinen als der große Bruder TJ07.
Als besonderes Feature des Gehäuses preist der Hersteller den im Gehäuse herrschenden Überdruck an, der durch einen – entgegen der gängigen Bauweise – herein blasenden Lüfter im Deckel erreicht wird. Damit soll der Eintritt von Staub durch ungefilterte Lücken am Gehäuse verhindert und die Kühlung verbessert werden. An einer guten Kühlung sollen auch die beiden besonders großen 180-mm-Lüfter ihren Anteil haben. Für eine möglichst komfortable Benutzung wurden weitgehend werkzeugfreie Halterungen verbaut – und eine Backplane-artige Konstruktion für eine Serial-ATA-Festplatte, um diese ohne Weiteres einfach in das Gehäuse einschieben zu können.
Wie die meisten SilverStone-Gehäuse ist auch das Fortress FT01 als schwarze und als silberne Variante erhältlich, jeweils gibt es eine Version mit Acrylglasfenster in der Seitenwand. Die schwarze Variante mit Fenster, die wir im Test haben, bietet übrigens als Besonderheit einen komplett schwarz lackierten Innenraum, bei den drei anderen muss sich der geneigte Käufer mit blankem Aluminium zufrieden geben.
Lieferumfang
Die technischen Daten des Gehäuses im kompakten Überblick:
- Material: Aluminium und Acrylglas
- Abmessungen: ca. 486 x 211 x 494 mm (H x B x T)
- Gewicht: etwa 8,7 kg
- fünf 5,25"-Front-Laufwerkschächte
- sieben interne Schächte für 3,5"-Festplatten, einer davon mit SATA-Backplane ausgestattet
- ein 180-mm-Lüfter hinter der Front (ca. 700 U/Min)
- ein 180-mm-Lüfter im Deckel (ca. 700 U/Min)
- ein 120-mm-Lüfter im Heck (900 U/Min)
- Mainboard-Formfaktoren: ATX und Micro-ATX
- USB-, Firewire- und Audioanschlüsse im Gehäusedeckel
- Staubfilter für die einsaugenden Lüfter
Im Paket befinden sich als Zubehör eine Anleitung und eine Tüte mit den üblichen Schrauben und Kabelbindern – nicht gerade reichhaltige Beigaben, aber alles was notwendig ist. Leider ist von den sieben Festplattenschächten nur einer mit dem SATA-Adapter CP05 [1] ausgestattet, obwohl mit Blick auf die Zielgruppe kaum jemand in dieses Gehäuse nur eine einzige Festplatte einbauen wird. Hier hätten wir gerne eine Ausstattung mit mindestens vier Exemplaren dieser doch überaus nützlichen Konstruktion gesehen.
Ausstattung außen
Wie bereits angedeutet, hat sich SilverStone beim Design des FT01 offensichtlich am ausgezeichnet gelungenen TJ07 orientiert. Es weist eine ähnliche Alu-Konstruktion von der Oberseite über die Front bis zur Bodenplatte auf, die dem Gehäuse sehr charakteristische Rundungen oben und unten an der Front verleiht. Abgesehen von den wesentlich geringeren Abmessungen des FT01 sieht auch die Frontpartie nicht ganz so wie aus einem Guss aus, wie es noch beim großen Bruder der Fall war. Das liegt vor allem an dem Gitter vor dem Frontlüfter, welches sich – ebenso wie fünf Laufwerksblenden – immer etwas vom Rest der Front abhebt. Diese Blenden sind beidseitig verschraubt, sodass zum Einbau eines Gerätes beide Seitenwände abgenommen werden müssen.






Die Seitenwände sind aus verhältnismäßig dünnem Aluminium gefertigt und sinnvollerweise zur Schalldämmung mit Schaumstoffmatten ausgekleidet, wobei hier leider nur auf normalen und nicht auf schweren Schaumstoff oder gar Bitumenmatten zurückgegriffen wurde. Damit dürfte sich das Potential der Dämmung in engen Grenzen halten – wir werden sehen. Das Acrylglasfenster ist, wenn vorhanden, außen ohne Rahmen auf der Aluminiumwand aufgesetzt und mit mehreren Schrauben fixiert. Zum Lösen der Seitenwände müssen im fabrikneuen Zustand erst vier Rändelschrauben gelöst werden, bevor man dann mit einem kleinen Hebel, der zuerst angehoben und dann herausgezogen werden muss, die Seitenteile lösen kann. Diese klappen ein paar Grad Richtung Boden auf und können dann abgenommen werden. Durch beide Kunststoffhebel führt jeweils eine kleine, mit dem Korpus fest verbundene Öse, an der man zum Schutz der eigenen Hardware Sicherungsmechanismen wie Schlösser anbringen kann.
Auf der Gehäuseoberseite findet man neben dem Gitter für den zweiten 140-mm-Lüfter auch das Portkit, das in eine Art Kunststoffmulde in den Deckel eingelassen ist. Durch die nicht mehr im rechten Winkel vom Gehäuse abstehenden Stecker ist hier weniger Beschädigungsgefahr gegeben als bei vielen anderen Gehäusen, kleinere USB-Sticks ragen überhaupt nicht mehr über das Level des Gehäusedeckels hinaus. Allerdings wirkt der Kunststoff, aus dem die Mulde besteht, etwas deplatziert an einem Gehäuse, welches sonst quasi ausschließlich aus Aluminium gefertigt wird. Ein Umstand, der sofort ins Auge fällt. Gut gesichert vor unbeabsichtigter Betätigung, findet sich an dieser Stelle auch der Reset-Taster, während der Power-Taster sowie die LEDs für Status und HDD-Aktivität wie üblich in der Front platziert sind.
Ausstattung innen
Das erste, was dem Auge des Testers auffällt, wenn das FT01 geöffnet wird, ist der komplett schwarz lackierte Innenraum. Dies ist allerdings, wie wir nochmals hervorheben möchten, nur bei der schwarzen Version mit Sichtfenster der Fall. An und für sich eine gute Sache, da der schwarze Lack dem Innenraum zu einem wesentlich hochwertigeren Aussehen verhilft.
Von der Anordnung der Komponenten her beschreitet SilverStone keine neuen Wege, das unten verbaute Netzteil und der gedrehte Festplattenkäfig gehören zum Stand der Technik. An letzterem gibt es allerdings zwei Details, die man sonst selten findet. Zum einen wären dies die Kunststoff-Einschübe, in die die Festplatten entkoppelt verschraubt werden. Die meisten Hersteller setzen an dieser Stelle auf Schienen. Zum anderen ist das die Backplane-ähnliche Konstruktion, die ein einfaches Einschieben von SATA-Festplatten ermöglicht ohne Hand an die Kabel legen zu müssen. Allerdings ist davon im Lieferzustand leider nur ein einziges Exemplar im obersten Schacht montiert ist.
Wenn überlange Grafikkarten eingesetzt werden sollen, kann der obere, vier Festplatten fassende Teil des 3,5"-Schachtes aus dem Gehäuse herausgenommen werden. Somit steht dann fast die gesamte Tiefe des Gehäuses zur Verfügung. Für die meisten Grafikkarten ist das allerdings nicht notwendig.
Ansonsten hat der Käufer es mit altbewährter Kost zu tun. Laufwerke werden per Knopfdruck fixiert, können aber auch verschraubt werden. Verschraubt werden auch die Erweiterungskarten – allerdings zwingend, und das erste Lösen der Rändelschrauben geht auch nicht wirklich werkzeuglos von Statten, da sie im Auslieferungszustand extrem festgezogen sind. Da die Schrauben nur durch Löcher in der senkrechten Aluminiumstrebe erreichbar sind, ist hier ein langer Schraubenzieher oder eine Zange erforderlich. Ebenfalls Anlass zur Kritik geben die Staubfilter Es ist zwar positiv, dass sie überhaupt vorhanden sind, allerdings kann man nur den hinter dem Frontlüfter zur Reinigung einfach heraus nehmen. Die beiden Filter unter dem Netzteil und an der Oberseite sind leider nicht so einfach vom Rest des Gehäuses zu trennen.



Das Mainboard wird auf einem nicht herausnehmbaren Träger montiert, der über Bohrungen für ATX und Micro-ATX verfügt. Extended-ATX-Boards werden nicht unterstützt. Unter und neben dem Tray befinden sich Öffnungen, die zum Kabelmanagement allerdings nur eingeschränkt nutzbar sind. Vor allem das 24-polige ATX-Kabel sorgt an dieser Stelle zusammen mit dem Schaumstoff der Seitenwand für erheblichen Druck gegen die Wand beim Schließen, dünnere Kabel können aber recht problemlos hinter dem Tray verborgen werden.



Erfahrungen
Bis auf die anfangs schwergängigen Rändelschrauben für die Erweiterungskarten und das Kabelmanagement verlief der Einbau des Testsystems absolut problemlos. Bei jedem Handgriff merkt man, dass man es hier mit einem hochwertigen Gehäuse zu tun hat, die Materialqualität und die Verarbeitung sind einwandfrei – was auch für die wenigen Kunststoffteile zutrifft. Die Seitenwände könnten zur Unterdrückung von Vibrationen zwar etwas dicker sein, allerdings sorgen die Dämmung der Wände einerseits und die Kunststoff-Festplattenträger mit Gummi-Entkopplern andererseits schon für die nötige Dämpfung. Für ein Gehäuse mit halboffener Front und direkt dahinter befindlichen Festplatten, für Schalldämmung sicher nicht das perfekte Layout, ist das FT01 erstaunlich leise. Auch die meisten Detaillösungen wie das Portkit, die Verriegelungen für die Laufwerke, die SATA-Backplane sowie die 3-Pin-Anschlüsse der Lüfter können überzeugen. Um den Überdruckeffekt durch die besondere Belüftung des Gehäuses zu demonstrieren, hat Silverstone einige Informationen auf der Herstellerwebseite [2] sowie die folgenden beiden Videos auf Youtube veröffentlicht.
So gut dieses Gehäuse auch für die Kühlung mit Luft geeignet ist, so wenig kann man etwas mit ihm anfangen, wenn man eher Freund des kühlen Nass ist: Der Einbau einer Wasserkühlung ist nicht ohne weiteres möglich. Sollte kein externes System genutzt werden, was mit Hilfe der serienmäßigen Schlauchdurchführungen kein Problem ist, so ist die Unterbringung eines größeren Radiators aus Platzgründen kaum denkbar.




Testsystem
Das Testsystem im Detail:
- AMD Athlon 64 X2 4800+ (Toledo) mit Boxed-Kühler
- Gigabyte GA-K8N51PVMT-9 (Geforce 6150, nForce 430)
- 2 x 512 MB + 2 x 256 MB Corsair DDR400
- Leadtek WinFast PX6600GT
- 2 x 80 GB Hitachi Deskstar 7K250 SATA
- LG GSA-H20L DVD-RAM
- Be Quiet P4 Blackline 400W
Die Temperaturen wurden gemessen, während das System den 3DMark03 als Dauerschleife ausführte. Die Lautstärkemessungen wurden mit einem „Voltcraft Digitales Schallpegelmessgerät 320“ durchgeführt, das Schallpegel im Bereich von 30 bis 120 Dezibel misst. Die Grundlautstärke des Messraumes lag bei subjektiv empfundener Stille unterhalb des Messbereiches, also bei weniger als 30 Dezibel. Als Referenzen wurden verschiedene bisher getestete Gehäuse verwendet.
Für die Regelung der Lüfter wurde eine Scythe Kaze Master 5,25" genutzt, die einen Regelbereich von etwa 3,7 bis 12 Volt bietet.
Messungen
Lautstärke
Angaben in Dezibel
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Durch die leicht gedämmten Seitenwände und die langsam laufenden Lüfter ist das Silverstone FT01 eines der leisesten Gehäuse, die wir bisher im Test hatten. Die 180-mm-Exemplare laufen herunter geregelt bei etwa 300 U/Min, was sie wirklich unhörbar macht. Aber auch im 12-Volt-Betrieb mit etwa 700 U/Min sind sie nicht störend laut. Der 120-mm-Lüfter im Heck dreht mit 450 respektive 1.200 U/Min deutlich schneller, erzeugt dabei aber aufgrund des geringeren Rotordurchmessers ebenfalls kaum Lärm.
Systemtemperaturen
Angaben in °C
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Im Gegensatz zu den meisten Gehäusen, die durch langsam laufende Lüfter gute Lautstärkewerte erreichen, schafft es das FT01, auch bei der Kühlung eine sehr gute Figur zu machen. Speziell die Temperaturen der CPU überzeugen durch die direkte Frischluftzufuhr von oben und auch die anderen Temperaturen sind für ein Gehäuse ohne Seitenlüfter recht gut.
Fazit
Mit dem eher für Midrange-Systeme dimensionierten Fortress FT01 ist es SilverStone erfolgreich gelungen, einen günstigeren Verwandten des Temjin TJ07 auf den Markt zu bringen, der den Ansprüchen an den Premiumhersteller dennoch durchaus gerecht wird. Dies betrifft vor allem das Design und das Material, aber auch Verarbeitung und Kühlleistung mit derart leise laufenden Lüftern sind durchweg exzellent. Neben all' diesen positiven Aspekten gibt es da nur sehr wenig, was Anlass zur Kritik gibt: Beispielsweise den Preis. Der große Bruder des FT01, das TJ07, kostet in Silber knapp unter 200, in Schwarz knapp 250 Euro [3]. Das FT01 kommt derzeit mit einem Preis von knapp 170 Euro [4] für die Variante in Silber daher. Die hier getestete Variante mit Sichtfenster in Schwarz kostet gut zehn Euro mehr [5]. Damit ist das SilverStone Fortress FT01 in silber geringfügig und in schwarz gar deutlich günstiger als das TJ07, kommt damit aber noch nicht in Preisregionen, in denen es für den durchschnittlichen Käufer richtig interessant wird. Wirklich ärgerlich erscheint dabei, dass beispielsweise beim SATA-Hotplug-Adapters gespart wird und man weitere Exemplare noch zusätzlich erwerben muss, was die Gesamtkosten schnell wieder über die 200-Euro-Marke treibt.
Zu diesem Preis dürfte das SilverStone Fortress FT01 nur für Leute interessant sein, die das Design als hervorstechendes Merkmal anspricht, und die nicht zehn Euro mehr in den silbernen TJ07 oder (dann allerdings) deutlich mehr in den schwarzen TJ07 investieren wollen. Ansonsten gibt es genügend günstigere, technisch aber ähnlich gute Alternativen.
Aktueller Preis:


