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Test: Silverstone Raven 2

von Benjamin Marks

Einleitung

Silverstone stellte im vergangenen Jahr das erste Gehäuse aus der Serie Raven vor. Geprägt von innovativen Konzepten stellte es die Sparte der Computergehäuse im wahrsten Sinne auf den Kopf. So war es eines der ersten Gehäuse, in denen die Hardware um 90° gedreht eingebaut wurde. Neben dem außergewöhnlichen Design und der gebündelt aus dem Deckel verlaufenden Kabel, machte sich Silverstone den Kamineffekt als einer der ersten Hersteller zu Nutze.

Nun folgt die zweite Generation dieser unüblichen Gehäuse-Serie, das Raven 2. Erneut werden das Mainboard und somit die gesamte Hardware um 90° gedreht verbaut und der Kamineffekt, unterstützt von drei 180-mm-Lüftern am Boden, genutzt. In puncto Design wurde das Raven 2 etwas schlichter gehalten und kommt mit vollkommen anderen Abmessungen daher.

Seite rechts
Seite rechts

In unserem heutigen Test wollen wir es uns genau anschauen und feststellen, ob ähnlich viele neue Konzepte wie bei der ersten Generation umgesetzt wurden. An dieser Stelle geht unser Dank für die Bereit­stellung des Samples an den Online-Händler Caseking aus Berlin. Dort kann das Silverstone Raven 2 für etwa 140 Euro [1] erworben werden.

Lieferumfang und Daten


Neben den üblichen Schrauben und einer ausführlichen Anleitung gehören ein 3,5"-auf-5,25"-Konverter, eine SSD-Halterung zur Befestigung neben den Laufwerkschächten, eine 3,5"-Blende zur Befestigung im Laufwerkschacht, eine Halterung für einen Radiator, eine Netzteilsicherung sowie ein Klett-Band und fünf wiederverwendbare Kabelhalterungen zum Lieferumfang des Raven 2.

Ausstattung außen

Mit dem ersten Raven brachte Silverstone „mal was anderes“ [2] und überraschte mit einem sehr individuellen Design. Das Raven 2 tritt etwas dezenter, wenngleich nicht weniger ansprechend auf und könnte auf mehr Sympathisanten treffen als sein Vorgänger.

Es fällt sofort auf, dass die Entwicklungsabteilung von Silverstone viel Arbeit in die Neuauflage gesteckt hat. Der Großteil der Gehäusefront ist mit acht herausnehmbaren Blenden für die dahinter liegenden Laufwerkschächten ausgestattet. Drei davon lassen sich allerdings nur dann nutzen, wenn der Festplattenkäfig, welcher sich dahinter verbirgt, nicht benötigt wird. Im unteren Bereich befindet sich ein großer Schriftzug „Raven“, der das Design der Front widerspiegelt. So ist im oberen Bereich ein beleuchtetes V von der ersten Generation übernommen und die gesamte Fläche in der Mitte etwas nach außen gezogen worden. Außerdem sind die vier Standfüße abgerundet in das Gehäusekonzept eingearbeitet.

Front
Front
Front-Deckel
Front-Deckel

Deckel
Deckel
Komplett
Komplett

Im Deckel befindet sich neben dem Portkit mit den Power- und Resetschaltern der eigentliche Gestaltungsansatz des Raven 2. Drei Viertel des Deckels sind ohne Werkzeug abnehmbar und aus einer Kombination von Kunststoff und Meshoptik gestaltet. Darunter verbirgt sich das, was sich bei anderen Gehäusen an der Rückseite befindet: Die Steckplätze für Erweiterungskarten, ein 120-mm-Lüfter, der seinen Teil zum Kamin-Effekt beitragen soll und das Netzteil. Außerdem muss der Deckel abgenommen werden, um die Seitenteile öffnen zu können. Gelungen wie wir finden, denn so ist von außen keine einzige Schraube zu sehen. Im hinteren Bereich treten alle benötigten Anschlusskabel gebündelt unter dem Deckel hervor, so sieht das Gehäuse auch im angeschlossenen Zustand aufgeräumt aus. Allerdings muss immer, wenn ein neues Kabel hinzugefügt wird, der Deckel abgenommen werden.

Ohne Deckel
Ohne Deckel
Rückseite
Rückseite

Seitenansicht rechts
Seitenansicht rechts
Port-Kit
Port-Kit

Die Rückseite ist so schlicht gehalten wie es nur geht. Einzig eine großzügige Öffnung, um das dahinter verbaute Netzteil durch einen Staubfilter mit Frischluft zu versorgen, ist dort zu sehen. Anders als bei vielen anderen Gehäusen lohnt sich beim Raven 2 ein Blick auf die Unterseite. Dort fallen neben den gummierten Standfüßen die Lochgitter für die per Clip befestigten 180-mm-Lüfter auf. Alle Lüfter ziehen möglichst kühle Luft von der Unterseite, die sich im Verlauf durch das Gehäuse erwärmt und dann am Deckel wieder austritt.

Auch bei den Seitenwänden geht Silverstone einen anderen Weg als üblich. Während die linke Seitenwand ohne jegliche Öffnung sehr schlicht gehalten ist, befindet sich in der rechten Seitenwand, wo normalerweise das Mainboard befestigt ist, ein großes Sichtfenster aus 5 mm dickem Plexiglas. Dieses bietet freien Blick auf die Hardware und ist in puncto Größe und Position hervorragend angeordnet. Somit steht fest, dass nicht nur das Mainboard um 90° gedreht, sondern auch auf der gegenüberliegenden Seite eingebaut wird.

Insgesamt ist das Silverstone Raven 2 ausgesprochen gut verarbeitet. Die Kombination aus Kunststoff und Stahl ist gelungen, alle Anbauteile rasten fest und sicher am Chassis ein und von außen ist keine einzige Schraube zu sehen.

Ausstattung innen

Im Innenraum des Raven 2 kommt das ungewohnte Konzept erst richtig zum Tragen. Man braucht ein paar Minuten, um sich zu orientieren und die Anordnung der Hardware zu durchschauen. Abgesehen davon gefällt auf den ersten Blick die schwarze Lackierung und das Innere macht einen ordentlichen, aufgeräumten Eindruck. Lediglich durch die Lüfterreihe am Boden geht rein optisch ein wenig Platz verloren.

Zunächst etwas von den gewohnten Merkmalen, die Front: Dort ist unter den vier 5,25"-Laufwerkschächten, in denen optische Laufwerke werkzeuglos über ein Clip-System eingebaut werden, ein herausnehmbarer Festplattenkäfig zur Bestückung mit maximal drei 3,5"-Festplatten vorhanden. Anders als bei den meisten Gehäusen sind diese nicht horizontal sondern vertikal angeordnet, um den Luftfluss des darunter liegenden 180-mm-Lüfter zu nutzen und die von den Speichermedien erwärmte Luft an der Oberseite aus dem Gehäuse zu führen. Um unerwünschten Vibrationen entgegenzuwirken, stattet Silverstone den Festplattenkäfig werksseitig mit Vibrationsdämpfern aus, in die die Festplatten eingeschraubt werden.

Rückwand
Rückwand
Seitenansicht links
Seitenansicht links

Innenraum
Innenraum
Oberseite
Oberseite

Der gesamte Boden wird von drei mächtigen 180-mm-Lüftern abgedeckt, die sich jeweils durch einen separaten, abwaschbaren Staubfilter kalte Luft von der Unterseite des Gehäuses ziehen und diese durch den Innenraum zur Oberseite befördern. Zwischen dem hinteren der drei Lüfter und der Rückwand befinden sich zwei Schlauchdurchführungen zur Unterseite, um eine externe Wasserkühlung zu betreiben. Mit den beiliegenden Halterungen und etwas handwerklichem Geschick bietet sich dort die Möglichkeit einen Single-, Dual-, Tripple- oder gar einen Radiator der neuen Generation für bis zu drei 140-mm-Lüfter anzubringen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass der befestigte Radiator wichtigen Platz langer Erweiterungskarten wie z.B. der Grafikkarte in Anspruch nimmt.

Das eigentliche Herzstück und gleichzeitig die Innovation des Raven 2 ist die Anordnung und die Position des Mainboard-Trays. Dieser ist, wie bereits angesprochen, um 90° gedreht und an der gegenüberliegenden Seite (als sonst üblich) angebracht. Dies hat zum Vorteil, dass die drei Lüfter am Boden alle Komponenten gleichermaßen kühlen können. Um auch große Prozessorkühler mit einer Backplatte betreiben zu können, befindet sich im Mainboard-Tray eine großzügige Aussparung. Außerdem sind drei Öffnungen zur verbesserten Kabelführung hinter dem Tray mit zahlreichen Befestigungsmöglichkeiten für Kabelbinder vorhanden. Damit sollte es möglich sein den „Kabelsalat“, der den Luftfluss im Gehäuse stören könnte, zu vermeiden.

Festplattenkäfig
Festplattenkäfig
Front ohne Verkleidung
Front ohne Verkleidung
Front von innen
Front von innen
Lüftersteuerung
Lüftersteuerung
Staubfilter
Staubfilter

Beim Raven 2 nimmt der Deckel eine Schlüsselfunktion ein. Er beherbergt nach Einbau der Hardware alle Anschlüsse, welche sich normalerweise auf der Rückseite befinden. Sowohl das Mainboard mit acht Steckplätzen für Erweiterungskarten als auch das Netzteil sind einige Zentimeter in das Gehäuse eingelassen. Somit entsteht unter der Blende des Deckels ausreichend Platz zur Verfügung um zu gewährleisten, dass die Kabel beim Herausführen aus dem Deckel keine Beschädigung durch Abknicken erleiden.

Erst auf den zweiten Blick fällt eine kleine Lüftersteuerung zwischen Deckel-Lüfter und Netzteil auf. An dieser sind die drei am Boden befindlichen Lüfter angeschlossen, um zwischen hoher (etwa 1.000 U/min) und niedriger (etwa 750 U/min) Leistung zu wählen. Praktisch für alle Diejenigen, die nicht die Möglichkeit haben, die Lüfter per Software über das Mainboard zu steuern.

Erfahrungen

Das Silverstone Raven 2 bricht die Regeln der Gestaltung von PC-Gehäusen, was der Benutzer gerade beim Einbau der Hardware zu spüren bekommt, denn es ist schlichtweg ungewohnt das Mainboard und alle damit zusammenhängenden Komponenten um 90°-gedreht einzubauen. Die Schlitze im Mainboard-Tray sind anders als bei den meisten Gehäusen angeordnet, bieten allerdings sehr gute Möglichkeiten alle benötigten Kabel sicher zu verstauen. Sieht man von der anfänglichen Verwirrung durch das gedrehte Mainboards ab, gestaltet sich der Einbau der Hardware ansonsten sehr unkompliziert.

Mit Hilfe des beiliegenden Adapters von einem 4-Pol-Anschluss auf drei 3-Pol-Lüfteranschlüsse können die drei 180-mm-Lüfter am Boden des Gehäuses ohne Probleme über das Netzteil mit Strom versorgt werden. Wird während des Betriebs nicht die volle Leistung dieser Lüfter benötigt, lassen sie sich mit der installierten Lüftersteuerung bequem herunter regeln und es kehrt Ruhe ein.

Die Seitenwände (speziell die linke Seitenwand) lassen sich auch nach dem Verlegen der Kabel problemlos und ohne Kraftaufwand schließen. Nachdem alle nötigen USB-, VGA- und sonstige Kabel angeschlossen sind, wird der Deckel einfach wieder auf das Chassis gesteckt und das Raven 2 kann in Betrieb genommen werden.

Front mit Hardware
Front mit Hardware
Innenraum mit Hardware
Innenraum mit Hardware
Kabelmanagement
Kabelmanagement

Da das Netzteil kühle Luft von außen ansaugt, arbeitet es auch unter hoher Belastung ruhiger als wenn die warme Luft aus dem Inneren des Gehäuses abgesaugt wird. Wer dies dennoch wünscht, kann das Netzteil auch mit dem Lüfter Richtung CPU verbauen, denn das Raven 2 bietet beide Möglichkeiten.

Beim Testkriterium „Platz für Erweiterungskarten“ verschafft sich das Raven 2 mit etwa 30 cm einen soliden Rang im Mittelfeld, bietet allerdings ausreichend Platz, um auch aktuelle High-End-Grafikkarten aufnehmen zu können. Um allerdings die kommende Monster wie die ATI Radeon 5870 X2 verbauen zu können, müsste an dieser Stelle einer der 180-mm-Lüfter ausgebaut werden. Dann sind satte 36 cm Platz vorhanden.

Länge aktueller Grafikkarten

 Benötigter Platz:
NVIDIA GTX 285
26,7
NVIDIA GTX 295
27,0
ATI Radeon 5870
28,0
ATI Radeon 5870 X2
30,0
ATI Radeon 4890
23,0
ATI Radeon 4870 X2
27,0
 Vorhandener Platz:
Lancool K58
29,0
Lancool K7
29,5
Xigmatek Midgard
30,5
ASUS TA-U2
31,5
Silverstone Raven 2
30,0
Angaben in Zentimeter (cm)

Testsystem im Betrieb

Das Testsystem im Detail:

AMD Athlon X2 6000+ mit Scythe Mugen 2 (passiv)
Gigabyte GA-MA74GM-S2H
2 x 2024 MB Kingston DDR2-800
GeForce 9800 GTX+
Western Digital Caviar SE16 320GB
be Quiet! Dark Power Pro P7 550

Die Temperaturen wurden gemessen, während das System den 3DMark Vantage als Dauerschleife ausführte. Die Lautstärkemessungen wurden mit einem „Voltcraft Digitales Schallpegelmessgerät 320“ durchgeführt, das Schallpegel im Bereich von 30 bis 120 Dezibel misst. Die Grundlautstärke des Messraumes lag bei subjektiv empfundener Stille unterhalb des Messbereiches, also bei weniger als 30 Dezibel.

Schaltet man an der verbauten Lüftersteuerung die drei Schieberegler für die 180-mm-Lüfter auf „High“, befördern diese bei rund 960 U/Min ordentlich Luft durch das Gehäuse zur Oberseite. Durch ihre Größe arbeiten die Lüfter dabei relativ ruhig. Wird der Schalter auf „Low“ gestellt, sind sie bereits sehr leise und erzeugen bei etwa 660 U/min noch immer einen verhältnismäßig guten Luftstrom. Wer die drei Lüfter allerdings über das Mainboard steuert, kann sie bis zu einer Anlaufspannung von etwa 3,6 V betreiben und erhält trotz eines annähernd lautlosen Betriebs noch immer einen leichten Luftzug.

Betreibt man den 120-mm-Gehäuselüfter auf 5 V und etwa 360 U/min, ist nahezu nichts wahrzunehmen. Bei 12 V und etwa 880 U/min gibt er ein deutlich zu hörendes Summen von sich. Allerdings gibt es keinerlei Anzeichen schlecht verarbeiteter Lager oder ähnliches.

Lautstärke

 Hinten:
Silverstone Raven 2 (5 V)
35,4
Silverstone Raven 2 (12 V)
40,8
 Links:
Silverstone Raven 2 (5 V)
35,2
Silverstone Raven 2 (12 V)
42,0
 Rechts:
Silverstone Raven 2 (5 V)
35,4
Silverstone Raven 2 (12 V)
43,1
 Oben:
Silverstone Raven 2 (5 V)
35,8
Silverstone Raven 2 (12 V)
42,9
Angaben in Dezibel

In puncto Temperaturen kann das Raven 2 seine eigentlichen Stärken ausspielen. Sowohl bei 12 V als auch bei 5 V macht es eine äußerst gute Figur.

Systemtemperaturen

 CPU:
Silverstone Raven 2 (12 V)
40
Silverstone Raven 2 (5 V)
52
 GPU:
Silverstone Raven 2 (12 V)
68
Silverstone Raven 2 (5 V)
70
 Mainboard:
Silverstone Raven 2 (12 V)
26
Silverstone Raven 2 (5 V)
28
 Festplatten:
Silverstone Raven 2 (12 V)
25
Silverstone Raven 2 (5 V)
28
Angaben in °C

Modifikationsmöglichkeiten

Unter „Modifikationsmöglichkeiten“ stellen wir seit geraumer Zeit denkbare Änderungen an den von uns getesteten Gehäusen vor, in der Regel in Bezug auf die Optik und die Kühlung. Doch es gibt auch Modifikationen, die weder einem Silent-System noch optischen Änderungen zuzuordnen sind. So auch der im Folgenden vorgestellte Wechselrahmen, der es Käufern, die regelmäßigen Zugriff auf ihre Speichermedien benötigen, ermöglicht, diesen dezent und unauffällig zu gestalten, ohne dabei jedes Mal das Gehäuse öffnen zu müssen.

Das Raven 2 bietet sich für diese Modifikation besonders an, denn im unteren Bereich hinter der Front sitzt ein Festplattenkäfig, der auf Wunsch entfernt werden kann. Der Vorteil dabei ist, dass in der Front vor dem Festplattenkäfig Blenden für die 5,25"-Laufwerkschächte vorhanden sind. Um diesen Bereich nun so zu verändern, dass ein zusätzlich erworbener Wechselrahmen hinter den Laufwerksblenden versteckt werden kann, muss zunächst der vorhandene Festplattenkäfig entfernt werden. Anschließend wird die benötigte Anzahl an Blenden von innen miteinander verbunden (entweder mit Kleber oder Schrauben) und anschließend mit etwas Schmirgelpapier an den Seiten so präpariert, dass die Blenden ohne Widerstand durch die Front passen. Danach kann die unterste Blende an den innen liegenden Seiten mit zwei Löchern versehen werden, die auch verdeckt durch die Front gebohrt werden. Anschließend nur noch mit einer Gewindestange in der Front fixieren und mittels eines kleinen Magneten dafür sorgen, dass die Blenden im oberen Bereich gehalten werden – fertig.

Silent System

Erst auf den zweiten Blick erweist sich das Silverstone Raven 2 als nahezu perfektes Gehäuse für einen äußerst geräuscharmen Betrieb. Bei den am Boden befestigten klobigen 180-mm-Lüfter erhebt sich zunächst der Verdacht, dass diese für eine unerträgliche Geräuschkulisse sorgen. Dem ist allerdings nicht so! Bereits bei 12 V hält sich die Lärmentwicklung in Grenzen. Dann sorgen sie aber auch für einen ordentlichen Luftfluss der kalte Hardware-Komponenten garantiert. Regelt man sie über die vorhandene Lüftersteuerung herunter, sind sie bereits kaum noch wahrzunehmen und bieten dennoch einen akzeptablem Luftdurchsatz. Durch ihre geringe Anlaufspannung ist es möglich, sie zusätzlich per Software in einen nahezu lautlosen Betrieb zu versetzen, in welchem trotzdem noch genügend Luft in das Innere des Gehäuses gelangt um den Kamin-Effekt zu verstärken.

Da die Festplatten im dafür vorgesehenen Käfig entkoppelt eingebaut werden und das Netzteil einen eigenen Kühlkreislauf durch die Rückwand besitzt und somit geringere Lüfterdrehzahlen des Netzteillüfters zulässt, bleibt einzig noch der im 12 V Betrieb deutlich wahrnehmbare 120-mm-Lüfter im Deckel. Dieser sollte wenn möglich über eine Lüftersteuerung oder per Software herunter geregelt oder gegen ein leiseres Modell ausgetauscht werden. Bleibt er im Gehäuse verbaut, bietet sich dem Käufer die Option, ihn über Entkoppler zumindest vibrationsentkoppelt zu befestigen.

Die Möglichkeiten der zusätzlichen Dämmung des Raven 2 sind beschränkt. Nahezu alle Flächen im Innenraum sind durch Hardware-Komponenten, Lüfter oder Lüftungsschlitze belegt. Allerdings ist anzumerken, dass das hervorragende Konzept des Innenraums ideale Voraussetzungen bietet um Grafikkarte und Prozessor passiv zu kühlen. Das bereits im Auslieferungszustand – für einen Midi-Tower – sehr hohe Gewicht von etwa 12,5 kg und die vibrationsdämpfenden Füße tragen dazu bei, unerwünschte Vibrationen aus dem Innenraum zu vermeiden.

Summa summarum sind die werksseitigen Voraussetzungen des Silverstone Raven 2 bereits äußerst günstig, um ein System zu schaffen, welches auch unter Volllast nur sehr wenig Geräusche von sich gibt und trotzdem passable Temperaturen ermöglicht.

Optische Änderungen

Da das Raven 2 bereits mit einem extravaganten und sehr ansprechenden Design daher kommt, fällt es sichtlich schwer, an diesem Gehäuse noch nennenswerte Änderungen vorzunehmen. Das große Sichtfenster bietet allerdings zwei Möglichkeiten: Zum Einen erscheint es als sinnvoll die werksseitige Hardwarepräsentation auf die Nacht auszuweiten und eine bzw. zwei Kaltlicht-Kathoden zu verbauen. Farblich eignet sich in Anbetracht des in Blau beleuchteten V in der Front der gleiche Farbton. Ist eine andere Farbe gewünscht, kann mit wenigen Handgriffen die Beleuchtung des V mit LEDs getauscht werden. Zum Anderen ist während unseres Tests aufgefallen, dass die Seitenscheibe mit Schrauben befestigt und nicht, wie so oft, genietet ist. Somit ist es leicht möglich die Seitenscheibe mit einer Gravur zu modifizieren. Dazu wird lediglich ein wenig Folie, Klebeband, ein Cutter-Messer, selbstverständlich das Wunschmotiv und nach Möglichkeit eine Sandstrahlpistole zum Anschluss an einen Druckluft-Kompressor benötigt. Nun einfach die Seitenscheibe ausbauen, komplett (möglichst beidseitig) mit Folie abdecken, eine Schicht Klebeband auftragen und das Wunschmotiv spiegelverkehrt ausgedruckt auf die Innenseite der Scheibe kleben. Danach alles, was sandgestrahlt werden soll, mit dem Cutter-Messer ausschneiden. Da das Klebeband auf der Folie aufliegt, lassen sich die ausgeschnittenen stellen ohne Weiteres entfernen und die gesamte Seitenscheibe hinterher frei von Rückständen wieder verbauen.

Da das Raven 2 bereits über in das Design integrierte Füße verfügt und somit ein paar Zentimeter Platz unter dem Gehäuse entstehen, ist eine Unterbodenbeleuchtung eine weitere Möglichkeit. Dabei gibt es die einfache Variante, die Schlauchdurchführungen am Heck des Gehäuses für die Kabel einer Kaltlicht-Kathode zu benutzen und diese mittig unter dem Raven 2 zu befestigen. Dabei entsteht eine sehr helle Unterbodenbeleuchtung, die bei einem Blick unter das Gehäuse sofort zu sehen ist. Außerdem könnte die Kathode beim Transport beschädigt werden. Die etwas aufwändigere, allerdings dezentere Lösung ist eine in die Füße integrierte Beleuchtung mit LEDs. Dazu müsste hinter den vorhandenen Schlitzen in den Füßen eine beliebige Anzahl an LEDs angebracht und über einen 4-Pol Anschluss vom Netzteil aus mit 12 V versorgt werden. Wichtig: Widerstände nicht vergessen! So wäre der Unterboden auf eine sehr dezente Art ausgeleuchtet und dem Transport würde nichts im Wege stehen.

Fazit

Mit der Neuauflage des Raven, dem Raven 2, ist Silverstone ein wirklich hervorragendes Gehäuse gelungen. Bei der großen Anzahl an Innovationen des ersten Raven waren die Erwartungen an den Nachfolger hoch.

Silverstone hat auf diesem Gebiet ganze Arbeit geleistet, bringt ein Design, das in seinem Erscheinungsbild etwas zurückhaltender ist, und trumpft erneut mit eine Reihe neuer Konzepte und Funktionen auf. Die Verarbeitung spricht für sich. Mit den etwas ungewohnten Abmaßen (besonders in puncto Tiefe) und dem bereits vorhandenen Sichtfenster auf der rechten Seite bricht Silverstone erneut die Regeln.

Die drei verbauten 180-mm-Lüfter bieten nicht zuletzt durch die bereits im Gehäuse enthaltene Lüftersteuerung ein hohes Potenzial, um einen sehr leisen Betrieb zu gewährleisten. Einziger Grund zur Kritik ist der am Deckel befestigte 120-mm-Lüfter, welcher bei 12 V deutlich zu hören ist. Schade, dass nicht auch dieser über die Steuerung geregelt werden kann. Wer es also richtig leise mag, sollte diesen Lüfter gegen einen etwas langsamer drehenden tauschen oder ihn softwaregestützt mit weniger Umdrehungen betreiben.

Im Großen und Ganzen ist das Raven 2 jedoch ein sehr gelungenes Gehäuse, das nach unserem Empfinden den Preis von 140 Euro wert ist. Wer so viel Geld investieren will, sollte das Raven 2 auf jeden Fall in die engere Wahl nehmen.

Empfehlung (09/09)
Empfehlung (09/09)

Tagesaktuelle Preise und Verfügbarkeiten:

URL-Liste:

  1. http://www.caseking.de/shop/catalog/Silverstone-SST-RV02B-W-Raven-2-Midi-Tower-black::13006.html
  2. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2009/test_silverstone_raven_rv01/5/#abschnitt_fazit
  3. http://www.computerbase.de/preisvergleich/a440696.html
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