Einleitung
Das taiwanische Kultunternehmen Thermaltake feiert in diesem Jahr den zehnten Geburtstag. Zehn Jahre Thermaltake, das bedeutet sehr viel Buntes, Skurriles, Lautes, Ausgefallenes aber zum Teil auch sehr Ideen- und Erfolgreiches auf den Gebieten der PC-Kühlung, -Gehäuse und -Peripherie. Speziell um das einstige Steckenpferd des Unternehmens, gelungene Luft-Kühllösungen zu entwerfen, ist es jüngst allerdings etwas ruhiger geworden und der Fokus wanderte verstärkt auf den Netzteil-, Wasserkühlungs- und Gehäusesektor. Nur noch selten begeistern mutige Kreationen wie der V14 Pro CPU-Kühler [1] im Luftkühlsegment.
Im heutigen Testbericht widmen wir uns dem Thermaltake Fanless 330, einem interessanten Grafikkarten-Kühlsystem, das zunächst auf lüfterlosen Betrieb ausgelegt ist und sich damit wunderbar für sehr leise PC-Umsetzungen eignet. Mit zugeschaltetem Lüfter könnten zudem sogar die Referenzen im Luftkühl-Bereich ins Wanken geraten.
Lieferumfang
Der Lieferumfang des Thermaltake Fanless 330 beinhaltet neben dem Kühlkörper die Montagematerialien für die unterstützte Grafikkarten-Schar, dreizehn RAM-Speicherkühler zum sorgfältigen Aufkleben auf die RAM-Bausteine, eine Garantiebescheinigung sowie eine Montageanleitung inklusive aufheiternder, deutscher Übersetzung. Lüfter benötigt die Kreation nicht, dafür rundet ein Tütchen Wärmeleitpaste auf Silikonbasis den Auftritt ab.
Eckdaten
- Thermaltake Fanless 330 VGA-Kühler
- Passiv-Grafikkartenkühler mit drei Radiatoren
- 106 Aluminiumlamellen, Kupferbasis
- Vierfach Heatpipe-Design (ø 6 mm)
- Abmessungen: 180 x 123,2 x 68,6 mm
- Gewicht: 260 Gramm
- Kompatibilität
- Nvidia GeForce: 5700, 5800, 5900, 5950, 6600, 6800 GT/GS, 7600 GT/GS, 7800 GTX/GT/GS, 7900 GTX/GT/GS, 8500 GT, 8600 GT, 8800 GT, 9600 GT und kompatible Serien
- AMD/ATI: Radeon X800/850, X1600, X1800 GT/XTX/XT, X1900 GT/XTX/XT, HD 2400, HD 2600, HD 3850 und kompatible Serien
- Herstellerhomepage [2]
- Vertriebe und aktuelle Preise [3]
Kurzbeschreibung
Das Passivkühlen von 3D-Beschleunigern ist in der jüngeren Vergangenheit etwas in den Schatten gerückt. Grund dafür ist vor allem die starke Zunahme des Wärmeverlustes aktueller Grafikkarten, speziell im oberen Leistungsbereich, der kaum noch auf konventionellem Wege und schon gar nicht lüfterlos zu bändigen ist. Hinzu kommt, dass es Hersteller von entsprechenden Kühllösungen aufgrund häufig wechselnder Platinenlayouts, schwankender Bohrlochabstände für die Montage und neuer VGA-Generationen nicht einfach haben, herstellerübergreifend kompatible Kühler für ein breites Feld aktueller sowie möglichst auch noch zukünftiger Grafikkarten zu konstruieren. Hier wäre aus Sicht des geringeren Entwicklungsaufwandes seitens der Hersteller, aber vor allem auch aus Sicht der Endkundenfreundlichkeit die Rückkehr auf relativ einheitliche Konzepte sehr wünschenswert. Da dies allerdings nicht gegeben ist, wartet der Thermaltake Fanless 330 mit einer etwas altertümlich klingenden Kompatibilitätsliste auf. Aktuellere Beschleuniger können natürlich auch eingesetzt werden, sofern es die Abstandsbohrungen zur Montage zulassen. So besitzt der Kühler Vorrichtungen mit den Diagonalenabständen 76 mm, 68,5 mm, 61,5 mm, 54,5 mm (jeweils vier Löcher an quadratischen Eckpositionen) sowie 55 mm (zwei Bohrungen auf rechteckiger Grundfläche).




Der Thermaltake Fanless 330 ist vom Aufbau her ein sehr interessanter Kühler. Ausgehend von einer verspiegelten Kupferbodenplatte verteilen vier 6-mm-Heatpipes die Wärme an die Passivradiatoren. Dabei setzt man vorderseitig zunächst auf einen konventionellen 180 x 78 x 17 mm Lamellenpart aus insgesamt 30 Aluminiumeinheiten, die im 2-mm-Abstand sauber zusammengefügt wurden. Die vorhandene Aussparung auf der Oberseite, welche das Thermaltake-Firmenlogo trägt, ist passgenau auf die Einlage eines 92-mm-Lüfter abgestimmt. Allerdings gibt es serienmäßig keine Befestigungsmechanismen.
Besonderheit des Fanless 330 stellen zweifelsfrei die zusätzlichen Rückenseitenkühlkörper dar, die aufgrund ihrer Formen Flügelassoziationen wecken. Sie vergrößern einerseits die effektive Passivkühlfläche, befinden sich im eingebauten Zustand aber vor allem grafikkartenrückseitig im Bereich des Prozessorkühlers und damit im durch diesen respektive durch entsprechende Gehäuse-Ventilatoren meist gut belüfteten Raum. Aufgrund der radialen Anstellung der Lamellen fügen sie sich zudem gut in eine etwaigen Konvektion ein und profitieren so lautlos von vorhandenen Belüftungsquellen.
Sowohl optisch als auch qualitativ hinterlässt der Thermaltake Fanless 330 eine sehr gute Figur. Aufgrund der farblichen Einheit wirkt er harmonisch, der Wechsel von runden und eckigen Formen bringt dagegen Dynamik und weckt das Interesse. Die materielle Abstimmung ist sehr fein gelungen, die Einzelteile wurden piekfein zu einem robusten, stilvollen Gesamtwerk miteinander verbunden.




Die Montage des Thermaltake-Sprosses gestaltet sich im Rahmen der oben genannten Kompatiblitätsfenster problemlos. Nachdem der Originalkühler entfernt und GPU sowie Speicherbausteine von etwaigen Rückständen befreit wurden, sind zunächst die passiven, mit selbstklebenden Pads ausgestatteten RAM-Blöcke anzubringen. Hierbei ist darauf zu achten, dass drei der 13 Elemente etwas flacher sind und damit im Bereich der platinenumlaufenden Heatpipes angebracht werden müssen. Im Anschluss daran werden die Haltebügel an der Unterseite des Fanless 330 montiert und mit den Abstandsbolzen entsprechend der spezifischen Bohrlochabstände versehen. Hierbei hilft die TT-Montageanleitung, welche die passenden Löcher für die jeweils unterstützten Grafikkarten tabellarisch aufzeigt. Ist dies vollbracht, kann der Kühler auf die mit Wärmeleitpaste benetzte GPU aufgesetzt und unter Verwendung der Isolierringe und der Sechskant-Muttern rückseitig handfest fixiert werden. Werkzeug ist für diesen Einsatz nicht notwendig.




Einen Schreckmoment gab es bei der Installation des Thermaltake-Boliden auf einer GeForce 8600 GT. Da die Platine der Mittelklassegrafikkarte vergleichsweise kurz ausfällt, schließt der vordere Lamellenpart fast bündig mit dem Slotblech der Karte ab. Die Flügelausläufer auf der Rückseite ragen sogar noch einige Millimeter darüber hinaus, sodass wir zunächst nicht davon ausgehen konnten, dass die so ausgestattete Grafikkarte problemlos im Gehäuse Platz finden wird. Der Versuch lies unsere Ängste allerdings verschwinden – die 8600 GT konnte haarscharf im Testgehäuse positioniert werden – hier hat Thermaltake wirklich Maßarbeit geleistet, die sich eventuell nicht in jedem am Markt vertretenen Gehäuse wiederholt. Beim Einsatz sehr kurzer Grafikkarten sollte also die Kompatibilität vor dem Kauf unbedingt geprüft werden.
Testsystem und -Verfahren
- Intel Pentium XE 840, 3,2 GHz
- Zalman CNPS 9700 Cu (@ 5 Volt)
- Intel D955XBK Mainboard
- 2x 512 MB Corsair CM2X512A-5400UL CL3
- Asus Radeon X1900 XTX
- MSI NX GeForce 8600 GT
- Maxtor 6Y080M0, 7200 U/min (entkoppelt per Zalman ZM-2HC2)
- Silverstone Strider ST06F 600 Watt (mit Papst F2GLL @ 1100 U/min)
- Thermaltake Shark (komplett gedämmt, Papst F2GLL @ 1100 U/min Gehäuselüfter)
- Wärmeleitpaste: Arctic-Cooling MX-2
- Raumtemperatur 21°C


Wir testen den Thermaltake Fanless 330 zunächst im Passivbetrieb mit einer GeForce 8600 GT von MSI. Die Mainstream-Karte wartet mit moderater Verlustleistung auf und lässt sich im oben genannten Setup bei entsprechend geeignetem VGA-Cooler adäquat kühlen. Ferner wird der Thermaltake-Spross im belüfteten Betrieb auf einer ATI/AMD Radeon X1900 XTX getestet, die zwar leistungsmäßig nicht mehr aktuell ist, im Rahmen der unterstützten Grafikkarten aber zu den heißesten gehört. Ohne Heatspreader ausgestattet, verfügt der hitzköpfige Grafikchip nur über eine kleine Kontaktfläche zu den Kühlern und stellt damit höchste Ansprüche an die Kühlhardware. Das Testverfahren sieht unterdessen einen 30-minütigen 3D-Mark-06-Loop vor, durch den das System und im Speziellen die Grafikkarte beansprucht und aufgewärmt wird. Während dieser Periode werden alle wichtigen Sensor-Parameter (Temperaturen, Drehzahlen etc.) mit dem Tool Everest [4] dokumentiert. Die Maximalwerte aus diesen Messungen ziehen wir zum Vergleich der Produkte heran.
Temperaturbetrachtungen
Passivbetrieb
Passivbetrieb auf 8600 GT
Angaben in °C
|
Unsere erste Betrachtung beschäftigt sich mit dem Passivbetrieb. Dieser ist nur bei sehr verlustleistungsarmen 3D-Chips und bei vorhandener Gehäuseentlüftung zu empfehlen. In jedem Fall sind die Temperaturen des Beschleunigers beim Einsatz eines lüfterlosen Kühlers unter Belastung im Auge zu behalten. Zum Vergleich ziehen wir mit dem NorthQ-3801 einen Passivkühler zu Rate, der das aufwändige Design früherer Kühler [5], die zu diesem Zwecke entwickelt wurden, vertritt. Hier musste man noch mit sehr viel Wärmeleitpaste arbeiten und die Einzelteile inklusive der Heatpipes mühevoll miteinander verbinden.
Dabei zeigt der Thermaltake Fanless 330, dass er diesen Methoden deutlich überlegen ist. In unserem Testsystem profitiert der Taiwaner im lüfterlosen Betrieb deutlich mehr vom vorhandenen Luftstrom und hält die GeForce 8600 GT sehr souverän auf Kurs.




Serienbelüftung <120 mm
| Kühler [Spannung] |
Leerlauf [°C] |
Auslastung [°C] |
Lärm [dB(A)] |
Test |
|---|---|---|---|---|
| Xigmatek Battle Axe 2 x 92 mm 2200 U/min |
GPU: 33 Umg: 35 VRM: 51 |
GPU: 51 Umg: 45 VRM: 66 |
43,0 | 02/08 [6] |
| Scythe Musashi 2 x 100 mm Scythe 1900 U/min |
GPU: 36 Umg: 35 VRM: 52 |
GPU: 53 Umg: 44 VRM: 69 |
36,9 | 09/08 [7] |
| AC Accelero TwinTurbo 2 x 80 mm Serie 1850 U/min |
GPU: 34 Umg: 35 VRM: 54 |
GPU: 53 Umg: 45 VRM: 72 |
41,6 | 09/08 [8] |
| Thermaltake Fanless 330 1 x 92 mm Papst N2GL 1750 U/min |
GPU: 34 Umg: 32 VRM: 48 |
GPU: 55 Umg: 46 VRM: 69 |
35,8 | 03/09 |
| AC Accelero S1 2 x 80 mm Turbo Modul 1850 U/min |
GPU: 36 Umg: 34 VRM: 54 |
GPU: 55 Umg: 45 VRM: 77 |
35,4 | 09/07 [9] |
| Xigmatek Battle Axe 2 x 92 mm 1100 U/min |
GPU: 35 Umg: 35 VRM: 55 |
GPU: 55 Umg: 46 VRM: 73 |
31,8 | 02/08 [5] |
| AC Accelero TwinTurbo 2 x 80 mm Serie 1100 U/min |
GPU: 35 Umg: 36 VRM: 58 |
GPU: 56 Umg: 49 VRM: 83 |
31,9 | 09/08 [7] |
| Thermaltake Fanless 330 1 x 92 mm Papst N2GL 1030 U/min |
GPU: 35 Umg: 34 VRM: 54 |
GPU: 57 Umg: 48 VRM: 76 |
31,8 | 03/09 |
| Scythe Musashi 2 x 100 mm Scythe 760 U/min |
GPU: 39 Umg: 38 VRM: 65 |
GPU: 62 Umg: 50 VRM: 93 |
30,5 | 09/08 [6] |
| AC Accelero S1 2 x 80 mm Turbo Modul 750 U/min |
GPU: 38 Umg: 36 VRM: 62 |
GPU: 62 Umg: 49 VRM: 94 |
30,6 | 09/07 [8] |
| Thermaltake Fanless 330 1 x 92 mm Papst N2GL 520 U/min |
GPU: 36 Umg: 36 VRM: 58 |
GPU: 64 Umg: 51 VRM: 90 |
< 30,4 | 03/09 |
| AC Accelero TwinTurbo 2 x 80 mm Serie 520 U/min |
GPU: 37 Umg: 36 VRM: 69 |
GPU: 66 Umg: 51 VRM: 105 |
30,5 | 09/08 [7] |
| Standardkühler 80 mm Radial thermogeregelt |
GPU: 50 Umg: 44 VRM: 63 |
GPU: 89 Umg: 64 VRM: 92 |
N.A. | N.A. |
„GPU“: Chiptemperatur | „Umg“: Umgebungssensor auf Platine | „VRM“: Spannungswandlertemperatur
Viele Nachrüst-Kühler für die Grafikkarte sind mit Lüftern im 92- oder 100-mm-Format ausgestattet. Um den TT Fanless 330 entsprechend platziert zu wissen, haben wir ihn mit einem 92-mm-Papst-N2GL gegen die bisherige Konkurrenz auf der Radeon X1900 XTX antreten lassen. Hier schlägt sich die einzelbelüftete Konfiguration durchaus beachtlich gegen die meist doppelt ventilierten Widersacher.
Referenzbelüftung 120 mm
Referenzbelüftung | GPU Last
Angaben in °C
|
Referenzbelüftung | VRM Last
Angaben in °C
|
Viele auf minimale Systemlautstärke bedachte Anwender setzen mittlerweile selbst bei der VGA-Belüftung auf das 120-mm-Format, schließlich sind sehr gute Lüfter dieser Bauart bereits günstig zu haben und fördern entsprechend große Luftmengen bei niedrigen Drehzahlen. In unserer Gegenüberstellung auf Basis der Radeon X1900 XTX greift der Thermaltake Fanless 330 mit Noctua-Belüftung erstmals den bis dato unangefochtenen Spitzenplatz des Arctic-Cooling Accelero S1 an. Lediglich bei den Spannungswandler-Temperaturen mit gedrosselter Drehzahl schneidet der Taiwaner etwas schlechter ab als der Schweizer Erfolgskühler.
Fazit und Empfehlungen
Mit dem Fanless 330 ist Thermaltake ein sehr guter Grafikkartenkühler auf passiver Basis gelungen. Mit einem interessanten Design ins Rennen gehend, überzeugen neben der qualitativen sowie materiellen Güte vor allem die gezeigten Leistungen im aktiv wie passiv ventilierten Betrieb. Speziell leise PC-Umsetzungen mit etwas verlustleistungsschwächeren 3D-Beschleunigern können mit dem Thermaltake-Spross lautlos gekühlt werden. Mit entsprechend zugeschalteter Belüftung im 92- oder 120-mm-Format sind gar referenzträchtige Ergebnisse erzielbar.
Schade, dass sich die Taiwaner bei den unterstützten Grafikkarten eher auf die ältere Garde fixiert haben. Damit bleibt der extravagante VGA-Nachrüstkühler für viele Anwender eher uninteressant. Nichtsdestotrotz sollte der Fanless 330 auf der Suche nach einem potenten VGA-Kühler, eine übergreifende Verfügbarkeit vorausgesetzt, in Betracht gezogen werden. Preislich bewegt sich der Spross mit knapp unter 40 Euro [2] dem gehobenen Auftritt entsprechend auch eher im oberen Bereich.




