Einleitung
Dass man als Neuling am Kühlermarkt trotz des hart umkämpften Teilnehmerfeldes durchaus Erfolg haben kann, stellte zuletzt Prolimatech mit dem Megahalems unter Beweis, der dank erstklassiger Qualität in Material und Verarbeitung sowie einem durchdachten Konzept bis ins Detail der gesamten 120-mm-Kühlerkonkurrenz die Rücklichter zeigen konnte. Einen ähnlich fulminanten Auftritt erhofft sich nun die koreanische Schmiede Thermolab mit ihrem Aushängeschild, dem Baram. Wir untersuchen, ob dem Neuling der Sprung an die Spitze gelingen kann.
Lieferumfang
Der Thermolab Baram wird ohne Serienbelüftung ausgeliefert. Dem Anwender steht daher eine Spezialisierung der Konstruktion gemäß der eigenen Vorstellungen frei. Mit zum Lieferumfang gehören hingegen die Montageutensilien zur rückplattenbasierenden Kühleranbringung auf AMD- sowie Intel-Plattformen, entsprechendes Isoliermaterial, eine großzügige Spritze Wärmeleitpaste und eine ausführlich bebilderte Installationsanleitung in englischer Sprache. Abgerundet wird das Angebot von vier Drahtbügeln zur Anbringung von bis zu zwei optionalen 120-mm-Lüftern.
Technische Eckpunkte
- Symmetrischer Hybrid-Towerkühler im 120-mm-Design
- 54 Aluminiumlamellen, vernickelter Cu-Boden
- Lamellenabstand: ca. 1,9 mm
- Fünf Ø 6-mm-U-Heatpipes
- Wellenförmiger Lamellenschnitt
- Abmessungen: 132 x 68 x 161 mm (L x B x H)
- Gewicht: 644 Gramm
- Optional bis zu zwei 120-mm-Lüfter
- Kompatibilität:
- AMD AM2/+, AM3 per Rückplattenverschraubung
- Intel 775, 1366 per Rückplattenverschraubung
- Montagehinweis [1]
- Herstellerhomepage [2]
- Preis und Vertrieb: z.B. PC-Cooling [3] (39,90 Euro)
Kühler im Detail
Thermolab orientiert sich beim Baram an den seit Jahren etablierten, erfolgreichen 120-mm-Towerformen der Konkurrenz. Sich charakteristisch abhebend, setzt man allerdings auf einen eng gestaffelten Aluminiumradiator mit wellenförmiger, versetzter Lamellenform. Dies soll die auftreffenden Luftmassen trotz des geringen Lamellenabstandes von ca. 1,9 Millimetern verlustarm passieren lassen. Fünf 6-mm-Heatpipes sorgen in bekannter U-Aufbiegung für den nötigen Wärmeabtransport aus CPU-nahen Regionen, wobei die Energie durch den versetzten Verlauf schneller an die 54 Leichtmetalllamellen weitergegeben werden soll.
Die Qualität des Thermolab Baram ist ordentlich, allerdings in puncto Materialgüte, Konstruktionsrobustheit und Detailfeinheit nicht ganz auf dem Niveau eines Megahalems oder eines Noctua-Machwerkes, wohl aber auf Augenhöhe der preislich ähnlich angesiedelten Konkurrenz von Scythe (Mugen 2), EKL (Brocken) oder Xigmatek (Thor's Hammer). Wie mittlerweile üblich, schützt auch Thermolab die kupferne, eben gehaltene Bodenplatte durch eine Nickelbeschichtung vor Korrosion.
Bedingt durch die schmale Bauart, die daraus resultierend geringe Kühlfläche und den engen Lamellenabstand sollte man mit dem Baram keine Spitzenleistungen im passiven oder semipassiven Kühlmodus erwarten. Vielmehr scheint der Thermolab-Spross auf etwas drehzahlstärkere Belüftung ausgelegt zu sein. In jedem Fall sollte der Kühler aber mit einer entsprechenden 120-mm-Belüftung betrieben werden. Thermolab legt hierzu vier knackig sitzende Drahtbügel bei, mit deren Hilfe bis zu zwei 120-mm-Ventilatoren sicher am symmetrischen Kühlkörper fixiert werden können.
Eine Doppelbelüftung ist unserer Meinung nach nur in wenigen praktischen Situationen wirklich sinnvoll, denn zwei Lüfter bedeuten neben der Verdoppelung der Lärmquellen auch einen doppelten Kostenfaktor bei in der Regel nur sehr geringen Verbesserungen der Kühlleistungen. Im Einzelfall kann es mit dem Baram lediglich sinnvoll sein, zwei sehr drehschwache Modelle zu kombinieren. Der leistungsverbessernde Effekt eines zweiten Lüfters beträgt meist aber deutlich weniger als fünf Prozent, weshalb wir den einfachen Ventilationsbetrieb anraten.
Montagebesonderheiten
Thermolabs Baram ist sowohl auf den aktuellen AMD- als auch Intel-Sockeln zuhause. Die Fixierung des mit unter 650 Gramm vergleichsweise leichten Riesens erfolgt dabei standesgemäß mit Hilfe einer massiven Multisockel-Rückplatte. Äußerst erfreulich: Thermolab hat es als einer der wenigen Hersteller geschafft, eine Montageform zu kreieren, die eine zur Gehäuserückwand blasende Montagerichtung auch auf den AMD-Sockeln ermöglicht. Die meisten Kontrahenten lassen sich lediglich auf den symmetrischen Intel-Plattformen entsprechend dieser leistungsstärksten Formation montieren. Ebenfalls klasse: Der Hersteller legt von den leicht zu verlierenden Montage-Kleinteilen jeweils ein zusätzliches Exemplar bei.
Beim Anbringen des Kühlers ist darauf zu achten, dass die vier am Kühlkörper zu fixierenden Metallbügel richtig herum angeschraubt werden. Ferner ist beim Einsatz der entsprechenden Isoliermaterialien (Unterlegscheiben, Isolierpad) streng nach Anleitung vorzugehen, da es ansonsten zu gefährlichen Kurzschlüssen respektive zu leistungsmindernden, zu geringen Anpresskräften des Kühlers auf die CPU kommen kann. Das finale Verbinden des Baram mit der Rückplattenkonstruktion erfolgt handfest per Daumenmuttern. Hierbei ist in gewohnter Manier wechselseitig anziehend vorzugehen. Mit einer Bauhöhe von 161 Millimetern passt die Thermolab-Konstruktion nicht in jedes schmale PC-Gehäuse.
Testsystem
Taktgeber unserer aktuellen, realen Messplattform ist Intels Core i7 920 „Bloomfield“ [4]. Die beliebte Quad-Core-CPU generiert im Standardmodus (2,66 GHz, 1,2 Volt V-Core) laut Datenblatt 130 Watt bei voller Auslastung und liegt damit auf dem Niveau unseres Vorgänger-Prozessors, dem Intel Core 2 Extreme QX6700 „Kentsfield“ (2,66 GHZ, 1,35 Volt V-Core). Als Hauptplatine kommt dazu passend Intels DX58SO „Smackover“ zum Einsatz, das wir ebenfalls bereits im Bericht [5] zum Intel Core i7 vorgestellt haben.
Als passendes Gehäuse für die Testzusammenstellung im geschlossenen, stehenden ATX-System stellt uns Caseking mit dem Silverstone TJ-09S [6] eine räumlich üppig dimensionierte Basis zur Verfügung. Neben dem großzügigen Platzangebot ist dabei vor allem die Position des Netzteils am Gehäuseboden entscheidend für faire Testbedingungen, da der Lüfter unseres 650-Watt starken Lian-Li-Silent-Force-Netzteils dort keine mitbelüftende Wirkung auf die Prozessorkühler entfalten kann. So arbeitet als einziger Gehäuselüfter mit dem Scythe-S-Flex 800 ein leises 120-mm-Modell rückseitig ausblasend und unterstützt die CPU-Kühlung in den aktiven sowie semipassiven Testmodi.
Damit sind die wichtigsten Eckpfeiler des Systems, das sich in der Gesamtübersicht wie folgt darstellt, zunächst umrissen:
- Intel Core i7 920 „Bloomfield“ (4 x 2,66 GHz)
- Intel DX58SO „Smackover“ Motherboard
- 3 x 2 GByte OCZ DDR3-1066 XTC Platinum
- Asus ATI Radeon X850 XT (gekühlt per Zalman VF-900Cu)
- Lian Li Silent Force 650 Netzteil (mit 140-mm-Belüftung)
- Silverstone TemJin-SST-TJ09S Gehäuse (Gehäuselüfter: Scythe S-Flex 800)
- Samsung SpinPoint F1 HD322HJ HDD
- Wärmeleitpaste: Arctic-Cooling MX-2
- Raumtemperatur: 23°C
Achtung! Die Temperatur-Messergebnisse sind mitunter recht stark an die verwendete Testplattform geknüpft und können je nach Konfiguration erheblich abweichen. Sie sollten nur als Orientierung und grobe Tendenz, nicht allerdings als absolut angesehen werden.
Die Messung der Lautstärke erfolgt im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers (der Lüfter wird von einem Passivnetzteil gespeist) im 40-cm-Abstand mit einem Voltcraft-320-Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Ab dieser Schwelle kann das vom Kühler emittierte Geräusch nicht mehr vom Messgerät aufgelöst werden. Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht respektive kaum mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich bis sehr deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der sehr störende Bereich.
Ferner werden von uns die vom Lüfter erzeugten Windgeschwindigkeiten mit einem Anemometer gemessen und die maximale Geschwindigkeit als Indikator für den Volumendurchsatz angegeben. Aus diesem Wert lassen sich Rückschlüsse über das vom Lüfter generierte Luftfördervolumen gewinnen.
Testablauf und -Modi
Um ein möglichst aussagekräftiges Bild über die Kühleigenschaften des Probanden zu erhalten, testen wir die jeweiligen Kühler in verschiedenen CPU-Modi, die aufgrund unterschiedlicher Taktraten und Arbeitsspannungen sowie Gehäusebelüftungsintensitäten manigfaltige Aufgaben an die jeweiligen Produkte richten. Während beispielsweise im „Standardmodus“ die Ansprüche an einen Retailkühler noch relativ vertretbar sind, können nur wenige Top-Kühler den Anforderungen im „Performancemodus“ bei geringer Aktivdrehzahl standhalten. Ergänzt wird die Übersicht vom „Semipassivtest“, bei welchem der CPU-Lüfter deaktiviert und lediglich die Belüftungshilfe vom einzigen Gehäuselüfter bei verschiedenen Drehzahlen gewährleistet wird. Die einzelnen Testmodi stellen sich wie folgt dar:
| Modus | Standard | Performance | Passiv 1 | Passiv 2 |
|---|---|---|---|---|
| Belüftung | Aktiv | Aktiv | Semipassiv | Semipassiv |
| CPU Takt | 2,66 GHz | 3,4 GHz | 2,66 GHz | 2,66 GHz |
| V-Core (BIOS) | 1,2 V | 1,4 V | 1,0 V | 1,0 V |
| V-Core (Real) | 1,08 V | 1,35 V | 0,94 V | 0,94 V |
| Gehäuselüfter | 840 U/min | 840 U/min | 840 U/min | 510 U/min |
Abseits davon greifen wir, in Analogie zu unseren Prozessortests, zur Auslastung der CPU auf Prime95 [7] zurück, das in acht Instanzen des SmallFFT-Tests laufend zur höchsten Heizauslastung der Core i7-Test-CPU führt. Dabei geht jedem etwa halbstündigen Messlauf bis zum thermischen Gleichgewicht eine Aufwärmphase von 45 Minuten voraus. In diesen werden die Systemtemperaturen vom Diagnosetool Everest dokumentiert, wobei zur Bewertung das Mittel der Kerntemperaturmaxima über den gesamten Testlauf genutzt wird.
Performancevergleich
Traditionell nutzen wir zur Leistungsbewertung unserer Test-Probanden Referenzlüfter verschiedener Leistungsklassen, um die Rohperformance der Kühler bei vergleichbaren Bedingungen und Belüftungen gegenüber zu stellen. Für CPU-Kühler im 120-mm-Format kommen folgende drei Referenzlüfter zum Einsatz.
Da der Thermolab Baram ohne Serienbelüftung ausgeliefert wird, beschränken sich unsere Leistungstests auf jene mit den Referenzlüftern.
Referenzbelüftung
Semipassivmodus mit Gehäuselüfter
Angaben in °C
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Passiv kann der Baram nicht auftrumpfen. Der enge Lamellenabstand und der schmale Radiator lassen nur wenig Reserven für indirekten Belüftungsbetrieb. Lediglich für sehr verlustleistungsarme Prozessoren kann man unter Umständen einen semipassiven Betrieb mit dem Thermolab-Kühler erproben.
Standardmodus mit Referenzlüftern
Angaben in °C
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Im nicht übertakteten Standardmodus unterstreicht der Baram unsere These, er sei auf höheren Luftdurchsatz hin konzipiert. Problemlos mit den Top-Kühlern des Marktes mithaltend, kann er speziell mit dem 1860-U/min-starken Scythe-S-Flex ordentlich auftrumpfen, während im Silent-Bereich die Konkurrenz noch leicht die Nase vorn hat.
Performancemodus mit Referenzlüftern
Angaben in °C
|
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch im Performancemodus mit übertakteter CPU. Je stärker der Luftdurchsatz, desto besser kommt der Thermolab-Spross in Fahrt. Insgesamt verdient seine Kühlleistung das Prädikat „sehr gut“.
Fazit
Mit dem Baram gelingt Thermolab ein mehr als nur solider Einstieg ins High-End-Kühlergeschäft. Der schicke 120-mm-Towerhybrid überzeugt mit ordentlicher Qualität sowie sehr guter Kühlperformance auch auf übertakteten Prozessoren. Dabei sollte man dem lüfterlos ausgelieferten Koreaner allerdings stets einen durchsatzstarken Ventilator zur Seite stellen, damit er seine ganze Klasse ausspielen kann. Für den semipassiven oder gar komplett passiven Betrieb ist der Baram dagegen nicht geeignet. Eine überzeugende Umsetzung ist den Thermolab-Entwicklern bei der Montage gelungen, die nicht nur auf allen AMD- und Intelplattformen per sicherer Rückplatten-Verschraubung von statten geht, sondern selbst auf AMD-Motherboards eine ideale Kühlerausrichtung erlaubt. Damit dürfte der Baram vor allem für AMD-Anwender von großem Interesse sein.
Doch nicht nur Besitzer von AMD-CPUs werden mit dem Baram ihre Freude haben, auch auf Intel-CPUs macht der Thermolab-Spross eine vorzügliche Figur und reiht sich munter in die Riege der Top-Towerkühler ein. Mit einem fairen Anschaffungspreis von unter 40 Euro [8] hat der Neuling somit gute Chancen, viele Anhänger zu finden.
Nützliche Links
- Empfohlener Vertrieb [9]
- Thermolab-Herstellerhomepage [1]
- ComputerBase-Kühlertestsystem vorgestellt [10]
- Preisvergleich und Kundenmeinungen [11]
Weitere Empfehlungen
- Towerkühler
- EKL Alpenföhn Brocken [12] (sehr hohe Performance, inkl. Lüfter, vergleichsweise günstig)
- Xigmatek Thors Hammer [13] (sehr hohe Leistung, lüfterlose Lieferung, vielseitig einsetzbar)
- Scythe Mugen 2 [14] (sehr hohe Leistung, vielseitig einsetzbar, sehr groß)
- Noctua NH-U12P [15] (hohe Leistung, super Gesamtpaket, leise, etwas teuer)
- Thermaltake V14 Pro [16] (hohe Leistung, extravagantes Design, vollkupfern, teuer, Lüfter nicht wechselbar)
- OCZ Vendetta 2 [17] (hohe Kühlleistung, günstig, groß)
- Top-Blow-Kühler
- Enzotech Ultra-X [18] (hohe Leistung als Top-Blow-Kühler, sichere Montage, etwas laut, teuer)
- Noctua NH-C12P [19] (hohe Leistung als Top-Blow-Kühler, super Gesamtpaket, etwas teuer)
- AVC Black Samurai [20] (hohe Leistung, LGA 1366 Support, mühsame Montage)





















