Einleitung
Bislang ist Xigmatek in erster Linie für leistungsfähige Prozessor- und Grafikkartenkühler bekannt. Nun versucht sich der Hersteller, der die Namensgebung seiner Produkte stets an die germanische Mythologie anlehnt, auf dem Gebiet der mittelpreisigen Computergehäuse. Und soviel sei schon vorweg gesagt, dieser Einstand geschieht in der Tat sehr eindrucksvoll. Das ansprechende Design und die gelungenen Übergänge zwischen Front und Deckel geben ein rundes Bild. Welche Überraschungen auf den Käufer warten, werden wir in unserem Test herausfinden.
An dieser Stelle geht unser Dank für die Bereitstellung des Samples an den Online-Händler Caseking aus Berlin. Dort kann das Xigmatek Midgard für etwa 60 Euro [1] erworben werden. Auch diverse Kombinationen des Gehäuses mit Lüftersets, Netzteilen und dem bekannten Xigmatek-Prozessorkühler „Dark Knight“ sind erhältlich.
Lieferumfang und Daten
- Material: Außenhülle Kombination aus Stahl und Kunststoff, Chassis Stahl
- Abmessungen ca. 478 x 210 x 510 mm (H x B x T)
- Gewicht: etwa 9,28 kg
- fünf 5,25"-Front-Laufwerkschächte (wahlweise vier 5,25"- und ein 3,5"-Laufwerkschacht)
- fünf Schächte für 3,5"-Festplatten
- jeweils ein 120-mm-LED-Lüfter in der Front und an der Rückseite (1.050 U/min mit Drehzahlüberwachung)
- Mainboard-Formfaktoren: ATX und Micro-ATX
- zwei USB-, ein eSATA- und zwei Audioanschlüsse in der Front
Neben den üblichen Schrauben (komplett in Schwarz) und einer Anleitung gehören drei Einschraubhalterungen zur vereinfachten Kabelführung, ein Potentiometer zur Regelung von bis zu drei Gehäuselüftern, der hardwareseitige Lautsprecher und zwei Gummidurchführungen für eine externe Wasserkühlung zum Lieferumfang des Gehäuses.
Ausstattung außen
Mit dem Midgard wagt Xigmatek einen ersten Schritt in die Gehäusesparte und wählt dabei ein Design, welches ansprechend schlicht wirkt und eine breite Käufermasse ansprechen dürfte. Bei dem aggressiven Preis von rund 60 Euro macht es sich nicht nur auf dem Schreibtisch sondern auch im Portemonnaie gut. In der Front befinden sich fünf herausnehmbare Blenden, die jeweils von innen mit einer millimeterstarken Schaumstoffschicht ausgestattet sind, die als Staubfilter dient. Nimmt man die Front vom Chassis ab, findet man die typischen vorausgestanzten Abdeckungen der Erweiterungsschächte. Der Clou dabei ist: Im Gegensatz zu den meisten anderen Gehäusen (nicht nur in dieser Preisklasse) lassen sich die Abdeckungen, wenn verbaute Laufwerke nicht mehr genutzt werden, wieder anschrauben. Der großzügig dimensionierte 120-mm-LED-Lüfter in der Front verrichtet seine Arbeit zuverlässig und saugt die frische Luft durch ein sauber gearbeitetes Lochblech in das Innere des Gehäuses.




Die Mesh-Optik der Front setzt sich auf dem gesamten Deckel des Midgard weiter fort. Lediglich unterbrochen durch die Oberkante der Front und die hochwertigen Power- und Resetschalter, in deren Mitte sich die üblichen LEDs für Power und die Festplattenaktivität befinden, ergibt sich ein stimmiges Bild. Optional lassen sich darunter wahlweise zwei 120- oder 140-mm-Lüfter anbringen, um die aufsteigende Wärme zügiger aus dem Gehäuse zu befördern. Für die Befestigung der Lüfter lässt sich der Deckel binnen Sekunden und ohne Werkzeug abnehmen. Schade ist, dass zwischen Deckel und Chassis weder Lüfter noch ein Radiator für eine Wasserkühlung passen. Der Grund dafür liegt an dem geringen Abstand zwischen Deckel und Chassis von nur 20 mm.
Auf der Rückseite bietet sich das beinahe schon gewohnte Bild mit dem unten angebrachten Netzteil und den typischen Schlauchdurchführungen zum Betrieb einer externen Wasserkühlung. Allerdings sind insgesamt vier vorgefertigte Durchführungen zu finden, welche an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden können. Auch farblich wird der Kunde auf der Rückseite positiv überrascht: Das gesamte Chassis ist, sowohl von innen als auch von außen, komplett matt-schwarz lackiert.




An der linken Außenwand lassen sich wahlweise zwei 120- oder 140-mm-Lüfter verbauen. An einer Öffnung bietet sich zusätzlich gar die Option einen 80- oder 92-mm-Lüfter unterzubringen. Die rechte Außenwand bietet bereits hinter dem Mainboard eine Lüftungsmöglichkeit, falls ein CPU-Kühler mit einer Backplatte verwendet wird. Hinter dem Festplattenkäfig gibt es eine weitere Öffnung, um die verbauten Speichermedien zusätzlich zum Lüfter in der Front mit Frischluft zu versorgen.




Insgesamt ist das Midgard ausgesprochen gut verarbeitet, gefällt von der ersten Sekunde an und bietet bereits von außen ein ungewöhnlich hohes Ausstattungsniveau. Die Front lässt sich mit etwas Fingerspitzengefühl leicht entfernen und die Seitenwände aus 0,8 mm dickem Stahl rasten sehr fest am Chassis ein.
Ausstattung innen
Öffnet man das Xigmatek Midgard, kann man sich beim Anblick des komplett matt-schwarz lackierten Innenraums, abgesetzt durch einige orange Elemente, ein leichtes Grinsen nicht verkneifen, denn die Optik ist für ein Gehäuse dieser Preisklasse schlichtweg beeindruckend! Auch die Liste der Ausstattungsmerkmale ist lang.
Zunächst fällt das unten angebrachte Netzteil, welches seine Frischluft durch einen Staubfilter an der Unterseite des Gehäuses bezieht und schwingungsgedämpft befestigt ist, ins Auge. Davor kann optional ein weiterer 120- oder 140-mm-Lüfter angebracht werden, um kühle Luft von außen in den Innenraum des Midgards zu befördern. Erweiterungskarten lassen sich zur Freude des Käufers werkzeuglos über eine Mechanik befestigen und werden zuverlässig in ihrer Position gehalten. Der Festplattenkäfig bildet eine Linie mit der Aufnahme für die 5,25"-Laufwerke. Jede der fünf 3,5"-Festplattenhalterungen, an denen die Speichermedien mit Hilfe von vier Schrauben und Gummiösen vibrationsentkoppelt befestigt werden, lässt sich im Handumdrehen in den Festplattenkäfig einschieben und wieder entfernen. Leider geht der großzügige Platz für fünf Festplatten auf Kosten des Luftstroms von dem 120-mm-LED-Lüfter in der Front.



Alle Laufwerke in der Front lassen sich erfreulicherweise werkzeuglos einbauen. Auf Grund des intelligenten Kabelmanagementsystems können alle Kabel hinter dem Mainboardtray verlegt werden. Sollte der Platz zwischen rechter Außenwand und Mainboardtray zu gering sein, kann mit Hilfe der drei beiliegenden Kabelhalterungen für Ordnung gesorgt werden. Außerdem ist eine großzügige Aussparung für CPU-Kühler, die auf eine Backplatte zurückgreifen, vorhanden.




Erfahrungen
Betrachtet man die harten Fakten rund um die Ausstattung des Xigmatek Midgard, zeichnet sich ab, was sich beim Umgang mit diesem Gehäuse bestätigt: Der Einbau der Hardware gestaltet sich weitestgehend unproblematisch. Alle Komponenten finden im Innenraum genügend Platz und werden mit den werkzeuglosen Systemen zuverlässig in ihrer Position gehalten. Zum Verlegen der Kabel ist bereits hinter dem Mainboardtray ausreichend Stauraum, sodass in der Regel gar nicht auf die beiliegenden Kabelführungen zurückgegriffen werden muss. Auch von außen gibt das Midgard ein stimmiges Bild ab und alle Anbauteile, wie die Seitenwände, der Deckel oder die Front rasten fest ein. Die weiß beleuchteten orangefarbenen Lüfter runden das Erscheinungsbild gelungen ab.
Schade ist, dass die vorinstallierten Lüfter nicht von Haus aus vibrationsentkoppelt befestigt sind. Um den Luftstrom im Innenraum zu optimieren sollte zusätzlich zu den vorhandenen Lüftern noch einer in die vorhandene Öffnung vor dem Netzteil installiert werden. Dieser befördert dann weitere kalte Luft von der Unterseite des Gehäuses in den Innenraum und ermöglicht es die empfindlichen Komponenten besser zu kühlen.




Äußerst positiv hervorzuheben ist an dieser Stelle noch die im Lieferumfang enthaltene Lüftersteuerung, mit der sich die vorinstallierten Lüfter bequem herunterregeln lassen. Somit ist sichergestellt, dass hohe Lüfterdrehzahlen nur dann zum Einsatz kommen, wenn sie auch benötigt werden. Insgesamt ein nettes Extra, was man (besonders in dieser Preisklasse) sehr selten als Ausstattungsmerkmal findet.
Abschließend kann sich ein Gehäuse durch sein Platzangebot im Innenraum auszeichnen, speziell wenn es dabei um die Möglichkeit geht, aktuelle Grafikkarten zu verbauen. Bei diesem Testkriterium verschafft sich das Midgard die aktuelle Spitzenposition mit beeindruckenden 30,5-cm.
Länge aktueller Grafikkarten
Angaben in Zentimeter (cm)
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Testsystem im Betrieb
Das Testsystem im Detail:
- Intel Core 2 Duo E6600 mit Zalman CNPS 9500AT
- Asus P5Q-VM (P45)
- 4 x 1024 MB Corsair XMS2 DDR2-800
- Zotac GTX 260 AMP²!
- 2 x 640 GB WD6400AACS-00G8B1 ATA
- be Quiet! Dark Power Pro 450
Die Temperaturen wurden gemessen während das System den 3DMark05 als Dauerschleife ausführte. Die Lautstärkemessungen wurden ein weiteres Mal rein subjektiv durchgeführt und sind deshalb anstatt in einer Dezibelskala in diesem Test ausnahmsweise in Schulnoten von 1 (unhörbar) bis 6 (extrem störend) angegeben – in zukünftigen Tests werden wir wieder ausschließlich auf echte Messwerte setzen.
Bei rund 530 U/min sind beide Lüfter sehr leise und es ist lediglich noch ein leichtes Klackern der Lager wahrzunehmen. Im Bereich um 750 U/min, was etwa 7 V entspricht, fallen sie bereits stärker, allerdings noch nicht störend auf. Hier ist neben dem Klackern auch noch ein Brummen wahrzunehmen. Betreibt man die mitgelieferten Lüfter auf 12 V, kann man ein sehr deutliches Brummen und das Klackern der Lager hören. Diese Geräuschkulisse hält sich allerdings in Grenzen, wenngleich man zumindest einen Meter vom Xigmatek Midgard entfernt sitzen sollte, um seine Ruhe zu haben. Selbst im Betrieb bei 12 V bewegen die Lüfter leider nicht sonderlich viel Luft durch das Gehäuse. Im Frontbereich wird der Luftstrom durch den Festplattenkäfig gemindert, wenn auch nicht gänzlich unterbunden. Der Lüfter an der Rückseite sorgt dafür, die warme Luft zügig aus dem Innenraum zu transportieren.
Lautstärke
Angaben in Schulnoten
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Auch in puncto Temperaturen braucht sich das Midgard nicht hinter anderen Gehäusen seiner Klasse zu verstecken. Es macht durchweg einen positiven Eindruck. Allerdings fällt auf, dass der Unterschied zwischen dem Silent- und Normalbetrieb nicht sonderlich groß ist.
Systemtemperaturen
Angaben in °C
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Modifikationsmöglichkeiten
Silent System
Wer neben dem Spielen auch häufig am Computer arbeitet, sich dabei konzentrieren muss und seine Ruhe benötigt, sollte darüber nachdenken, sein System extrem leise zu gestalten. Zwar kommt dabei schnell der Gedanke an eine Wasserkühlung mit langsam drehenden Lüftern, im Fall des Xigmatek Midgard gestaltet sich der Einbau einer internen Wasserkühlung allerdings sehr schwierig. So wäre im Frontbereich, vorausgesetzt es werden nicht alle der fünf 5,25“-Schächte benötigt, zwar ausreichend Platz um etwa eine Pumpe mit Ausgleichsbehälter zu verstauen, allerdings kann es schwierig werden einen großzügig dimensionierten Radiator unterzubringen. Weder zwischen Chassis und Deckel, noch zwischen Chassis und Mainboard ist genügend Raum, um einen Dualradiator bzw. einen Dualradiator inklusive Lüfter anzubringen. Allerdings kann die Fläche vor dem Netzteil sowie der Bereich des 120-mm-LED-Lüfter an der Rückwand genutzt werden, um zwei einzelne Radiatoren einzubauen.
Die Voraussetzungen zum Dämmen des Midgard sind ebenfalls nicht gerade ideal. Viele kleine Unebenheiten und Unterbrechungen der Flächen an Chassis und Seitenwänden erschweren das Anbringen von Dämmmaterialien. Wer allerdings nicht alle Öffnungen an diesem Gehäuse benötigt, um auch jeweils einen Lüfter anzubringen, kann diese getrost überkleben. Alternativ kann z.B. auf eine Kombination des Gehäuses mit zusätzlichen Lüftern [2] zurückgegriffen werden.
Da das Midgard ausreichend Möglichkeiten bietet nahezu alle verbauten Komponenten mit frischer Luft von außen zu versorgen, eignet es sich hervorragend, um Prozessor, Grafikkarte und Co. passiv zu kühlen. Ein erster Schritt sollte es sein, alle Lüfter im Gehäuse mit Vibrationsentkopplern auszustatten, sodass keine Schwingungen mehr an das Chassis oder ggf. an die Seitenwände übertragen werden. Da die Seitenwände sehr fest am Chassis einrasten, das Midgard von Natur aus auch genügend Masse (etwa 9,28 kg) mitbringt und es zusätzlich noch auf dämpfenden Füßen steht, sollte Vibrationen, die sich vom Innenraum an die Umgebung übertragen, vorgesorgt sein.
Werden die vorinstallierten Lüfter auf 7 V oder darunter geregelt, sind sie sehr leise. Einzig ein leichtes Klackern der Lager ist noch wahrzunehmen. Das Netzteil und die Festplatten sind vibrationsgedämpft bzw. -entkoppelt gelagert und somit weitestgehend ruhig gestellt. Einem sehr leisen System steht von Seiten des Gehäuses aus also nichts im Wege!
Optische Änderungen
Für Käufer, die ihre Hardware gern auch bei geschlossenem Gehäuse präsentieren möchten, kommt auch bei diesem Gehäuse ein Seitenfenster in Frage. Mit ein wenig handwerklichem Geschick, dem nötigen Werkzeug und einer Plexiglasscheibe kommt der matt-schwarze Innenraum des Midgard binnen weniger Stunden zur Geltung. Eine zusätzliche Kaltlichtkathode in der eigenen Wunschfarbe sorgt für ausreichende Beleuchtung am Abend und in der Nacht. Der Personenkreis, dem das nötige handwerkliche Geschick nicht gegeben ist ein Seitenfenster anzubringen, kann alternativ auf die Edition Xigmatek Midgard Midi Tower - Black Window [3] für rund 70 € zurückgreifen.
Gut vorstellbar wäre auch ein etwas anderer Lack. Als Kontrast zu dem gut verarbeiteten Schwarz könnte etwa weiß in Frage kommen. So können die Blenden der 5,25"-Schächte, das Gitter des 120-mm-LED-Lüfter in der Front und das Gitter am Deckel zunächst sandgestrahlt bzw. abgeschliffen und anschließend in Weiß lackiert werden. Mit etwas Übung und bei sorgfältiger Arbeit kann dies Wunder bewirken und das Xigmatek Midgard wird zu einem echten Unikat. Denkbar wäre auch Orange, passend zu einigen Elementen des Innenraums.
Für Käufer, die die Mesh-Optik im Deckel und seine Funktionalität nicht benötigen, könnte auch dort ein weiteres Fenster interessant sein. Der handwerkliche Aufwand dafür wäre sogar bedeutend geringer als jener, um ein Fenster in die Seitenwand einzubauen. Steht das Gehäuse nicht auf, sondern neben dem Schreibtisch, wäre das Fenster im Deckel sogar die bessere Lösung. Allerdings ist zu beachten, dass hierbei die Entlüftungsmöglichkeit durch den Deckel verloren geht (vorausgesetzt es wird nicht zusätzlich noch eine Öffnung für einen Lüfter eingeplant).
Wird, wie bereits im Abschnitt „Ausstattung innen“ angesprochen, ein CPU-Kühler verwendet, der auf eine Backplatte zurückgreift, kann diese durch einen zusätzlichen Lüfter in der rechten Außenwand gekühlt werden.
Fazit
Das Xigmatek Midgard bietet ein hohes Ausstattungsniveau zu günstigen Konditionen. Bei der hervorragenden Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen und das optische Erscheinungsbild überzeugt bereits im nicht-modifizierten Zustand auf voller Linie. Einzig die nicht so hochwertigen Lager der vorinstallierten Lüfter geben Anlass zur Kritik. Rechnet man allerdings den Preis von rund 60 € mit ein, kann über solch' marginale Schönheitsfehler bedenkenlos hinweg gesehen werden.
Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle nochmals der matt-schwarz lackierte Innenraum. Dort findet man bei vielen anderen Gehäusen dieser Klasse lediglich das typische Stahlgrau. Deshalb und aus den anderen genannten Gründen erhält auch das Midgard unsere uneingeschränkte Empfehlung!
Tagesaktuelle Preise und Verfügbarkeiten:


